Navigation und Service

Direkt zu:

Hauptmenü

Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Oma alleine zuhause / Mahnungen
11.12.2017 | 09:14
Jutta60

Hallo Sonia,
das kommt mir alles leider sehr bekannt vor. Meine Mutter hat Menschen und größere Tiere gesehen und darüber auch (wie bei Ihnen) am Telefon sehr detailliert berichtet: "der Hund sprang über den Gartenzaun und deshalb bin ich gefallen". Ich wollte den Nachbarn anrufen und ihn zur Rede stellen. Dann sah ich mir den Garten bei meinem nächsten Besuch genau an: es ist nicht möglich, da der Abhang dahinter zu hoch und zu steil ist. Meine Mutter darauf angesprochen: entweder sie erinnerte sich nicht mehr an ihren Bericht oder war empört, dass ich ihr nicht glaubte, sondern mich mit anderen gegen sie verbünden würde. Menschen sprachen mit ihr und zwangen sie zu unglaublichen Handlungen: sie musste sich ausziehen und ihre Kleider zusammenknoten und sollte auf einen Baum steigen (das letzte hat sie zum Glück gelassen ). Wenn ich sie anflehte, DAS doch endlich einmal dem Arzt zu sagen, dann meinte sie: eigentlich könne das doch nicht sein, dass Fremde plötzlich so durch die Wand kämen und sie würde fürchten, dass mit ihr etwas nicht stimmen würde. Dann war sie verzweifelt und weinte. Der Hausarzt meinte, bis auf einen leichten Verfolgungswahn würde er nichts finden. Drei Fachärzte erklärten (bei 3 verschiedenen Krankenhausaufenthalten wegen Stürzen und Verwirrtheit): eine plötzlich auftretende Demenz gäbe es nicht, meine Mutter würde immer noch eine genügende Punktezahl beim Test erreichen. Ich hingegen (sagte mir einer) würde zur Agitiertheit neigen und könne, wenn ich auch selbst das Gefühl hätte, dass ich behandlungsbedürftig sei, gerne einen neuen Termin in der Sprechstunde ausmachen. Für meine Mutter aber sei ein neuer Termin nicht notwendig. Beim Hausarzt höhlte dann der stete Tropfen den Stein, am Ende bekam ich von ihm die Einweisung. Da lag meine Mutter aber auch schon im Wahn schreiend auf der Straße und lies keinen mehr an sich heran.
Heute, 3 Monate später, akzeptiere ich das so langsam als ihre Entscheidung. Sie hat zumindest am Anfang gespürt, dass etwas mit ihr nicht mehr in Ordnung war. Sie wollte vielleicht die letzte Gewissheit nicht haben. Und heilen hätte man sie nicht können. Aber die Angst und die Ungewissheit (bei ihr und mir), was als nächstes passiert, das wäre durch eine rechtzeitige Diagnose und medikamentöse Einstellung um viele Monate verkürzt worden.
Die Pflegestufe/später Pflegegrad bekam sie auch nicht wegen Demenz, sondern zunächst nur wegen körperlicher Beschwerden als Folge der vielen Stürze.
Ich würde Ihnen so gerne Mut machen und Ihnen eine Hilfestellung geben. Aber leider ist das meine Erfahrung gewesen. Warum wiederholen sich solche schrecklichen Dinge?
Alles Gute für Sie und Ihre Mutter, ich ahne, was sie beide durchmachen müssen.
Und danke für die Hinweise zur Einstufung, Herr Hamborg.

28.04.2019 | 16:17
hmrwpt

Ich möchte liebe Grüße in die Runde senden und mich anschließen, auch meine "Oma" 80, dement, körperlich top fit, aber glücklicherweise mit Pflegegrad 2, lebt alleine in Ihrer Wohnung. Di + Do geht sie jetzt in eine Tageseinrichtung, das tut ihr sehr gut. Sie bestellt alles am Telefon, Lotto, Abos Telefonverträge, Nahrungsergänzung und jeder bekommt die Bankverbindung. Alles bla bla bla ist völlig sinnfrei. Neue Rufnummer, ständige Kontrolle der Fritzbox (Telefonrouter) per Fernzugriff, Girocard mit maximal 200 Euro Verfügungsrahmen bzw. 400 Euro pro Woche, (kann jede Bank einrichten. Übrigens ist Amazon Echo (alexa) sehr hilfreich. Ich kann Erinnerungen per App eingeben und Oma bekommt die dann vorgelesen.
Es ist ein täglicher Kampf um Kontrolle, Sicherheit und Selbständigkeit, gewinnen kann das leider keiner. Wir müssen immer stark sein und dürfen nicht vergessen das unsere lieben uns brauchen, solange die Kraft reicht und es zu verantworten ist. Mir fällt es sehr schwer Entscheidungen zu treffen, die bei Oma zu Einschränkungen führen. Aber es tröstet mich, das ich ihr das ja immer versprochen habe. Oma, ich bin immer für Dich da und passe auf Dich auf .........

29.04.2019 | 08:17
martinhamborg

Hallo hmrwpt, danke für die Tipps und den Beitrag, der Mut macht und zeigt, dass die freundliche Selbstverständlichkeit ohne lange Diskussion über schwieriger Phasen der beginnenden Demenz hinwegtragen kann.
Ich hoffe sehr, dass sich auch bei Sonja die Situation entspannt hat!
Freue mich über weitere Erfahrungen, Ihr Martin Hamborg



Grafik FacebookGrafik TwitterRSS-Feed:Grafik RSS-SymbolAbonnieren: Grafik Facebook Grafik Twitter Grafik YoutubeDrucken:Grafik Drucker