Navigation und Service

Direkt zu:

Hauptmenü

Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Nach Kurzzeitpflege nun Vollpflege
28.11.2018 | 20:52
Tine64

Mein Stiefvater (Jg. 1941) ist seit dem 30.10. in der Kurzzeitpflege im Pflegeheim. Zum 0 1.12. hat er dort einen Vollpflegeplatz bekommen.

Meine Mutter (Jg. 1945), kann ihn nicht mehr zu Hause versorgen.
Er leidet an Demenz, zudem hat er Parkinson. Es gibt Tage, da ist er total verwirrt, aber er hat auch gute Tage. Körperlich hat er sehr abgebaut, an manchen Tagen kann er kaum laufen. Ansonsten bewegt er sich im Pflegeheim sehr langsam am Rollator.

Die Situation zu Hause war nicht mehr tragbar.
Laufen, Treppen steigen, aufstehen von der Toilette hat er nur noch mit der Hilfe meiner Mutter geschafft. Die gemeinsame Wohnung (Hochpaterre mit 8 Stufen im Treppenhaus) konnte er die letzten Monate nicht mehr verlassen. Auch nicht mit Unterstützung meiner Mutter.
Zudem herrschten große Aggressionen zwischen den beiden. Für meine Mutter ist der Umgang mit seiner Demenz sehr schwer.

Meine Mutter selber ist sehr schwach geworden und litt sehr unter der häuslichen Situation. Sie hat in den letzten Monaten extrem abgenommen, konnte kaum noch schlafen.
Seit er aber im Pflegeheim ist, erholt sie sich nun langsam wieder ein wenig.

Nun fragt er sie immer, wenn sie ihn besucht, wie lange er denn noch da bleiben muss. Wie bringt sie ihm denn bei, dass er nicht mehr nach Hause kann? Ist es überhaupt sinnvoll, ihm diese Entgültigkeit mitzuteilen? Sie weiß nicht, wie sie damit umgehen soll, Ich kann ihr auch keinen Rat geben. Was tun? Vielleicht haben Sie einen Rat für mich.
Mit herzlichen Grüßen von der Ostsee.

29.11.2018 | 08:01
Jutta60

Hallo Tine,
dass Sie nach den schwierigen Monaten einen guten Heimplatz gefunden haben ist sehr positiv. Meine Mutter hatte auch Parkinson und Lewy-Körper-Demenz. Als ich sie ins Heim bringen musste, war sie schon so desorientiert, dass sie nicht mehr realisierte, wo sie sich befand. Vorwürfe und der Gedanke: ich schiebe sie ab, das habe ich mir auch gemacht.
Wahrscheinlich kann Ihnen niemand die Frage beantworten. Es kommt darauf an. Ist Ihr Stiefvater noch sehr orientiert, zeitlich und räumlich (wahrscheinlich eher ja, denn er weiß wohl, dass er nicht daheim ist)? War er im Leben ein Mensch, der deutliche Worte wollte oder wollte er eher geschont werden? Hat er eine Vorstellung davon, wie schwer die Lage für seine Frau war? Hat er eine Idee, wie es daheim gehen könnte? Kann Ihnen ein emotional weniger Betroffener helfen, vielleicht aus dem Heim selbst? Ich würde niemals lügen, sondern kurz und ehrlich sagen, dass es nicht mehr geht. So hat Ihr Stiefvater auch die Chance, sich einzuleben und wartet nicht ständig auf's Heimgehen. Bringen Sie ihm persönliche Dinge mit, damit er sich wohlfühlen kann und damit ein "Zuhause-Gefühl" für ihn entsteht.
Alles Gute für Sie und Ihre Familie!

01.12.2018 | 14:28
martinhamborg

Hallo Tine64, Jutta60 hat schon viele wichtige Anregungen gegeben, waren diese hilfreich? Ich möchte nur noch 3 Gedanken ergänzen:

Hat sich Ihre Mutter richtig entschlossen, ist Sie von der Entscheidung ganz überzeugt? Sie können mit Ihrer Mutter üben, wie sie entschlossen und entschieden auftreten kann. Die äußere Haltung ist dabei genau so wichtig wie die innere Haltung. Sie können sich richtig darauf vorbereiten, was und besonders wie sie Antworten auf bestimmte Fragen geben kann. Das Positive dabei ist, Sie müssen nicht immer wieder neues Erfinden, wenn Ihr Stiefvater die Argumente vergisst. Vielleicht finden Sie gemeinsam ein Ritual, wie Ihre Mutter auf die Fragen eingehen kann und sich eben nicht in einem Streit verliert.

Darf Ihr Stiefvater traurig sein? Unangenehme Entscheidungen, Verluste, Abschied und Trennung sind nicht nur für Menschen mit Demenz eine Krise, in der Trauer, Wut, Erwartungen, Vorwürfe und ein Gemisch vieler Gefühle ganz normal sind. Erklärungen und Einsicht helfen oft nicht so sehr, besonders wenn die Gefahr von aufschaukelnden Debatten besteht. Wie kann Ihre Mutter trösten, wie hat sie es früher gemacht, was geht, was nicht? Wie können Sie Ihre Mutter darin unterstützen, auch in der eigenen Trauer und den Gefühlen, vielleicht in einzelnen Punkten versagt zu haben?

Wenn Ihr Stiefvater so viel verloren hat, was bekommt er in der neuen Situation? In Beratung sage ich oft: Wir die Pflicht – Sie die Kür. Haben Sie Ideen, wie Ihre Mutter die Besuche im Heim so gestalten kann, dass es für beide eine tröstende Kür oder ein kleines Fest wird – z.B. getragen von gemeinsamen schönen Erinnerungen?
Ihnen wünsche ich weitere gute Ideen in der Unterstützung Ihrer Mutter!

Mich würde freuen, wenn Sie schreiben, wie dies Ihnen gelingt! Ihr Martin Hamborg



Grafik FacebookGrafik TwitterRSS-Feed:Grafik RSS-SymbolAbonnieren: Grafik Facebook Grafik Twitter Grafik YoutubeDrucken:Grafik Drucker