Navigation und Service

Direkt zu:

Hauptmenü

Passwort anfordern

Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Bekannter im Heim
24.04.2018 | 17:48
Ziska

Seit 20 Jahren und mehr hole ich komplikationslos einen Bekannten, der zunehmend dementer wird zum Wandern, Ausflügen, Grillen etc. ab.
Die Heimleitung hat sich geändert. Der frühere Chef ist selbst mit den Patienten in Gruppen den Frankenweg gegangen.
Der neue hält nicht viel davon, möchte dass jeder irgendwie im Heim nur rumsitzt. Ausgleichssport etc. gibt es nicht. Ist eine soziotherapeutische einrichtung. Wir sind im Wanderverein und merken dass der Bekannte immer noch gut läuft, er lief früher auch Marathon.
Seit ca. 2 Monaten bekommt er dreimal täglich kleine runde Pillen und daraufhin wird sein Kreislaufsystem bei Belastung, also auch Wandern sehr kurzatmig, schiebt Kiefer willkürlich vor, Zunge kommt raus etc.
Wir haben etwas versucht dagegen zu sagen, wurde ignoriert. Ostern, als keine große Aufsicht im Heim war, holten wir ihn Mittag und er war sehr dehydrier und ging ihm nicht gut auf das Pillchen. Wir haben in Apotheke gefragt und die meinten könnte Quetiapin sein.
Nachdem er uns dann am Ostersonntg fast umgefallen ist, also keine 100 m laufen konnte ohne nach Luft zu schnappen habe ich nach zwei schlaflosen Nächten die Heimaufsicht benachrichtigt, gleichzeitig aber dem Patienten langsam Wasser zugeführt und einen Sechserpack Wasser ins Heim gebracht.
Danach wurde alles abgestritten, er hatte auch abgenommen und ich habe versucht mit dem Betreuer zu reden, einen Brief zu schreiben und unsere Bedenken geschildert. Daraufhin meinte der Betreuer nur er muss Besuchsverbot erteilen. Auch der Bruder des Patienten, der wieter weg wohnt wurde barsch angeredet.
Ich habe auch versucht mich mit dem Heim zu einigen, keine Antwort.
Daraufhin habe ich beim Betreuungsgericht einen Antrag gestellt mir die Betreuung ehrenamtlich zu geben.
Ich möchte einfach, mit einem anderen Neurologen und Hausarzt ein bisschen von der Medikamentenlast wegnehmen, natürlich nur unter Absprache, denn ich weiß wie gefährlich einfach absetzen sein kann.
Das Besuchsverbot wurde jetzt ausgeweitet, also schon ca. 1 Monat.
Patient hat kein Kurzzeitgedächtnis mehr. Er antwortet auf, ob ich die betreuerin werden möchte mit ja, wie seit Jahren, und der Betreuer muss weg. Hat er mir auch unterschrieben.
Jetzt sagt er nur mir gehts gut, mir gehts gut, mir gehts gut, einfach wie weggebeamt.
Gibt es irgendwie jemanden unabhängigen der da helfen kann, Einfühlungsvermögen hat und ihn persönlich unterstützt. So eine Art Mediation.
Er hat die Unruhe immer beim Wandern abgebaut, auch die Wirre im Kopf. Ist nicht aggresiv, eigentlich immer zufrieden.
Ich würde ihn auch aufnehmen, habe Platz genug und da er eh oftmals 2 Wochen, letztmalig an Weihnachten bei uns war, ist er auf jeden Fall örtlich orientiert und kann dann noch mit uns am Leben teilhaben solange es geht.
Habe ich da eine Möglichkeit?
Wr haben ihn nicht überfordert, das wird aber unterstellt, dass er nicht mehr wandern kann. Das kann er erst nicht mehr seitdem er das Medikament bekommt und wenn er wochenlang stillgelegt wird, bauen auch die Muskeln ab. Teufelskreis. Für nötige Medikamente bin ich ja aber Sedierung wenn er noch aktiv am Leben teilhaben kann und das ging ja wirklich 25 Jahre lang, fast jedes Wochenende.
Er hat jetzt 1. den langjährigen Chef verloren mit dem er sich gut verstand und mich als Bezugsperson durch Besuchsverbot

