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Ratgeberforum "Prävention, Diagnose und Therapie"

Bild: Ratgeberforum "Prävention, Diagnose und Therapie" Die Diagnose Demenz wirft viele Fragen auf. Hätte die Erkrankung verhindert werden können? Ist sie therapierbar? Und worauf sollte man bei der Behandlung achten? Im Ratgeberforum „Prävention, Diagnose und Therapie“ geben zwei Experten Antworten: Dr. Marc Lässer, Neuropsychologe und assoziierter wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Sektion Gerontopsychiatrie der psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg, moderiert das Forum zusammen mit Dr. Elmar Kaiser. Als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie leitete er bis Anfang 2012 die Gedächtnisambulanz der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg.

Autor Normaldruckhydrocephalus
26.03.2019 | 11:15
Katrin123.

Hallo,
bei meinem Vater (69) wurde im Alter von 58 Jahren ein Kopf-CT gemacht aufgrund von Kopfschmerzen und Sehen von Doppelbildern (hat sich dann wohl gegeben oder er gibt es nicht zu). Darin stand als Befund Normaldruckhydrozephalus. Ein Neurologe konnte die CD mit den Aufnahmen damals nicht einlesen wegen alter Technik und es wurde nur ein EEG gemacht, welches in Ordnung war. Damit war die Sache für meinen Vater erledigt, den Befund und die CD hat er dann weggeschmissen.
Seit ca. einem halben Jahr hat er einen Verfolgungswahn entwickelt. Schon vor einem Jahr begann er viele Dinge auf seine Person zu beziehen. Der Wahn wird immer schlimmer. Er hört die Stimmen von drei Nachbarn, besonders nachts und fühlt sich abgehört von dem einen und mit Kamera überwacht von dem anderen Nachbarn. Er hat immer Radio an, damit die ihn nicht hören können. Meine Mutter darf sich im eigenen Haus kaum noch äußern. Sie ist 12 Jahre jünger als mein Vater und noch berufstätig, Altenpflegerin mit Nacht- und Spätschicht. Mein Vater hat Angst vor den Nachtschichten, weil er sagt immer dann, wenn sie nicht da ist klopfen die Nachbarn gegen seine Wand (Reihenhaus). E traut sich mit seinem Hund nicht mehr raus, weil er sich bedroht fühlt (Nachbarn lauern ihm auf, wollen ihm den Hund wegnehmen). Er hatte einen Motorradunfall (er hatte Riesenglück dabei) und sagt er sei abgedrängt worden, es war ein Anschlag geplant von den Nachbarn. Nachts schläft er mit Messer und Knüppel neben dem Bett, damit er sich verteidigen kann. Er hat auch unter Sitzkissen in der Küche schon Messer versteckt. Manchmal hat er ein Messer im Jackenärmel, wenn er mit dem Hund geht. Ich konnte ihn zusammen mit meinen Schwestern überreden, zum Arzt zu gehen (Er hatte keinen Hausarzt, hat keine weiteren Erkrankungen), ich habe das alte CT vorgeschoben, das man das doch nochmal überprüfen sollte. Eine Psychologin hat nicht viel gesagt, wollte ihm Tabletten geben, die er aber nicht will. Er hat zu ihr gesagt er würde doch nicht spinnen. Sie hat zum CT überwiesen. Im aktuellen CT steht, ein NPH sei anzunehmen. Weiterhin steht dort geringe Hirnvolumenminderung sowie etwas deutlichere Zeichen einer Kleinhirnatrophie. Stärkere symmetrische Aufweitung des Ventrikelsystems inklusive III. und IV. Ventrikel. Retentionszyste oder Polyp im Bereich der re. Keilbeinhöhle.
Mein Vater war dann bereit eine Neurologin aufzusuchen. Die hat gesagt das sei kein Altershirndruck. Er hätte im vorderen Bereich einen leichten Abbau, der eine hat das mehr´, der andere weniger. Er soll zum Psycholgen, mit dem Wahn hätte das nichts zu tun.
Mein Vater hat daraus gehört alles okay und wir stehen da mit einem Mann, der seine Nachbarn massiv anpöbelt, weil er Angst vor ihnen hat. Der sich zu Hause abgehört fühlt und auch schon ein Fenster zugenagelt hat. Wir haben Angst, dass er sich irgendwann etwas antut, weil er das nicht mehr aushalten kann. Nachbarn waren schon bei der Polizei, weil sie Angst vor ihm haben. Niemand macht etwas. Meine Mutter ist am Ende. Wo können wir denn nur Hilfe bekommen, wenn mein Vater keinen Arzt mehr aufsuchen möchte? Mein Vater war schon mehrfach bei der Polizei, weil er sich von seinen Nachbarn bedrängt fühlt ebenso war er schon bei einer Anwältin wegen massiven Mobbings. Die hat ihm aber nur geraten ruhig zu bleiben.

