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Ratgeberforum "Gesetzliche Leistungen"

Bild: Ratgeberforum "Gesetzliche Leistungen" Menschen mit Demenz haben Anspruch auf Leistungen der Kranken- und Pflegeversicherung, um ihre medizinische Versorgung, Betreuung und Pflege zu finanzieren. Manchen steht auch ergänzende Sozialhilfe zu. Die Sozialarbeiterinnen Renate Gascho und Birgit Spengemann verfügen gemeinsam über mehr als 45 Jahre Berufserfahrung in der Betreuung und Beratung älterer und demenzkranker Menschen. Sie wissen, was Betroffenen zusteht und beraten im Internetforum kompetent zu leistungsrechtlichen Fragen. Bitte beachten Sie dabei, dass die Auskünfte allgemein gehalten sind. Auskünfte zu landesspezifischen Sonderleistungen wie z. B. Pflegewohngelder sowie das Errechnen von Leistungen im Einzelfall können bei der Beantwortung der Anfragen nicht berücksichtigt werden. Bitte wenden Sie sich hierzu an Ihre zuständige Behörde.

Autor Was muss gezahlt werden?
21.01.2011 | 11:29
Hummel67

Liebes Info-Team vom WegweiserDemenz,
mein Vater befindet sich noch in der medikamentösen Einstellung, ist aber abzusehen bald die Klinik zu verlassen und in ein Pflegeheim zu kommen. Für uns heißt es nun viel §§ und Finanzsachen zu klären. Meine Frage wäre: Meiner Mutter sagte die Sozialbearbeiterin, sie bekäme 2x 359€. Bekommt sie dies auch, wenn die anfallenden Kosten abzüglich der Renten noch ein gewisser - in dem Fall kleiner Betrag übrig bleibt. Oder bleibt meiner Mutter nur der o.g. Betrag für sich.
Hmm....da ich nicht bei der Besprechung dabei war, kann ich jetzt nich so mit Fachausdrücken glänzen und ausdrücken, dafür entschuldige ich mich.
LG
Hummel

22.01.2011 | 14:47
gabrielesteinborn

Hallo Hummel67,

mit dem Wechsel Ihres Vaters in ein Pflegeheim stellt sich die berechtigte Frage, wie die Kosten hierfür gedeckt werden.
Je nach Pflegestufe kann ihr Vater die Pflegeleistungen für vollstationäre Pflege geltend machen (nach § 43) : 1023.00 Pflegestufe 1 bis 1510,00 in Pflegestufe 3 und 1825,00 in begründeten Einzelfällen bei außergewöhnlich hohem pflegerischen Aufwand.
Nun geht es um die Differenz zwischen diesem Zuschuss und den Gesamtkosten für das Heim.
Hierfür wird grundsätzlich das gesamte Einkommen ihres Vaters herangezogen, bis auf den sog. Barbetrag (Taschengeld) in Berlin aktuell 96,93 EUR.weil in den Heimkosten auch Unterkunft und Verpflegung mit enthalten sind.
Wenn der Ehepartner in der gemeinsamen Wohnung verbleibt, dann muss diesem aber grundsätzlich so viel verbleiben, dass er seinen eigenen Lebensunterhalt davon auch bestreiten kann. Seine eigene Existenz darf durch die Unterhaltsleistung nicht gefährdet werden.
Allerdings wird hier einzelfallbezogen auch geprüft, ob die Wohnungsgröße und -miete z.B. auch angemessen ist für den einen verbleibenden Mieter und man muss u.U. gegenüber dem Sozialamt auch begründen, warum ein Wohnungswechsel oder auch eine Untervermietung zur Verringerung der Miete nicht zumutbar ist (langfristiges Mietverhältnis, hohes Alter, Krankheit, Behinderung des verbleibenden Ehepartners u.ä.). Aber keine Panik:
das Sozialamt entscheidet immer unter Berücksichtigung der besonderen persönlichen und finanziellen Verhältnisse und dieses muss man eben auch deutlich machen, sprich alle Verhältnisse offen legen.

