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Ein Mann unterhält sich mit einer älteren Frau in der Küche, es ist eine weitere ältere Frau zu sehen

Ethische Fragen

Selbst wenn Demenzkranke sich kaum noch artikulieren und orientieren können – der Erhalt ihrer Lebensqualität hat immer an erster Stelle zu stehen. Doch wenn es um Themen wie Zwangsernährung, Ruhigstellung oder das Recht auf einen selbstbestimmten Tod geht, sehen sich nahestehende Personen, Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte oft mit ethischen Fragen konfrontiert. 
 
Menschen mit Alzheimer oder einer anderen Form von Demenz sollten so lange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben führen dürfen. Ihnen dies zu ermöglichen und gleichzeitig ihre Leiden bestmöglich zu lindern, muss immer das oberste Ziel von Angehörigen, Ärzten und Pflegekräften sein.

Bewegungseinschränkende Maßnahmen

Demenzkranke sind manchmal sehr unruhig. Sie irren nachts durch die Wohnung, sind aggressiv oder leiden unter Wahnvorstellungen. Dennoch ist es nur in Ausnahmefällen erlaubt, sie zu ihrem eigenen Schutz und für eine sehr kurze Zeit ruhigzustellen – zum Beispiel durch Medikamente oder Bettgurte. Denn solche Maßnahmen sind nicht nur ethisch bedenklich. Sie haben unter Umständen auch rechtliche Konsequenzen, da sie die Freiheit der Betroffenen unzulässig einschränken. Halten Ärzte und Pflegekräfte sie dennoch für einen längeren Zeitraum für nötig, müssen sie hierfür eine Genehmigung vom Betreuungsgericht einholen.

Lebensqualität sichern

Eine ältere Frau liegt in ihrem Bett. Ihr Mann beugt sich über sie, hält ihre Hand und streichelt ihre Wange
Foto: Michael Uhlmann

Viele Demenzkranke bekommen im Verlauf der Krankheit starke Probleme mit dem Essen und Trinken. Spätestens wenn sich ihr Gesundheitszustand rapide verschlechtert, müssen sich Angehörige oder rechtliche Betreuer mit dem Thema Zwangsernährung beschäftigen. Zwar hat jeder Mensch ein grundsätzliches Recht auf lebensnotwendige Nahrung. Doch ob eine PEG-Magensonde

Ein in den Magen eingebrachter Kunststoffschlauch wird durch die Bauchdecke nach außen geführt und ermöglicht so eine Nahrungszufuhr direkt in dem Magen.
PEG-Magensonde
dem Patienten oder der Patientin gut tut oder die Entmündigung, der Verlust sinnlicher Geschmackserlebnisse und eventuell auftretende Nebenwirkungen wie Durchfälle oder Entzündungen stärker wiegen, ist schwer zu sagen.

In bestimmten Fällen jedoch kann eine Sonde durchaus ein erhebliches Maß an Lebensqualität zurückbringen. So leiden Menschen mit frontotemporaler Demenz schon in einem sehr frühen Stadium der Krankheit unter Schluckbeschwerden. Ihnen erleichtert eine Magensonde normalerweise das Leben. Anders kann die Situation für Menschen aussehen, die schon seit vielen Jahren an Alzheimer erkrankt und bereits geistig und körperlich stark beeinträchtigt sind.

Die letzte Lebensphase gut gestalten

In der letzten Lebensphase spielen Schutz und Geborgenheit eine wichtige Rolle. Es hilft den Todkranken, wenn vertraute Personen sie berühren und halten. Denn Emotionen und Gefühle sind bis zuletzt vorhanden, auch wenn die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit längst verloren sind.

Maßnahmen genau abwägen

Inwieweit künstliche Ernährung im Einzelfall helfen kann, die Lebensqualität zu sichern, müssen die Bevollmächtigten oder rechtlichen Betreuer und Betreuerinnen genau abwägen. Sie sollten sich dabei ausführlich beraten lassen und beispielsweise ruhig auch die Meinung mehrerer Ärzte einholen. Selbst wenn eine Patientenverfügung vorliegt, bleibt die Frage, ob der damalige Wunsch noch mit dem mutmaßlichen aktuellen Willen der Betroffenen übereinstimmt. Zum Beispiel wäre zu hinterfragen, ob die ursprüngliche Vorstellung von Lebensqualität bei einer akuten Demenz noch gültig ist. Aktive Sterbehilfe darf jedoch in keinem Fall geleistet werden. Sie ist in Deutschland unzulässig und wird bestraft – auch dann, wenn die Betroffenen sie verlangt haben.

Unterstützung suchen

Es ist für Angehörige nicht leicht, einen geliebten Menschen loszulassen. Wenn Zweifel bestehen, was im Sinne des oder der Betroffenen ist, kann eine Beratung mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten, mit Psychologen, der Gemeindepfarrerin oder Angehörigen anderer Demenzkranker helfen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Einsatz lebensverlängernder Maßnahmen wie einer PEG-Sonde ist eine Abwägungsfrage.
  • Ruhigstellende Maßnahmen dürfen ausschließlich zum Schutz der Patienten eingesetzt werden und dies ohne Genehmigung auch nur in Ausnahmefällen.
  • Die Wünsche der Kranken sind die oberste Richtschnur – bei der Behandlung ebenso wie bei der Sterbebegleitung.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Thema Lebenserhaltende Maßnahmen finden Sie im Weblog-Beitrag Kein Druck, kein Zwang, keine Tricks.

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