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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Demenz im Doppelpack
04.02.2019 | 12:32
heikejü

Hallo zusammen .
Nachdem meine Schwiegermutter nach einem Sturz im KH war ,haben wir beschlossen sie zu uns zu nehmen .Dies ging aber nur zusammen mit ihrer dementen (Demenzstufe6) Schwester. Die beiden lebten vor dem Sturz meiner Mutter schon 6 Jahre alleine in einem Haus und Mutti konnte die Demenz meiner Tante immer gut verheimlichen und schönreden .
Nun leben die beiden seit 12 Wochen bei uns und das Zusammenleben stellt uns jeden Tag vor eine große Herausforderung . Mutti hat Demenzstufe 3 und Tantchen 6 .
Gegenseitig puschen sie sich hoch ,Tags sowie auch Nachts. Mindestens 4 mal pro Nacht muß einer von uns raus obwohl beide eine Schlaftablette bekommen . Auch ist die Tante uns gegenüber oft böse und gemein . Sie lästert einfach über alles und nichts ist gut genug und Mutti stimmt ihr auch noch zu obwohl sie selber sehr oft genervt ist und die Ärzte meinten sie dürfe sich nicht mehr aufregen .Da sie aber versprochen hat ihre Schwester niemals alleine zu lassen wissen wir fast nicht mehr wie wir ein halbwegs zufriedenes Zusammenleben gestalten können. Zusammen die Freizeit gestalten geht überhaupt nicht mehr .Wir würden die Tante gerne in ein Heim mit Demenzstation geben und sie jeden Tag besuchen doch Mutti stellt sich komplett quer . Im Moment haben wir so gut wie kein Leben mehr. Was können wir tun? Tagespflege wollen sie nicht und die Betreuung die wir für 2x2 Stunden in der Woche hatten , hat nach 4 Besuchen aufgegeben.

[Dieser Beitrag wurde 2mal bearbeitet, zuletzt am 04.02.2019 um 13:03.]

06.02.2019 | 12:42
martinhamborg

Hallo HeikeJü, Ihre Zeilen machen die dramatische Situation sehr deutlich. Um eine bessere Einschätzung zu bekommen wären noch mehr Informationen notwendig, gerade Schmerzen oder eine Depression könnten bei Ihrer Tante das Verhalten zusätzlich beeinflussen.

Als erste Hilfe würde ich zwei Dinge empfehlen:
1. Sie schauen sich in Ihrer Umgebung die Heime an, damit Sie zumindest Ihre Entscheidung besser treffen können und damit überzeugender Ihrer Mutter gegenüber auftreten können.

2. Bitte lassen Sie sich von den unangenehmen Anschuldigungen und Äußerungen Ihrer Tante nicht provozieren. Es hat oft nichts mit Ihnen zu tun, welche "Laus ihr gerade über die Leber gelaufen ist". Ihre Tante hat möglicherweise schnell wieder vergessen, warum sie so gereizt ist. Die Frage: "Was ist denn los, dass Du Dich so geärgert hat" kann so zu vielleicht interessanten Erkenntnissen zum Innenleben Ihrer Tante führen.
Viel Kraft, Ihr Martin Hamborg

