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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Nachbarn, die sich ungefragt einmischen...
08.04.2019 | 22:26
hanne63

Hallo zusammen,
meine beiden Eltern sind dement. Mutter ist inzwischen in einem Heim. Vater lebt noch allein zu Hause. Ich selbst wohne ca 100 km entfernt. Es besteht eine rechtliche Betreuung durch einen Berufsbetreuer, der sich auch meist mit mir abspricht.
Problem seit längerem: Ein Nachbar mischt sich ein (Helfersyndrom), in Dinge, die ihn nichts angehen. Leider hat mein Vater ihm auch einen Schlüssel gegeben. Einerseits war ich und auch der Berufsbetreuer froh, dass der Nachbar immer mal ein Auge auf meine Eltern hat, andererseits sorgte er mehrfach für Chaos (holte Vater im Krankenhaus ab, verschwieg, dass eine rechtl. Betreuung existiert, geht durch die Wohnung und möchte Sachen geschenkt haben , möchte Mutter aus dem Heim zurückholen, die mit richterlichem Beschluß dort untergebracht ist...und und und...er ruft mehrfach bei mir an und setzt mich emotional unter Druck...eine Art Scheinheiligheit....
Ich habe mehrfach versucht diesem Nachbarn Grenzen zu setzen...er ist selbst ca 80 Jahre alt...offenbar versteht er mich nicht oder will es nicht...was tun????

09.04.2019 | 07:52
martinhamborg

Hallo Hanne 63, Sie beschreiben ein echtes Dilemma und ich bin sehr gespannt, ob andere in diesem Forum schon ähnliche Erfahrungen gemacht haben und wie es dann ausgegangen ist.

Ich habe erstmal einige Fragen: Was sagt Ihr Vater dazu? Fühlt er sich auch bedrängt? Wie wichtig ist ihm der Kontakt? Gibt er an den Nachbarn Aufträge, sodass sich dieser moralisch im Recht fühlt?

Vermutlich haben Sie sich schon unterschiedliche Szenarien überlegt:

- Wenn Sie den Kontakt am liebsten beenden wollen, gibt es mehr oder weniger diplomatische Konfliktlösungen. Der formale juristische Weg ist sehr aufwendig und wir wollen ihn an dieser Stelle auch nicht vertiefen
- Wenn Sie den Kontakt begrenzen möchten, brauchen Sie verbindliche Regeln und Vereinbarungen. Können Sie diese formulieren und: Was fehlt, um diese auch durchzusetzen oder einen verbindlichen Kompromiss zu finden?
- Manchmal kann es hilfreich sein, eine neutrale Autoritätsperson hinzu zu ziehen. Letztlich könnte dies auch eine (außergerichtliche) Mediation sein, vielleicht haben sich sogar "Ihre" Betreuungsrichter schon auf diesen Weg gemacht.
- Welche Rolle kann der Betreuuer übernehmen, in dessen Angelegenheiten sich der Nachbar ja auch einmischt?

Freue mich über Gedanken, Erfahrungen und Rückmeldungen zu diesem Thema, Ihr Martin Hamborg

09.04.2019 | 08:21
hanne63

Hallo Martinhamborg,
danke für Ihre rasche Antwort.
Die Eltern waren früher mit diesem Nachbarn sogar sehr zerstritten. Erst in letzter Zeit haben sie dann ausgerechnet diesen Nachbarn immer wieder um Hilfe gebeten. Mein Vater kann sich ihm gegenüber nicht durchsetzen und wird manipuliert...andererseits spricht er ihn auch auf diverse Dinge von selbst an. Aber im Grunde drängt sich der Nachbar jedesmal von selbst auf.
Ich habe den Betreuer mehrfach davon in Kenntnis gesetzt ...der meint, es sei gut, dass der Nachbar ein Auge auf die Eltern hat, also zusätzlich aufpaßt....auch wenn er manchmal nerven würde....
Juristische Wege generell und speziell in Sachen Demenz sind immer schwierig und möchte ich nicht.
Es handelt sich immer um Angelegenheiten, die der Betreuer bereits in seinem Aufgabenbereich hat. (Hörgeräteversorgung, Gartenpflege, Wohnungsangelegenheiten, Heimangelegenheiten etc.)
Der Nachbar denkt, ich kümmere mich zu wenig und deshalb muß er helfen...weil er es ja nur gut meint......
Ich werde versuchen beim nächsten Mal verbindliche Regeln aufzustellen.....nämlich: er kann meinen Vater besuchen und ihm Gesellschaft leisten....mehr aber auch nicht...von allen anderen Dingen hat er stets den Betreuer in Kenntnis zu setzen. Ich werde es jedenfalls so versuchen.

