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Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte"

Bild: Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte" Im Laufe einer Demenz ändern sich Kommunikationsfähigkeit und Verhaltensweisen. Das ist für alle Beteiligten oft belastend. Der Wegweiser Demenz hat zwei Experten auf diesem Gebiet als Moderatoren für das Internetforum gewonnen: Jochen Gust hat als Altenpfleger Menschen mit Demenz betreut. Heute schult er unter anderem Klinikpersonal im Umgang mit Demenzkranken, berät Angehörige und schreibt Bücher. Dr. Svenja Sachweh bietet Kommunikationstrainings für Pflegepersonen an und ist Autorin diverser Lehr- und Ratgeberbücher zur Verständigung mit Demenzkranken.

Autor Schwieriger Umgang - wie abgrenzen?
05.11.2018 | 11:11
Jamaikaente

Hallo, meine Mutter (75) lebt seit 1,5 Jahren in einer Wohngruppe für Demenzkranke. Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat sie sich inzwischen relativ gut eingelebt, auch wenn die Krankheit leider weiter voranschreitet.
In letzter Zeit wirft sie mir immer wieder vor, ich wäre schon so lange nicht mehr bei ihr gewesen, obwohl ich zwei Mal die Woche bei ihr bin. Ich weiß, dass das Ganze zu ihrer Krankheit gehört, nur leider fällt es mir sehr schwer, ihre Vorwürfe nicht an mich herankommen zu lassen ("Du lügst doch", "Das kann ja jeder sagen", etc.). Gibt es da irgendwelche Strategien, geduldig bleiben zu können und sich nicht so verletzten zu lassen? Über eine Rückmeldung freue ich mich.

05.11.2018 | 12:41
Jutta60

Hallo Jamaikaente,
auch meine Mutter war dement. Und ich kann sagen, dass ich keine entsprechende Strategie gefunden habe. Ihre Worte haben mich verletzt. Solange sie lebte (meine Mutter ist nun 4 Monate tot - gestorben mit dieser fürchterlichen Krankheit) konnte ich im Moment zwar sagen: das ist die Krankheit. Aber verletzt hat es mich doch. Denn ich habe mir immer gesagt: selbst mit Demenz kann doch ein Mensch nicht irgendetwas sagen, was nicht ganz tief in ihm drin ist, in gesunden Tagen durch den Verstand kontrolliert u unterdrückt. Und ich habe gehört: du kümmerst dich nicht genug um mich. Natürlich verlieren Demente das Zeitgefühl und vielleicht hören Sie aus der Klage Ihrer Mutter auch etwas so ähnlich wie ich es verstanden habe. Es gibt noch heute Tage, wo ich darüber weine und mir wünsche, ich könnte es richtig stellen. Wenn es für Sie unerträglich wird, dann würde ich Ihnen raten, einfach zu gehen und an einem anderen Tag wiederzukommen. Man hat so lange damit zu tun! Ich wünsche Ihnen und Ihrer Mutter alles Gute!

07.11.2018 | 11:37
Lorina46

Hallo Jutta60, hallo Jamaikaente,
seit meine Mutter 2005 verstarb, kümmere ich mich mit um meinen Vater. Ich habe selbst eine fünfköpfige Familie und doch hatte ich mich einst entschieden, seit April 2017 die Vollpflege für meinen Vater zu übernehmen. Ich bin mehrfach am Tag bei meinem Vater, mein Mann und meine Kinder übernehmen, wie es ihnen möglich ist, Besuche und kleinere Tätigkeiten. Er ist also keinen Tag allein. Es kommt für uns auch nicht infrage ihn in eine Einrichtung zu geben. Er leidet ebenfalls an Demenz. Die Tage sind unterschiedlich. Für Außenstehende kommt er noch ganz gut beisammen vor. Das ärgert mich am meisten, weil er zuhause nichts alleine koordinieren kann, Namen nicht weiß, Gesichter nicht erkennt. Nur mit Zahlen kommt er zurecht. Was ich aber eigentlich sagen will, er ist kaum allein und doch gibt er mir das Gefühl ich würde mich nicht genug um ihn kümmern. Hab mittlerweile selbst körperliche Probleme und kann deshalb auch nicht jeden Tag mit ihm spazieren gehen. Ich habe diesbezüglich ein schlechtes Gewissen. Kann und will es auch manchmal nicht, weil ich den Abstand öfters brauche. Ich bin 46 Jahre alt und habe in 200 km Entfernung lebende Brüder, die ein bis max. zweimal im Jahr meinen Vater besuchen. Bei ihnen verzeiht er alles. Manchmal komme ich wirklich an meine Grenzen. LG Lorina

10.11.2018 | 22:47
kole77

Hast du das Problem gelöst?
LG

13.11.2018 | 10:50
Lorina46

Meinst du mich, Kole77?

