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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Mit der Pflege überfordert
27.04.2019 | 18:12
StefanieE

Guten Tag,

seit knapp zwei Jahren pflegt mein Vater (73) meine Mutter (71) in der gemeinsamen Wohnung. Nach einem Oberschenkelhalsbruch musste meine Mutter innerhalb weniger Monate 5-Mal operiert werden. Während des Krankenhausaufenthaltes wurde auch eine Demenz diagnostiziert, die sich auch wegen der vielen Vollnarkosen sehr rapide verschlechtert hatte.

Nach der Reha wurde meine Mutter nach Hause entlassen, wo sie innerhalb weniger Wochen wieder gehen und Treppen steigen konnte. Es wurde Pflegegrad 4 vergeben.

Da meine Mutter keine Einsicht in ihre gesundheitliche Situation zeigt, war mein Vater von Anfang an mit der Pflege überfordert. Ich selbst lebe mit meiner Familie etwa 300 km entfernt, mein Bruder ist in der Nähe, kann aber wegen seiner Arbeitszeiten nur begrenzt unterstützen.

Meine Mutter verweigert sämtliche Medikamente (auch die Blutdruckmittel, die sie vor dem Unfall genommen hatte) und auch den Pflegedienst, der anfangs drei Mal täglich in die Wohnung kam. Mittlerweile kann sie sich an den meisten Tagen nicht mehr selbständig anziehen und lässt die Unterstützung meines Vaters bei der Körperpflege nicht zu. Arztbesuche verweigert sie ebenfalls. Gegenüber meinem Vater ist sie seit längerem häufig verbal aggressiv, in letzter Zeit schlägt und kratzt sie auch. Auch kam es bereits vor, dass meine Mutter Nachts die Wohnung verließ und allein im Dorf unterwegs war.

Ein Versuch, es mit Tagespflege zu versuchen, um meiner Mutter mehr Abwechslung und meinem Vater Atempausen zu verschaffen, scheiterte, weil meine Mutter dies nicht wollte. Mein Vater hat keine Energie, sich selbst beraten zu lassen. Ich mache mir um beide sehr große Sorgen, da die Situation außer Kontrolle geraten könnte, wenn meine Mutter entweder meinen Vater verletzt oder allein unterwegs in Gefahr gerät. Mein Vater will meine Mutter nicht gegen ihren Willen in eine Pflegeeinrichtung geben. Gibt es eine Alternative? Falls nicht, was müsste mein Vater unternehmen, um die Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung zu organisieren? Mein Vater und ich haben Vorsorgevollmachten für meine Mutter.

Vielen Dank im Voraus für Ihren Rat.

27.04.2019 | 18:30
Grunella

Bei uns war das so: ich habe beim Amtsgericht eine Betreuung beantragt. Eine Gutachterin vom Gericht kam und hat meine Mutter begutachtet, Fragen gestellt, auch gefragt, ob meine Mutter mit einer Betreuung durch mich einverstanden ist. Dann schrieb sie ein Gutachten, das ans Betreuungsgericht ging. Dann kam die Richterin mit einer Verfahrenspflegerin und hat mit meiner Mutter gesprochen. Damals bekam ich das Aufenthaltsbestimmungsrecht (durfte also meine Mutter in ein Pflegeheim geben ohne ihre Zustimmung). Später musste ich dann nochmal eine geschlossene Unterbringung beantragen, weil sie aus dem Heim immer ausbüchste und sich in Gefahr brachte. Auch das wurde genehmigt. Die Richterin hat die Eigfngefährdung gegen die Freiheitsberaubung abgewägt und die Eigengefährdung überwog.
Das war damals für mich hart, weil ich das Einsperren schrecklich fand. Aber es geht meiner Mutter offensichtlich sehr gut da, viel besser als vorher.
Im Heim sind die natürlich sehr pfiffig, was Medikamentengabe und Körperpflege angeht. Meine Mutter ist jetzt gepflegter und nicht mehr so gehetzt.

29.04.2019 | 08:38
martinhamborg

Hallo StefanieE, Grunella hat Ihnen ihre guten Erfahrungen mit dem offiziellen Weg für das beschrieben, was ich gern den "PlanB" nenne. Möglicherweise haben Sie schon eine Vollmacht, mit der Sie ähnlich handeln können, aber bei schwerwiegenden Entscheidungen kann ein Richter und Verfahrenspfleger eine echte Hilfe sein, auch um Ihren Vater zu überzeugen.

Vorher wäre vielleicht eine klinische Behandlung sinnvoll, hoffentlich ohne "Zwang". Einerseits könnten Medikamente die Situation entspannen, andererseits sind die Sozialdienst oft sehr gut über das Hilfesystem informiert. Haben Sie diesbezüglich schon einen Überblick über die Einrichtungen vor Ort? Können Sie sich beim Pflegestützpunkt, einem Betreuungsverein und/oder beim sozialpsychiatrischen Dienst informieren? Eine Demenz-WG könnte eine gute Alternative zum Heim sein, aber es ist sicher hilfreich, das gesamte Angebot zu kennen.

Eine Frage noch: Können sie über Ihren Vater deeskalieren, oft entstehen Tätlichkeiten in einem aufschaukelnden Konflikt, Diskussionen und der Wunsch, nicht nur Recht zu haben, sondern auch, dass der demenzkranke Partner dies auch einsieht...
Ihnen viel Klarheit und alles Gute für Ihre Eltern! Ihr Martin Hamborg



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