Für Anregungen und Tipps bin ich weiter dankbar.

Viele Grüße und danke

13.04.2019 | 09:01
martinhamborg

Hallo Hanne63, das hört sich gut an, der versöhnliche Weg ist wohl immer der Beste. Manchmal kann ein Dankeschön oder eine Wertschätzung Druck rausnehmen, auch wenn Ihr Nachbar denkt, dass Ihr Vater denkt, dass Sie sich zu wenig kümmern und er deshalb aktiv werden müsse (??)
Ihnen viel Erfolg, Ihr Martin Hamborg

11.05.2019 | 20:47
Sohn

Hallo hanne63,

ich habe zwei Nachbarn meiner Mutter anwaltlich anschreiben und zur Räson bringen lassen, nachdem der erste mit ihr bei der Bank war, um dort in Zukunft an meiner Stelle als notariell bevollmächtigtem Sohn ihre Finanztransaktionen zu regeln und der zweite (auch um die 80 Jahre, wie bei Ihnen) sie zum Notar begleitet hat, um mir ihre notarielle Vollmacht zu entziehen. Erster Nachbar hat im Vorfeld, auch im Gespräch mit mir, versucht, zu vergünstigten Konditionen das Haus meiner Mutter zu erwerben.

Leider gibt es eine Menge Leute auf dieser Welt, die es besser nicht geben würde, und dagegen hilft nur, sich mit Gewalt zu wehren (in diesem Fall mittels Rechtsanwalt). Im ersten Fall hat der Anwalt recht drastisch Haus- und Kontaktverbot etc. erteilt und drakonische Sanktionen angedroht für Wiederholungsfälle. Seitdem ist Ruhe. Im zweiten Fall genügte ein Hinweis auf den geistigen Verfall meiner Mutter mit Pflegegrad 2 etc., was diese Nachbarn anscheinend noch nicht bemerkt hatten, obwohl ständig der Pflegedienst zu meiner Mutter kommt. Da sieht man, was es für "tolle" Nachbarn gibt.

13.05.2019 | 08:47
martinhamborg

Hallo Sohn, erlauben Sie mit bitte einen kurzen Kommentar. Der Weg über einen Anwalt macht oft den Ernst der Situation deutlich, aber ihre Erfahrung mit der einen Nachbarin zeigt, dass manchmal der Schritt vorher nicht vergessen werden sollte: Das Gespräch und die Information über die Veränderungen infolge der Demenz. Nachbarn können sehr wertvoll sein, weil sie dicht dran sind und als erste mitbekommen, wenn Gefahr in Verzug ist. Deshalb würde ich von allem abraten, dass zu einem Kleinkrieg werden könnte. Das gilt natürlich auf für jede Form der Gewalt. Mir wäre lieb, wenn Sie dieses Wort aus Ihrem Beitrag rausnehmen!
Ihr Martin Hamborg

13.05.2019 | 15:25
Sohn

Guten Tag Herr Hamborg,

dann denken Sie sich statt des Wortes "Gewalt" eben "Nachdruck". Es soll sich also "mit Nachdruck" gegen solche Zeitgenossen gewehrt werden, nicht mit Gewalt.

Was Sie mit dem "Schritt vorher" empfehlen, entspricht hundertprozentig meiner Sichtweise. ABER, und das können Sie nicht wissen, haben die NACHBARN genau dies unmöglich gemacht: sie haben ohne mein Wissen ein Schriftstück für meine Mutter aufgesetzt und sind mit ihr zum Notar gefahren und haben dort darauf hingewirkt, mir meine notarielle Vollmacht entziehen zu lassen. Ohne jedes Hintergrundwissen ihrerseits, ohne auch nur ein Wort mit mir gesprochen zu haben oder sich anderweitig (zum Beispiel bei anderen Nachbarn oder dem Pflegedienst) sachkundig zu machen.
Als ich von der Aktion gewahr wurde, man mir aber im Notariat partout keine Auskunft erteilen wollte (noch nicht einmal im Beisein meiner Mutter, der KLIENTIN !!!), bin ich mit Mutter zu besagten Nachbarn gefahren und habe dort um Aufklärung des Sachverhaltes gebeten. Doch statt einer Antwort habe ich nur den Verweis aus deren Haus erhalten.

