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Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte"

Bild: Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte" Im Laufe einer Demenz ändern sich Kommunikationsfähigkeit und Verhaltensweisen. Das ist für alle Beteiligten oft belastend. Der Wegweiser Demenz hat zwei Experten auf diesem Gebiet als Moderatoren für das Internetforum gewonnen: Jochen Gust hat als Altenpfleger Menschen mit Demenz betreut. Heute schult er unter anderem Klinikpersonal im Umgang mit Demenzkranken, berät Angehörige und schreibt Bücher. Dr. Svenja Sachweh bietet Kommunikationstrainings für Pflegepersonen an und ist Autorin diverser Lehr- und Ratgeberbücher zur Verständigung mit Demenzkranken.

Autor Heimweh im Heim
09.01.2019 | 18:35
Hilde19

Hallo,
vor 1,5 Jahren ist meine Schwiegermutter (90) ins Altersheim gekommen, nachdem sie mental und körperlich abgebaut hatte. Ihr Kurzzeitgedächtnis ist sehr schlecht, aber sie hat immer wieder sehr klare Momente. In den letzten Wochen nimmt nun ihr Heimweh stark zu, sie möchte wieder zuhause leben, wo sie ihr ganzes Leben verbracht hat. Das lässt sich aus verschiedenen Gründen nicht mehr einrichten. Nun sind wir unsicher, ob wir mit ihr mal einen Besuch in ihrem Dorf und in ihrem Haus machen sollen. Die Heimleitung rät eher ab, aber sie spricht sehr oft davon und wir fragen uns, ob vielleicht ein Besuch besser ist - obwohl auch das sehr schmerzhaft sein kann. Was hilft gegen Heimweh im Heim? Über einen Rat dazu freuen wir uns sehr.

10.01.2019 | 07:21
Jutta60

Hallo Hilde,
1,5 Jahre sind eine lange Zeit. Konnte Ihre SchwiMu denn Kontakte knüpfen im Heim? Bei meiner Mutter war es so, dass sie sich irgendwann in der Vergangenheit einfach wohler fühlte als in der Gegenwart. Zunehmend konnte sie mit aktuellen Anlässen usw. nichts mehr anfangen. Was einmal war, war für sie viel präsenter. Ich hätte sie damals nicht mehr besuchsweise in ihr altes Zuhause mitgenommen. Ich hatte einfach zuviel Angst, dass sie mir dann Vorwürfe machen würde usw.. Haben Sie es denn schon mal mit Fotografien probiert? Bilder zeigen und einfach mal über das Früher reden. Was die Bekannten jetzt machen, wer schon verstorben ist, was sich geändert hat. Vielleicht würde das Ihrer SchwiMu schon ein wenig helfen, sich zu beruhigen.
Alles Gute für Sie und Ihre Familie!

10.01.2019 | 09:48
svenjasachweh

Hallo Hilde19,
von einem Besuch würde ich auch eher abraten: Nur zu oft ist mir von wohlmeinenden Angehörigen, und auch von Heimmitarbeitern erzählt worden, dass der Menschen mit Demenz am Ort des alten Zuhauses völlig ausgeflippt ist (etwa, wenn jetzt andere Leute in der früheren Wohung leben, wenn es "verlottert" aussieht, o.ä.) und man es kaum geschafft hat, ihn von dort wieder wegzubringen.
Aber Juttas Idee mit den Bildern ist sicher einen Versuch wert. Oder wie wäre es mit kurzen, mit dem Smartphone aufgenommenen Videofilmchen von dort? Noch besser wäre es natürlich, wenn Sie Nachbarn, Bekannte aus dem Dorf zu einem Besuch bei Ihrer Schwiegermutter bewegen könnten - oder sie vielleicht wenigstens dazu bringen, eine kurze Videobotschaft für die Erkrankte aufzunehmen. Es ist im Übrigen tröstlich, wenn man vertraute Klänge aus der Heimat hört: Wenn also im Dorf Ihrer Schwiegermutter eine Art Dialekt gesprochen wurde, und Sie den beherrschen, sollten Sie wenn möglich das Gespräch in Mundart oder "Platt", nicht in Hochdeutsch führen, oder wenigstens bestimmte Dialekt-Wörter in Ihre Äußerungen einflechten.
Fragen Sie nach, was genau Ihre Schwiegermutter dort vermisst: Vielleicht gibt Ihnen das eine Idee, was Sie ihr ersatzweise anbieten können. Manchmal stellt sich beispielsweise heraus, dass Menschen mit Demenz im Heim schlicht Langeweile empfinden und das Gefühl haben, ihre Pflichten zu vernachlässigen - ihnen fehlen Sinn stiftende Aufgaben, das gefühl, noch gebraucht zu werden. Wenn Gespräche über früher (also darüber, was dort alles schön war, was ihr ein Gefühl von Freude, Sicherheit und Zugehörigkeit gegeben hat) auch nicht helfen, könnten Sie nach einem Ablenk-Thema suchen: Reden Sie über etwas, mit dem sich Ihre Schwiegermutter gut auskannte, worin sie sozusagen Expertin war. Am besten ist immer, wenn man um ihren guten, fachlichen Rat fragt, sie um ihre Meinung zu etwas bittet, mit dem wir selber hadern.

Viel Erfolg wünscht Ihnen
S. Sachweh



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