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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Mutter zurück aus dem Pflegeheim holen
07.05.2019 | 10:16
Tabaluga

Ich wohne mit meiner Familie in unserem Elternhaus dass ich 1994 überschrieben bekommen habe.
Darin ist auch das lebenslange Wohnrecht für meine Eltern festgeschrieben. Darin steht auch eine Reallast für Haushaltsführung, sowie für häusliche Pflege entsprechend dem jeweiligen Gesundheitszustand
Es gibt aber auch einen Passage darin steht, das Recht auf Haushaltsführung und häusliche Pflege ruht, wenn und solange die Berechtigten in einem Sanatorium, Alter- oder Pflegeheim untergebracht sind.

Nun starb unser Vater 1999 und unsere Mutter baute körperlich und geistig immer mehr ab und wurde von uns, in ihrer Wohnung in unserem Haus, versorgt und gepflegt. Ich glaube die Anforderungen und Auswirkungen von Demenz sind hinreichend bekannt.
Später kam auch einmal täglich der Pflegedienst zum Waschen. Sie war zwischen 2008 und 2016 regelmäßig in Kurzzeitpflege, da wir mit unseren 3 Kindern auch anderweitig gefordert waren und auch unsere Belastungsgrenze sank. Meine Frau verzichtete 10 Jahre lang auf die Wiederaufnahme ihrer Berufstätigkeit um unsere Mutter zu versorgen.

Beim letzten Aufenthalt 2016 bot sich die Möglichkeit einer Daueraufnahme an. Da wir mit der Pflege unserer Mutter aufgrund der zunehmenden Demenz und fehlender Beweglichkeit zunehmend überfordert waren, nutzten wir diese Möglichkeit, auch angesichts der sonst üblichen Wartezeiten.
Unsere Mutter ist mittlerweile 91, hat den Pflegegrad 5, kann nicht mehr mit der Außenwelt kommunizieren und sitzt im Rollstuhl.

Nun waren nicht alle meiner 4 Geschwister damit einverstanden, haben sich an der Pflege aber auch nicht beteiligt, da ich als Haus Erbe ja schließlich alleinig dazu verpflichtet bin. Sie haben sich zum damaligen Zeitpunkt aber auch nicht erkennbar zu einer anderweitigen Lösung geäußert. Lediglich eine Schwester, die kam alle 6 Wochen übers Wochenende und hat dort die Pflege übernommen. Diese Schwester hat die Heimunterbringung aber noch am ehesten befürwortet.
Ich gebe zu wir haben diese Entscheidung ohne vorherige Absprache mit den Geschwistern getroffen. Wir haben dies zwar angedeutet, aber letztendlich ging es dann doch schneller als erwarte, da kurzfristig ein Platz frei wurde.
Wir waren aber nach Rücksprach mit dem Hausarzt und auch des Pflegedienstes der Meinung waren, das die Belastungsgrenze erreicht war.

Nun nach fast 3 Jahren im Alters/Pflegeheim möchten die restlichen 3 Geschwister, dass wir unsere Mutter wieder nach Hause zurückholen, da sie im Heim ihrer Meinung nach nicht richtig versorgt wird. Das Heim selbst ist vom MDK zwar sehr gut bewertet aber hat natürlich dieselben Probleme wie alle Heime. Zu wenig Personal zu wenig Aktivierung der Bewohner. Ich bin auch nicht sehr glücklich darüber kann mir aber eine Pflege zuhause beim nur sehr schwer vorstellen. Die Wohnung ist nicht behindertengerecht und verwinkelt und der Rollstuhl hätte gerade mal ein paar cm Platz zwischen den Türen.
Aufgrund ihrer eingeschränkten Mobilität kann ich mir nur schwer vorstellen, wie der Transfer vom Bett in den Rollstuhl funktionieren soll.
Sie meinen wenn sie eine osteuropäische Pflegerin hätte, die sich den ganzen Tag um sie kümmert und aktiviert, würde ihre Lebensqualität wieder gesteigert und eventuell kämen auch ihre Fähigkeiten wieder stückweise zurück. Vor allem aber sie könnte wieder in ihrer eigenen Wohnung leben und es wäre kostengünstiger.

