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Ratgeberforum "Prävention, Diagnose und Therapie"

Bild: Ratgeberforum "Prävention, Diagnose und Therapie" Die Diagnose Demenz wirft viele Fragen auf. Hätte die Erkrankung verhindert werden können? Ist sie therapierbar? Und worauf sollte man bei der Behandlung achten? Im Ratgeberforum „Prävention, Diagnose und Therapie“ geben zwei Experten Antworten: Dr. Marc Lässer, Neuropsychologe und assoziierter wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Sektion Gerontopsychiatrie der psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg, moderiert das Forum zusammen mit Dr. Elmar Kaiser. Als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie leitete er bis Anfang 2012 die Gedächtnisambulanz der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg.

Autor Wie gehe ich mit Halluzinationen der an Lewy Body Demenz erkrankten Mutter um?
23.06.2019 | 22:02
Barbara66

Hallo Hanne,
Manchmal wünsche ich mir auch,weit weg zu wohnen.
Mein Bruder lebt 320 km entfernt und im Grunde bleibt alles an mir hängen.
Ich kümmere mich gerne um meine Eltern,keine Frage,aber DEMENZ macht mir unglaubliche Angst.
Ich wohne 2 km vom Elternhaus entfernt und jogge jeden Morgen bei meinen Eltern vorbei.
Ich denke,daß sie mir schon manche Defizite geschickt verheimlicht.
Was mich immer wieder an meine Grenzen bringt,sind die unfassbaren Wahnvorstellungen.
Aber so langsam glaube ich muss man sich in deren "Demenzwelt "einlassen und nicht an den Wahnvorstellungen verzweifeln.
Das ist sehr schwer und irgendwie befinde ich mich noch im Verdraengungsprozess und will das alles nicht wahrhaben.
Es ist schwer zu akzeptieren, daß meine Mutter nie mehr so fit wie früher sein wird.
Manchmal denke ich,ich überstehe das ganze nicht.
Wer hat denn bei Deinen Eltern eine Demenz diagnostiziert?
Ist dies aufgrund der Tests geschehen oder haben CT,MRT oder PET dieses Ergebnis gebracht?
Hat das für einen höheren Pflegegrad ausgereicht?
Schon jetzt danke für Deine Zeit,die Du Dir für mich nimmst.
Alles Gute
Barbara

23.06.2019 | 22:32
hanne63

Hallo Barbara,
ich antworte Dir und generell hier gerne.....auch weil mir das Forum wiederum selbst sehr hilft.....und ich auch beim Formulieren meiner eigenen Antworten selbst klarer sehe.
Meine Eltern haben auch lange vor mir die Diagnose und den tatsächlichen Stand der Dinge verheimlicht und vertuscht...wohl auch aus Angst...ich würde sie dann früher in einem Heim unterbringen.....
Auch die Diagnose Demenz habe ich erst im Nachhinein bei der Begutachtung bzgl. Pflegegrade und anläßlich des Betreuungsverfahrens vor Gericht erfahren....vorher hatte ich nur den Verdacht...und der Hausarzt hielt sich sehr bedeckt mir gegenüber....
Meine Mutter hat allerdings vorher immer wieder von diversen Untersuchungen und Arztbesuchen erzählt (sie ist aber auch hypochondrisch und ständig bei allen möglich Ärzten gewesen) und ich konnte mir im Nachhinhein dann zusammenreimen, wie es war: also sie war beim Neurologen,hat die üblichen Tests dort gemacht, auch EEG....und dann sogar eine Lumbalpunktion bzgl. Nervenwasseruntersuchung...und auch ein MRT vom Kopf wurde gemacht.....das war alles etwa 2012....mein Vater war 2012 dann ebenfalls beim Neurologen....später 2018 sagte er mal, er habe dasselbe, wie meine Mutter. Welche Untersuchungen beim ihm gemacht wurden, weiß ich nicht.
Im Gerichtsbeschluß steht dann bei beiden senile Altersdemenz vom Typ Alzheimer.....da hatte auch eine Amtsärztin noch ein Gutachten gemacht und die hatte auch Zugang zu allen vorherigen Arztbefunden...(ich nicht).
Ja es macht auch mir Angst...und wenn ich vor Ort wohnen würde, wäre es für mich auch viel schlimmer noch.
Ich habe auch Anfangs große Schwierigkeiten gehabt, diese Krankheit zu erkennen und dann auch wahrzuhaben...es ist so...und es wird fortlaufend schlimmer werden...das mußte ich lernen anzunehmen.
Es kostet viel Kraft.......ich muß sehr auf mich selbst aufpassen....

ein Kurs für pflegende Angehörige von Demenzerkrankten hat mich vieles gelehrt...auch mit Wahnvorstellungen umzugehen etc...ich kann nur empfehlen, so einen Kurs mitzumachen...man lernt auch vieles von den anderen dann....

mir ist dann auch gelungen, mit den Wahnvorstellungen und Hallzuzinationen meiner Mutter umzugehen...also ich bin darauf eingegangen und hab die unerwünschten Besucher dann "hinausbegleitet"....oder ich habe gesagt, ok...die haben jetzt das und das gemacht...aber das haben die jetzt erledigt und sind schon wieder weggegangen......das hat meine Mutter immer beruhigt dann (konnte ich erst selbst gar nicht glauben und hatte auch erst Hemmungen mich so zu verhalten)

bzgl. Pflegegrade bei beiden: als ich den ersten Antrag gestellt habe Anfang 2018....wurde Pflegegrad 2 jeweils festgesetzt.....die Pflegekasse hatte sicherlich auch die vorherigen Arztbefunde vorliegen....ich nicht, weil meine Eltern sie mir nicht gaben und ich einen Tag nach Antragstellung Pflegegrad selbst alle Vollmachten niedergelegt und das Betreuungsverfahrung dann beantragt habe. So hatte ich keinerlei Zugang mehr zu Arztberichten etc.
Welche Pfleggrade jetzt vorliegen weiß ich nicht, bei meiner Mutter vermute ich jetzt mindestens Pflegegrad 3 (im Heim). Ich werde, da ich die rechtliche Betreuung nicht habe, auch nicht darüber informiert.

in dem Sinne: Ihnen auch viel Kraft

[Dieser Beitrag wurde 2mal bearbeitet, zuletzt am 23.06.2019 um 22:41.]

