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Eine ältere Frau und ein älterer Mann werden von einer Schwester beim Spaziergang im Park begleitet

Menschen mit Demenz in der Arztpraxis - die besondere Situation der pflegenden Angehörigen

Angehörige spielen in der Begleitung und Behandlung von Menschen mit Demenzerkrankungen eine ganz besondere Rolle. Sie sind dem Erkrankten oft sehr eng verbunden, manchmal mehr als ihnen selbst lieb ist. Im Praxisalltag erleben wir sie schnell als störend in ihrer Beharrlichkeit und Überforderung. Ihre Fragen halten uns nur auf, schließlich sind sie ja nicht der Patient bzw. die Patientin. Als Pflegende und Betreuende eines Menschen mit einer Demenzerkrankung sind sie aber in einer ganz besonderen Weise belastet. Tag und Nacht und oft pausenlos sind sie mit den kognitiven Defiziten und der sich verändernden Persönlichkeit  konfrontiert. Im Medizinalltag übersehen wir schnell, dass die Grenzen der häuslichen Versorgung nicht in der medizintechnischen Begrenztheit des heimischen Wohn- oder Schlafzimmers liegen.

So schleichend wie die Erkrankung verläuft, so schleichend geraten Angehörige in eine Betreuungs- und Pflegesituation. In den meisten Fällen ist es keine bewusste Entscheidung. Zu Beginn sind vielen Angehörigen die Dimensionen dieser Aufgabe noch nicht bewusst, es ist selbstverständlich und vielleicht Ausdruck einer guten und innigen Verbundenheit zum Partner oder zu den Eltern. Dankbarkeit und Wiedergutmachungswünsche aber auch das Gefühl einer moralischen Verpflichtung können eine große Rolle spielen. Manch einem mag diese neue Situation auch zur eigenen Lebensstrukturierung und Sinngebung dienen. Für viele Familien bieten sich wirtschaftlich bedingt keine Alternativen. Aus Scham vor den Nachbarn oder der Familie über das veränderte Verhalten des Erkrankten ziehen sie sich zurück.

Nur mit diesem Verständnis können wir nach den richtigen Angeboten für eine Familie suchen und begreifen, warum sich eine offensichtlich völlig überforderte Angehörige nicht auf den vermeintlich gut gemeinten Vorschlag zum Besuch einer Tagespflegeeinrichtung einlassen kann. Ihr Mann verließe sie noch ein Stückchen mehr. Nicht alle Menschen empfinden dieselben Aspekte als belastend. Ob etwas als Belastung erlebt wird, ergibt sich aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Neben der Art der Erkrankung spielen hier die (psychische) Gesundheit des Pflegenden, seine Persönlichkeit, sein Motiv, eigene Lebensziele aber auch die Qualität und die Gestaltung der Beziehung vor der Erkrankung sowie soziale Aspekte eine große Rolle. Doch als Ärztin oder Arzt wissen wir, dass das Wohlbefinden unseres Patienten ganz entscheidend vom Wohlbefinden des unmittelbaren Angehörigen abhängig ist. Darum ist es unsere Aufgabe, nicht nur auf die Gesundheit des Patienten sondern auch in entscheidendem Maß auf die der Angehörigen zu achten.

Um dieser Aufgabe gewachsen zu sein, müssen Angehörige frühzeitig über den Charakter und die Behandlungsmöglichkeiten einer Demenzerkrankung aufgeklärt werden und das nicht nur einmal sondern immer wieder. Sie sind wertvolle Partner in der Behandlung, wenn sie ihre Möglichkeiten und Grenzen nutzen und anerkennen.

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