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Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte"

Bild: Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte" Im Laufe einer Demenz ändern sich Kommunikationsfähigkeit und Verhaltensweisen. Das ist für alle Beteiligten oft belastend. Der Wegweiser Demenz hat zwei Experten auf diesem Gebiet als Moderatoren für das Internetforum gewonnen: Jochen Gust hat als Altenpfleger Menschen mit Demenz betreut. Heute schult er unter anderem Klinikpersonal im Umgang mit Demenzkranken, berät Angehörige und schreibt Bücher. Dr. Svenja Sachweh bietet Kommunikationstrainings für Pflegepersonen an und ist Autorin diverser Lehr- und Ratgeberbücher zur Verständigung mit Demenzkranken.

Autor Ständiges Negieren und Endlosdiskussionen
27.11.2018 | 12:00
Zimt

Eine entspannte Kommunikation ist mit meiner Mutter kaum noch möglich. Sie negiert alles, was man sagt, widerspricht sich dabei selbst und provoziert dadurch ständig Konflikte. Eines von vielen Beispielen: es ging um eine Feier, zu der sie nicht mehr wollte, weil ihr ja alles viel zu dämlich sei. Als ich ihr entgegnete, daß sie doch auch gar nicht mit müsse, kam es direkt von ihr: „Ist ja klar, daß du mich nicht dabei haben willst.“ Man kann um des lieben Friedens willen auf ihre Wünsche eingehen, und im nächsten Satz will sie auf einmal das Gegenteil und dreht den Spieß gegen mich um. Sie befindet sich in einer permanenten Nein-Nein-Schleife. Jeder Vorschlag, den man ihr macht, wird kategorisch abgelehnt, um im Gegenzug gleich wieder das Schicksal zu beklagen. Wenn sie jammert, sie sei den ganzen Tag allein und ich ihr vorschlage, doch zu einer Veranstaltung, die es in ihrer Wohnanlage gibt (sie lebt in einem betreuten Wohnen, mit einem hohen Maß an Eigenverantwortung), kommt es direkt, da seien nur alte Leute und das sei alles unter ihrem Niveau.

Aufgrund ihres schlechten Kurzzeitgedächtnisses bin ich dauernd in einer Rechtfertigungshaltung. Ich sage ihr ständig, daß ich dann und dann einen Termin habe, meistens beruflicher Art, und nicht zu ihr kommen kann. Wenn sie immer wieder fragt, ob ich denn komme und ich den Termin anführe (den ich schon mehrfach genannt habe), wird sie wütend und meint, ich würde nicht mit offenen Karten spielen, verklausuliert, ich würde mich nicht um sie kümmern. Daß ich berufstätig bin und Verpflichtungen habe, will sie nicht verstehen. Ich weiß, daß es sinnlos ist, wenn ich gewisse Dinge immer wieder erwähne, weil sie das ja sofort wieder vergißt. Aber wie kann ich ihr denn anders klar machen, daß ich nicht ständig für sie zur Verfügung stehen kann?

Die Kommunikation mit ihr zermürbt mich. Wir drehen uns in fruchtlosen Diskussionen im Kreis. Gibt es irgendwelche Mittel, „Master“-Sätze, um diese Gespräche nicht ausufern zu lassen? Mag sein, daß sie solche Endlosschleifen auch provoziert, weil sie allein ist und eigentlich nur reden will, aber ich habe weder andauernd Zeit noch Kraft dazu. Oder hilft am Ende nur das dicke Fell?

Vielen Dank im Voraus für mögliche Tipps!


[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 27.11.2018 um 12:00.]

28.11.2018 | 06:36
jochengust

Hallo Zimt,

das Nichtteilhabenwollen an Aktivitäten kann durchaus auf Verunsicherung im Zusammenhang mit der Demenz hinweisen.
Diskussionen mit Menschen mit Demenz sind in der Tat häufig fruchtlos und daher eher zu vermeiden. https://www.wegweiser-demenz.de/informationen/alltag-mit-demenzerkrankung/tipps-fuer-angehoerige/richtig-kommunizieren.html