25.04.2018 | 10:08
martinhamborg

Hallo Ziska, zunächst ist es beeindruckend, wie sehr Sie sich um Ihren Bekannten kümmern. Das Wandern hat einen positiven Einfluss, es ist vielfach wissenschaftlich bestätigt, wie positiv die gleichförmige Bewegung im Ausdauersport (grundsätzlich) auf die Gesundheit wirkt. Im Einzelfall kann dies immer auch anders sein und deshalb ist es wichtig, dies mit dem behandelnden Arzt zu besprechen.
Bitte lassen Sie sich in diesem Hin und Her nicht frustrieren und behalten Sie Ihre Nerven. Aus Ihren Zeilen ist viel Enttäuschung und Verärgerung zu lesen, aber eine konstruktive Lösung für Ihren Bekannten ist wahrscheinlicher, wenn Sie sich zu allen Beteiligten diplomatisch verhalten und damit deutlich machen, dass Sie ausreichend inneren Abstand für eine Betreuung haben - und damit auch für unangenehme Entscheidungen.
Mit der Heimaufsicht und dem Betreuungsgericht haben Sie die wesentlichen Schritte eingeleitet. Für eine juristische Beratung können Sie sich vor Ort kümmern. In diesem Zusammenhang kann die Mediation eine gute Alternative für eine Klage sein, aber mehr können wir dazu in diesem Forum nicht sagen.

Sie können sich auch noch an den Pflegeombudsmann wenden und um Hilfe bitten. Die Adresse finden Sie sim Netz oder über den Pflegestützpunkt.
Eine weitere Ansprechperson kann beim MDK sein, es spricht viel dafür, dass die beschriebenen Veränderungen Nebenwirkungen infolge der Medikamente sein können, die dann ärztlichüberdacht werden sollten. Zumindest ist in diesen Fällen eine zweite Meinung hilfreich.
Ihnen wünsche ich viel Erfolg und - falls Sie sich entscheiden nicht mehr zu kämpfen, gibt es hoffentlich wieder Möglichkeiten, Ihrem Bekannten beizustehen. Ihr Martin Hamborg

25.04.2018 | 11:03
Ziska

Herzlichen Dank, wir werden nach der ersten Enttäuschung den Abstand üben, indem wir jetzt das erste Mal ohne ihn auf die Drei-Tages-Wanderung gehen. Wäre sowieso verantwortungslos ihn in diesem Zustand mitzunehmen.
Die früheren Heimleiter bestärken mich, denn da klappte es immer. Ist nur für den Bekannten nicht gut, er hängt lt. Angaben seines besten Freundes nur noch rum und hat nachdem die Medikation ein paarmal gewechselt wurde auch Wahnvorstellungen mit Zahlen gehabt.
Ich weiß, dass alles ein bisschen ungeordnet rüberkommt, so ist es halt nun mal im ersten Schreck. Wir haben seit 2. April Besuchsverbot. Ich hoffe, ich kann die Richterin überzeugen. Habe jahrelang in Kliniken gearbeitet, nicht als Arzt, aber da hat man Erfahrung wo man hingehen kann mit Patienten wenn etwas nicht passt.
Meinen Sie es wäre geschickt vor der Richterin einfach nochmal zu sagen, man wäre für eine Zweitbehandlung oder gilt das wieder als Einmischung.
Ich hatte ja auch angesprochen, dass man sowas auch stationär abklären kann, denn das Heim ist ja keine Psychiatrische Klinik etc. sondern soziotherapeutisch.
Das Beste wäre halt schon wir könnten ihn noch solange betreuen wie es geht.
Da weder der Bruder noch ich mit dem Betreuer reden können, weil er die Gespräche beendet, finde ich ganz ehrlich, er kann auch für den Patienten nicht gut sein. Mit Besuchsverbot regelt man nix. Dazu möchte ich noch bemerken, dass eben der langjährige, über 25 Jahre Leiter im Dezemb er gegangen ist, eine Bezuzgsperson weniger und ich jetzt durch Besuchsverbot. Wie muss man sich fühlen?
Vielen Dank für die Antwort

30.04.2018 | 11:00
martinhamborg

Hallo Ziska, es ist sicher gut, sich nach so starken Gefühlen erstmal Abstand zu schaffen und die Erfahrungen zu verarbeiten. Ich wünsche Ihnen sehr, dass Ihnen dies mit der Wanderung gelingt. Wenn Sie im nächsten Schritt auf die Richterin zugehen, können Sie sich jetzt in Ruhe vorbereiten.