13.11.2018 | 11:12
Lorina46

Heute benötige ich einen Rat. Wie ich schon eingangs erwähnte, habe bin ich mit meinen Brüdern nicht ganz "GRÜN". Der eine wohnt in ca. 130 km Entfernung vom Vater weg und der andere Bruder ca. 160 km Entfernung. Zu Vaters Geburtstag erscheinen sie meist ein zwei Wochen später oder gar nicht. Vor Weihnachten kommt der eine Sohn einen anderthalben Monat früher und der andere auch etwa so, weil er kurz zuvor Geburtstag hat. Der eine von Beiden ruft in unterschiedlichen Abständen, aber in maximal 2 Wochen Abstand, bei Vati an. Der Ältere 2x im Jahr. Mein Vater freut sich wenn sie auf Besuch kommen, was ich ja auch so möchte, dass sie ihn besuchen. Doch fühle ich, wenn sie sich anmelden (und gerade immer dann, wenn ich gerade nicht bei Vati bin) Unbehagen, Wut, Enttäuschung. Vati nimmt alles was aus der Richtung meiner Brüder kommt einfach so hin. Wir stellten sogar schon fest, dass er dann hinter unseren Rücken uns schlecht macht mit meinem ältesten Bruder zusammen. Beide Brüder sind dann nicht länger als 2- 3 Stunden da und gehen in der Zeit nicht mit ihm Spazieren oder ähnliches. Sind einfach zum Kaffeetrinken da. Achso, aber das Geburtstagsgeld für sich und Frau und Enkel wie Urenkel nehmen sie dann mit oder darf ich fertig machen, bzw. überweisen. Vati weiß meist nicht mal was er geben soll. Ich halte mich dann an die Vorjahre als Vorgabe. (Vati hat früher kaum den Beiden was an Geld gegeben, weil sie früher, als meine Mutter noch lebte, sich auch kaum gezeigt haben) Ich wollte einst Gerechtigkeit unter den Geschwistern erreichen. Ging abefr nach hinten los. Ich wurde von meinem Bruder noch arg beschimpft, weil ich die Bankverbindung mit Begründung für meinen Neffen haben wollte. Also Entschuldigung, aber sowas gehört auch zum Alltag für Angehörige eines Demenz-Erkrankten. Was kann ich tun, um mehr Ruhe rein zubekommen, Ruhe in mein Seelen-wohl. Hinnehmen? Nicht mehr darüber nachdenken? Konfrontation? Was wäre gut? Sie wissen dass der dement ist, vertuschen es, es wird nicht angesprochen, nur dann wenn es gerade passt. Mein Vater behandelt mich des Öfteren wie sein Inventar, damit kann ich gerade umgehen. Ich weiß, es ist das Alter und die Demenz und sein Charakter. Vielen Dank vorab...und sorry für das Geknietsche! Musste raus!

14.11.2018 | 07:44
Jutta60

Hallo Lorina,
ich versuche, Ihnen meine Meinung zu schreiben. Allerdings spricht der Blinde vom Sehen, denn ich habe keine Geschwister und konnte mich so um meine demente Mutter allein kümmern. Es gab keine Geschwister, die mir hätten helfen oder raten können, aber es gab auch niemand, der mir reingeredet hat. Schwer zu sagen, was wichtiger/besser ist ...
Sie tun sehr viel für Ihren Vater, neben der anderen Belastung durch eigene Verpflichtungen. Oft ist es gerade das Kind, das früher am wenigsten wertgeschätzt wurde, das die größte Last der Pflege trägt. Das habe ich von anderen Angehörigen schon oft gehört. Durch die Krankheit Ihres Vaters verkehren sich familiäre Strukturen und oft brechen so alte Konflikte wieder auf. Sie werden selbst wissen, warum z.B. Ihr Bruder schlecht über Sie redet. Viele empfinden diese Krankheit als Makel und bekennen sich nicht dazu. Aber es geht in meinen Augen nicht, dass Ihre Brüder die Augen vor der Realität verschließen: der Vater ist krank und wenn er nicht vorher stirbt, wird die Krankheit immer schlimmer und Sie werden vielleicht die Pflege nicht bis zu seinem Tod leisten können. Dass Sie Gerechtigkeit unter den Geschwistern wollen, das ehrt Sie. Es ist auch richtig so. Dass aber erwachsene Kinder von den Eltern Geld abgreifen in dieser Situation, das finde ich wirklich abartig (hat mein Schwager auch gemacht, damals bei meinen Schwiegereltern, der lies sich sogar die Fahrkarte bezahlen, das ist doch krank!). Ist Ihren Brüdern denn nicht klar, dass sich das familiäre Verhältnis nun umdreht? Der Vater ist nun derjenige, der Unterstützung braucht. Ich hoffe, dass für den Pflegefall vorgesorgt ist. Schreiben Sie Ihren Brüdern doch einmal - wenn Sie nicht mit ihnen reden wollen oder können - dass Sie Entlastung bei der Pflege brauchen und dass dieses Geld künftig für eine Haushaltshilfe oder so aufgewendet wird, damit Sie etwas zur Ruhe kommen. Und bitten Sie Ihre Brüder, sich über die Krankheit des Vaters zu informieren. Wenn der Elefant schon im Zimmer steht, dann kann man den auch mit Namen benennen.
Im übrigen wäre mein Rat, dass Sie sich eine Grenze der Belastung setzen, bis zu der Sie gehen können bei der Pflege. Es hilft ja niemand, wenn Sie sich selbst kaputt machen. Bei mir war es , als ich meinen Beruf hätte aufgeben müssen und Tag und Nacht meine Mutter nicht mehr aus den Augen lassen konnte. Dann musste ich sie in ein Pflegeheim geben, wo sie versorgt wurde und ich sie jeden Tag besuchen konnte. Vielleicht können Sie einmal mit dem Hausarzt Ihres Vaters darüber sprechen oder mit einer anderen Person, die das von außen sieht. Diese Grenze sollten Ihre Brüder auch kennen, damit jedem in der Familie klar ist, was dann evtl. finanziell auf ihn zukommt. Reden Sie innerhalb der Familie, damit Sie Entlastung bekommen und sei es nur jemand, der mit Ihrem Vater mal spazieren geht. Alles Gute für Sie in dieser wirklich nicht leichten Situation!



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