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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Wann ist es Zeit umzuziehen?
27.06.2019 | 10:39
buffy

Hallo zusammen,

seit 2 Jahren hat meine Mama die Diagnose Alzheimer. Vor fast 7 Wochen ist meine Mama ins Krankenhaus gekommen, weil sie orientierungslos auf der Straße gefunden wurde. Im Anschluss kam sie zur Kurzzeitpflege in ein betreutes Wohnen. Ich habe den Eindruck, dass meine Mama, seit dem sie nicht mehr zu Hause ist, extrem abgebaut hat. Vorher z. B. konnte sie stundenlang spazieren gehen, als wir sie am Wochenende abholten, um mit ihr spazierenzugehen, musste sie alle 5 min. eine Pause einlegen, weil sie kaum laufen konnte. Auch allgemein hat sie sich verändert, sie ist immer mehr verwirrter und lebt in einer anderen Welt, was ich so bisher nicht von ihr kannte.
Eigentlich war mein Plan, sie im betreuten Wohnen, wo sie jetzt zur Kurzzeitpflege ist, dauerhaft unterzubringen. da sie immer wieder vergisst zu essen, Halluzinationen hat und auch die Körperpflege und Bewältung Ihres Haushalters nachlassen. Hinzu kommt, dass sie Alkohol trinkt, wenn sie alleine ist und das dann die ganze Krankheit verschlimmert.
Und nun weiß ich mir einfach keinen Rat. Was ist richtig und was falsch. Habt Ihr auch in dieser Richtung eure Erfahrungen gemacht?

27.06.2019 | 12:16
Jutta60

Hallo buffy,
jede Änderung bringt für die Kranken eine Verschlechterung der Demenz, so habe ich das bei meiner Mutter erlebt. Sei es Umzug oder Krankenhausaufenthalt ... . Bekommt Ihre Mutter irgendwelche Medikamente, weil sich die Gehfähgigkeit so verschlechtert hat? Vielleicht Beruhigungsmittel oder etwas, was vielleicht Schwindel auslösen kann?
Wie lange besteht denn die Krankheit Ihrer Mutter schon? Es ist ja die Frage, ob betreutes Wohnen da noch ausreicht. Bei einer fortgeschrittenen Demenz würde ich eher zu einer Heimunterbringung tendieren, wo Sie natürlich prüfen müssen, ob das Heim oder die Wohngruppe darauf eingerichtet sind. Ich bin irgendwann an meine Grenzen gekommen. Meine Mutter wollte nie weg von ihrem Zuhause, hat dann aber sehr schnell alles vergessen. Am Ende kam es darauf an, dass sie gut versorgt wurde. Eine eigene Wohnung hätte sie gar nicht mehr nutzen können. Das wird am Anfang, wenn man über ein Heim nachdenken muss, oft viel zu hoch bewertet. Alles Gute für Sie und Ihre Mutter!

27.06.2019 | 18:46
sohn

Hallo buffy,

eine ehrliche Antwort auf Ihre Frage, wann es Zeit für einen Umzug Ihrer Mutter ist, dürfte wohl lauten: vor einiger Zeit!

Was Jutta Ihnen geschriebn hat, dürfte die Marschrichtung vorgeben. Wenn Sie mit vielen Involvierten sprechen (Ärzte, Krankenhauspersonal, Heim- und Wohngruppenpersonal usw. ) kristallisiert sich vermutlich sehr schnell heraus, was angebracht ist.

Wenn Sie sie nicht bei sich aufnehmen oder zu ihr ziehen und sie permanent versorgen wollen (bzw. Ihre Geschwister oder sonstigen Angehörigen oder aufopferungswillige Nachbarn), bleibt wohl nur noch eine Heimunterbringung.

01.07.2019 | 10:17
martinhamborg

Hallo Buffy, die Einschätzung von "Sohn" teile ich nicht.

Sie beschreiben viele körperliche Veränderungen und deren Ursache sollte gründlich überprüft werden. Ein "schlechter Allgemeinzustand", körperliche Schwäche, Schildrüsenerkrankungen und Depressionen haben Einfluss auf die Kognitionen und können damit den Eindruck eines Demenzschubes erwecken oder eine beginnende Demenz enorm verstärken. Hinzu kommt das "Delir", dass wie eine plötzliche Demenz aussieht. Informationen finden Sie dafür auch auf dem Wegweiser. Heute lässt sich eine Alzheimerdiagnose schon früh erstellen und es kommt sehr auf die Rahmenbedingungen und das unterstützende Netz an, wie lange jemand problemlos in der eigenen Wohnung bleiben kann.

Also bitte sammeln Sie alle Hinweise und Symptome und besprechen Sie diese mit den Pflegekräften und Ärzten, entscheidend ist: was ist neu, was hat sich plötzlich verändert!

Oft habe ich erlebt, dass Menschen viel zu früh ins Heim ziehen mussten. Die Wohnung, die Möbel, fast alles Persönliche war weg und dann haben sie sich so gut erholt, dass sich die Restselbständigkeit und der Pflegegrad so sehr besserte, dass das Heim zum falschen Ort wurde.
Schreiben Sie uns bitte, ob es neue Erkenntnisse gibt und wie es sich weiterentwickelt. Ihr Martin Hamborg

08.07.2019 | 14:01
klauspawletko

Hallo BUffy,
ich denke auch, dass Betreutes Wohnen im Falle Ihrer Mutter nicht die geeignete Lösung darstellt, weil die Betreuungsintensität in der Regel für einen Menschen mit Demenz nicht ausreicht.
Haben Sie schon einmal über eine Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz nachgedacht? Hier haben Sie - wenn die WG gut organisiert ist - eine häusliche und familiäre Atmosphäre und zudem die Möglichkeit, sich auch noch aktiv ins Gemeinschaftsleben einzubringen.
Wenn es solche WGs in Ihrer Umgebung gibt, sollten Sie sich einmal die eine oder andere anschauen. Meist gibt es auch die Möglichkeit des Probewohnens.
Hinweise, worauf man bei solch einem Besuch achten sollte, finden Sie auf: www.wg-qualitaet.de.
Viel Erfolg wünscht Ihnen

Klaus-W. Pawletko



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