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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Ständiges Klingeln
19.03.2019 | 10:58
Kibris

Meine Mutter lebt im Pflegeheim. Des öfteren wurde ich vom Heim angesprochen, dass meine Mutter sehr häufig klingelt. Heute kam ein Anruf vom Heim, dass es so nicht weiter geht, sie würde im Minutentakt klingeln.
Meine Mutter hat einen Stomabeutel dazu hat sich in den letzten zwei Jahren ein Bauchdeckenbruch immer weiter vergrössert. Eine Stomabandage wird zur Zeit angefertigt. Ich weiss allerdings nicht, ob sie diese annimmt, bzw. ob die Sorge, dass der Beutel voll ist dadurch abnimmt.

Ich bin sehr verzweifelt, weiss ja auch nicht was man machen kann. Sie versteht es halt nicht in ihrer Demenz.

Ich verstehe auch das Personal , aber was kann man machen?

19.03.2019 | 20:29
martinhamborg

Hallo Kibris, Klingeln oder rufen im Minutentakt ist ein großes Problem, es zehrt an den Nerven aller Beteiligter und löst manchmal ein unangemessenes Verhalten aus. Aus diesem Grund stand damals auf meinem Buch zur Gewaltvermeidung durch Professionalität "Gleich nehme ich Dir die Klingel weg". Das ist natürlich keine professionelle Lösung, denn wir müssen nach Ursachen und Auslösern suchen, dazu einige erste Gedanken zu den Informationen die Sie uns gegeben haben:

1. Sie vermuten einen Zusammenhang mit dem Stomabeutel und Mißempfindungen im Unterbauch. Dies ist der erste Ansatzpunkt: Wurde ein/e Stomatherapeut*in hinzugezogen?

2. Oft sind auch Schmerzen Auslöser für das Rufen oder Klingeln. Durch die Demenz wird die Schmerzverarbeitung im Gehirn gestört oder verändert, deshalb dürfen wir es nicht einfach "glauben" wenn wir hören, sie habe keine Schmerzen.

3. Der dritte Ansatzpunkt für häufiges Klingeln ist der Wunsch nach Auf"merk"samkeit, die Frage ist dabei: Was sollten wir merken? Das Missempfinden, weil etwas sehr stört? Die Schmerzen? Die Einsamkeit oder sogar Hinweise auf eine Depression? Depresssionen sind im Heim viel häufiger als wir vermuten sie werden bislang immer noch zu wenig behandelt. Neben wirksamen Medikamenten kann ein kleiner Lichttherapiekasten für 50-80€ ein kleines Wunder bewirken.

4. Je stärker die Demenz, desto eher ist zu erwarten, dass die Funktion der Klingel als Notruf oder als Schwesternruf gar nicht mehr verstanden wird, die Klingel also automatisch gedrückt wird. Bevor Sie über diesen Punkt nachdenken, sollen aber erst die anderen Aspekte geprüft und mit der Bezugspflegekraft oder dem Arzt besprochen werden.
Schreiben Sie uns bitte, was aus ihrer Sicht zutreffen könnte.
Ich Martin Hamborg

22.03.2019 | 07:54
Kibris

Guten Tag,
Ich denke bei meiner Mutter sind es Missempfindungen im Bereich des Stomas durch den Bauchdeckenbruch. Dass dieses Missempfinden nicht vom vollen Stomabeutels kommt sondern der Bruch schwer nach unten zieht versteht meine Mutter nicht.

Der Arzt hat schon ein Rezept für eine Bruchbandage ausgestellt die maßgefertigte wird. Ob sie die dann akzeptiert muss man sehen.

Mein Problem ist eher der Umgang des Heims mit dem Klingeln. Ich tue mir schwer mit dem Heim zu sprechen. Ich versuche die Zusammenhänge zu erklären. Aber dann heisst es, wir können uns nicht nur um ihre Mutter kümmern. Und so geht es nicht weiter.








25.03.2019 | 08:36
martinhamborg

Hallo Kibris, gut dass Sie zumindest schon einen Ansatzpunkt mit dem Arzt gefunden haben. Aus meiner Sicht stehen aber oft mehrere Ursachen hinter dem ständigen Klingeln. Zudem brauchen die Pflegekräfte im Heim einen einheitlichen professionellen Umgang. Je unterschiedlicher sich die Beteiligten verhalten, umso höher ist das Risiko, dass die Probleme immer mehr zunehmen.

Wenn Sie jetzt nicht weiterkommen, ist vielleicht weitere Hilfe von Außen nötig. Die Pflegefachkräfte der Heimaufsicht könnten diesbezüglich vielleicht zur Beratung hinzugezogen werden. Außenstehende sehen oft noch mehr und können Anregungen zu einem richtigen Umgang und einer weiterführenden Behandlung im Interesse Ihrer Mutter geben. Neben der Bitte um Beratung können Sie natürlich auch eine offizielle Beschwerde bei der Heimaufsicht einreichen und damit eine "anlassbezogene Prüfung" veranlassen. Bitte informieren Sie uns, wie es weitergeht, denn diese Herausforderung ist häufiger als viele Denken. Viel Erfolg, Ihr Martin Hamborg

28.03.2019 | 16:35
Kibris

Danke für Ihre Antwort. Ich sehe auch das Problem mit dem einheitlichen Umgang. Es geht von einfühlsam bis genervt, manchmal bekommt meine Mutter garkeine Antwort, es wird auch gedroht, dass keine Stomabeutel da sind. Das ist dann die schlimmste Variante.

Ich scheue mich eine Pflegefachkraft der Heimaufsicht hinzuzuziehen. Das wird vom Heim bestimmt als Afront gesehen.

Grüsse Kibris

29.03.2019 | 08:56
martinhamborg

Hallo Kirbirs, ich kann verstehen, dass Sie sich schwertun, die Aufsichtsbehörde beratend hinzuzuziehn. Aber ohne ein einheitliches Vorgehen wird es keine Lösung geben. Auf der anderen Seite vermute ich, dass es die Heimleitung nicht akzeptieren wird, wenn sich aus der Hilflosigkeit einzelner Mitarbeiter Drohungen oder andere subtile Formen der Gewalt entwickeln.
Vielleicht können Sie sich persönlich bei der Heimaufsicht beraten lassen, welche Lösungen es in ähnlichen Fällen gegeben hat. So könnte in einer ethischen Konferenz gemeinsam nach einem angemessenen Umgang gesucht werden, dabei wäre die Anwesenheit der Heimaufsicht eher eine Absicherung als ein Afront.
Viel Erfolg, Ihr Martin Hamborg



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