Nun sind wir hin und her gerissen. Natürlich wollen wir für unsere Mutter nur das Beste, können uns aber eine Pflege zuhause nicht mehr vorstellen. Mein Einwand, dass eine einzelne Person alleine keine vernünftige Pflege (Pflegegrad 5) übernehmen kann weisen sie mit dem Einwand ab, das geschulte Kräfte aus Polen dies 24 Stunden, 7 Tage am Stück leisten. Sie haben zwar keine eigenen Erfahrung, beziehen ihre Erkenntnisse aber vom Hören Sagen.
Sie reden uns ein schlechtes Gewissen ein, und dass uns das Wohl unserer Mutter nicht am Herzen liegt. Obwohl sie sich als Mutter noch zuhause war auch nur alle paar Monate kurz blicken liesen und dann nur kurz blieben “man kann sich ja doch nicht mehr mit ihr unterhalten“
Wir sind nun in Sorge, ob meine Geschwister dies auch eventuell gerichtlich erzwingen können. Wir haben zwar eine Gesundheits- und Vorsorgevollmacht, die ist aber nicht notariell, sondern “nur“ vom damaligen Hausarzt bezeugt. Wir sind zwar weiterhin der Meinung, dass sie im Pflegeheim besser aufgehoben ist, aber mittlerweile schwanken wir hin und her.
Was ist, wenn die Pflegekraft nach kurzer Zeit erkennt, dass die Betreuung doch zu schwer ist und ihre Zelte vorzeitig abbricht. Meine Frau ist mittlerweile wieder berufstätig, da kann man nicht so kurzfristig mal zuhause bleiben, der Platz im Pflegeheim ist weg.

Die Befürworter, unter meinen Geschwistern, wiegeln aber ab und weisen darauf hin, dass die entsprechenden Agenturen dass alles regeln und sofort jemanden Neues schicken. Sie verweisen auch darauf, dass diese Frauen, ihrem Glauben verpflichtet, hochmotiviert und gut ausgebildet sind.

Sorry das ist sehr lang geworden. Vielleicht hat ja jemand bis hierher durchgehalten, ich musste einfach mal meine Gedanken ordnen.
Geht es jemand ähnlich? Habt ihr einen Rat?
Gibst es Stellen wo man sich beraten lassen kann?

viele Grüße aus dem Schwarzwald


[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 07.05.2019 um 10:17.]

07.05.2019 | 10:50
martinhamborg

Hallo Tabaluga, leider gibt es unter Geschwistern immer wieder erhebliche Probleme und Zerwürfnisse, besonders wenn es um Geld und Erbe geht. Das beste ist dabei, wenn Sie aus einem guten Gewissen heraus argumentieren und handeln können. Und so wie Sie schreiben, hört es sich stimmig und durchdacht an.

Sicher ist gut, wenn Sie sich bei einer Argentur einmal melden, damit es nicht nur um das hören-sagen geht. Bei der sogenannten 24 Stunden-Pflege gibt es klare Bedingungen, wie Freizeit und Arbeitszeit geregelt werden, wie lange die Kräfte bei Ihnen sind usw. Für eine 24-Stundenpräsenz bräuchten Sie eigentlich 3 Kräfte.

Ich würde mich freuen, wenn Teilnehmer*innen in diesem Forum von den guten und schlechten Erfahrungen schreiben, damit Sie einen echten Eindruck bekommen.

In einer solchen Situationen ist sinnvoll, wenn Sie sich rechtzeitig in verschiedene Richtungen absichern:
Zunächst wäre eine Beratung bei dem Pflegestützpunkt wichtig, um alle Aspekte eines Umzugs zu beleuchten.
Zu den rechtlichen Fragen können wir hier nicht beraten.
Im Zweifelsfall können Sie die Vollmachten über das Amtsgericht offiziell bestätigen lassen, d.h. eine rechtliche Betreuung übernehmen. Im Konfliktfall könnte dann sogar ein Verfahrenspfleger im Sinne Ihrer Mutter unterstützen.
Fast überall gibt es Betreuungsvereine oder Betreuungsstellen, die Sie beraten können.

Das Hauptanliegen ist ja, dass es Ihrer Mutter gut geht, vielleicht kann die ganze Familie dazu für die letzte Lebenszeit noch etwas beitragen.
Alles Gute, Ihr Martin Hamborg