06.02.2019 | 18:00
heikejü

Erst einmal danke für die Antwort .
Wir haben ein sehr gute Heim direkt im Ort ,aber das Thema brauchen wir überhaupt noch nicht anschneiden. Mutti weint dann sofort und meint wir wollten die Tante nur abschieben.
Was die Aggressionen angeht, Tantchen war schon immer so , nur wird es leider durch die Krankheit schlimmer. Man kann ihr nichts recht machen weil sie permanent alles vergisst . Es fällt wirklich schwer ruhig zu bleiben wenn sie in 15 Minuten 5 mal auf den Toilettenstuhl muß oder sich mit dem Stofftaschentuch den Po abwischt und es dann wieder in die Hosentasche steckt. Als war dies bemerkten haben wir ihr nur noch Papiertaschentücher gegeben aber auch diese wandern verschmutzt in die Tasche oder fliegen überall im Zimmer herum . Das waren die Kinder sagt sie wenn man versucht mit ihr darüber zu reden. Überhaupt kann sie weder einem Gespräch noch dem Fernseher folgen und Spiele machen oder Handarbeiten gehen auch nicht . Sie redet permanent auf Mutti ein ,sie wolle wieder nach Hause und Mutti solle jemanden anrufen der die beiden abholen soll. Nachts werden Schränke ausgeräumt oder es wird erzählt ohne Ende. Mutti und auch wir schlafen max.3-4 Stunden und das seit Wochen.
Es tut weh zu sehen wie unsere Mutti unter der Situation leidet ,doch Mutti ist ja noch der Meinung sie könnten ,wenn Mutti wieder fit ist , zurück in das Haus ,allein !!
Wir fahren jetzt bald für 10 Tage in Urlaub und dann gehen die beiden in die Kurzzeitpflege . Mal sehen wie schlimm es da wird, oder wie schlimm es danach ist . Wir hoffen das unsere Mutter dort erkennt das sie ihre demente Schwester auf keinen Fall versorgen bzw. pflegen kann , denn das wird das Personal nicht so auf die beiden eingehen können wie wir es hier tun.
Ich weiß das es vielen so ergeht , aber es tut auch gut sich hier im Forum mal auszutauschen.

07.03.2019 | 11:33
gruntfeel

Wir hatten ein ähnliches Problem, das meinen Mann und mich vor eine große Herausforderung gestellt hat. Bei uns war es "nur" (also nicht 2 Personen) die Mutter meines Mannes. Sie war völlig dement. Letztendlich konte ich meinen Mann davon überzeugen, dass es am besten ist, sie ins Pflegeheim zu geben. Usere Beziehung wäre unter der psychischen Last fast zu Bruch gegangen,

07.03.2019 | 12:26
sonnenblümchen

Hochtung !!!! Ich denke, wenn man gar nicht mehr zur Ruhe kommt, nachts über Wochen und Monate heraus muss...beschimpft wird...kann man irgendwann nicht mehr. Ich denke ihre Tante in ein Heim unterbringen zu wollen ist in Ordnung. Meine Mann würde eine Pflege bei uns auch nicht mitmachen. Ich habe meiner Mutter gesagt, dass sie ihre Mutter (meine Oma) auch in ein Pflegeheim getan hat, als es nicht mehr ging (hat sie selber vergessen)und ich mir dieses Recht auch vorbehalte. Sie können sich nicht verpressen lassen.
Hochachtung vor Ihnen.LG

09.03.2019 | 14:01
martinhamborg

Hallo HeikeJü, Sonnenblümchen und gruntgfeel,
das große und wichtige Thema in der Pflege Angehöriger ist das Erkennen der eigenen Belastungsgrenze. Manchmal ist eine Notbremse erforderlich "entweder sie oder ich", manchmal die vielleicht schwere Entscheidung für eine Kurzzeitpflege, weil es nur weitergehen kann, wenn man selbst Kraft tanken und Abstand finden kann.
In Gesprächen frage ich: Was muss noch passieren, damit Sie die schwierige Entscheidung treffen können und wie gut sind Sie über Alternativen informiert?
Durch die vielen Pflegereformen haben wir so viele Unterstützungsmöglichkeiten, dass sich mittelfristig (eigentlich) immer ein guter Weg finden sollte.

Ein Aspekt wird dabei deutlich: Das schlechte Gewissen ist dabei oft der schlechteste Ratgeber.
Sie ist es Ihnen, HeikeJü mit der Kurzzeitpflege ergangen, wie ist der aktuelle Stand?

