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Ratgeberforum "Prävention, Diagnose und Therapie"

Bild: Ratgeberforum "Prävention, Diagnose und Therapie" Die Diagnose Demenz wirft viele Fragen auf. Hätte die Erkrankung verhindert werden können? Ist sie therapierbar? Und worauf sollte man bei der Behandlung achten? Im Ratgeberforum „Prävention, Diagnose und Therapie“ geben zwei Experten Antworten: Dr. Marc Lässer, Neuropsychologe und assoziierter wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Sektion Gerontopsychiatrie der psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg, moderiert das Forum zusammen mit Dr. Elmar Kaiser. Als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie leitete er bis Anfang 2012 die Gedächtnisambulanz der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg.

Autor Rivastigmin anwenden bei bestehendem Schwindel und chronischer Gastritis?
07.08.2019 | 20:25
Tochter78

Sehr geehrtes Experten-Team,

bei meinem Vater (80 Jahre) wurde eine Alzheimer-Demenz diagnostiziert. Die Ärztin hat nun Rivastigmin (Pflaster 4,6mg) angesetzt. Nachdem wir die Packungsbeilage mit den Nebenwirkungen gelesen haben, sind wir unsicher, ob die positiven Effekte der Behandlung überwiegen. Denn mein Vater leidet seit fast 10 Jahren an Schwindel und er hat eine chronische Gastritis. Zudem ist er laktose- und glutenintolerant. Auf das zusätzlich verordnete B12 und die Folsäure reagiert er mit Durchfällen. Sein Schwindel macht ihm auch zurzeit stark zu schaffen. Deshalb ist unsere Sorge, dass das Rivastigmin diese Probleme noch verstärken könnte. Auf der anderen Seite möchten wir natürlich auch die Chance, die Folgen der Erkrankung verzögern zu können, nicht verstreichen lassen. Etwas besorgt sind wir natürlich auch, dass es 3-6 Monate dauert bis sich die Effekte der Behandlung zeigen. Das ist auch ein langer Zeitraum. Würde sich der Körper an das Präparat gewöhnen und mögliche Nebenwirkungen verschwinden? Dann ist da auch noch die Frage, wie viel Zeit wir gewinnen können.

Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie uns einen Rat geben könnten!

Herzlichen Dank und viel Kraft für alle Betroffenen und Angehörigen!

Tochter78

09.08.2019 | 12:13
elmarkaiser

Sehr geehrte Fragenstellerin,

Sie haben in Ihrer Frage bereits das Dilemma beschrieben: Soll man einem Demenzkranken eine Medikation zukommen lassen, die potentiell deutliche Nebenwirkungen hat und deren eigentliche Wirkung erst zeitverzögert auftritt? Es bleibt immer eine Einzelfallabwägung, die aus der Ferne - etwa im Rahmen dieses Forums - nicht abschließend beantwortet werden kann. Allerdings habe ich persönlich gute Erfahrungen damit gemacht, wenn Patienten für die Phase der Eindosierung eines neuen Medikamentes kurzzeitig tagesklinisch oder auch stationär aufgenommen und ärztlich betreutet werden. So können kurzfristig auftretende Nebenwirkungen meist rechtzeitig erkannt werden. Eine andere Lösung scheint mir schwierig, zumal die von Ihnen angegebene Dosierung bereits die Einstiegsdosierung darstellt und eine niedrige Dosierung als Pflasterapplikation technisch nicht zur Verfügung steht. Grundsätzlich sollte vor der Gabe von Rivastigmin auch eine EKG-Kontrolle zur Überprüfung der sogenannten QTc-Zeit erfolgen (Überleitungszeit des Herzens).

Ich wünsche Ihrem Vater und Ihnen alles Gute!

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. E. Kaiser



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