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Ratgeberforum "Prävention, Diagnose und Therapie"

Bild: Ratgeberforum "Prävention, Diagnose und Therapie" Die Diagnose Demenz wirft viele Fragen auf. Hätte die Erkrankung verhindert werden können? Ist sie therapierbar? Und worauf sollte man bei der Behandlung achten? Im Ratgeberforum „Prävention, Diagnose und Therapie“ geben zwei Experten Antworten: Dr. Marc Lässer, Neuropsychologe und assoziierter wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Sektion Gerontopsychiatrie der psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg, moderiert das Forum zusammen mit Dr. Elmar Kaiser. Als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie leitete er bis Anfang 2012 die Gedächtnisambulanz der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg.

Autor Medikamentenabhängige Demenz
06.12.2018 | 05:37
A.Sch.

Sehr geehrte Experten.
Meine Frage:
Eine Schmerzbehandlung meiner Mutter mit 83 Jahren, machte ein Therapie mit Fentanyl Matrix 50 / 72 Std. und
Amitriptillin 10 zur Nacht erfoderlich seit ca. 3/4 Jahr besteht diese Einahme.
Weitere Medikamente sind:
L Thyroxin, Ass 100, Lisinopril 12,5 Vit D
Sie ist Herzpatientin, nach OP, nach Infarkt in den 90ern.
Nach schwerer WS Dekompressions Op 2014 mit WS Ersatz und Versteifung jetzt nach 2, 5 Jahren stärkste Schmerzen im Bereich WS ggf. Anschlusssyndrom bei ausgeprägter Osteoporose. Unter den oben genannten Mitteln in Kombi schmerzfrei. Fehlt das Antidepressiva kommt es wieder zu starken Schmerzen trotz Fentanyl.
Nun zeigt sich seit 3 Monaten eine schnell zunehmende Demenz, vermutlich Amitriptillin abhängig. Was tun.? Welche Alternative gibt es hierzu die nebendwirkungsarm ist?
Kommt das Gedächnis zurück?
Ist Johanniskraut hochdosiert die Alternative.?
Was ist mit Dronabiol Cannabis?
Was kann man akut tun.? Wer kann hier sachkundig helfen? Ich mache mir große Sorgen.
HA Termin steht bevor?
Erbitte eine mögliche Antwort.
Mit freundlichem Gruß
A.Sch.



[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 06.12.2018 um 05:41.]

06.12.2018 | 16:58
elmarkaiser

Sehr geehrte Fragenstellerin, sehr geehrter Fragensteller,

Es handelt sich leider um eine in medikamentöser Hinsicht hochkomplexe Situation. Es sind grundsätzlich viele Erklärungsmodelle für die angegeben Symptome Ihrer Mutter denkbar. Amitriptylin ist zwar primär antidepressiv, aber z.t. auch schmerzmodulierend. Dies würde erklären, warum eine Schmerzfreiheit in Kombination mit Fentanyl möglich ist. Nebenwirkungen können aber über anticholinerge Effekte auch Veränderungen bzw. weitere Verschlechterungen der kognitiven Fähigkeiten umfassen, dies scheint seit 3 Monaten vorzuliegen. Ein Ausschleichen wäre besser als abruptes Absetzen. Vorsicht ist aufgrund der angesprochenen Herzerkrankung Ihrer Mutter ohnehin bei Amitriptylin geboten, da die sogenannte QTc-Zeit des Herzens bis hin zum AV-Block bzw. Erregungsleitungsstörungen des Herzens verändert werden kann. Alternativen aus dem Bereich der niedrigdosierten SSRI (Serotoninwiederaufnahmehemmer) wirken voraussichtlich auch antidepressiv, aber nicht notwendigerweise schmerzmodulierend. Außerdem sind sie in Kombination mit Fentanyl kontraindiziert! Geoße Vorsicht gilt generell bei Fentanyl in Kombination mit bestimmten anderen Schmerzmedikamenten oder Psychopharmaka. Immer den behandelnden Arzt über konkrete Nebenwirkungen und vor allem mögliche Interaktionen der jeweiligen Präparate mit Fentanyl befragen. Dronabinol ist zwar schmerzmodulierend, sofern die Indikation gegeben ist, kann aber auch starke psychotrope Effekte haben, d.h. bis hin zu Wesensänderungen, kognitiven Auffälligkeiten oder gar Wahrnehmungsstörungen. Dies habe ich persönlich gerade bei älteren Menschen häufiger gesehen. Johanniskraut ist prinzipiell eine antidepressive Alternative, muss aber genau dosiert werden und kann phototoxische Reaktionen der Haut unter UV-Licht (also bei stärkerer Sonneneinstrahlung) mit bleibenden Hautveränderungen bewirken. Es ist nicht per se schmerzmodulierend.

Ich wünsche Ihrer Mutter und auch Ihnen alles Gute!

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. E. Kaiser



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