Navigation und Service

Direkt zu:

Hauptmenü

Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Wohnen in einer Demenz-WG Rechte und Pflichten
20.03.2019 | 19:57
Kottowski

Hallo,
ich finde Ihr Forum klasse. Gerade im Bereich der Demenz WGs ist es sehr hilfreich. Gerade die WG Wohnform scheint noch eine Grauzone zu sein. Wir Angehörigen haben Schwierigkeiten bei den Beratungsstellen genaue Auskünfte speziell zu der Wohnform zu bekommen.
Aus diesem Grund schreibe ich Ihnen noch einmal, um unsere WG zu beschreiben, noch einige Fragen zu stellen und anderen Angehörigen vielleicht wichtige Prüfkriterien mitzugeben.

In unserer WG wohnen 10 Personen. Tagsüber haben wir 2 Pflegekräfte und Nachts eine. Mit großer Anstrengung haben wir nun ein Pflegeteam, dass sehr engagiert ist und unsere Dementen, auch ohne zusätzliche Demenzschulung, gut versorgt. Die Betreuung steht und fällt mit dem Pflegeteam, gerade in einer "anbieterbetreuten WG" wie unsere.

Wir haben einen Mietvertrag, Behandlungsvertrag, Pflegevertrag und Betreuungsvertrag. Wir haben bei Einzug für die Kasse angekreuzt, dass der Pflegedienst bei Nichtgefallen gewechselt werden kann. Doch Achtung, bei anbieterbetreuten WGs, geht das wohl nicht so einfach, da zwischen Vermieter und Pflegedienst oft auch noch Verträge bestehen.

Bei dem Pflegevertrag haben wir uns die Leistungsklassen einmal ausgedruckt und angeschaut, somit weiß man, für welche Leistungen man monatlich bezahlt. Bitte immer nur am letzten Tag unterschreiben und nicht von den dementen Angehörigen unterschreiben lassen, auch nicht die Medikamentengabe. Sollte ein Bewohner ins Krankenhaus kommen, dürfen hier keine Leistungen abgerechnet werden. Hier eine Frage von uns: Im Vertrag steht, dass, wird ein vereinbarter Pflege-/Leistungseinsatz, der aus vom Leistungsnehmer zu vertretenden Gründen nicht stattfinden kann, nicht spätestens 24 Stunden vor dem Einsatzzeitpunkt abgesagt, kann der Leistungsgeber vom Leistungsnehmer die für den Einsatz vereinbarte Vergütung in Höhe der tatsächlich entstandenen Kosten verlangen. Heißt das für uns, dass wenn ich 3 Tage vorher sage, dass mein Vater bei uns Mittag ist, in der WG z.B. nicht "Zubereiten einer warmen Mahlzeit abgerechnet werden darf"?

Behandlungspflege ist die Medikamentengabe. Bitte genau informieren, welche Medikamente verabreicht werden und keine Arztwahl aufdrängen lassen.

Der Betreuungsvertrag läuft über den WG Zuschlag. Eine Pflegerin macht dies mit, wurde jedoch nicht von uns bestimmt und hat auch keinen zusätzlichen Vertrag. Hier fallen verwaltende Tätigkeiten und Initiierung und Begleitung von Aktivitäten der Freizeitbegleitung (richtet sich nach Wünschen der Nutzer)
Hier wird es nun schwierig. Wie bereits in vorherigen Schreiben erwähnt. Da wir auch eine Entlastungspauschale bezahlen, ist nicht immer klar, wo die Leistungen der Beschäftigungen (z. B. Spiele spielen) hineinfällt und das Poolen der Leistungen. Der Inhaber des Pflegedienstes sagt, damit wird unter anderem die Nachtpflege bezahlt.??? Außerdem übernehmen die Pfleger diese Betreuungsaufgabe ebenfalls. Wir versuchen gerade, Ehrenamtliche zu finden.

Bei dem Pflegevertrag bezahlen wir ebenfalls für die Große Hauswirtschaftliche Versorgung, die auch das Reinigen der Wohnung betrifft. Wir haben jedoch eine separate Reinigungsfrau engagiert. Wie sieht es hier aus.
Letzter Punkt ist das Wirtschaftsgeld, hier haben wir die Heimaufsicht um Hilfe gebeten, da wir keine Abrechnungen erhalten. Bitte darauf achten, dass auch hier ein Vertrag besteht, wo das Geld hinfließt, regelmäßige Abrechnung, Rückzahlung im Todesfall.

Immer das Gespräch der Angehörigen suchen vor Einzug. Am Besten mit mehreren. Leider handelt ein Angehöriger in der Regel aus der Not heraus, so auch wir. Es gibt viele gute WGs, aber auch leider schlechte. Ein erneuter Umzug ist dann für den Dementen immer eine neue Tortur. Unserer Meinung ist bezüglich der WG Form noch enormer Nachholbedarf bezüglich des Wirr Warr an Pflegegesetzen und Angehörigenhilfe.

21.03.2019 | 10:13
klauspawletko

Hallo Kottowski,
Sie haben die nach wie vor verwirrende Rechtslage bezūglich der ambulant betreuten Wgs sehr treffend beschrieben. Gerade bei den sog. Anbietergesteuerten Wgs bleibt der Verbraucherschutz m.E. auf der Strecke. Hier haben sich leider die Pflegeanbieter durchgesetzt und Kostenträger und Aufsichtsbehörden ausgespielt.
Ihr wichtigstes Instrument ist Ihr Mietvertrag. Wenn der ein "echter" Mietvertrag ist, sind Sie als Mieter nach wie vor die Hausherren (oder -damen).
Wenn Sie sich als Angehörige einig sind, könnten Sie auch versuchen, den Status der WG zu verändern; und zwar in Richtung selbstbestimmte WG. Das wäre zwar ein Präzedenzfall, aber das Ordnungsrecht z.B. im Land Brandenburg sieht das durchaus vor.
Zu Ihrer Frage nach den zu vergütenden Leistungen: wenn Sie die Ankündigung rechtzeitig machen, fållt der entsprechende Leistungskomplex flach.

Hier zeigt sich aber wieder, wie ungeeignet das Modulsystem für das Leistungsgeschehen in Wohngemeinschaften ist.
ICH wünsche Ihnen und Ihren Mitstreitern auch zukünftig viel Kraft und Selbstbewusstsein!
Beste Grüße von Klaus Pawletko



Grafik FacebookGrafik TwitterRSS-Feed:Grafik RSS-SymbolAbonnieren: Grafik Facebook Grafik Twitter Grafik YoutubeDrucken:Grafik Drucker