Ich würde mir folgende Fragen stellen:
- Wie kam es zu dem Besuchsverbot? Was haben der neue Leiter und der Betreuer wahrgenommen, dass sie eine so drastische Entscheidung gefällt haben?
- Welche Bedenken haben Richterin, Betreuer und Heimleiter?
- Wie konnte die Situation so eskalieren?
- Gibt es sachliche Argumente, kann ich pro und contra gegenüberstellen?

- Was habe ich für die Wahrnehmung der anderen beigetragen. Die Frage habe ich so umständlich formuliert, weil wir auf andere oft ganz anders wirken, als wir eigentlich wollen. In Ihren Schreiben ist so deutlich geworden, dass Sie für Ihren Bekannten das Beste wollen. Woran liegt es, dass die Anderen dies nicht wahrnehmen?
- Was genau möchten Sie erreichen und wie müssen Sie auf die Richterin wirken, damit Ihnen das gelingt?
- Wen können Sie einbeziehen, damit Sie Gehör finden? (Die Richterin kennt sicher auch alle Mediatoren in der Gegend)

Wenn Sie mögen, können Sie uns an Ihrerem Vorgehen Anteil nehmen lassen, viel Erfolg, Ihr Martin Hamborg

03.05.2018 | 17:43
Ziska

Hallo,
es eskalierte, weil keine Ansprechperson da war um über die doch extremen Nebenwirkungen des Medikamentes zu sprechen. Dazu kam eine Urlaubsphase gerade zu Ostern. Ich hätte wahrscheinlich den Neurologen angerufen, nur den konnte mein Bekannter nicht benennen. Er wußte nicht wer es ist.
Sicher habe ich da nicht optimal gehandelt, wir hatten aber Angst, dass etwas passiert, hatten Verwandten der bekam auf ein Alzheimer-Medikament einen Schlaganfall, zumindest wurde das vom Hausarzt angenommen.
Das Besuchsverbot wurde ausgesprochen, als ich mit dem Betreuer reden wollte über die Medikation und die Nebenwirkungen, also ich hatte keine Gelegenheit irgend jemandem die Symptomatik zu schildern und die war für einen Laien bedrohlich.
Da der Betreuer auch schon vor einem Jahr so advers dem Bruder gegenüber reagierte, muss ich davon ausgehen, dass hier die beste Kommuniikation nix nützt.
Ich habe dann auch nochmal zwei Mails geschrieben und gebeten zu verstehen, dass wir ja in erster Linie für den Patienten sprechen und ich an seiner Stelle auch so vertreten werden möchte.
Ich warte jetzt ab, was passiert wenn ich zur Anhörung zum Gericht muss und werde auf jeden Fall auch ein falsches Verhalten meinerseits zugeben in dieser Situation.
Ich habe auch mit dem vorhergehenden Chef gesprochen und es haben alle früheren Mitarbeiter, die da schon 20 Jahre gearrbeitet haben, Hausverbot.
Der frühere zweite Chef meinte nur, ich habe durch das ständige Abholen und beschäftigten dem Betreuten viele Lebensjahre geschenkt. Er würde sonst nicht mehr leben. Während den Wanderungen hat er immer die wirren Gedanken so gut wie möglich geordnet.
Ich frage mich nur, wird e überhaupt möglich sein ihn aus dem Heim zu holen? Zu Hause aufzunehmen?
Da der betreute sehr friedlich ist, also nicht aggresiv, immer an unserem Leben teilnimmt denke ich es wäre gut machbar.
Und wir sind trotz fortgeschrittenem Alter noch viel unterwegs und haben ihn da immer komplikationslos mitgenommen. Hat ihm immer gefallen.

Der neue Heimleiter ist einfach der Meinung, dass man genauso gut im Heim sitzen kann und nicht abgholt werden muss, nur das beeinträchtigt die Lebensqualität des Bekannten ganz erheblich. Er wandert für sein Leben gern.
Ich hoffe das Gericht entscheidet in seinem Sinne.

