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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Ständiges Abdunkeln der Wohnung
06.12.2018 | 14:01
delta98

Hallo,

ich habe eine Frage zur möglichst idealen Wohnsituation von Demenzkranken.
Meine Schwiegermutter leidet seit mehreren Jahren bereits an Demenz, wohnt aber mit einer Betreuerin immer noch in ihrem Haus.
Die Betreuerin, meine Schwägerin, dunkelt die Wohnräume permanent ob Sommer oder Winter komplett ab. Ist das ständige Abdunkeln der gesamten Wohnräume, nicht nur des Schlafzimmers bei Demenzkranken üblich?
Mein Mann macht sich große Sorgen um seine Mutter, die als Kranke nun auf Gedeih und Verderb auf die "Betreuung" durch seine Schwägerin angewiesen ist und keinerlei Kontakte nach außen mehr hat. Und besagte Schwägerin dunkelt dauerhaft ständig so ab, dass Sonnenschein und Licht kaum noch durch die geschlossenen Jalousien dringen kann. Selbst als wir das Betreuungsgericht eingeschaltet haben, um hier Kontrolle von außen zumindest soweit zu ermöglichen, damit ein Kontrollbetreuer nach dem Rechten sieht, hat sich trotzdem nichts wesentliches an der Wohnsituation meiner kranken Schwiegermutter verbessert. Mein Mann selbst hat aufgrund seiner Intension durch seinen eigenen Bruder, der sich zum Generalbevollmächtigten machte, ein Kontaktverbot erhalten, welches zwar nicht gerichtlich angeordnet wurde sondern nur per Anwalt. Aber er möchte seine Mutter nicht aufregen und hat beim Betreuungsgericht zumindest erreicht, dass ein Kontrollbetreuer seinen Bruder auf die Finger sieht. Aber letztlich hat seine Beschwerden bei Gericht zwecks abgedunkelter Wohnung sich trotzdem nichts für seine Mutter verbessert.

Daher meine Frage: ist es üblich, dass bei Demenzkranken die Wohnräume ständig abgedunkelt sein müssen?
Für eine Antwort wäre ich entsprechend verbunden.

10.12.2018 | 13:22
sporty

Hallo, ich habe inzwischen viel über Demenz gelesen und weiß dass Licht und Farbe bei Demenzkranken eher vorteilhaft ist. Mit fortschreiten der Krankheit bekommen die Kranken Sehstörungen und da ist Licht besonders wichtig damit die Kranken Sachen erkennen können. Ich weiss ja nicht ob ihre Schwägerin komplett auch innen drin Licht nicht anmacht. Oder die Erkrankte leidet vielleicht an einem gestörten Tag / Nacht Rythmus und schläft tagsüber , deswegen die Verdunklung. Würde da die Betreuerin fragen warum sie tagsüber dunkelt.
LG, Irina

10.12.2018 | 20:38
martinhamborg

Hallo Delta 98, auch ich kann den Hinweis von Sporty nur bestätigen: Licht fördert die Orientierung, es aktiviert, hebt die Stimmung und reguliert den Tag-Nacht-Rhythmus. Dies ist ein anerkannter Standard, Demenzeinrichtungen sind deshalb angehalten etwa 500 Lux in den Gemeinschaftsräumen sicherzustellen (etwa das Licht am Fenster an einem wolkigen Tag). Gerade bei Schlafproblemen und starker Unruhe mit einer depressiven Färbung nutzen wir erfolgreich über die Mittagszeit Tageslichtlampen mit 10.000 Lux blendfreiem Licht. Wie bei einem modernen Antidepressiva wird dann der Serotoninspiegel im Gehirn erhöht - dies ist der Botenstoff, der für eine bessere Stimmung sorgt - und dies ganz ohne Nebenwirkungen.

Auch den diplomatischen Gedanken von Sporty möchte ich noch einmal hervorheben, können Sie zunächst interessiert und ohne Schuldzuweisungen den Grund für die Verdunklung erfragen? So lebte Hannelore Kohl jahrzehntelang in Dunkelheit, weil sie eine Lichtallergie gehabt habe.

Manchmal wollen ältere Mensche Strom sparen, es kommen alte Ängste vor Bombenangriffen hoch und oft sind die verschlossenen Vorhänge ein Hinweis auf eine behandelbare Depression...
So wie ich Ihren Beitrag lese, möchten Sie die Situation Ihrer Schwiegermutter verbessern und suchen nach Ansatzpunkten für eine inhaltlich Diskussion. Je stärker die Schwierigkeiten auf der Beziehungsebene in den Familien sind, um so wichtiger kann eine professionelle Unterstützung sein. Vielleicht gibt es in der Familie eine neutrale und allseits akzeptierte Person, die vermitteln kann, vielleicht können Sie über das Betreuungsgericht nach Mediatoren fragen, die sich auf außergerichtliche Einigungen in diesen Konflikten spezialisiert haben.
Eine rechtliche Beratung können und wollen wir an dieser Stelle nicht machen, aber das angesprochen Thema bietet vielleicht die Gelegenheit über die gemeinsame Sorge für die Schwiegermutter ins Gespräch zu kommen. Ihr Martin Hamborg



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