Ihr Martin Hamborg

25.03.2019 | 09:27
heikejü

Hallo , Kurzzeitpflege hat wohl halbwegs funktioniert. Mitgemacht bei Aktivitäten oder spezieller Demenzbetreuung haben die Damen nicht . Waren fast nur auf dem Zimmer .
Wieder Zuhause haben wir den nächsten Schub. Tantchen geht ca.8-10 mal in der Stunde auf den Toilettenstuhl . Der Topf ist leer und 2 Minuten später beginnt das Spiel erneut . Auch Nachts werden wir wieder mehrmals gerufen weil Tantchen mitten im Raum steht und gar nicht mehr weiß was sie eigentlich will oder muß .
Melperon wirkt nicht und wenn sie eine Schlaftablette bekommt macht sie ins Bett und steht trotzdem auf .
Essen und Trinken will sie auch kaum noch ,wir machen kleine Häppchen und reichen ihr diese dann an . Aber das Problem ist Mutti ,sie sieht das nicht und verweigert immer noch die Tante in eine Einrichtung zu geben. Mutti meint das beide wieder zurück ihr ihr Haus gehen können, alleine . Wenn Tante wieder in unserem Haus ist kommt das alles wieder ,sagt sie dann unter Tränen. Eine 24 Std.Pflegekraft wollen sie auch nicht und der Rest der Verwandschaft ,naja ,schweigen wir mal lieber .Update Pflegegrad 3 bei Mutti und 4 bei Tantchen . Im Juni nehmen wir uns wieder eine Auszeit und die beiden gehen erneut in die Kurzzeitpflege. Wir hoffen das wir Mutti bis dahin überzeugen können die Tante anschließend da zu lassen . eigentlich wollen wir uns nicht über den Willen von Mutti hinwegsetzen , aber irgendwann ist gut , auch mit unserer Fürsorge und Hilfsbereitschaft.

29.03.2019 | 08:35
martinhamborg

Hallo HeikeJü, es ist enorm, wie Sie das alles aushalten, um den Willen Ihrer Mutter zu respektieren!
Wenn das Melperon nicht wirkt, es ist ein Neuroleptikum z.B. bei wahnhaft bedingte Unruhe - sollten Sie mit dem Arzt noch einmal sprechen. Ich prüfe in diesen Fällen immer zuerst, ob Missempfindungen oder Schmerzen eine Rolle spielen können und sich als Trigger auf das Verhalten auswirken.

Gab es in der Kurzzeitpflege ähnliche Probleme mit dem Stuhlgang oder konnte der andere Rahmen verborgene Fähigkeiten aktivieren? Schlafen beide bei Ihnen auch in einem Raum?
Können Sie Ihre Mutter trösten, wenn sie über die bevorstehende Trennung von ihrer Schwester oder den Umzug ins Heim traurig ist, ohne dass Sie Versprechungen machen müssen?
Ihnen viel Kraft, Ihr Martin Hamborg

30.03.2019 | 07:08
heikejü

Unsere Tante ist seit Gestern im KH . Unser Hausarzt hat sie wegen schwerster Herzrythmusstörungen eingewiesen und man hat sie aufgenommen. Sonst sind wohl keinerlei körperliche Probleme da .
Tantchen verhält sich wegen der neuen Umstände relativ friedlich , hat sich allerdings die Infusion direkt wieder gezogen und will nicht essen. . Der sehr nette Arzt hat uns erklärt man würde versuchen Tantchen medikamentös einzustellen und danach einen Umzug ins Heim unterstützen .
Unsere Mutter macht uns Vorwürfe und weint . Man abwarten wie es jetzt weiter geht . Zumindest haben wir einmal durchsclafen können.

06.04.2019 | 09:39
martinhamborg

Hallo HeikeJü, manchmal kommt die Autorität im Krankenhaus zum richtigen Zeitpunkt, um einen unhaltbaren Zustand zu akzeptieren... Darf Ihre Mutter über den zu erwarteten Abschied von ihrer Schwestern trauern oder kommt es zu Diskussionen?
Ihr Martin Hamborg



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