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Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte"

Bild: Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte" Im Laufe einer Demenz ändern sich Kommunikationsfähigkeit und Verhaltensweisen. Das ist für alle Beteiligten oft belastend. Der Wegweiser Demenz hat zwei Experten auf diesem Gebiet als Moderatoren für das Internetforum gewonnen: Jochen Gust hat als Altenpfleger Menschen mit Demenz betreut. Heute schult er unter anderem Klinikpersonal im Umgang mit Demenzkranken, berät Angehörige und schreibt Bücher. Dr. Svenja Sachweh bietet Kommunikationstrainings für Pflegepersonen an und ist Autorin diverser Lehr- und Ratgeberbücher zur Verständigung mit Demenzkranken.

Autor Aggression bei Pflege
28.11.2018 | 13:58
Demenzoma

Liebe Damen und Herren, ich brauche einen Tipp für meine Großmutter: sie befindet sich seit nunmehr vier Monaten in einem Pflegeheim ist 99 Jahre alt und leider auch dement. Sie hat keine Einsicht mehr in die Pflege und reagiert sehr verweigernd und aggressiv. Ich habe auch das Gefühl die Umstellung von der eigenen Wohnung ins Pflegeheim mit 99 ist natürlich auch ein extremer Schlag für Sie gewesen. Sie hat einige blaue Flecke, über die ich mch beschwert hat, weil es gueß die wehre sich bei der Pflege. Nun möchte das Krankenhaus meine Oma ständig abschieben sie war erst im Krankenhaus, soll jetzt einige runter Psychatrie. Davon halte ich gar nichts. Welche Tipps kann man dem Pflegepersonal geben, sie scheinen wenig spezialisiert auf Demenz zu sein. Viele Grüße und vielen Dank für Tipps

30.11.2018 | 08:14
jochengust

Hallo Demenzoma,

Ortswechsel sind für Menschen mit Demenz immer schwer zu nehmen, da sie nur erschwert bis gar nicht mehr die nötige Anpassungsleistung erbringen können.
Aus Ihrem Beitrag ist mir nun nicht ganz deutlich, ob Ihre Großmutter akutell im Krankenhaus ist oder im Pflegeheim? Falls Sie im Krankenhaus ist - weshalb?
Nur wenige Kliniken sind auf Menschen mit Demenz ausreichend vorbereitet.
Wenn bei Ihrer Großmutter ein Aufenthalt in der Psychiatrie angezeigt scheint, kann man Ihnen sicherlich die entsprechende Indikation dafür genau erläutern.

Falls sie sich nur bei der Grundpflege abwehrend verhält bzw. Aggeressionen zeigt ist natürlich zu hinterfragen wie das genau abläuft. Und wieviel Pflege tatsächlich notwendig ist, als dass diese mit Zwang(?) (blaue Flecke?) durchgesetzt werden müßte.... .

Es grüßt Sie

Jochen Gust

30.11.2018 | 18:30
Demenzoma

Lieber Herr Gust, Danke für Ihre Antwort. Meine Oma ist aktuell im Pflegeheim. Es kam jetzt diese Woche der Vorschlag sie in die Gerontopsychiatrie oder KH zu verlegen, da sie nicht esse und trinke. Wenn einer unsere Familie sie besucht (ca 3x pro woche) isst und trinkt sie gerne. Dass sie den Pflegenden feindselig gegenüber steht, ist allerdings unstrittig. Sie will nicht gepflegt werden und verweigert sich, liegt am liebsten alleine im Bett. Psychopharmaka hat sie auch schon im Heim bekommen, sie verweigert aber auch die Medikamenteneinnahme. Wir hatten ihr die Medis dann flüssig in ihre Suppe gemischt, hatte aber laut Personal wenig Effekt. Wie gesagt, nun hatte sie blaue Flecken und auf die offene Frage woher diese kommen, wurde mir gesagt gefallen sei sie nicht, wahrscheinlich von der Pflege weil sie sich immer so wehre. Ich habe um ein Krisen gespräch mit der Pflegeleitung gebten, dass nä Woche stattfindet und diese woche war von der Stationspflege dann von Verlegung KH/Psychistrie die Rede. Es entsteht der Eindruck, man wolle sie loswerden. Wir haben diese Verlegung nun abgelehnt (ich bin selbst Psychologin und sehe keinen Sinn in einer stationären Aufnahme). Und ich verstehe auch nicht, dass man darum wirbt, Demenzkranke aufzunehmen und nun ist die Pflege zu kompliziert...was gibt es für Tipps aus der Praxis bei der Pflege von Demenzkranken? Wir hatten bereits eingeführt, dass immer einer von uns Angehörigen bei der Pflege dabei ist, hatten Peodukte von früher besorgt usw., schneide ihr selbst die Nägel, putzen ihre Zöhne usw. Meine Oma ist allerdings 99 und wir können nicht jeden tag vor Ort sein um ihr die Windeln zu wechseln etc. Was wäre noch hilfreich an Tipps und Infos für das Krisengespräch? Danke und viele Grüße!

