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Ratgeberforum "Prävention, Diagnose und Therapie"

Bild: Ratgeberforum "Prävention, Diagnose und Therapie" Die Diagnose Demenz wirft viele Fragen auf. Hätte die Erkrankung verhindert werden können? Ist sie therapierbar? Und worauf sollte man bei der Behandlung achten? Im Ratgeberforum „Prävention, Diagnose und Therapie“ geben zwei Experten Antworten: Dr. Marc Lässer, Neuropsychologe und assoziierter wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Sektion Gerontopsychiatrie der psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg, moderiert das Forum zusammen mit Dr. Elmar Kaiser. Als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie leitete er bis Anfang 2012 die Gedächtnisambulanz der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg.

Autor Hilflos
08.01.2019 | 05:44
Claudia1965

Hallo ich bin neu hier.
Bei mir geht es um meine Schwiegermutter (84), die wohl schon seit einigen Jahren Anzeichen von Demenz zeigt. Schwiegervater hatte das aber immer gut vertuscht und nie irgendwelche Hilfsangebote angenommen.
Nun ist er Ende November ganz plötzlich verstorben und für uns wurde das ganze Ausmaß erst jetzt ersichtlich.
Schwiegermutter hat durch den Tod auch nochmal einen Schub bekommen.
Sie wohnt 30 Kilometer von uns entfernt, aus beruflichen Gründen können wir sie nicht jeden Tag besuchen. Sind aber mehrmals in der Woche da. Schwiegermutter fehlt jegliche Einsicht, dass sie Hilfe braucht. Lediglich einen Pflegedienst zur Tablettengabe morgens und abends konnten wir organisieren. Essen auf Rädern, Hausnotruf , Besuch einer Tagespflegeeinrichtung etc. wird verweigert. Wäre alles möglich, da sie Pflegegrad 3 hat.

Wir haben nun dringend versucht, einen Neurologentermin zu bekommen, nichts zu machen.
Erst für Ende Januar haben wir einen Termin bei der Psychologischen Ambulanz einer Gerontopsychatrischen Klinik bekommen. Der Pflegedienst meint, dass wäre zu spät, da sie immer verwirrter wird. Sie leidet zwischendurch immer wieder an räumlicher Desorientierung. Auch vergisst sie immer wieder, dass Schwiegervater gestorben ist und sucht ihn bzw. lebt er für sie weiter.

Ich habe nur die ganz große Sorge, dass sie die Untersuchung verweigern wird. Lt. Hausarzt können wir dagegen nichts machen und müssen warten, bis etwas passiert.
Mein Mann hat eine Vorsorgrvollmacht, aber damit können wir sie ja nicht zum Arztbesuch zwingen. Aber sie kann meiner Meinung nach nicht mehr alleine leben, da ihre Verwirrtheit innerhalb von einigen Wochen dramatisch zugenommen hat.
Ich weiß nicht mehr weiter, bin selber nur noch ein Nervenbündel.
Jeder sagt mir, sie kann nicht alleine leben - doch was ich machen soll, sagt keiner.

Wie geht es denn weiter, wenn sie den Termin in der Ambulanz verweigert?
Irgendwann brauch ich doch eine Diagnose bzw. müsste sie doch Medikamente gegen ihre Unruhe und Aggressivität bekommen.

Am liebsten möchte ich ein schönes Pflegeheim für sie in unserer Nähe suchen. Aber wenn ich das richtig verstanden habe, geht das nicht gegen ihren Willen. Oder sollten wir zu der Vorsorgrvollmacht noch eine gerichtliche Betreuung beantragen?


[Dieser Beitrag wurde 2mal bearbeitet, zuletzt am 08.01.2019 um 10:47.]

09.01.2019 | 12:47
Jutta60

Hallo Claudia,
da Ihnen noch niemand geantwortet hat, versuche ich es mal. Sie sind in einer sehr schwierigen und belastenden Situation. Ich kenne das gut von meiner eigenen Mutter. Die ständige Unruhe, die Angst, die Vorstellung, was alles passieren könnte ...
Bzgl. einer Heimeinweisung gegen den Willen Ihrer SchwiMu: Ihr Mann hat eine Vollmacht. Schließt diese auch das Aufenthaltsbestimmungsrecht ein? Ggf. in einer geschlossenen Abteilung? Dann könnte er handeln. Um Mißbrauch vorzubeugen muss glaube ich das Amtsgericht hinzugezogen werden, wenn Ihre SchwiMu sich weigert. Anders ist es, wenn sich Ihre SchwiMu selbst gefährdet oder andere. Ich hatte es einfacher, meine Mutter ging mit mir mit und ich konnte sie in ein Heim bei mir um die Ecke bringen. Das ist sehr sinnvoll, so kann man einfach Besuche machen und alles beobachten. Oder bestehen bei Ihnen eher Bedenken, weil Sie etwas gegen den Willen Ihrer SchwiMu tun müssen.
Der Tod des langjährigen Partners hat die Demenz verschlechtert, das ist auch normal. Auch dass Ihre SchwiMu sich öfter nicht mehr daran erinnert und ihren Mann dann sucht. Das war bei meiner Mutter ebenso.
Sie schreiben, dass andere Personen und der Pflegedienst Sie drängen, zu handeln. Bitte überhören Sie das, ich habe mit dem Pflegedienst meiner Mutter da sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Fühlen Sie sich nicht gedrängt, jetzt ganz schnell etwas entscheiden zu müssen. Alles kann in Ruhe geschehen, noch ist für Ihre SchwiMu keine unmittelbare Gefahr. Vielleicht isst sie wenig, wäscht sich nicht mehr, vergisst die Medikamente. Das ist nicht unmittelbar gefährlich. Stellen Sie überall Getränke auf, damit sie wenigstens genug trinkt. Sonst geht der Abbau noch schneller. Fühlt sie sich noch gut und sicher in ihrer Wohnung? Sie schreiben von Unruhe und Aggressivität. Das spricht aus meiner Sicht für den Umzug in ein Heim. Haben Sie denn in gesunden Tagen über ein Pflegeheim gesprochen? Wie stand Ihre SchwiMu zu diesem Gedanken?
Wenn Sie noch keine sichere Diagnose haben, dann wäre der Arztbesuch natürlich sehr hilfreich. Vielleicht kann man doch noch etwas machen. Vielleicht besteht noch eine Depression oder etwas, was zu behandeln ist. Aber viele Dinge, die Sie schreiben, klingen ganz nach meiner Mutter. Und da war es Demenz.
Ich würde mich nach einem geeigneten Heim umsehen, das Demenzkranke aufnimmt. Es gibt im Netz da viele Hinweise, auf was man achten sollte bei der Wahl. Denn die Krankheit wird fortschreiten. Da die Einsicht in die Krankheit nun fehlt, müssen Sie entscheiden, wie es für Ihre SchwiMu gut wäre. Sie kennen sie besser als andere, Außenstehende.
Einen Neurologentermin zu bekommen war mir auch unmöglich. Am meisten hat mir der Hausarzt geholfen, der Hausbesuche machte. Wäre das eine Möglichkeit?
Alles Gute für Sie und Ihre Familie!



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