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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor das richtige Konzept bei Korsakow (63 Jahre)
18.05.2016 | 18:13
Jana

Guten Abend. Es ist mein Vater, der seit ca zwei Jahren nach einer Alkoholvergiftung das Kurzzeitgedächtnis "verloren" hat und nicht mehr in der Lage ist, seinen Alltag zu meistern. Er wohnt seit 1 Jahr in einem Demenzzentrum und seitdem trinkt er auch nicht mehr. Allerdings gibt es sich dort keine passende Betreuung und er geht dort völlig unter. Er selbst sagt, die sind ihm alle zu alt und dazu zählt er sich nicht. Die Betreuung und Beschäftigung in diesem Heim ist einfach nicht für jüngere Menschen ausgelegt und wird dem Bedürfnis eines Bewohners wie meinem Vater nicht gerecht. Beschäftigungsangebote von außen dürfe man als Heim nicht holen, das ginge nur für Wohngruppen..
Das nächste Domizil für solche Menschen wie Papa liegt über eine Stunde entfernt und ob es ihm gut tun würde, nochmal umzuziehen...Ich könnte dann aber nicht zweimal die Woche zu Besuch..
Immer wieder diese Fragen..was soll ich tun...???

18.05.2016 | 18:20
klauspawletko

Hallo Jana,
eine Wohngruppe wäre aus meiner Sicht wirklich das bessere Angebot. Wenn Sie mir Ihren Wohnort mitteilen, kann ich einmal für Sie recherchieren, ob es ein entsprechendes Angebot in Ihrer Nähe gibt.
Braucht Ihr Vater denn regelmäßige "Pflege"? Ansonsten könnte ich mir auch eine Kombination aus betreutem Wohnen und dem Besuch einer Tagespflege vorstellen. Das Problem mit den übrigen Mitbewohnern - was das Lebensalter anbelangt - ist damit allerdings auch nicht gelöst.

So viel erst einmal für heute.

beste Grüße von

Klaus-W. Pawletko

26.01.2017 | 11:48
KleinesSchwesterlein

Hallo, da klinke ich mich gleich mit ein.... sitze mit dem gleichen Problem und bin auf der Suche. Die jetzige Unterbringung ist zwar "perfekt" damit er versorgt ist, aber das Umfeld ist im Schnitt 20+ Jahre älter. Das prägt natürlich den Alltag und ich hoffe, es gibt etwas im Grossraum Celle wo mehr Lebensinhalt an den besonderen Bedürfnissen gegeben werden kann. Jeder gibt sich dort allergrösste Mühe und es besticht mit viel Herzenswärme und Fürsorge dort, aber ich bin eben auf der Suchen nach einer gezielteren Betreuung. Gibt es da eine Liste oder ähnliches? Bei google so nichts gefunden. Ferner - gibt es denn evtl. auch ein Unter-Forum nur für Angehörige von Korsakov Patienten zum austauschen? Herzlichen Dank für die Bemühung

26.01.2017 | 11:57
klauspawletko

Hallo kleines Schwesterlein,
über ein derartiges Forum ist mir leider nichts bekannt.
Wir haben hier in Berlin aber ganz gute Erfahrungen mit der "Unterbringung" von Korsakow-Patienten in Demenz-WGs gemacht. Vor allem deshalb, weil dort immer (junges) Personal präsent ist, das als Ansprechpartner fungiert.

Beste Grüße von

Klaus-W. Pawletko

26.01.2017 | 12:16
KleinesSchwesterlein

vorerst Danke.. Berlin denken ich, wäre zu weit... versuche es aber mit dem Suchansatz auch mal.Gruss

31.01.2017 | 09:29
martinhamborg

Hallo KleinesSchwesterlein, hallo Jana einige Gedanken möchte ich aufgreifen, um die Diskussion wieder anzuregen: Was genau wünschen Sie sich in der Betreuung Ihres Vaters?

Sie kennen die Bedürfnisse und Interessen Ihres Vaters am besten und können abschätzen, womit sie ihn zufriedener machen. Diese Informationen sollten von den Betreuungskräften nach §87b gern aufgenommen werden, denn die individuelle Zusammenarbeit und das Einbeziehen der Angehörigen sind Qualitätsmerkmale, die vom MDK überprüft und zensiert werden. Vielleicht haben Sie noch Bücher, Spiele, Filme, Musik … einen alten Laptop, damit die Betreuungskräfte das richtige Material haben und nicht die knappe Zeit für Vorbereitungen nutzen müssen.
Eine wichtige Frage ist, wie sich Ihr Vater selbst beschäftigen kann. Männer wollten oft nicht so gern „zwangsbespaßt“ werden. Oft wurden Depressionen nicht erkannt, die vielleicht hinter einer (manchmal passiv-aggressiven) Unzufriedenheit stehen. Gibt es da Hinweise bei Ihrem Vater? Viel häufiger als erwartet war der Alkohol zu Beginn ein Selbstheilungsversuch von Depressionen, Persönlichkeitsstörungen oder Angsterkrankungen…

Wenn Sie sich gezielt auf die Suche nach Spezialeinrichtungen für Menschen mit Korsakow machen wollen, können Sie ich an Ansprechpartner in der Suchhilfe wenden (Beratungsstellen, Blaues Kreutz, Anonyme Alkoholiker). Schauen Sie, ob Ihr Vater besser in eine solche Einrichtung passt, in denen oft Menschen nach einem langen Leidensweg mit einer festen Tagesstruktur und klaren Regeln betreut werden.

