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Ratgeberforum "Prävention, Diagnose und Therapie"

Bild: Ratgeberforum "Prävention, Diagnose und Therapie" Die Diagnose Demenz wirft viele Fragen auf. Hätte die Erkrankung verhindert werden können? Ist sie therapierbar? Und worauf sollte man bei der Behandlung achten? Im Ratgeberforum „Prävention, Diagnose und Therapie“ geben zwei Experten Antworten: Dr. Marc Lässer, Neuropsychologe und assoziierter wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Sektion Gerontopsychiatrie der psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg, moderiert das Forum zusammen mit Dr. Elmar Kaiser. Als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie leitete er bis Anfang 2012 die Gedächtnisambulanz der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg.

Autor Diagnose Demenz, die eigene Welt steht Kopf
02.07.2019 | 19:39
sicil

Schönen guten Abend, ich habe soeben einen Anruf erhalten, dass ein lieber Mensch in meiner Familie die Diagnose Demenz erhalten hat, es wurden in den letzten Monaten diesbezüglich Untersuchungen gemacht.
Dieser Mensch ist geschockt und verzweifelt, was ich sehr gut verstehen kann und tatsächlich meinte eine "tröstende" Meinung sei froh das es kein Tumor ist.
Ich frage mich nun wie weit ist unsere Medikation heute, kann der weitere "Verfall" gestoppt/aufgehalten werden?
Ist das Leben eigentlich vorbei?
Wie kann man den betroffenden Trost geben, jedes Wort hört sich doch erstmal unmöglich an?
Sie hat Familie, Enkelkinder aber sie ist auch ein Mensch der sich zu viele Gedanken macht und sich unbewusst in Dinge reinsteigert, das ist bestimmt Gift in ihrer Situation?
Es tut so weh, wenn man nicht helfen kann (einfach ein Pflaster drauf kleben)
Mir ist klar das jeder Mensch anders ist und jedes Krankheitsbild anders verläuft aber kann man es aufhalten, welche hilfen gibt es wo kann man sich noch hinwenden?
Vielen Dank
Sicil

02.07.2019 | 20:49
Barbara66

Hallo Sicil,
Ich kann Deine Betroffenheit sehr gut nachvollziehen.
Ich leide gerade unglaublich mit meiner Mutter, die die schmutzigste aller Demenzformen, die Lewykoerperchendemenz, hat.
Diese Krankheit besteht aus schrecklichen Wahnvorstellungen, aus Parkinsonsymptomen und starken motorischen Störungen (spazieren gehen ist seit 3 Wochen nicht mehr möglich ).
Sie fällt in sich zusammen und leidet unglaublich.
Therapie?-Gibt's keine!!!!!
Aufhalten möchte ich so eine schreckliche Krankheit nicht mehr.
Die Mediziner sollten lieber was erfinden,was diesen körperlichen und geistigen Verfall beschleunigt und nicht verlängert-meine Meinung.
Demenz schreitet unaufhaltsam fort und man kann nichts tun.
Jetzt verstehe ich auch,warum immer mehr Demenzkranke den Weg der aktiven Sterbehilfe gehen-genau das würde ich auch tun !
Ich wünsche Dir und der erkrankten Person ganz viel Kraft.
LG
Barbara

02.07.2019 | 22:43
sicil

Hallo Barbara,
wow...das macht richtig Angst und ich kann mir nicht im entfernsten vorstellen wie es Dir geht. Aber ich kann es nur unterschreiben, was die Sterbehilfe betrifft und ich finde es unverantwortlich Menschen leiden zu lassen. Ich wünschte mir fiel wenigstens ein vernünftiges Wort ein das ich Dir sagen könnte. Ich habe hohen Respekt Dir gegenüber und wünsche Dir so sehr das Du wenigstens "Hilfe" und Unterstützung erhälst, was Dir Kraft gibt.
Vielen Dank das geantwortet hast.
'LG Sicil

03.07.2019 | 12:50
Jutta60

Hallo Sicil,
willkommen hier, auch wenn der Anlass sehr bescheiden ist ...
Ihre Angehörige bzw. die Personen, die sie begleiten, sollten unbedingt die genaue Diagnose kennen. Es gibt ja einige Demenzarten, bei denen man mit Medikamenten den Verlauf verlangsamen kann, so dass es möglich ist, dass der Betroffene noch länger allein leben kann. So wie Barbara schreibt, hatte auch meine Mutter eine Lewy-Körper-Demenz getroffen. Das ist dann so ziemlich das Schlimmste, was einem passieren könnte. Und mit Medikamenten geht da fast nichts. Aber vielleicht haben Sie eine bessere - was ist in dem Zusammenhang besser? - Diagnose. Nutzen Sie die Zeit, um sich auf die Krankheit und den -Krankheitsverlauf einzustellen und alle notwendigen Unterlagen zu beschaffen, Patientenverfügung usw..
Zu der tröstenden Meinung: oft sagen das Menschen aus Unsicherheit. Manchmal ist Schweigen besser, so eine Diagnose macht ja auch erstmal sprachlos. Ich habe meinen Vater an Krebs verloren und meine Mutter starb mit Demenz. Ich kann Ihnen nicht sagen, was "besser" war. Die sinnlosen Therapien und enttäuschten Hoffnungen bei meinem Vater, die Hilflosigkeit und das langsame Sterben bei meiner Mutter. Der Tod war für beide eine Erlösung. Das Sterben selbst war aber für beide nicht qualvoll, zumindest habe ich das nicht so erlebt. Schlimm war der Weg bis dorthin, die fehlende Empathie der Ärzte, die falschen Diagnosen, der Krankenhausbetrieb, das Ausgeliefertsein, das mangelnde Verständnis der Mitmenschen ... Wir haben hier im Forum schon oft über das Thema Sterbehilfe geschrieben. Meist wird Gunther S..hs als gutes Beispiel hingestellt und Walter J..ns als das negative. Der eine hat sich direkt in den Kopf geschossen, das Leid des anderen wurde in Büchern zur Schau gestellt. Ich habe eines der Bücher gelesen und durchaus gelesen, dass er noch Freude an seinem Leben hatte, wenn auch eine andere. Oft ist es unser Blick, der Blick der Gesunden, der alles trostlos erscheinen lässt. Meine Mutter hatte, als die Halluzinationen besser wurden, noch gute Tage, an denen ich ihr nahe sein konnte. Aber anders gut als vorher. Es war ihr Weg, so sehe ich das heute und ich habe mich nie berufen gefühlt, ihn abzukürzen. Das Leben ist nicht immer so schwarz oder weiß, meist ist es irgendwo dazwischen.
Bitte, geben Sie die Hoffnung nicht auf. Ihre Verwandte kann an einer ganz anderen Krankheit sterben. Geben Sie ihr das Gefühl, dass sie nicht alleine sein wird. Und suchen Sie das Gespräch mit dem Arzt bzgl. der evtl. möglichen Behandlungsoptionen zur Linderung.




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