Navigation und Service

Direkt zu:

Hauptmenü

Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Notfallsituationen
07.03.2019 | 08:50
Andydreas

Hallo,

ich habe da noch mal ein Problem.
Ich stelle mir seit einiger Zeit die Frage, wer kümmert sich um meine Mutter, wenn mir mal was passieren sollte ?

Hintergrund: Ich betreue seit einigen Jahren meine offensichtlich demente und an Diabetes erkrankte, 87 jährige Mutter.
Der Alltag klappt trotz immer häufiger auftretenden Probleme ganz gut.
Leider haben wir beide keine Verwandten mehr und leider werden die Freunde und Bekannte immer weniger, so dass wir auf uns alleine gestellt sind.
Jetzt frage ich mich aber, was passiert, wenn mir mal was passieren sollte ? Ich arbeite zur Zeit halbtags von 6:30 Uhr bis 11:30 Uhr. Anschließend kann ich mich um meine Mutter kümmern.
Bei ihrer Diabeteserkrankung ist die Blutzuckerkontrolle, die Insulinzufuhr per Spritze und anschließend eine Mahlzeit erforderlich. Das übernehme ich zur Zeit.
Die Installation eines entsprechenden Pflegedienstes scheiterte bisher trotz mehrfacher Versuche an der fehlenden Bereitschaft meiner Mutter fremde Personen in die Wohnung zu lassen.
Ich habe auch schon mal mit dem DRK gesprochen, aber da gab es leider wenig Verständnis für mein Problem. Mir wurde gesagt, dass sich die Polizei schon kümmern würde. Es würde über das Amtsgericht ein Betreuer bestellt werden, der sich dann um alles kümmern würde.
Da kriege ich Bauchschmerzen.
Ich habe mir über den Sozialverband sogenannte Notfall-Karten besorgt. Eine habe ich in der Handtasche meiner Mutter hinterlegt und die andere trage ich seit heute bei mir.
Kann ich quase prophylaktisch Vorsorge treffen, indem ich mich um einen Betreuer kümmere, der ihr im Notfall auch zuverlässig weiterhilft ?
Gibt es Institutionen, die in diesem Bereich hilfreich sein können ?
Oder mache ich mir einfach zu viele Gedanken ?

Danke für die Tipps

07.03.2019 | 12:14
sonnenblümchen

Hallo Andydreas,
ich denke , dass Deine Mutter eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung gemacht hat. Meine Mutter hat eine Vorsorgevollmacht, die so gestaltet ist, dass wenn sie nicht mehr kann ich im Innen-und Außenbereich tätig werden darf.Sollte ich vor meiner Mutter sterben übernimmt mein Gatte diese Funktion. Dies ist so festgelegt (Notar). Wie ich dich verstanden habe fragst du dich, was mit deiner Mutter passiert, wenn du plötzlich z.B verunfallst. Ich denke nicht, dass Du Dir zuviel Sorgen machst. Wenn mein Gatte und ich, wir gemeinsam verunfallen und dann noch vor meiner Mutter sterben würden, stände meine Mutter auch ohne jemanden anderen da. Hinzu kommt bei Dir, dass Du ja alleine bist. Hast du denn jemanden (Bekannte (r), Nachbar (in)), den Deine Mutter kennt...den Du dir als Ersatzbetreuer vorstellen könntes? Vielleicht kann man beim Amtsgericht mal Nachfragen,ob die Erfahrungen haben, ob man ihm Vorfeld schon jemanden bestimmten kann b.z.w. die jemanden bestimmen können mit dem Du schon Kontakt aufnehmen kannst. Im Alltag habe ich die "nette Nachbarin" ,die mich informieren würde, wenn ihr etwas komisches auffällt. Sie halte ich aber auch auf dem Laufenden,damit dies klappt. Sie würde merken,wenn ich nicht zu meiner Mutter käme.
LG

07.03.2019 | 17:37
klauspawletko

Hallo Andydreas,
wenn ich Sie richtig verstanden habe, gibt es niemanden mehr, der im Falle eines Ausfalls von Ihnen als Betreuuńgsperson zur Verfügung stünde.

Man muss ja nicht sofort an Ihr Ableben denken. Sie könnten sich ja auch ein Bein brechen oder für eine Operation ins Krankenhaus müssen.

Sie sollten also in jedem Fall vorsorgen. Als erstes würde ich einen Hausnotruf installieren. Auch wenn Ihre Mutter den nicht mehr aktiv nutzen kann, ist es möglich, einen täglichen Kontrollanruf zu vereinbaren.