In die Heime und Tagespflegeeinrichtungen kommen zunehmend jüngere Pflegebedürftige und die Einrichtungen sind gut beraten, wenn sie sich mit entsprechenden Lebenswelten spezialisieren und Menschen bevorzugt aufnehmen, die in diese Gruppe passen. Sie könnten also gezielt danach fragen, wie viele jüngere Bewohner es gibt und ob gerade spezialisierte Betreuungskonzepte entwickelt werden, in die Ihr Vater gut passen würde.

Wie gut sind Sie über das Krankheitsbild informiert? Korsakow ist immer erstmal ein „Stigma“, denn gerade wenn eine alkoholbedingte Demenz mit Herausforderndem Verhalten verbunden ist, hat dies Demenzgruppen oft schwer belastet. Denn dann sollten ganz andere Anforderungen an den Umgang gestellt werden, als bei einer Gruppe von Menschen mit einer Demenz vom Alzheimer Typ. In der besonderes Dementenbetreuung in Hamburg gilt der „Korsakow“ sogar als Ausschlusskriterium.
Natürlich wirkt sich jede Krankheit unterschiedlich auf einen Menschen aus und so wie Herr Pawletko schreibt, kann auch eine WG passen, weil die Menschen zusammenpassen – unabhängig von einer Diagnose.

Wenn Sie sich in anderen Heimen informieren, sprechen Sie bitte offen davon, wie sich der Korsakow, wie sich bei Ihrem Vater auswirkt, welche Interessen und Bedürfnisse sie kennen und welchen Beitrag er vielleicht in einer Gruppe Jüngere leisten kann. Persönlich bin ich gespannt auf Ihre Erfahrungen, Ihr Martin Hamborg

31.01.2017 | 10:30
KleinesSchwesterlein

Bei mir ist es der Bruder, der aus der totalen Verwahrlosung und Vereinsamung heraus ins KH gebracht wurde und dem Tot von der Schippe gesprungen ist. Mit Zunahme der "Lebensgeister" kam klipp und klar hervor - nach Hause alleine geht nicht mehr und dieses Pflegeheim ist ein Goldstück und hat ihm bereits sehr viel Gutes gebracht. Mein Gedanke entspricht eher meinem Wissen aus den Therapie-Formen aus Holland, wo gezielt für Korsakow-Patienten Wohngruppen mit Therapien vorhanden sind, denn das Umfeld hier erfordert andere Themen. Das Angebot für Demente hilft meinem Bruder nicht - "gewinnt" er jede gezellige Quizz-Show, weil ihm ja nicht DAS Wissen abhanden gekommen ist, sondern das Gedächtnis, aktuelle Ereignisse zu speichern und umzusetzen. Auch singen und ähnliches macht "Spass" aber er verfällt umgehend in eine Trauer, fühlt er sich unter den "Alten" eben nicht wohl. Dadurch läuft er oft nebenher und das finde ich sehr schade. Aggression oder Verkappte Depression liegen nicht vor - grosse Angst und Unsicherheit in ungewohnter Umgebung. Aber das legt sich jetzt nach den ersten Monaten. Könnte denn eine Form der Ergo-Therapie NUR für meinen Bruder ihm Gutes tun? Wenn ja, worauf müsste ich denn achten, wenn es keine richtigen Korsakow-Wohngruppen in seiner Umgebung gibt. Danke für den Austausch und NEIN, ich habe keine Scheu vor dem Begriff Korsakov. Ich muss schon seit Jahren jedem erklären, dass mein Bruder zwar mit Überzeugung trinkt, aber eben nie auf sein Äusseres grossen Wert legt und dabei sehr intelligent, super sensibler und feiner Kerl und in seinem Beruf ein Ass war. Ausserdem ist niemanden geholfen, unterlasse ich zu sagen, was ich weiss... immerhin kann mein Bruder nicht mehr für sich selber reden und ist auf meine Hilfe angewiesen und DAS klappt nur, bei Offenheit der Daten. Danke für den Austausch.....

03.02.2017 | 14:40
martinhamborg

Hallo KleinesSchwesterlein,
dank Ihnen für die Klarstellungen und das sympathische Bekenntnis zu Ihrem Bruder. Auf jeden Fall können Sie hier in der Datendank nachsehen, welche Ergotherapeuten in Ihrer Nähe spezialisiert sind. Vielleicht bekommen Sie über den Hausarzt einen Verordnung für die Therapie im Heim.
Vielleicht gibt es in den Selbsthilfegruppe (wie Blaues Kreuz) Menschen, die sich für einen ehrenamtlichen Besuchsdienst interessieren lassen.
Haben Sie den Eindruck, dass es im Heim Menschen gibt, die zu Ihrem Bruder une seinen Interesssen passen könnten? Vielleicht können Sie bei Ihren Besuche andere einbeziehen und dann den Betreuungskräften im Heim Ansatzpunkte für eine sinnvolle Beschäftigung vorschlagen?
Wir sind leider nicht in Holland, aber neue Konzepte und neue Ansätze entstehen immer wieder (trialogisch) aus dem Leidensdruck der Betroffenen und den Ideen und Anregungen der Ängehörigen und Mitarbeiter...
Bitte halten Sie uns auf dem Laufenden, denn es ist gut, wenn über diese Form der Demenz gesprochen wird. Ihr Martin Hamborg

18.05.2020 | 22:33
NilsHolgersson

Hallo Kleines Schwesterlein,dieser Beitrag ist schon ein paar Jahre alt.
Haben Sie im Umkreis von Celle was passendes finden können?
Habe einen guten Freund der an Korsakow im Pflegeheim untergebracht,nur glaube ich es ist nicht das richtige.
Vielleicht lesen Sie ja diese Nachricht.



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