Navigation und Service

Direkt zu:

Hauptmenü

Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte"

Bild: Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte" Im Laufe einer Demenz ändern sich Kommunikationsfähigkeit und Verhaltensweisen. Das ist für alle Beteiligten oft belastend. Der Wegweiser Demenz hat zwei Experten auf diesem Gebiet als Moderatoren für das Internetforum gewonnen: Jochen Gust hat als Altenpfleger Menschen mit Demenz betreut. Heute schult er unter anderem Klinikpersonal im Umgang mit Demenzkranken, berät Angehörige und schreibt Bücher. Dr. Svenja Sachweh bietet Kommunikationstrainings für Pflegepersonen an und ist Autorin diverser Lehr- und Ratgeberbücher zur Verständigung mit Demenzkranken.

Autor Kleiderwechsel
27.03.2019 | 15:43
morgenstern

Meine Mutter ist schwer dement. Körperpflege ist schwierig, aber einmal die Woche klappt es mit Duschen, manchmal allerdings erst nach mehreren Anläufen. Dann ist es auch möglich, die komplette Kleidung zu wechseln mit dem Hinweis, dass ich die jetzt brauche, um die Wäsche waschen zu können. Abends werden nur einzelne Kleidungsstücke abgelegt, wenn man Glück hat, läßt sie zu, dass man sie bis zur Unterwäsche auszieht bzw. sie macht das selbst. In der Regel geht sie aber mit der Tageskleidung ins Bett. Ich kann damit umgehen nach dem Motto: Schuhe müssen aus, der Rest kann aus. Allerdings gibt es ein Problem, wenn der Toilettengang nicht "optimal" verlaufen ist. Meine Mutter merkt noch, dass sie zur Toilette muss und zieht meist selbst ihre Schlupfhose und die Unterhose herunter und herauf. Nur findet sie die Toilette meist nicht allein, das Hinstetzen auf die Klobrille klappt trotz Armstützen nicht immer und wozu Toilettenpapier da ist, weiß sie auch nicht mehr... Ist sie zu schnell, ist die Hose schon wieder oben bevor man wischen kann.... Ich versuche dann, sie zum Kleiderwechsel zu überreden, zeige ihr frische Kleidung usw. aber sie weigert sich meist. Gibt es einen Tipp, wie man das meistert? Vielleicht spezielle Kleidung?

27.03.2019 | 15:55
svenjasachweh

Hallo morgenstern,

manchmal hilft es, wenn man den Betroffenen bittet, etwas für einen festzuhalten - völlig egal was, da muss man zunächst etwas ausprobieren, ob Toilettenpapier, ein Handtuch oder Waschlappen, oder etwas ganz anderes angenommen wird. Am besten sind es Materialien oder Gegenstände, die sich angenehm anfühlen, Interesse und Aufmerksamkeit der erkrankten Person binden und weder zu schwer noch zu leicht sind (Das kann je nach früheren Interessen auch mal eine Puppe, oder etwa ein Versandhandelskatalog sein). Konzentriert der Mensch mit der Demenz sich auf das Helfen, also dieses Festhalten, ist er in der Regel nicht in der Lage, gleichzeitig aufzustehen, oder die Hose wieder hochzuziehen... Sie hätten also etwas mehr Luft für's Abputzen. Vielleicht hilft's auch in Ihrem Fall? Ich drücke Ihnen die Daumen!

Freundliche Grüße,
S. Sachweh

28.03.2019 | 10:03
morgenstern

Vielen Dank für den Tipp, wie man das beim Toilettengang besser hinbekommt. Mein Problem ist allerdings nicht gelöst: Was machen, wenn Unterhose oder Hose verschmutzt sind und meine Mutter sie nicht wechseln will? Beim Duschen bekomme ich wenigstens die Hose aus. Wenn es mit der Unterhose nicht klappt, dann geht es mit der Unterhose in die Dusche, die wird dann ausgezogen, wenn sie nass ist. Ich teile mir die Betreuung mit meinem Bruder (jeder 1/2 Woche), allerdings läßt sie sich nur von mir Duschen. Eine "Samstagsdusche" einfach in der Woche einschieben, um an die Kleider zu kommen, geht also nicht (ich wohne in 100km Entfernung).

29.03.2019 | 08:41
svenjasachweh

Hallo nochmal,
ich kenne zwei Versionen, die mal mehr, mal weniger gut klappen: Erstens den Trick, den Sie schon erwähnten, also an die Sparsamkeit älterer Menschen zu appellieren, indem man sie bittet, einem zu helfen, die Waschmaschine voll zu bekommen. Der andere ist, nicht erklären oder beweisen zu wollen, dass etwas verschmutzt ist, sondern sich selber (natürlich letztlich absichtlich) ungeschickt anzustellen, also dem Erkrankten "versehentlich" etwas auf die Hose zu schütten (egal was, Hauptsache, bunt oder fettig, sodass die ehemalige Hausfrau sofort auch trotz Demenz einsieht, dass man die schnell in die Wäsche tun muss). Wenn wir die Verantwortung für den Fleck auf uns nehmen und um Entschuldigung bitten, ist der Widerstand viel geringer! Vielleicht hilft das?

Noch'n Gruß,
S. Sachweh

09.05.2019 | 15:34
morgenstern

Ich wollte nur kurz eine Rückmeldung geben: Beim Toilettengang bekommt Mutter jetzt immer als erstes ein Stück Toilettenpapier in die Hand, das "wir später brauchen". Jetzt klappt das Wischen prima, da das besagte Stück Papier als letztes verwendet wird. Somit wird die Unterwäsche auch nicht mehr verschmutzt. Vielleicht hilft das anderen Betroffenen auch weiter...



Grafik FacebookGrafik TwitterRSS-Feed:Grafik RSS-SymbolAbonnieren: Grafik Facebook Grafik Twitter Grafik YoutubeDrucken:Grafik Drucker