03.05.2018 | 18:00
Ziska

Danke für die Antwort.
Ich möchte hier nicht zum Ausdruck bringen, dass da alles Böse vom Heim und Betreuer kommt.
Man kann sich schwer in einen Demenzkranken versetzen, nur, erst ging der erste Chef, dann der zweite, zwischenzeitich viel Personal, welches ihn am Anfang aufgefangen hat und über 20 Jahre betreut hat. er findet sich in einer fremden Welt.
Zuletzt ging der zweite Chef zu dem er ein außerordentlich herzliches Verhältnis hatte.
Eine Angestellte saß mit ihm über 20 Jahre am Tisch und gerade die dürfen ihre Schützlinge nicht mehr besuchen.
Es könnte durchaus sein, dass ein Demenzkranker unter solchen Umständen vielleicht aggresiver wie früher reagiert und demzufolge ein Neuraleptikum verschrieben wurde, nur finde ich sollte man das soziale Umfeld mit berücksichtigenn und die Lebensweise, also das Wandern etc.
Und die extremen Nebenwirkungen gingen nach dem Besuchsverbot, laut Zimmernachbarn weiter und endeten in Halluzinationen. Und es wurden verschiedene Medikamente prob iert.
Das ist ja dann auch die Verantwortung von Ärzten und nicht meine, nur wenn man die adversen Nebenwirkungen sieht und meldet, das berechtigt solche Maßnahmen nicht.
Vorher war die Kommunikation anders. Schade.
Und jetzt bin natürlich ich als Bezugsperson auch noch seit einem Monat abwesend ohne dass er weiß was los ist. Eigentlich nicht im Sinne des Patienten. Ich werde weiter berichten., man muss das Leben nehmen wie es kommt und dann auch manchmal einsehen, dass man nicht alles erreichen kann was man möchte.
Ich hoffe ich persönlich bin bei Gericht nicht zu aufgeregt und bringe an, was wichtig ist.

05.05.2018 | 09:57
martinhamborg

Hallo Ziska, ich persönlich finde es sehr wertvoll, wenn Kontakte aus dem Berufsleben so sind, wie Sie es beschreiben. Das ist leider nicht immer so! Ihnen wünsche ich viel Erfolg und gelassene Klarheit für den Termin mit der Richterin! Ihr Martin Hamborg

07.05.2018 | 10:53
Ziska

Hallo Herr Hamborrg,

Wir konnten den Bekannten erfreulicherweise gestern mitnehmen für einige Stunden. Er war wie ausgewechselt, heller und aufgeschlossener. Die drei Pillchen sind abgesetzt.
Am nächsten Montag ist Termin beim Landratsamt.
Dame war sehr negativ. Meinte man tue jemandem nix gutes wenn man ihn rausholt und es dann vielleicht doch nicht klappt.
So leichtfertig gehen wir abe rnicht mit Menschen um.








[Dieser Beitrag wurde 2mal bearbeitet, zuletzt am 06.06.2018 um 09:51.]

23.09.2018 | 12:03
Ziska

So jetzt haben wir nächste Woche endlich den Termin mit dem Richter.
Ich hoffe, ich kann überzeugen.
Danke für Ihre Ratschläge.
Das war jetzt wirklich auch ein langer Kampf.
Man muss halt immer sehen, was ist gut für den Patienten selbst.
Was nimmt er noch wahr und was nicht.
Wir hatten uns jetzt vor unserem großen Urlaub gefragt, ob er überhauptmerkt, dass er wochenlang nicht abgeholt wird.
Wir wurden eines Besseren Belehrt. Er rief an und zwar meine Heimatadresse, ich hatte das Telefon so gestellt, dass Anrufe auf meinem Handy im Ausland rauskamen und meinte, was ist los, warum holt Ihr mich nicht mehr ab.
Zwei Wochen später hatte er vergessen, dass er angerufen hat. Ist wirklich schwierig ihm zu helfen.
Aber gerade solche Menschen brauchen Hilfe.

24.09.2018 | 10:41
martinhamborg

Hallo Ziska, danke für die Rückmeldung und die positive Entwicklung, bitte teilen Sie uns mit, wie die Gespräche mit dem Richter gelaufen sind, Ihr Martin Hamborg



Grafik FacebookGrafik TwitterRSS-Feed:Grafik RSS-SymbolAbonnieren: Grafik Facebook Grafik Twitter Grafik YoutubeDrucken:Grafik Drucker