07.05.2019 | 13:44
klauspawletko

Hallo Tabaluga,
auch mein Eindruck ist, dass Sie die Unterbringung der Mutter in einem Pflegeheim nicht leichtfertig vorgenommen haben.
Sie sollten den Versuch unternehmen, mit Ihren Geschwistern gemeinsam das Für und Wider einer häuslichen Betreuung durch sog. osteuropäische Haushaltshilfen (das ist die offizielle Bezeichnung) abwägen - vor allem unter dem Aspekt, ob dadurch wirklich mehr Lebensqualität für die Mutter zu erreichen wäre.
Wenn diese nicht mehr kommunizieren kann, wird es für jemanden, der sie nicht kennt, schwierig, die Lebensqualität zu erhöhen.
Das Argument, dass diese Art der Versorgung preiswerter sei, scheint mir ebenso nicht stichhaltig. Sie könnten bei dieser Lösung nur die Geldleistung einsetzen und "unterm Strich" wäre die Versorgung über eine osteuropäische Agentur wahrscheinlich nicht kostengünstiger.
Leider scheint es bei Ihrer Problematik nicht nur um die Qualität der Versorgung der Mutter zu gehen, sondern auch um einen Konflikt zwischen den Geschwistern, die von Ihnen scheinbar eine Leistung dafür verlangen, dass Sie das Haus beerben dürfen.
Das macht eine sachliche Bewertung der Versorgungslage schwierig.
Versuchen Sie den Dialog mit den Geschwistern und wägen Sie ab, wie viel Lebensqualität Ihre Mutter tatsächlich gewönne - vor allem unter dem Aspekt, dass Sie nach gescheitertem Versuch wieder eine neues Heim suchen müsste.
Viel Erfolg dabei wünschr Ihnen

Klaus-W. Pawletko

07.05.2019 | 16:11
Sonnenblümchen

Hallo Tabaluga, ich sehe es wie Herr Pawletko. Ihrer Mutter geht es doch gut in dem Heim. Ihre Geschwister könnten doch sich mehr einbringen...ihre Mutter besuchen..wenn sie mehr Unterhaltung für sie möchten. Ich würde Ihre Mama im Heim belassen. Sie kümmern sich doch um sie, haben aber selber einen Rückzugort. Lassen sie sich kein schlechtes Gewissen machen.!:)
LG

07.05.2019 | 22:31
Tabaluga

Zunächst einmal vielen Dank für die schnelle Rückmeldung und die aufmunternden Worte.
Es tut gut eine neutrale Meinung zu diesem Thema zu hören. Vor allem, wenn es mein bisheriges Handeln nicht komplett in Frage stellt.
Mich wundert auch weshalb meine Geschwister nun gerade das Thema wieder aufgreifen. Ist es doch die Angst, dass wenn Mutters Ersparnisse aufgebraucht sind, sie fürs Heim aufkommen müssen?

Da wir die Pflege bereits über viele Jahre geleistet haben, wissen wir was auf uns zukäme wenn wir Mutter wieder zuhause aufnehmen. Natürlich wäre ein Pflegerin im Haus eine erhebliche Hilfe.
Ich befürchte nur dass es für diese Frauen ein kein leichter Job ist.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies eine einzelne Person dauerhaft leisten kann. Somit bräuchte man evtl. auch noch einen örtlichen ambulanten Pflegedienst (den hatten wir früher schon und waren zufrieden). Finanziell wird dass keine Verbesserung.

Meine Angst ist, dass wir keine dauerhafte Unterstützung haben.
Und unser Leben aus den Fugen gerät.

Wir haben dieses Woche einen Termin beim örtlichen Pflegestützpunkt. Auch den Rat, die bisherige Vollmacht durch einen Notar oder das Amtsgericht bestätigen zu lassen werde ich mir überlegen.
LG

08.05.2019 | 07:46
Jutta60

Hallo Tabaluga,
ich habe für meine Mutter beide Varianten gehabt: 24h-Hilfe und Pflegeheim. Meine Erfahrung ist:
- legal beschäftigt waren die Kosten für eine 24h-Hilfe so hoch wie für ein Pflegeheim;
- man kann Glück haben oder Pech, das auch mehrmals hintereinander und man ist nach wie vor sehr eingespannt und es braucht mehr Kontrolle als bei einer Heimunterbringung;
- bei fortgeschrittener Demenz sind die 24h-Hilfen oft überlastet und wenig vorbereitet, da ist ein Heimplatz sinnvoller. Die Kranken müssen regelmäßig umgelagert werden usw..
Das eigene Zuhause wird im Endstadium einer Demenz überbewertet. Ich habe das auch nicht geglaubt, bis ich es bei meiner Mutter selbst erlebt habe. Es ist irgendwann egal, in welchem Bett man liegt und an die Decke schaut. Wichtiger ist, dass man die Angehörigen regelmäßig besucht und Kontakt zu ihnen hält. Das können Sie auch gut, wenn die Mutter im Heim ist. Und jeder Wechsel/Umzug ist für Demente eine erhebliche Belastung. Ich finde, Sie haben eine gute Entscheidung getroffen, die im Sinn Ihrer Mutter ist.
Alles Gute wünsche ich Ihnen!

08.05.2019 | 15:55
Tabaluga

Hallo Jutta,
vielen Dank für die tröstenden Worte.
Sie spiegeln mir meine Gedanken wider.
Vermutlich muss man diese Situation selbst erlebt haben um einen Rat geben zu können.
LG



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