02.12.2018 | 11:12
svenjasachweh

Hallo Demenzoma,
grundsätzlich klingt es leider nicht so, als sei Ihre Großmutter dort gut aufgehoben: Sicher, Menschen mit Demenz sind oft widerspenstig und lehnen alles ab, aber genau das ist ja nun einmal Teil des Krankheitsbildes, damit müssten Fachkräfte bzw. Heime, die explizit die Versorgung von Menschen mit Demenz bewerben, umgehen lernen.
Manche Aggressionen und Widerstände während der Pflege entstehen aber eigentlich nicht, weil Menschen mit Demenz von sich aus, ohne Anlass, aggressiv sind, sondern weil sie die Situation nicht verstehen, gegebenenfalls als Flashback zu alten, traumatisierenden Gewalterfahrungen erleben und vor allem auch durch die Überforderung, die hektische Körpersprache, die Zeitnot der Pflegekräfte wie "angesteckt" werden - je hektischer und drängelnder die chronisch am Limit arbeitenden Pflegenden sich verhalten, desto mehr macht ein Erkrankter zu, wehrt die Versorgung ab. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass manchmal viel mehr "geht", wenn man die Körperpflege sehr bedächtig und ruhig, quasi in Zeitlupe durchführt. Das Verrückte daran ist, dass man oft umso schneller fertig wird, je langsamer man macht!
Es gibt leider kein Rezept, mit dem man alle Betroffenen zufrieden stellen kann, aber es gibt doch viele Techniken, um verängstigte und wütende Menschen wieder auf den Teppich zu holen und sie zu Kooperation zu animieren. Wenn also die Mitarbeiter in diesem Heim weder Konfliktlösungsstrategien kennen, noch Zeit für entsprechende Fortbildungen zugestanden bekommen, liegt etwas im Argen, und ich könnte mir vorstellen, dass es vielleicht sinnvoller wäre, sich nach einer anderen Einrichtung (oder sogar nach einer Demenz-WG) umzuschauen.

Was für eine Demenz wurde bei Ihrer Großmutter diagnostiziert? Je nachdem kann bzw. muss man anders mit den Erkrankten umgehen, je nachdem gibt es andere Trigger und Ansatzpunkte.

Wie lange lebt Ihre Oma bereits in diesem Heim? Manchmal bestehen solche Probleme vor allem in den ersten Monaten der Ein- und Umgewöhnung und geben sich allmählich, wenn man den Betroffenen genügend Geduld entgegen bringt.

Schließlich: Wenn Sie eine Vorsorgevollmacht haben, haben Sie auch das Recht, Einblick in die Pflegedokumentation zu erhalten... Vielleicht verschafft Ihnen die Lektüre einen genaueren Überblick darüber, wann genau, in welchen Situationen Ihre Großmutter ausflippt, dann kann man gezielter Ratschläge geben.

Leider Gottes bedeutet eine Verlegung in die Gerontopsychiatrie meist (natürlich nicht immer, aber oft) nur, dass die Leute ruhig gestellt, also mit Psychopharmaka sediert wieder zurück kommen.

Alles Gute für Sie,
S. Sachweh

10.12.2018 | 14:52
sporty

Hallo, solch einen ziemlich ähnlichen Fall erlebe ich mit meiner jung erkrankten Mutter. Wir haben schon inzwischen eine richtige Odyssee dieses Jahr erlebt , sind in einer Demenz WG angekommen wo genau die gleichen Probleme wie in Pflegeheim mit den Aggressionen bei der Pflege auftauchen. Und die verweisen inzwischen auf eine Unterbringung in der geschlossenen gerontopsychiatrischen Einrichtung. Die haben keinen Bock sich ständig schlagen, beissen oder kneifen zu lassen, dabei dachte ich auch dass die da besser personell aufgestellt sind.. Für die geschlossene muss man aber eine gerichtliche Verfügung haben. Wobei ich mich frage wie ich die bekommen soll, wenn meine Mutter nicht mehr die ausgeprägte Hinlauftendez, die sie mal hatte, hat und aus dem Heim ständig abgehauen ist. Jetzt ist sie nur sehr aggressive wenn man sie versorgen möchte. Sie versteht einfach nichts mehr. Auch wenn bei uns die Muttersprache (rumänisch) noch eine Rolle spielt, trotzdem muss ich ihr sehr langsam und behutsam alles erklären und nicht immer versteht sie es.
Hier die ganze Geschichte, die ist nur in einer anderem Forum.

https://www.wegweiser-demenz.de/weblog-und-forum/rat-im-internetforum.html?tx_mmforum_pi1%5Baction%5D=list_post&tx_mmforum_pi1%5Btid%5D=1674&tx_mmforum_pi1%5Bfid%5D=4

Liebe Grüße



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