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Eine ältere Frau und ein älterer Mann werden von einer Schwester beim Spaziergang im Park begleitet

Menschen mit Demenz in der Arztpraxis – Tipps für den Alltag

Die Anzahl von Menschen mit kognitiven Einschränkungen in den Praxen wächst stetig. Meist handelt es sich um ältere oder hochbetagte Menschen. Ihre Behandlung erfordert zwei sehr knappe Ressourcen - Geduld und Zeit. Nicht nur der Patient sondern auch die Angehörigen verlangen Ihre ganze Aufmerksamkeit. Dies kann den Ablauf schnell durcheinander bringen, denn auch die anderen Patienten verlangen nach Ihnen, Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Unzufriedenheit auf allen Seiten entsteht. Da hilft es, vorausschauend zu handeln und im Team ein einheitliches Vorgehen für diese Patientengruppe zu besprechen.

Anmeldung und Wartezeit:

  • Termine möglichst für den Vormittag vergeben.
  • Bitten Sie um Begleitung durch einen Angehörigen.
  • Schreiben Sie den Termin auf.
  • Nutzen Sie übersichtliche Terminzettel, möglichst einfarbig und ohne Zusätze.
  • Achten Sie auf ein sicheres Verstauen des Merkzettels.
  • Erinnern Sie ggf. kurz vorher telefonisch an den Termin.
  • Begrüßen Sie den Patienten mit seinem Namen.
  • Vermeiden Sie lange Wartezeiten, diese Patienten werden besonders schnell unruhig.
  • Informieren Sie die Patienten regelmäßig über den „Stand der Dinge“: „Es dauert nicht mehr lange, dann sind Sie an der Reihe.“
  • Holen Sie den Patienten persönlich ab und begleiten ihn in das Sprechzimmer, er fühlt sich sonst vielleicht nicht angesprochen.

Kommunikation und Umgang:

  • Ihr Ziel ist die Akzeptanz der Untersuchungen und Maßnahmen sowie Ihrer Empfehlungen.
  • Patienten und Angehörige benötigen Sicherheit und Orientierung.
  • Wenn möglich, sollte immer der gleiche Ansprechpartner für den Patienten/die Angehörigen da sein.
  • Tragen Sie eventuell einen weißen Kittel und Teamkleidung zum Wiedererkennen und zur besseren Zuordnung.
  • Machen Sie den Patienten nicht auf Defizite aufmerksam, er fühlt sich sonst „bloß gestellt“.
  • Nehmen Sie Äußerungen nicht persönlich, der Patient möchte sich nur aus der Situation „retten“.
  • Sprechen Sie in kurzen und einfachen Sätzen. Halten Sie Blickkontakt.
  • Geben Sie nicht zu viele Informationen auf einmal.
  • Sprechen Sie nicht über den Erkrankten hinweg, beziehen Sie ihn mit ein.
  • Immer Körperkontakt bevor eine Behandlung beginnt!
  • Vermeiden Sie häufige Raumwechsel.
  • Kennzeichnen Sie Türen z. B. durch Symbole oder übersichtliche Hinweisschilder.

Diagnostische und therapeutische Massnahmen:

  • Bereiten Sie den Raum schon vor.
  • Bedenken Sie mögliche Einschränkungen von Hör- und Sehfähigkeit.
  • Legen Sie persönliche Gegenstände in das Blickfeld des Patienten.
  • Vermitteln Sie ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen.
  • Sprechen Sie über Sichtbares im direkten Wahrnehmungsfeld des Patienten.
  • Beachten und nutzen Sie die nonverbale Kommunikation.
  • Machen Sie nie mehrere Dinge gleichzeitig.
  • Geben Sie nur schrittweise Anweisungen in kurzen Sätzen.
  • Kündigen Sie das Ende einer Maßnahme deutlich an.
  • Zum Ende verabschieden Sie den Patienten deutlich, damit er versteht, dass alles überstanden ist.
  • Erklären Sie, warum ein ausführliches Gespräch im Praxisalltag vielleicht nicht gelingt.
  • Informieren Sie über Anlaufstellen in der Region.
  • Bieten Sie weiterführende Hilfen an.
  • Machen Sie Mut, diese Hilfen auch anzunehmen.
  • Bahnen Sie ggf. den ersten Schritt.

Es kann hilfreich sein, themenbezogen Informationsmaterial vorrätig zu haben. Um Lagerkapazitäten zu sparen, können Infoblätter mit Auflistungen zu Themen wie Beratungsstellen, Gesprächsgruppen, Pflegegrad

Ab 2017 ersetzen fünf Pflegegrade die bisherigen Pflegestufen. Geringe Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten entsprechen Pflegegrad 1, bei schwersten Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten, die mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung einhergehen, wird Pflegegrad 5 erreicht.
Pflegegrad
, Vorsorgevollmacht, Literatur etc. als Kopiervorlagen dienen.

Wie es gelingen kann Hausarztpraxen in regionale Hilfs- und Unterstützungsangebote für Menschen mit Demenz einzubeziehen, dokumentiert der Abschlussbericht zu einem Modellprojekt im Landkreis Hildesheim. Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

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