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Ratgeberforum "Gesetzliche Leistungen"

Bild: Ratgeberforum "Gesetzliche Leistungen" Menschen mit Demenz haben Anspruch auf Leistungen der Kranken- und Pflegeversicherung, um ihre medizinische Versorgung, Betreuung und Pflege zu finanzieren. Manchen steht auch ergänzende Sozialhilfe zu. Die Sozialarbeiterinnen Renate Gascho und Birgit Spengemann verfügen gemeinsam über mehr als 45 Jahre Berufserfahrung in der Betreuung und Beratung älterer und demenzkranker Menschen. Sie wissen, was Betroffenen zusteht und beraten im Internetforum kompetent zu leistungsrechtlichen Fragen. Bitte beachten Sie dabei, dass die Auskünfte allgemein gehalten sind. Auskünfte zu landesspezifischen Sonderleistungen wie z. B. Pflegewohngelder sowie das Errechnen von Leistungen im Einzelfall können bei der Beantwortung der Anfragen nicht berücksichtigt werden. Bitte wenden Sie sich hierzu an Ihre zuständige Behörde.

Autor Gesetzliche KK lehnt ReHa ab
03.11.2017 | 10:56
IndyLimbo

Bei meinem Onkel (87 Jahre alt) wurde Anfang 2017 aufgrund einer fortgeschrittenen Demenz der Pflegegrad 4 festgestellt. Er wird von meiner Tante und einem ambulanten Pflegedienst in ihrem gemeinsamen Haus gepflegt. Mein Onkel findet sich in dieser Umgebung noch relativ gut zurecht und war bisher körperlich noch (altersentsprechend) mobil.

Leider zog er sich vor wenigen Tagen einen Oberschenkelhalsbruch zu und liegt z.Zt. im Krankenhaus. Im Krankenhaus wurde eine ReHa-Maßnahme empfohlen, damit er schnell wieder auf die Beine kommt. Die gesetzliche Krankenkasse hat nun aber leider (bisher telefonisch) angedeutet, dass aufgrund des Alters und der Demenz kein ReHa-Aufenthalt genehmigt werden wird. Das hört sich für mich ein wenig wie Altersdiskriminierung an.

Nach Hause kann er direkt nach dem Krankenhausaufenthalt erst einmal nicht, da das Haus z.B. keinen Treppenlift und verschiedene andere Stolpersteine hat, und nun erst noch einige Umbaumaßnahmen bevorstehen, welchen nun schnellstmöglich angegangen werden (geplante Dauer 3-4 Wochen). Meine Tante (79 Jahre) ist zudem nicht in der Lage, ihn zu heben usw., was bisher auch nicht notwendig war.

Eine ReHa wäre somit die beste Möglichkeit, damit er wieder mobil wird und nicht ins Pflegeheim muss. Für die gesetzliche Krankenkasse wäre es wahrscheinlich auch die finanziell günstigere Alternative.

Es würde mich interessieren, wie hier die gesetzliche Seite aussieht, insbesondere bzgl. der Ablehnung und Möglichkeiten des schnellen Widerspruchs (da die Zeit drängt), und was tatsächlich passieren würde, könnte er nach dem Krankenhaus weder in die ReHa noch zurück nach Hause.

Herzlichen Dank!

I. Limbert

06.11.2017 | 07:16
renategascho

Guten Tag,

grundsätzlich gesehen eine schwierige Situation die aus der Ferne vermutlich nicht ausreichend beantwortet werden kann. Unter Rehabilitationsfähigkeit finden wir unter anderen den Punkt: „das die Stabilität des Kreislaufs und die allgemeine psychische und physische Belastbarkeit des Patienten es erlauben, dass er mehrmals täglich aktiv an rehabilitativen Maßnahmen teilnehmen kann“. Sie sprachen zu Anfangs in Ihrer Anfrage von einer bereits fortgeschrittenen Demenz Ihres Onkels. Ein Ausschlusskriterium für eine Rehabilitation kann z.B.: „eine massiv eingeschränkte kognitive Fähigkeit, z.B. bei hochgradiger Demenz“ sein. Vielleicht ist Ihr Onkel aufgrund seiner Demenz gar nicht in der Lage, den Sinn und die Notwendigkeit der erforderlichen Maßnahmen nachzuvollziehen. Es gäbe auch noch die Möglichkeit, dass die Pflegeperson mit in die Rehabilitationsmaßnahme aufgenommen werden könnte. Auch hier wäre abzuwägen, ob der pflegende Angehörige die freien Kapazitäten und Ressourcen hätte. Aber das alles müssen Sie in einem Gespräch mit den Fachleuten vor Ort klären.

Vielleicht wäre es auch sinnvoller wenn der Patient in seiner Häuslichkeit bzw. in einem anschließenden Aufenthalt in einer Kurzzeitpflegeeinrichtung nach Krankenhausaufenthalt eine intensive Physiotherapie erhalten würde.

Wenn bei Pflegebedürftigen der Pflegegrade 2-5 die Pflege zeitweise nicht im erforderlichen
Umfang zu Hause erbracht werden kann, besteht die Möglichkeit, die Pflege und Betreuung in
einer Kurzzeitpflegeeinrichtung zu erhalten. Den Antrag dazu erhält man bei seiner Pflegekasse.
Kurzzeitpflege kommt u.a. dann in Betracht wenn für eine Übergangszeit im Anschluss an eine stationäre Behandlung, z.B., wenn in der Wohnung des Pflegebedürftigen noch Umbaumaßnahmen
erforderlich sind.

Der Anspruch auf Kurzzeitpflege besteht für die Pflegebedürftigen für bis zu 8 Wochen im Jahr.
Die Aufwendungen für Pflege, soziale Betreuung und medizinische Behandlungspflege können
bis zu einem Gesamtbetrag von 1.612 € pro Kalenderjahr von der Pflegekasse vergütet
werden. Die anfallenden Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Investition müssen vom
Pflegebedürftigen selbst getragen werden. Der Leistungsbetrag kann um bis zu 1.612 € aus noch nicht in Anspruch genommenen Mitteln der Verhinderungspflege auf insgesamt 3.224 € im Kalenderjahr erhöht werden.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie viel Kraft für die kommende Zeit und alles Gute.
Mit freundlichen Grüßen
R. Gascho



06.11.2017 | 10:31
IndyLimbo

Haben Sie vielen Dank, Grau Gascho!

Ihre ausführliche Antwort gibt uns wieder Hoffnung, dass die Situation doch noch zum Besten meines Onkels gelöst werden könnte. Ich werde das Forum über den Fortgang auf dem Laufenden halten.

Beste Grüße,
I. Limbert

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 06.11.2017 um 10:32.]



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