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Ratgeberforum "Prävention, Diagnose und Therapie"

Bild: Ratgeberforum "Prävention, Diagnose und Therapie" Die Diagnose Demenz wirft viele Fragen auf. Hätte die Erkrankung verhindert werden können? Ist sie therapierbar? Und worauf sollte man bei der Behandlung achten? Im Ratgeberforum „Prävention, Diagnose und Therapie“ geben zwei Experten Antworten: Dr. Marc Lässer, Neuropsychologe und assoziierter wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Sektion Gerontopsychiatrie der psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg, moderiert das Forum zusammen mit Dr. Elmar Kaiser. Als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie leitete er bis Anfang 2012 die Gedächtnisambulanz der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg.

Autor Demenz oder Psychose
23.03.2019 | 22:07
uwest

Mein über 80 jähriger Vater, Pflegestufe 2, aufgrund seiner körperlichen Verfassung , wurde mit unerklärlichen starken SChmerzen im Darm/ Magenbereich ( er meinte Verstopfung ) von mir ins Krankenhaus gefahren. Vorher hat er sich über eine Woche dagegegen gewehrt, nur durch Glück konnte ich ihn endlich umstimmen. Er will nie ins Krankenhaus, oder zum Arzt, weil er ja eigentlich froh wäre, schnell zu sterben ist .Da er voll geschäftsfähig ist, darf und soll er ja auch, alles selbst bestimmen, obwohl ich manches schon grenzwertig finde . Alle folgenden Untersuchungen Darm/Magenspiegelung, Kopfuntersuchung, Kurze Vorstellung beim Neurologen usw. ergaben keinen Hinweis, auf ein organisches Problem. Beim Einliefern sagte die Oberärztin zwar noch, mein Vater sei ja gar nicht mehr geschäftsfähig, relativierte die Aussage später aber, zur Diagnose( beginnende Demenz) organisch alles okay. Er sollte betreut werden , falls nicht möglich in ein Pflegeheim. Falls er, voll geschäftsfähig, nicht betreut werden kann/ will, würde er aber nach Hause entlassen . Nun das hört sich alles nicht so wild an, dann wird es wohl doch nicht so schlimm sein, aber in Wirklichkeit hatten wir die letzten 6 Monate große Sorge um meinen Vater, weil in seinem gesamten Umfeld der Eindruck entstand, dass das Problem eher physischer Natur sei. Dieses äußerte sich darin, dass der Vater keine Lust mehr zum Leben hat, am liebsten tot sei, tagelang im Bett liegt, zu wenig Nahrung zu sich nimmt, keine Tabletten mehr nimmt, Angst hat zu verarmen, nicht mehr auf die STraße geht, weil die Leute ihn so komisch ansehen, er der Meinung ist, es würde ein SChild an der Tür hängen wo keines ist, er verschiedene Filme durchlebt, indem er sich ständig in einer anderen Rolle sieht, wie zb. als Todkranker, als von der Polizei verfolgter, die ihn bis ins Geschäft nachlaufen, in mir einen VErräter sieht ,der ihn aussliefern will, er der Meinung ist dass die Polizei ihn mitnehmen will, oder Ärzte aus einem anderen Krankenhaus ihn wegsperren wollen. Manchmal trägt er auch für diesen Fall ein Reizgasspray zur Notwehr in der Tasche. Das Waschen erfolgt sehr unregelmässig usw. usw. Als Ursache für diese ,aus meiner Sicht Physische Veränderung, sehe ich allerdings in einer vor drei Jahren entstandene, sehr große Enttäuschung, durch einen nahen Angehörigen, die ihn so sehr getroffen hat, dass er sie bis heute nicht überwunden hat. Ich weiß er würde nie, mit jemanden freiwillig darüber reden, aber es sitzt noch sehr tief in seiner Seele fest. Er hatte bereits vor dem Ereignis , einen mehrwöchigen erfolgreichen Aufenthalt in einer Phychologischen Einrichtung, mit gutem Erfolg und sollte vor zwei Jahren durch einen zufälligen Krankenhausaufenthalt, in einer ähnlichen Abteilung wieder untersucht werden. Dieser Untersuchung hat er sich auf eigenen Wunsch hin allerdings noch entzogen. Ich sehe im Moment ,auch keine keine unmittelbare Gefährdung bei ihm und für andere und ich möchte ihn, wirklich nicht langfristig in eine psychologiischen Einrichtung sehen, aber ist es nicht möglich, dass das Hauptproblem meines Vaters, trotz einer beginnenden Demenz, möglicherweise pychologisch bedingte ( Psychosen sind) die durch eine paar Wochen, mit profesioneller Hilfe beseitigt werden könnten.? Falls ja, würde das einen Sinn machen, zu therapieren, wenn mein Vater dies nicht einsieht und sich dagegen wehrt und in Vollbesitz seiner Geschaftsfähigkeit ablehnt. ? Anfang nächster Woche, werde ich meine Bedenken, nach dem Gespäch mit dem sozialen Dienst, auch noch mit der Ärztin besprechen Ich weiß noch nicht was die nächsten Tage bringen , aber möglicherweise, kommt er wieder geschäftsfähig nach Hause, und ich als Sohn, habe wieder, irgendwie, doch mit die Verantwortung und das ist bestimmt kein gutes Gefühl

24.03.2019 | 10:51
elmarkaiser

Sehr geehrter Fragensteller,

es sicher vollkommen richtig, dass Sie zunächst einmal das Gespräch mit den derzeit behandelnden Ärzten / Psychologen suchen. Wichtig wäre dabei eine ausführliche Beratung über Möglichkeiten und Voraussetzungen der Einrichtung einer gesetzlichen Betreuung. Nicht nur bei "Gefahr im Verzug", sondern auch bei aus der Krankengeschichte hervorgehenden Auffälligkeiten mit wiederholt vorliegendem Gefährdungspotential für sich und Andere kann über die Einrichtung einer solchen gesetzlichen Betreuung nachgedacht werden. Es gibt hier unterschiedliche Kategorien, z.B. die der "Gesundheitssorge". Falls Sie als Sohn bereit wären, die gesetzliche Betreuung Ihres Vaters im Punkt "Gesundheitssorge" zu übernehmen, dann könnten Sie in schwierigen Situationen eine Entscheidung für einen stationären Aufenthalt oder weitergehende Maßnahmen treffen. Natürlich setzt dieses Szenario voraus, dass das zuständige Amtsgericht des Wohnortes Ihres Vaters eine gesetzliche Betreuung einrichtet. Falls die derzeit behandelnden Ärzte sich dafür nicht zuständig fühlen sollten, kann über den Amtsarzt (Gesundheitsamt) des Wohnortes Ihres Vaters in begründeten Fällen eine amtsärztliche Untersuchung angeordnet werden. Das Untersuchungsergebnis ist dann meist die Grundlage für die Entscheidung über die Einrichtung einer gesetzlichen Betreuung. Aus der Konstellation "Sohn als Betreuer des eigenen Vaters" können sich naturgemäß zwischenmenschliche Spannungen ergeben. Manche Angehörige lehnen daher die Möglichkeit der Übernahme der Betreuung für Ihre demenzkranken Verwandten ab. Das Amtsgericht benennt in diesem Fall eine dritte Person, meist Berufsbetreuer, z.B. Rechtsanwälte oder Sozialarbeiter, die die Interessen des Erkrankten vertreten sollen.


Ich wünsche Ihrem Vater und auch Ihnen auf diesem Wege alles Gute in dieser nicht einfachen Situation.

Mi freundlichen Grüßen,

Dr. E. Kaiser



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