Erst DANACH habe ich den Anwalt eingeschaltet und die Nachbarn anschreiben lassen sowie selber an sie geschrieben: über die Demenz meiner Mutter aufgeklärt, über ihren Pflegegrad 2, das ärtzliche Attest beigefügt, welches besagt, Mutter sei nicht mehr testierfähig, etc.

HEUTE bekam ich daraufhin Post von diesen Nachbarn mit folgendem Inhalt:

"... wir möchten Sie hiermit bitten, uns in Zukunft mit Ihren lächerlichen Schreiben und Mails zu verschonen. Ihre beleidigenden Aussagen sind üble Nachreden, übder deren Folgen Sie sich hoffentlich im klaren sind."

So, Herr Hamborg, was soll ich mit solchen Nachbarn anfangen, die DAS als Antwort auf meine Informationen zum Zustand meiner Mutter antworten? Ich hatte gehofft, sie würden verstehen, welchen Schaden sie angerichtet haben und sich bei mir entschuldigen. Aber ganz offensichtlich fühlen sie sich noch immer im Recht, trotz aller objektiven Gegen"beweise".

Während ich das hier schreibe, ruft mich eine andere Nachbarin meiner Mutter an: ihre Haustür sei zugefallen und wie sie ihr helfen könne, wieder ins Haus zu gelangen. SO sollte gute Nachbarschaftshilfe funktionieren!!


Noch eine Anmerkung fällt mir gerade ein: als ich gestern bei meiner Mutter war, sprach diese mich darauf an, ob ich irgendetwas über sie (meine Mutter) in der Nachbarschaft herumerzählt hätte, man würde so etwas munkeln. Sie sehen also, völlig egal ob ich mit irgendwem gesprochen habe oder nicht, grundsätzlich wird immer ALLES was ich tue oder lasse als FALSCH von irgendwem aufgefaßt und diese Leute meinen dann, mit ihren Heimlichmethoden ohne jedes Hintergundwissen meiner Mutter helfen zu müssen. Ich vermute sehr stark, daß diese Leute meine Mutter dazu angestachelt haben, anwaltlich gegen mich vorgehen zu lassen und bei der Polizei eine Anzeige gegen mich erstatten zu lassen.

Eigenartigerweise spricht mich praktisch niemand direkt an und fragt gezielt nach, was Sache ist. Alles immer nur hintenrum und am liebsten von meiner Mutter erzählt, die leider nur noch Nonsens von sich gibt, was man ihr - demenzbedingt - noch nicht einmal verübeln kann.

Vor nicht allzu langer Zeit behauptete Mutter noch, 9.000 € Rente im Monat zu bekommen. Nicht lange darauf waren es nur noch 123 € monatlich. Wenig später immerhin schon 223 €. Und Witwenrente bekommt sie angeblich auch nicht, weswegen sie eine Zeit lang permanent bei der Behörde vorstellig wurde, um dies zu reklamieren.

Auch das habe ich den Nachbarn geschrieben, aber wie Sie sehen können, tun die das als "beleidigende Aussagen" und "üble Nachreden" ab.

Als ich (vorletztes Jahr?) das Auto meiner Mutter verkauft habe, weil sie aufgrund zunehmender Desorientierung ihre Ziele nicht mehr fand (und natürlich auch um sie und andere Verkehrsteilnehmer zu schützen) war es auch wieder diese eine Nachbar, der sich einen blöden Kommentar meiner Mutter gegenüber nicht verkneifen konnte, sie solle sich so etwas nicht von mir gefallen lassen bzw. ich habe ihr Auto gefälligst nicht zu verkaufen!

[Dieser Beitrag wurde 4mal bearbeitet, zuletzt am 13.05.2019 um 17:19.]



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