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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Grenzen der Vorsorgevollmacht?!
30.03.2019 | 19:59
bibo123

Hallo alle zusammen,

wie viele andere hier in diesem Forum hat auch meine Familie in den letzten Monaten so einiges mitgemacht. Meine beiden Großeltern lebten bis vor einigen Tagen gemeinsam in ihrem Haus. Meine Oma mit bereits fortgeschrittener Demenz und Pflegegrad 3. Mein Opa hat meiner Ansicht nach ebenfalls eine Demenz, jedoch geringer ausgeprägt und nicht diagnostiziert, da er nicht zum Arzt geht. Meine Großeltern zogen sich sehr zurück in den letzten Jahren, mein Opa begann Alkohol zu trinken und setzte meiner Oma auch immer nur Alkohol statt Wasser vor. Dieses führte dazu dass sie bereits 3 mal in den vergangenen Jahren mit Exkikose ins Krankenhaus kam. Mein Opa lehnte jegliche Form von Hilfsangeboten durch Pflegedienst, Tagespflege, Kurzzeitpflege ab. Meist indem er bereits morgens früh ins Auto stieg und mit meiner Oma weg fuhr bzw sie immer wieder aus der Kurzzeitpflege oder Tagespflege abholte (Ja er fährt noch Auto!!). Die Situation eskalierte als er sie eines morgens ins Auto steckte und mit ihr den Urlaub fahren wollte. Die beiden waren 2 Nächtelang im Auto unterwegs bis er schließlich weit entfernt vom Wohnort von der Polizei angehalten wurde weil er mit 20kmh über die Autobahn fuhr. Wir hatten zu dem Zeitpunkt schon eine ganz tolle WG für demente für meine Oma gefunden und da meine Mutter die Vorsorgevollmacht hat (auch über den Aufenthaltsort) haben wir meine Oma dorthin gebracht. Ihr gefällt es dort und sie sagte mehrfach "nach Hause gehe ich aber nicht mehr".
Problem ist, dass mein uneinsichtiger Opa meine Mutter bei der Polizei angezeigt weil sie meine Oma weg gebracht hat. Die Polizei gibt aktuell meinem Opa "Recht" weil in der Vorsorgevollmacht angekreuzt ist dass bei Unterbringung oder Fixierung eine richterliche Zustimmung notwendig sei. Außerdem seien die beiden immer noch verheiratet. Können die jetzt meine Oma gegen unsere Zustimmung aus dem Heim und wieder nach Hause bringen? (Sie hat sich gerade eingewöhnt) Und vor allem droht meiner Mutter ernsthaft Strafe nur weil sie meine Oma gut versorgt wissen will? Wir sind langsam echt am Ende und irgendwie kommt immer noch was Schlimmeres dazu. Mal ganz davon abgesehen, dass mein Opa immer noch Auto fährt (zT betrunken) und niemand ihm den Führerschein weg nimmt. Ziel soll es irgendwann natürlich sein dass man die beiden wieder zusammen bringt oder am besten mein Opa mit in die WG einzieht. Aber so lange er so uneinsichtig ist, ist daran leider im Moment nicht zu denken.


Vielen Dank schon einmal!

31.03.2019 | 09:48
klauspawletko

Hallo bibo123,
So wie die Vorsorgevollmacht formuliert ist, sind Sie wahrscheinlich auf der sicheren Seite, wenn Sie eine amtsrichterliche Genehmigung einholen. Der Nachteil ist, dass dann immer eine Instanz mit eingebunden ist.
Sie sollten sich dabei vom sozialpsychiatrischen Dienst beraten lassen - vielleicht kann der Ihre Familie mit einem Gutachten unterstützen.
Interessant ist dabei die Tatsache, dass eine WG im juristischen Sinne nicht als Einrichtung gilt (sondern als Wohnung). Insofern ist der Umzug in eine WG keine Unterbringung.
Eine Beratung beim sozialpsychiatrischen Dienst hilft sicher auch in Bezug auf den Großvater, denn hier lauert ja bereits das nächste Problem.
Viel Erfolg dabei wünscht Ihnen
Klaus-W. PAWLETKO

15.05.2019 | 22:59
Sohn

Guten Abend bibo123,

das ist eine interessante Fragestellung, die Sie aufwerfen!

Da nach meinem bisherigen Wissensstand niemand gegen ihren/seinen Willen irgendwo einquartiert werden darf (außer bei Selbst- oder Fremdgefährdung), müßte doch (zumindest in der Theorie) auch gelten, daß niemand irgendwo weggeholt werden darf, wo es ihr oder ihm nach eigener Aussage gefällt und wo er/sie bleiben möchte!
Das ist jedenfalls der Ansatz, den ich probieren würde! Wichtig ist, daß die Oma das noch deutlich und glaubwürdig kommuniziert bekommt. Wenn auch das nicht helfen sollte, wäre es mal wieder ein Beweis für die Schädlichkeit (statt Nützlichkeit) unseres "Recht"ssystems.

Außerdem leben wir hier (in Deutschland) zumindest relativ zivilisiert und Ihre Oma ist nicht, wie in anderen Kulturkreisen üblich, das Eigentum Ihres Opas, so daß er über die Oma nach Belieben verfügen könnte/dürfte! Die Zeiten, als ein Ehemann seiner Ehefrau z. B. eine Berufstätigkeit verbieten durfte, sind hierzulande definitiv vorbei (Gott sei Dank!!).

Was die Autofahrerei Ihres Großvaters betrifft, weiß ich aus dem Bekanntenkreis, daß dort ein uneinsichtiger Opa NICHTS auf die Äußerungen seiner Angehörigen gab, sehr wohl aber reagierte, als ein anonymer Brief "aus der Nachbarschaft" ihn erreichte. Vielleicht probieren Sie DAS mal?

Und wenn Sie relativ zuverlässig wissen, daß und wann und wo er betrunken fährt, kann ein Anruf bei der Polizei Ihre diesbezüglichen Sorgen ganz schnell beenden.

Was die Anzeige bei der Polizei betrifft, habe ich auch so etwas jüngst durch meine Mutter erlebt. War für mich allerdings relativ leicht zu entkräften durch ärztliches Attest und Vollmacht. Bei Ihnen sieht's anders aus; da müßte wohl der Polizei klar gemacht werden, daß Ihre Mutter die Oma NICHT weggebracht hat, sondern daß die Oma aus freien Stücken mit dem Taxi oder dem Bus oder ..... wie auch immer dort hin gelangt ist. Das muß weder stimmen noch logisch oder glaubwürdig oder sonstwas sein; Hauptsache, JURISTISCH ist Ihre Mutter nicht zu belangen! Holen Sie sich notfalls juristischen Rat und sorgen Sie dafür, daß eben strafrechtlich nichts gegen Ihre Mutter unternommen werden kann. Fertig.

Wäre schön, wenn Sie hier mal mitteilen, was sich seit Ihrer Fragestellung vor sechs Wochen bei Ihnen ergeben hat!



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