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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Zu wenig Aktivierung im Heim
24.05.2019 | 00:21
Annette73

Meine Mutter lebt seit einem halben Jahr in einem Heim. Sie ist Demenz und mein Vater, der sie bisher gepflegt hatte, verstorben. Ich merke immer mehr, dass keine wirkliche Aktivierung im Heim passiert, oder sich jemand man speziell um sie kümmert. Da ich sehr viel arbeite bin ich ein bis zweimal die Woche bei ihr, leider nicht mehr. Mein Wunsch wäre, dass ich es irgendwie schaffe, dass sich mind. Einmal am Tag oder alle zwei Tage sich jemand speziell nur um meine Mutter kümmert, für 30 oder 40 Minuten, mihr spricht und sie aktiviert. Kann man über die Krankenkassen etwas beantragen oder selbst jemanden beauftragen? So lebt sie nur vom Bett zum Tisch, zum Aufenthaltraum, zum Tisch, ins Bett und immer so weiter. Das ist so furchtbar, da sie im Moment noch reden kann und auch gerne reden möchte.
Über Infos wäre ich sehr dankbar
Viele Grüße
Annette

24.05.2019 | 08:45
Jutta60

Hallo Annette,
haben Sie denn mit der Heimleitung über die Bedürfnisse Ihrer Mutter gesprochen? Oder mit der Wohnbereichsleitung? Sie kennen ja die Wünsche Ihrer Mutter am besten. Bei meiner Mutter gab es viele Angebote im Heim, Fernsehen, Spiele, Marktbesuch, ... Vielleicht kennt man im Heim Ihrer Mutter andere Personen mit ähnlichen Bedürfnissen, die vielleicht auch gerne erzählen möchten und kann die zusammenbringen? Meine Mutter hat auf ihrem Wohnbereich eine sehr nette Frau kenngelernt, mit der sie auf einer Gedanken-Ebene war. Leider hat meine Mutter sehr schnell dann ihre Sprache verloren. Aber möglich wäre es gewesen. Dort gab es auch einige Ehrenamtliche, die so etwas gemacht habern. Ich würde zuerst das Gespräch mit der Heimleitung suchen. Bestimmt bekommen Sie noch weitere Hinwesie hier.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und alles Gute, auch für Ihre Mutter!

24.05.2019 | 09:17
Sohn

Hallo Annette73,

was Ihnen Jutta geschrieben hat, ist Punkt 1, den Sie in Angriff nehmen können und sollten. In dem Heim, wo mein Vater war, gab es auch entsprechende Möglichkeiten, nur muß sich irgendwer engagiert zum Wohle der Bewohner einsetzen (in diesem Fall Sie als Tochter der Betroffenen).

Punkt 2, was Sie tun können, ist, sich z. B. bei der Stadtverwaltung vor Ort, Abteilung Senioren....., zu erkundigen, ob und was es für Angebote durch Ehrenamtliche, Begleiter(innen), .... gibt. Das habe ich für meine Mutter gemacht und festgestellt: es GIBT solche Angebote, zum Teil natürlich kostenpflichtig, aber zu humanen Preisen. Wichtig ist, daß Sie viele Hebel in Bewegung setzen und sich "von Pontius zu Pilatus" durchfragen. So kommen Sie auf jeden Fall zu Ergebnissen. Ob Sie "von der Krankenkasse" Geld dazu bekommen, weiß ich nicht, da ich Selbstzahler bin.

Punkt 3 der Möglichkeiten wäre mal Kleinanzeigen zu studieren und ggfs. selber zu inserieren. Habe ich auch gemacht, dort aber überwiegend 24h-Betreuungs-Angebote gefunden oder bekommen. Das ist ja nicht das Richtige für Sie.

Fazit: wenn Sie sich intensiv kümmern, sollten Sie auf jeden Fall eine gute Lösung finden können!

24.05.2019 | 09:32
hanne63

Hallo Annette73,
es gibt fast in jeder Stadt solche Angebote von Ehrenamtlichen Besuchsdiensten, die auch demente Bewohner besuchen. Meistens ist die Aufwandsentschädigung so um 10.-- je Stunde. Einfach mal bei der örtlichen Diakonie, Arbeiter-Samariterbund etc oder den großen Kirchengemeinden oder Pflegestützpunkten nachfragen.

26.05.2019 | 10:28
Kibris

Hallo Annette, das Problem kenne ich auch. Es finden zwar Aktivierungen und Angebote im Heim statt, allerdings keine individuell auf meine Mutter abgestimmte. Ich habe das Problem schon angesprochen, stoße aber damit auf Unverständnis. Ich habe mich auf die Suche gemacht um einen Besuchsdienst von außerhalb des Heimes zu organisieren. Ich habe mich durch viele Organisationen, Altenservicestelĺen, Hilfe im Alter Stellen gekämpft. So habe ich in München nach tagelangem telefoniere endlich eine Organisation gefunden. Nun hoffe ich, dass sich bald eine geeignete Person findet.

