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Ratgeberforum "Prävention, Diagnose und Therapie"

Bild: Ratgeberforum "Prävention, Diagnose und Therapie" Die Diagnose Demenz wirft viele Fragen auf. Hätte die Erkrankung verhindert werden können? Ist sie therapierbar? Und worauf sollte man bei der Behandlung achten? Im Ratgeberforum „Prävention, Diagnose und Therapie“ geben zwei Experten Antworten: Dr. Marc Lässer, Neuropsychologe und assoziierter wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Sektion Gerontopsychiatrie der psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg, moderiert das Forum zusammen mit Dr. Elmar Kaiser. Als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie leitete er bis Anfang 2012 die Gedächtnisambulanz der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg.

Autor Ständige Anschuldigungen u. Wutausbrüche
03.11.2018 | 10:48
Angehörige

Sehr geehrte Herren Doktoren,

meine Mutter (79) leidet seit ca. 4 Jahren an deutlich zunehmender Vergeßlichkeit. Gerade mit ihr Besprochenes vergißt sie oft unmittelbar danach oder sie wiederholt sich ständig, z. B. eine Nachbarin hat sie beim Aussprechen einer Einladung zum Kaffeetrinken übergangen. Diesen Vorfall erzählt sie tagelang mehrmals am Tag, oft sogar mehrmals in der Stunde. Sie erzählt es aber in der Form, als hätte sie mir davon noch nie berichtet, also mit den beginnenden Worten: "...hatte ich Dir schon erzählt?"
Auch das ständige Verlegen von Brille, Schlüssel, Dokumenten usw. macht mir große Sorgen. Diese ständigen Wiederholungen und das Suchen von Dingen ist für mich sehr zermürbend. Neuerdings stolpert sie recht häufig und gelegentlich stürzt sie auch dabei.

Was mich jedoch an den Rand der Verzweiflung sowie meiner physischen und psychischen Kräfte bringt, sind ihre ständigen unberechtigten Anschuldigungen, Tobsuchtsanfälle und Wutausbrüche. Beispiele: Meine Mutter behauptet, daß sich fremde Personen im Dunkeln in meiner Wohnung (ich lebe mit meiner Mutter in einem EFH zusammen) aufhalten würden und mir Schmuckketten geklaut hätten. Die genannten Ketten sind natürlich noch da, was meine Mutter jedoch nicht wahrhaben will. Erst kürzlich behauptete sie wieder, daß ich durch Benutzung falscher Reinigungsmittel und intensiven "Schrubben" damit, die Fußböden und Möbel ruiniert hätte. Aufgrund beruflicher und privater sehr großer Arbeitsfülle bleibt mir leider kaum Zeit zum Reinigen meiner Wohnung, daher habe ich sicherlich keine Zeit und Interesse, etwas "kaputt zu schrubben" wie sie es formuliert. Diese boshaften und unberechtigten Anschuldigungen meiner Mutter erfolgen von ihr sofort sehr lautstark. Solche Diskussionen enden nie unter einer Stunde mit dem Resultat, daß sie völlig uneinsichtig über ihren geäußerten Unsinn ist. Mittlerweile bin ich nervlich sehr angegriffen, so daß ich diese Auseinandersetzungen nicht mehr durchstehe. Selbst wenn ich sofort zu Beginn eines Tobsuchtsanfalls den Raum verlasse, schreit und tobt sie weiter. Nach einer solchen Attacke, verhält sich meine Mutter, als hätte es diesen Tobsuchtsanfall nie gegeben.

Versuche von mir, sie zu einem Arzttermin zu überreden, um sich untersuchen zu lassen, enden immer mit weiterem Geschrei und Behauptungen, daß ich sie wohl entmündigen oder für "verrückt" erklären wolle. Meine Mutter hält sich für gesund und in vollem Besitz ihrer geistigen Kräfte. Ich habe bereits an verschiedenen Stellen, leider ergebnislos, Rat gesucht. Der einzige Rat war immer, daß ich doch einfach ausziehen und sie ihrem Schicksal überlassen solle, was aber sicherlich nicht die einzige Lösung sein kann, da ich meine Wohnung bzw. das Haus nicht verlassen möchte und es auch nicht einsehe, wegen einer offenbar sehr kranken Person mich verändern zu müssen.

Ich suche daher Ihren Rat, um welche Erkrankung es sich bei meiner Mutter handeln könnte. Ist es evtl. eine beginnende Form von Demenz?

Mit freundlichen Grüßen

04.11.2018 | 09:55
elmarkaiser

Sehr geehrte Fragenstellerin,

ja, grundsätzlich kann eine Demenzerkrankung mit den Symptomen einhergehen, die Sie von Ihrer Mutter berichten. Eine genauere diagnostische Einordnung ist naturgemäß nur mittels einer weiterführenden Abklärung möglich, die auch neuropsychologische Testungen oder ein MRT des Schädels umfasst. Sogenannte gerontopsychiatrische Stationen oder universitäre Gedächtnisambulanzen können diese sinnvollen Abklärungen veranlassen bzw. durchführen. Häufig ist bei den Betroffenen aufgrund einer Demenzerkrankung leider keine Krankheitseinsicht gegeben. Falls konstant und vehement Arztbesuche abgelehnt werden und Sie sich als Angehörige dennoch berechtigte Sorgen machen, bleibt Ihnen die Option, sich über das zuständige Amtsgericht des Wohnortes Ihrer Mutter mit einem Amtsarzt in Verbindung zu setzen. Von Amts wegen sind solche Ärzte berechtigt, Untersuchungen anzuordnen, falls die rechtlichen Voraussetzungen -z.B. im Sinne einer möglichen Eigengefährdung der Betroffenen - gegeben sind. In der Praxis kann dies allerdings manchmal bedeuten, dass jemand auf eine gerontopsychiatrische Station eingewiesen wird, wo dann die weitergehende Diagnostik und ggfs. Therapie erfolgen kann. Der "harmloseste" Weg wäre natürlich, Ihre Mutter zu einer Vorstellung in einer universitären Gedächtnisambulanz zu motivieren, evtl. unter Einbeziehung einer Freundin / guten Bekannten Ihrer Mutter, mit der Sie sich absprechen könnten.

Ich wünsche Ihrer Mutter und auch Ihnen alles Gute!

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. E. Kaiser

04.11.2018 | 12:41
Angehörige

Sehr geehrter Herr Dr. Kaiser,

vielen Dank für Ihre Antwort und Hilfestellungen, die mir sicherlich weiterhelfen werden, eine Lösung für ein hoffentlich bald etwas entspannteres Zusammenleben mit meiner Mutter und mir zu finden.

Mit freundlichen Grüßen



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