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 26.03.2019 um 11:17.]

26.03.2019 | 14:09
marclaesser

Sehr geehrte Katrin,

ich kann Ihre Besorgnis sehr gut nachvollziehen, auch dieses "Hin & Her" ist bei unklaren Diagnosen leider nichts Seltenes. Es wäre in Ihrem Fall sicher gut, sich an der Empfehlung der Neurologin zu orientieren und noch einmal bei der Fachärztin für Psychiatrie (da sie schon eine medikamentöse Behandlung vorgeschlagen hatte, ist es eher eine Ärztin/Psychiaterin und keine Psychologin) vorstellig zu werden. Unter Umständen ist die Symptomatik gut behandelbar. Sollte Ihr Vater sich weiterhin einer erneuten Vorstellung verweigern und sich die Situation weiter zuspitzen, dann könnte auch ein Miteinbezug des Amtsarztes über das Gesundheitsamt in Erwägung gezogen werden. Davor würde ich aber zumindest mit den behandelnden Ärzten noch einmal das mögliche Vorgehen besprechen.

Ihnen und Ihrer Familie vorerst alles Gute,

freundliche Grüsse,
Marc M. Lässer

26.03.2019 | 15:12
Katrin123.

Vielen Dank für die schnelle Antwort. Mein Vater wird freiwillig diese Fachärztin für Psychiatrie nicht mehr aufsuchen (der erste Besuch war ein Irrtum, er dachte sie sei Neurologin). Seine fehlende Krankheitseinsicht ist ein großes Problem. Er selber hat im Moment überhaupt keine Lebensqualität mehr. Er ist sehr misstrauisch den Ärzten gegenüber. Versucht man ein vorsichtiges Gespräch mit ihm in Richtung Papa, es geht dir nicht gut, dann wird er sauer, meckert rum und wechselt das Thema. Ich möchte sein Vertrauen auch nicht verlieren.

27.03.2019 | 12:04
sonnenblümchen

Guten Morgen Katrin,
wenn mein Papa mit einem Messer unter dem Kopfkissen schlafen würde bzw. mit dem Messer spazieren gehen würde, hätte ich Angst, dass er dieses Messer wenn er sich vermeintlich bedroht fühlt auch benutzen würde. Was machen Sie dann? Ich würde auf jeden Fall einen Psychiater heranziehen evtl. Ihren Vater stationär aufnehmen lassen bis er medikamentös eingestellt ist. Was machen Sie, wenn er Ihre Mutter aufeinmal verletzt? Ich würde unbedingt handeln.
LG

27.03.2019 | 12:39
Katrin123.

Hallo Sonnenblümchen,
genau davor haben wir ja so große Angst, dass er irgendwann dem Druck und der Angst nicht mehr standhalten kann. Die Nachbarn waren auch schon bei der Polizei, ich auch. Da aber noch nichts Ernstes passiert ist, greifen sie nicht ein! Da er ein mündiger Bürger ist und sich auch adäquat ausdrücken kann (natürlich auch beim Arzt vollkommen gesund ist...) hatte ich bisher an keiner einzigen Stelle eine Chance.
Darum habe ich hier geschrieben. Ich kann ihn nicht zwingen, sich in psychiatrische Behandlung zu begeben. Ich war auch schon beim Sozialpsychiatrischen Dienst vorstellig. Der Arzt dort sagt, man solle dringend auf Altershirndruck überprüfen. Ja, nur wie denn, wenn sich jemand verweigert.

29.03.2019 | 09:43
sonnenblümchen

Hallo Katrin,
ich habe volles Verständnis für Deine Situation. Kann man nicht in einer Wahnsituation, die bedrohliche Züge für den jenigen selber oder für eine andere Person den Notarzt anrufen plus Polizei und der jenige wird eingewiesen...auch gegen seinen Willen? Was sagen die Ärzte denn dazu? Ich denke da muss man auch mal gegen den Willen deines Vaters handeln. LG

29.03.2019 | 19:04
Katrin123.

Hallo Sonnenblümchen,

leider könnte man nur eine Zwangseinweisung veranlassen, wenn eine ganz akute Bedrohung vorliegt. Laut Aussage der Polizei ist das aber nicht so.
Ich weiß da nicht mehr weiter.
Eine weitere Diagnostik ist dringend notwendig. Er wird eine Einladung vom Gesundheitsamt erhalten zu einer Untersuchung. Die darf er aber ablehnen. Ich hoffe er wird dort hingehen. Aber es ist schon unglaublich, wie lange sowas alles dauert.



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