27.05.2019 | 07:23
martinhamborg

Hallo Annette73 und die Diskussionsrunde. Es hat mich richtig gefreut, wie viel wertvolle Erfahrungen in der Diskussion zusammengetragen wurden!
Inhaltlich kann ich da nur noch einen Aspekt hinzufügen: Da Sie persönlich nicht so oft da sein können, wäre es noch möglich, wenn Sie bei jedem Besuch andere Mitbewohner einbeziehen und damit vielleicht neue Freundschaften und Bekanntschaften Ihrer Mutter unterstützen können.

Die zusätzlichen finanzierten Betreuungszeiten sind im Heim durchschnittlich nach ca. 10 Minuten pro Tag erschöpft. Deshalb setzen wir auf Nachbarschaftshilfe (der Mitbewohner), auf Ehrenamt und möglichst viele Gruppenangebote und Kontakte untereinander.
Viel Erfolg, Ihr Martin Hamborg

29.05.2019 | 17:30
Annette73

Ich möchte mich erstmal ganz herzlich für die vielen, wertvollen Ideen bedanken. Ich habe in Ruhe mit der Heimleitung gesprochen. So habe ich erfahren wwelche zusätzlichen Angebote sie bekommt und das sie versuchen werden durch ehrenamtliche Helfer meine Mutter noch etwas mehr zu aktivieren. Das Gespräch war sehr gut und mir geht es wieder etwas besser.
Danke, dass es dieses Forum gibt.
Liebe Grüße
Annette

06.07.2019 | 10:13
Jolande

Danke für diese interessante Diskussion. Ich bin ganz neu hier und stehe vor dem gleichen Problem. Bei meinem Papa hat sich die Demenz schleichend entwickelt. Meine Mutter hat es jedoch ignoriert. Für sie war das eine immer schlimmer werdende Vergesslichkeit. Nun wurde es nach und nach immer massiver. Heim war kein Thema. Meine Eltern sagten immer, sie gehen in kein Heim. Basta.
An Ende starb meine Mutter. Sie war der Pflegebelastung nicht mehr gewachsen. Der demente Papa blieb übrig und ich bin von jetzt auf gleich in die Rolle der Pflegenden gesprungen. Nach 3 Wochen war ich an meinen Grenzen angelangt. Mein Papa war Zeit seines Lebens ein aktiver Mensch. Er wurschtelte im Keller rum, in der Garage, im Haus und Garten. Und all die lustigen Sachen, die er dann angestellt hatte in den letzten Wochen, haben mich an den Rand meiner Kräfte gebracht. Nun habe ich Papa im Pflegeheim untergebracht, damit ich wieder arbeiten kann (ich wohne 300 km vom Elternhaus entfernt).
Und jetzt komme ich zum Thema. Das Pflegeheim ist sehr schön, aber es sind überwiegend Frauen da. Es gibt noch einen sehr dementen Mann, mit dem gar nichts anzufangen ist. Mein Papa hockt dort, meist im Zimmer und wird immer deprimierter. Er hat nichts zu tun. Singen und Spielen war nie seins - kann ich nachvollziehen.... und etwas im Garten oder zum Basteln gibt es nicht. Spezielle Angebote für Männer sind nicht vorhanden. Was mache ich bloß?
Der Papa wird mir noch ganz depressiv, weil er einfach unterfordert ist.


[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 06.07.2019 um 10:15.]

11.07.2019 | 06:56
martinhamborg

Hallo Jolanda, die Beschäftigung für Männer im Heim ist tatsächlich ein Problem, die einen halten sich gelangweilt beobachtend zurück, vielleicht weil sie auch früher eher passiv waren, andere sind wie Ihr Vater von unendlicher Aktivität getrieben. Je weniger Männer im Heim sind, um so schwieriger ist es sie in Gruppen einzubinden, es sei denn sie genießen es "Hahn im Korb" zu werden oder vermeintlich alte Freundinnen wiederzutreffen. Hat Ihr Vater Interesse an anderen, ist es Ihnen möglich, Kontakte zu einzelnen zu unterstützen?
Können Sie ihm eine "Kramkiste" zusammenstellen, mit vertrauten Dingen, die ihn zur Betätigung einladen und über die Mitarbeiter*innen ins Gespräch kommen können?
Sind Telefonate möglich, in denen Sie über alte Themen reden?
Bestimmt haben Sie schon Ideen aus dem Forum aufgegriffen, z.B. inwieweit sich ehrenamtliche Menschen, alte Nachbarn oder Freunde für Besuche und Aktivitäten finden lassen.
Schreiben Sie uns bitte, ob und welche Ideen ausprobiert werden können, Ihr Martin Hamborg



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