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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Zwischen Offenheit und Schutz für Demente
07.03.2019 | 07:38
Frauforst

Nach 15 Jahren Pflege zu Hause musste ich meine Mutter nun doch ins Pflegeheim geben- ein OFFENES Heim. Dort führt vom Eingang aus eine lange, breite Rampe im "freien Schuss" auf die viel befahrene Straße. Meine Mutter hat nun schon 2 Mal versucht "nach Hause" zu rollern und kann sich auf dieser Rampe nicht halten - sie ist über die Strasse geschossen und am Mittelstreifen aus dem Rollstuhl gestürzt. Alle Vorschläge, wie man die Rampe langsamer und sicherer machen kann - Stolperschwellen, Kette mit Karabinerhaken am Anfang, einen Busch am Straßenrand pflanzen, - wird vom Heim abgelehnt. Das artete sogar in Bedrohung aus - man würde dafür sorgen, dass meine Mutter in ein geschlossenes Heim kommt wg. Eigengefährdung, wenn wir keine Ruhe geben. Man sei eben ein offenes Heim. Ich finde: Wenn ich dem Heim einen verwirrten Menschen anvertraue, dann MUSS es einen Mittelweg geben zwischen geschlossenem und offenem Heim. Hier gibt es eine LÜCKE in der Gesetzgebung, oder?
Eva Maria

07.03.2019 | 08:06
klauspawletko

Guten Morgen Frau Forst,
Das Problem scheint mir keines zu sein, dass sich mit Gesetzen lösen lässt.
Auf der einen Seite hat heutzutage jede Pflegeeinrichtung Bewohner mit Demenzen und damit auch solche, die Hinlauftendenzen haben.
Auf der anderen Seite kann das Leistungsspektrum des Hauses solches Klientel auch ausschliessen.
Sie könnten sich bei der zuständigen Heimaufsichtsbehörde danach erkundigen und ggf. auch die Rampe thematisieren. Das wird Ihre Beziehung zum Heim aber wohl nicht verbessern und die Gefahr, gekündigt zu werden, vergrößern.
Es führt kein Weg daran vorbei, Ihr Problem im Dialog zu lösen. Mit welchen Ebenen der Hierarchie haben Sie denn gesprochen? Gibt es die Möglichkeit, den Heimbeirat hinzu zu ziehen?
Parallel sollten Sie sich aber nach einer möglichen Alternative umsehen, um nicht erpressbar zu sein. Haben Sie schon einmal eine Wohngemeinschaft für Demenzkranke in Ihre Überlegungen einbezogen (wenn es denn so ein Angebot in Ihrer Nachbarschaft gibt)?
So viel erst einmal von mir dazu.
Viel Erfolg bei der Suche nach einer guten Lösung wünscht Ihnen
Klaus-W. Pawletko

11.03.2019 | 17:23
martinhamborg

Hallo FrauForst, gibt es schon etwas neues in der Auseinandersetzung mit dem Heim? Herr Pawletko hat ja ein zweigleisiges Vorgehen vorgeschlagen. Auf der einen Seite die Suche nach einer Alternative - ich nenne es gern den Plan B.

Auf der anderen Seite kann es mal passieren, dass ein Gespräch entgleitet oder Mitarbeiter ihre Kompetenzen überschreiten, vielleicht weil sie sich angegriffen fühlen oder schlicht überfordert sind. Aber das darf nicht zum Nachteil Ihrer Mutter gehen.
Die Heimaufsicht ist der offizielle Fürsprecher für Menschen in Heimen und sie ist auch für die Genehmigung baulicher Maßnahmen zuständig, da sind die Anforderungen meines Wissens in allen Bundesländern ähnlich.

So wie sie die Rampe beschreiben, würde ich erwarten, dass Auflagen der Heimaufsicht vom Heim nicht umgesetzt wurden, denn nicht nur für Ihre Mutter ist eine solche Rampe gefährlich, wenn sie durch eine sich selbstöffnende Tür zielgerichtet oder neugierig nach draußen fährt. Sie können sich von der Heimaufsicht beraten lassen und Sie sollten auch Ihre Bedenken schildern, aber wegen eines geschlossenen Heimes brauchen Sie (eigentlich) keine Angst zu haben: Es wird nur wenig Richter in Deutschland geben, der oder die deshalb Ihre Mutter aus den genannten Gründen gegen Ihren und ihren Willen geschlossen unterbringen würden.
Dabei geht es m.E. nicht eine Lücke in der Gesetzgebung sondern um unterschiedlicher Rechtsauffassungen in den Betreuungsgerichten.

Bitte schreiben Sie uns, wie es weitergegangen ist oder wie Sie sich entschieden haben.

Das Dilemma zwischen Schutz und Freiheitsentziehung ist nach wie vor in verschiedenen Regionen sehr groß und es bleibt wichtig dieses Thema offen zu besprechen. Vielleicht hat die regionale Alzheimer Gesellschaft auch einen Einschätzung zum Problem Ihrer Mutter, dass sich doch so einfach durch technische Maßnahmen entschärfen ließe?

Ich bin gespannt auch über weitere Erfahrungen und Kommentare in diesem Forum, Ihr Martin Hamborg



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