Machen Sie sich auch immer wieder klar, wie wertvoll und wichtig der Kontakt für Ihre Mutter in mehrfacher Hinsicht ist, auch wenn ein Gespräch nervig sein kann. Im Gespräch wechseln Sie ggfs. das Thema, anstatt in einen Rechtfertigungsmodus zu gehen. Beantworten Sie Fragen wahrhaftig, klar, kurz und knapp - aber vermeiden Sie, wortreich erklären zu wollen, warum Sie an Tag X nicht da sein können: "Da muss ich arbeiten.", genügt im Zweifel. Auf einen darauffolgenden Vorwurf gehen Sie schlicht nicht ein und leiten zu einem anderen Thema über. Möglicherweise würde es Ihre Situation auch entspannen, wenn Ihre Frau Mutter einen weiteren Ansprechpartner hätte der für Kommunikation, Kontakt und Ablenkung sorgt. Vielleicht liesse sich auf diese Weise Ihre persönliche Situation etwas entzerren? Ggfs. nutzen Sie ein sog. "niedrigschwelliges Angebot", falls es so etwas vor Ort gibt; oder auch einen Besuchsdienst o.ä. .
Falls vorhanden, kann Ihre regionaler Pflegestützpunkt meist mit einem Adressverzeichnis weiterhelfen.

Es grüßt Sie

Jochen Gust

28.11.2018 | 13:31
Zimt

Vielen Dank für die Antwort!

Ich habe auch schon versucht, über einen Sozialdienst einen Ehrenamtler mit meiner Mutter zusammenzubringen, der sich ab und zu mit ihr trifft und Zeit mit ihr verbringt. Aber das hat meine Mutter leider auch verweigert und bösartig über die Dame hergezogen. Mir wäre auch wohler, wenn sie außer mir andere Kontakte pflegen würde, weil ihr das Alleinsein nicht gut tut. Aber sie lehnt alles ab.

Auch da kämpfe ich gegen Windmühlen.

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 28.11.2018 um 13:31.]

30.11.2018 | 08:08
jochengust

Hallo Zimt,

ist ein Pflegegrad schon einmal begutachtet worden? Auch Tagespflege könnte eine Möglichkeit sein. Ggfs. muss zur Eingewöhnung der Besuch erstmal begleitet werden. Möglicherweise auch hinnehmend, dass Ihre Frau Mutter anfangs nicht wirklich begeistert ist. Damit Sie nicht weiter überlastet werden, müssen Sie ggfs. vielleicht auch in aller Deutlichkeit durchsetzen, dass sich auch andere einmal um Ihre Frau Mutter kümmern. Denn kümmern können Sie sich auf Dauer nur weiter, wenn Sie ausreichend auf sich selbst acht geben. Gerade und auch, um Teilhabe zur ermöglichen oder zu bieten, vielleicht Ihrer Frau Mutter das Erleben verschaffen, dass nicht schlimmes passiert an einem solchen Ort.
Im Gespräch vermeiden Sie Diskussionen und korrigieren Sie auch keine falschen Anschuldigungen oder Behauptungen, sofern das keine Wirkung auf Dritte erzielt. Sie werden sonst möglicherweise in einer Konfliktspirale bleiben, die Ihnen lediglich die Kraft raubt sich weiter um Ihre Mutter kümmern zu können.

Viel Kraft wünscht

Jochen Gust

02.12.2018 | 11:26
svenjasachweh

Hallo Zimt,
kann Ihre Mutter noch lesen, hat sie eine ungefähre Vorstellung, welcher Monat, welcher Tag es ist? Dann könnten Sie ja einen großen Kalender anschaffen und alle Tage farbig markieren, an denen Sie sich entweder kümmern können, oder an denen Sie verhindert sind.
Ich würde Ihnen auch anraten, sich auf Vorwürfe und Diskussionen nicht einzulassen und in diesem Falle einfach zu gehen. Ich würde emotional argumentieren und immer wieder Verständnis und Mitgefühl für die Gefühle von Einsamkeit und Langeweile signalisieren, aber zugleich verdeutlichen, dass sich daran nichts ändern wird, wenn Ihre Mutter nicht bereit ist, sich auf andere Menschen außer Ihnen einzulassen. Ich würde sagen: "Mama, ich tue alles, was mir möglich ist, aber deine Vorwürfe machen mich traurig und ratlos!" Und dann würde ich unmittelbar gehen - damit sie die direkte Rückmeldung hat, dass das Abladen ihres Frusts bei Ihnen nicht zu Lösungen, sondern zu noch mehr Frust und Traurigkeit, auch bei Ihnen führt. Vielleicht bewegt sich dann etwas...? Ich drücke Ihnen die Daumen.

S. Sachweh



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