Der Betrag von 2x 359,00 EUR, also 718,00 EUR stellt nur einen ungefähren Richtwert dar. Bei der Berechnung des Einkommens wird auch berücksichtigt, ob es besondere Belastungen gibt (z.B. angemessene Versicherungen, Sterbe- Bestattungsvorsorge) und auch eine Ersparniszulage wird mit eingerechnet, um den vorangegangen Lebensstandard zu berücksichtigen.

Eine komplette Unterhaltsberechnung ist sehr aufwändig und zeitaufwändig - insofern leisten die Ämter unserer Erfahrung nach dieses nicht vorsorglich.
Wenn es aber hier konkret zum Wechsel Ihres Vaters in ein Heim kommt, dann werden grundsätzlich alle Unterhaltsverpflichteten – die Ehefrau und auch die Kinder – automatisch vom Sozialamt angeschrieben mit der Bitte um Auskunftserteilung zu ihren wirtschaftlichen und persönlichen Verhältnissen, besonders Einkommen und Vermögen und Sie erhalten dann eine ausführliche Berechnung mit den Bescheiden.
Da es bei der Vorgehensweise und den Berechnungen regionale Unterschiede gibt, kann meine Antwort nur einen groben Richtwert geben. Sie können sich aber gerne an einen Pflegestützpunkt in der Nähe der Eltern wenden, diese haben Erfahrungswerte und Kontakte zu den kommunalen Sozialämtern und helfen weiter.
Ich hoffe, das hilft vorerst weiter zur Orientierung bei diesem komplizierten und umfassenden Thema, beste Grüße
Gabriele Steinborn

24.01.2011 | 16:22
Hummel67

Liebe Frau Steinborn,
erst einmal recht herzlichen Dank für Ihre sehr ausführliche und verständliche Antwort.
Derzeit ist der Stand so, daß meine Mutter lieber daheim pflegen möchte, als die Heringe von der Decke zu holen.....Aber das kann es ja nicht sein. All die Jahre dem Staat nicht zur Last gelegen und nu wird alles weggenommen und man ist quasi Mittellos. Schon traurig und all die Anderen, die bereits jahrelang dem Staat zur Last liegen....die bekommen noch nen Orden und bekommen einen Heimplatz. Entschuldigung für diese Auführung.
Morgen werden wir noch einmal zu einer Dame gehen, die uns wohl alles genau ausrechnen kann oder bekommen einen Termin. Glaube dann haben wir es genau und können entsprechend handeln. Bedanke mich für Ihr Melden.
MfG
Hummel67

24.01.2011 | 22:19
gabrielesteinborn

Hallo Hummel67,
es ist völlig richtig, sich hier ausführlich vor Ort persönlich beraten zu lassen. Mit dem Wissen um die reellen Kosten kann man dann abwägen, welche Entscheidung für Ihre Eltern die Richtige sein kann.
Sowohl für den Wechsel in ein Pflegeheim als auch für die Pflege daheim gibt es gute und wichtige Argumente - neben vielen anderen gibt es auch die berechtigten finanziellen Argumente.
Wichtig zu klären ist hier in der Familie dann auch die Frage, ob Ihre Mutter der weiteren Pflege daheim gewachsen ist und welche Unterstützung man ihr an die Seite stellen kann.
Ich kann gut verstehen, dass die Kostenfrage bei Ihnen Gefühle von Verärgerung und Enttäuschung bewirkt. Für die Betroffenen und Angehörigen ist es immer eine unangenehme Situation, die Finanzen offen legen zu müssen, sich erklären zu müssen - mit dem Bewusstsein, dass nun Ersparnisse und die verdiente Rente eingesetzt werden müssen.
Die Frage, Wechsel in ein Heim oder nicht, ist aber meiner Erfahrung nach für alle Betroffenen und Angehörigen gleich belastend - ganz unabhängig von der Einkommens- und Vermögenslage.

Mit besten Grüßen wünsche ich Ihnen für morgen ein gutes Gespräch !
Gabriele Steinborn



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