Wenn Sie in der Verwandschaft niemanden haben, der Ihre Rolle ūbernehmen könnte, sollten Sie bei einem Betreuungsverein vorsprechen und für alle Fälle schon mal einen Betreuer aussuchen.

Dort werden Sie auch beraten ob das mit einer Vorsorgevollmacht geht oder ob das Betreuungsgericht eingeschaltet werden muss.

Falls Sie noch nicht dort waren, würde ich Ihnen auch einen Termin bei einem Pflegestützpunkt empfehlen, der Ihnen beratend zur Seite stehen kann.

So viel erst einmal für heute.
Alles Gute für Sie und Ihre Mutter wünscht
Klaus-W Pawletko


08.03.2019 | 07:47
Andydreas

Hallo Herr Pawletko,

ja, es ist richtig. Außer mir gibt es niemanden und das macht mir Sorge. Den Hausnotruf hatte ich einige Jahre von der DRK. Ich habe ihr vor ca. einem Jahr wieder gekündigt, da meine Mutter das Armband nie trug und auch bei Probeversuchen niemand ranging. Außerdem wäre bei einem ev. plötzlichen Ausfall meinerseits wegen der Diabetes Eile geboten.
Den hiesigen Betreuungsverein hatte ich bereits kontaktiert, aber da stieß ich auch nur auf Unverständnis. Im Notfall würde alles die Polizei regeln. Ich hatte auch schon versucht zwei meiner Freunde diesbezüglich in die Pflicht zu nehmen. Ich bot ihnen einen finanziellen Anreiz dafür, wenn sie Sorge trügen, dass meine Mutter adäquat untergebracht würde. Es gab verständlicherweise sehr reservierte Reaktionen.
Einen Pflegestützpunkt in meiner Nähe kenne ich leider nicht, werde mich aber erkundigen.
Zu Ihrem Verständnis. Ich möchte, dass meine Mutter im Falle aller Fälle gut untergebracht ist.
Ich habe vor ca. 2 Jahren leider schlechte Erfahrungen mit einer Kurzzeitpflege gemacht. Meine Mutter musste nach einem Krankenhausaufenthalt auf Anraten des Sozialdienstes des Krankenhauses in eine Einrichtung mit Kurzzeitpflege eingewiesen werden. Nach 2 Tagen bemerkte ich , das man ihr einen Katheter angelegt hatte. Auf meine Frage diesbezüglich wurde mir erwidert, dass das ihr Hausarzt verordnet hätte. Ich habe diesen dann kontaktiert und musste erfahren, dass ich angelogen wurde. Er ist dann selber in die Einrichtung gefahren und hat den Katheter entfernt. Ich hatte bei dieser Gelegenheit auch ein paar Einblicke in das Heimleben dort und war doch etwas schockiert. Die Einrichtung hatte im Internet aber einen guten Ruf.
Ich werde Ihren Vorschlag noch mal aufnehmen und beim Betreuungsverein nach einem Betreuer fahnden.
Vielen Dank für Ihre Mühe.

09.03.2019 | 13:46
martinhamborg

Hallo Andydreas, Sie haben sich wirklich sehr viele Gedanken gemacht, damit es Ihrer Mutter auch in dem unwahrscheinlichsten Fall gut geht.
Ich nenne es immer den Plan B für den Fall, dass Sie ausfallen:
- Die geeignete Kurzzeitpflege und einen Pflegedienst finden, zu der Sie Vertrauen aufbauen können
- Die Absicherung über einen Betreuer, die Information über den Pflegestützpunkt usw.
Als letzten Tipp können Sie ein Kärtchen für den Notfall immer bei sich tragen, sodass die Polizei sofort informiert ist und handeln kann.

Auf der anderen Seite bekommen Sie zunehmend das Gefühl, dass die Mitmenschen "komisch" reagieren. Dies liegt bestimmt auch daran, das die Vorstellung sehr dramatisch und sehr sehr unwahrscheinlich ist, es sei denn Sie neigen zu einem Hoch-Risiko-Verhalten. Dies setzt vermutlich ihre Mitmenschen unter Druck und erzeugt Abwehr und Rückzug.
Deshalb möchte ich noch die Idee von Herrn Pawletko hervorheben: Planen Sie lieber "nur" für den Fall, dass Sie vorübergehend ausfallen und Sie schon einiges geregelt haben. Damit können verbliebene Freunde und Nachbarn leichter einen kleinen aber wichtigen Anteil im Hilfesystem übernehmen.
Viel Erfolg, Ihr Martin Hamborg



Grafik FacebookGrafik TwitterRSS-Feed:Grafik RSS-SymbolAbonnieren: Grafik Facebook Grafik Twitter Grafik YoutubeDrucken:Grafik Drucker