24.06.2019 | 13:23
Jutta60

Hallo Barbara (und die anderen Mitleser -und -schreiber),
meine Mutter hatte einmal eine Lumbalpunktion, aber nie ein PET. Auch eine Gedächtnisambulanz haben wir nie in Anspruch genommen. Meine Mutter hat mir ihre Krankheit und ihre Defizite lange verheimlicht, die Schwierigkeiten, die sie hatte. Ich habe weit entfernt gewohnt und konnte oft nur am Wochenende dort sein. Erst als die Ausfälle immer schlimmer wurden, die Stürze häufiger, da wurde versucht, eine Diagnose zu stellen. Aber die LBD ist wohl so selten oder noch nicht bei den Ärzten angekommen - jedenfalls gab es keine Diagnose in diese Richtung. Meine Mutter wurde immer misstrauischer, besonders Ärzten gegenüber, da hätte eine Gedächtnisambulanz nichts gebracht. Sie hat ziemlich schnell jede Kooperation verweigert. Ja, ich kenne das, wenn man nicht ernst genommen wird von den Ärzten. Das ist zu all dem Übel mit der Krankheit einfach zum Verzweifeln. Meine Mutter bekam nach der Diagnose Stufe 3 (damit kam sie in ein Pflegeheim), zwei Monate später war sie bei 5. Weitere ca. 8 Monate später ist sie gestorben. Wenn ich versuche, die Anfänge zu ergründen (wo sie aber noch gut zurechtkam), dann sind das etwa 7 Jahre von den ersten Persönlichkeitsveränderungen bis zu ihrem Tod gewesen.
Die letzten Vorschläge von Hanne sind gut, so habe ich das auch versucht. Dagegenreden hilft nicht, macht es nur noch schlimmer. Ich hatte das Glück, dass meine Firma einen Kurs angeboten hat für pflegende Angehörige. Da habe ich viel profitiert, Validierung und so.
Alles Gute für Sie und Ihre Familie!

24.06.2019 | 19:41
Barbara66

Hallo Hanne,Hallo Jutta
Danke für Eure Informationen.
Hilfe zu bekommen ist hier bei uns auf dem Land ganz schwierig.
Alle Selbsthilfegruppen haben sich nach und nach aufgelöst.
Ich werde auf keinen Fall nochmal mit zum behandelnden Neurologen fahren.
Diesmal kann mein Mann dort mal Klartext reden.
Dieser Arzt weigert sich,obwohl die Symptome der LBD wie Halluzinationen, Parkinsonsymptome, gebueckter, kleinschrittiger Gang,seit unserem ersten Besuch im Januar geblieben sind,eine Verdachts-Diagnose Demenz schriftlich zu attestieren.
Das sind doch studierte Leute-die müssen doch sehen,wie krank meine Mutter ist.
Validation -bei anderen Demenzkranken könnte ich das gut-bei meiner Mutter gelingt mir das nicht so recht.
Was ich aber merke ist,daß sich tatsächlich die Rollen anfangen zu vertauschen.
Sie wird mehr und mehr zum Kind und ich muss die Mutterrolle übernehmen.
Mit so was hätte ich wirklich niemals gerechnet.
Ich danke Euch und wünsche Euch alles Gute
Bis demnächst
Barbara

25.06.2019 | 07:27
Andydreas

Hallo,
in meinem Fall ist es sehr ähnlich. Die Wahnvorstellungen meiner Mutter nehmen immer groteskere Formen an. In aller Regel darf ich abends so gegen 20:00 Uhr oder etwas später mit der Frage " Wo ist denn Walter (vor 14 Jahren verstorbener Ehemann) ? " rechnen. Ich kann ihr dann keine Erklärung liefern und sie macht sich auf die Suche. Sie verlässt die Wohnung. Meistens gehe ich mit und nach einer kurze Zeit weiß sie eigentlich nicht mehr, was sie eigentlich wollte. Das wiederholt sich auch manchmal, so dass ich an einigen Abenden zu 3-4 Spaziergängen komme.
Ich habe noch keine Kurse besucht, aber doch schon gelernt, dass ein Gegenreden nur zu Streitigkeiten führt. Da ist es besser die Person losgehen zu lassen. Habe ich auch aus diesem Forum. Ein von mir besorgten GPS-Tracker hilft mir übrigens sie wiederzufinden, falls sie alleine losgeht.
Den Besuch beim Neurologen habe ich längst bereut. Mein Hausarzt hatte abgeraten und er hatte wohl Recht. Zum einen fand ich die Behandlung extrem kühl und unpersönlich zum anderen sind die Behandlungsmöglichkeiten wohl stark eingeschränkt. Ich werde die angeordneten Termin verstreichen lassen und mich nur noch meinem Hausarzt anvertrauen. Ich glaube, ich tue meiner Mutter damit einen Gefallen.



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