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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Mutter fährt von alleine in ihr altes Zuhause
26.04.2019 | 13:53
Melle

Hallo,
Unsere Mutter ist seit 2 Jahren in einem Senioren-Pflegeheim (nicht in der Demenz-Station). Ihr Zustand verschlechtert sich zusehends, zZ sogar rapide. Anfangs hat sie realisiert, dass sie in einem Seniorenheim ist, seit ca 1 Monat ist sie geistig in einem Zwischenzustand zwischen Krankenhaus/Kur/Umzug zwischen 2 Wohnungen. Vor 2 Wochen ist sie spazieren gegangen, hat den Rückweg nicht gefunden und wurde von einer Mitarbeiterin des sozialen Dienstes an einer Bushaltestelle in 3km Entfernung aufgesammelt und zurückgebracht. Gestern Abend hat sie es geschafft ein Taxi zu bestellen und in ihre alte Wohnung zurück zu fahren. Meine Schwester wohnt dort im Haus und konnte sie in Empfang nehmen und wieder ins Heim zurückbringen( dort war in Verschwinden noch nicht bemerkt worden). Für meine Schwester wird der Zustand aber immer belastender, da meine Mutter in letzter Zeit häufig anruft, "wann sie denn endlich abgeholt würde, sie hätte ja schon alles zusammengepackt...", was dann auch stimmt- sie hatte alle Bilder von der Wand abgehängt.
Meine Frage: was können/müssen wir tun, um diese Asuflüge zu verhindern? Eine meiner Schwestern und ich haben sowohl Generalvollmacht als auch Betreuungsvollmacht.
Grüße Melle

29.04.2019 | 22:39
renategascho

Guten Abend Melle,

Ruhelosigkeit, ständiger Bewegungsdrang oder auch zielloses Umherlaufen ist wohl eine der häufigsten Verhaltensänderungen bei Demenzkranken Menschen. Oft drückt dies die Suche nach etwas Verlorenen aus.

Im Prinzip zeigt Ihnen Ihre Mutter ziemlich deutlich was sie möchte. Nur leider ist das vermutlich nicht mehr möglich. Vielleicht gibt es aber die Möglichkeit einen ehrenamtlichen Besuchsdienst zu finden der mit Ihrer Mutter des Öfteren rausgeht und vielleicht kann sie am Wochenende ab und an in ihr altes zuhause zurück und mit ihren Töchtern ein paar schöne Stunden verbringen.

Vielleicht gibt es auch im Heim Beschäftigungsangebote bei denen sie miteinbezogen werden kann. Wurden Sie von den Pflegekräften oder der Heimleitung schon angesprochen? Ich vermute, auch dort sind die Veränderungen Ihrer Mutter schon aufgefallen. Inwieweit ist eine Demenz schon diagnostiziert oder fortgeschritten? Finden Sie, Ihre Mutter wäre auf einer Demenz-Station besser aufgehoben? Was bedeutet eine Demenz-Station? Eine geschlossene Abteilung?

Auch für mich ist es schwierig Ihre Frage aus der Ferne zu beantworten. Wenn Ihre Mutter den Sinn und die Tragweite ihrer Entscheidungen nicht mehr überblickt, dann müssen die Bezugspersonen die Steuerung übernehmen. Beziehen Sie das Personal vor Ort mit ein. Auch dort gibt es eine Verantwortung für die Bewohner und vermutlich auch Erfahrungswerte im Umgang mit Demenzkranken.

Ich werde morgen Ihre Anfrage noch einmal in die Rubrik „Wohnen, Betreuung und Pflege“ verschieben lassen. Von den Kollegen bekommen Sie sicherlich auch noch einmal Antworten und Anregungen.

Alles Gute für Sie und Ihre Mutter wünscht
mit freundlichen Grüßen
R. Gascho

07.05.2019 | 17:15
martinhamborg

Hallo Melle, Frau Gascho hat ja schon viele gute Ideen geschrieben. Gern können wir noch gemeinsam weiterdenken.
Als erstes suche ich immer nach Ursachen oder Auslösern, wenn diese Verhaltensweisen neu auftreten, immerhin wohnt Ihre Mutter ja schon 2 Jahre in der Einrichtung: Sind Ihnen Konflikte, gesundheitliche Veränderungen, Schmerzen oder besondere Vorkommnisse bekannt?

Ganz viele Hinweise gibt es zu diesem Thema unter den "Informationen", klicken Sie bitte auf "Akutsituationen" und dann auf "Weglaufen..." Manchmal ist es eine Flucht, oft nennen wir es aber die "Hinlauftendenz", z.B. weil Ihre Mutter die Geborgenheit oder die Betätigung die sie braucht im Heim gerade nicht findet.
Mich würde feuen, wenn Sie uns mitteilen, was Sie von den Anregungen aus unserem Text aufgreifen konnten und wo Sie noch weitere Beobachtungen oder Fragen haben.
Erst wenn wir mögliche Ursachen und Auslöser verstanden haben und bewährte Maßnahmen nicht greifen, sollten wir überlegen, ob ein Handlungsbedarf bezüglich Ihrer Vollmachten besteht.
Ihr Martin Hamborg

18.05.2019 | 15:20
Melle

Hallo,
erst mal vielen Dank für die Info, der Austausch über diese Thema tut gut, hilft und darüber zu reden hilft, die Gedanken zu sortieren. In der vor einigen Wochen von mir geschilderten Situation ging es um mehrere Dinge: erst mal waren wir überrannt worden von diesem Ereignis( bzw meine Schwester vor Ort), dann die Frage wie können wir das praktisch verhindern, dann die Problematik,dass unser Mutter zunehmend orientierungslos wird.
Inzwischen findet ein Austausch mit der Pfelgeleitung statt, der noch nicht optimal ist, aber auf dem Weg. Uns ist auch nicht klar, was in der Pfelgestufe, die sie hat, eigentlich alles beinhaltet ist und wo man dazu Infos bekommt. So bin ich eigentlich auf dieser Webseite gelandet. Dann bekam meine Mutter endlich ein Signal-Band - das hat sie leider zerschnitten, weil sie sich davon gestört gefühlt hat :( . Also muss da jetzt ein Neues her.
Die Orientierungslosigkeit ist halt ein großes Problem, als ich sie dieser Tage besuchte, war sie aus einem Nachmittag-Nickerchen erwacht und war ganz aufgelöst und wollte " nach Hause, zusammen mit uns allen, so wie früher..." Meine Geschwister und ich leben alle seit mehr als 35 Jahre z.T. weit weg von "Zuhause", auch war nicht ganz klar, ob sie in ihre Kindheit abgedriftet war. Diese Zustände häufen sich leider :( . Sie wurde dann langsam wieder klarer, sie ermüdeet jedoch auch zunehmend schneller - sie wird alt, bzw mit 89 Jahren ist sie alt und hat auch alles Recht dazu, müde zu werden. Wahrscheinlich merkt sie das auch selbst und das ist mit Sicherheit auf nicht einfach.
So ist jeder Tag wie ein Überraschungsei.
Im Pfelgeheim finden Aktivitäten statt, zu denen sie dazu geholt wird, so sie dies möchte.
Alles in Allem bedaure ich,dass meine Mutter sich nicht früher zu diesem Schritt entschlossen hat, denn leider glaubt man immer, es geht doch alles alleine zu Hause und wenn es dann nicht mehr geht, ist es zu spät, den irgendwie fühlt sie sich nicht richtig daheim und schafft dies auch nicht mehr, diese Kompetenz ist verloren gegangen.
Soweit erst mal, Grüße Melle



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