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Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte"

Bild: Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte" Im Laufe einer Demenz ändern sich Kommunikationsfähigkeit und Verhaltensweisen. Das ist für alle Beteiligten oft belastend. Der Wegweiser Demenz hat zwei Experten auf diesem Gebiet als Moderatoren für das Internetforum gewonnen: Jochen Gust hat als Altenpfleger Menschen mit Demenz betreut. Heute schult er unter anderem Klinikpersonal im Umgang mit Demenzkranken, berät Angehörige und schreibt Bücher. Dr. Svenja Sachweh bietet Kommunikationstrainings für Pflegepersonen an und ist Autorin diverser Lehr- und Ratgeberbücher zur Verständigung mit Demenzkranken.

Autor Hermines Handtasche-oder wieviel Zeug passt in ein Haus !
13.07.2019 | 13:53
sonnenblümchen

Wie ihr wißt bin ich ja seit etlichen Monaten bei meiner Mama am Räumen.
Irgendwie kehrt keine Ordnung ein und es werden auch nicht weniger Sachen.
Dieses Haus ,,spuckt" nach Monaten immer wieder neue Sachen an Stellen aus,die ich nicht für möglich gehalten habe.
Wie geht es Euch mit der Aufräumerei ? Bleibt ihr ,,am Ball" oder ,,schließt" ihr Räume ab und sagt:,, Nach dem Versterben des Angehörigen kommt der Container!". Wie geht ihr bei dieser Aussage im Alltag damit um?
Meine Mama holt Müll aus ihrer Mülltonne.Ich bin schon dazu übergegangen ihren Abfall mit zu mir zu nehmen... Müllfahrerei!
LG

13.07.2019 | 17:13
hanne63

Hallo Sonnenblümchen,
meine Eltern haben vor ca 8 Jahren (in der Rückschau nehme ich an, das war der Zeitpunkt, wo sie beide die Diagnose bekamen) einmal schon alles grob entrümpelt und ausgemistet....aber es war immer noch sehr viel da.....

Meine Mutter hat im letzten Jahr bis zu ihrer Heimeinweisung Anfang dieses Jahres unendlich viel hin und her geräumt, auch nachts...und konnte nichts mehr wegwerfen....es wurde immer chaotischer...

dann fing der "Verschenk-Wahn" bei beiden an.....

nach der Heimeinweisung der Mutter hat der Vater in einer Nacht- und Nebelaktion fast alles, was meiner Mutter gehört und die kompletten gemeinsamen Büro- und sonstigen schriftlichen Unterlagen weggeworfen und erinnert sich nicht mehr wohin.....

in den Jahren zuvor habe ich viel Zeit damit zugebracht , die vielen Leitzordner immer wieder neu zu sortieren...

in der Rückschau erkenne ich: ich hätte mir alles viel leichter machen können......nämlich abwarten und insoweit nichts unternehmen......

mein Rat aus meinen Erfahrungen ist also: gehen Sie insoweit den für Sie selbst einfachsten Weg. Sie brauchen noch genug Kraft in der Zukunft.
Liebe Grüße....

15.07.2019 | 12:01
Jutta60

Hallo Sonnenblümchen,
machen Sie sich nicht zuviel Stress. Meine Mutter konnte sich im Lauf ihrer Demenz einfach nicht mehr entscheiden, auch nicht, was man wegwerfen könnte oder müsste. Ich habe es so gemacht, wie Hanne es beschreiben hat: einfach lassen, so gut es geht und sich von jeder eigenen Vorstellung über Ordnung verabschieden. Gut, Müll wurde zuverlässig entsorgt. Und ganz wichtige Unterlagen würde ich heute an mich nehmen. Also Dinge, die nur schwer oder gar nicht wieder zu beschaffen sind. Aber der Rest blieb und wurde jeden Tag anders sortiert. Meine Mutter vertrieb sich damit viele Stunden, was auch ganz gut war. Bis heute gehe ich immer mit einem Cutter in den Keller, wenn ich z.B. einen Schraubenschlüssel brauche, denn meine Mutter hatte die Angewohnheit entwickelt, alle gleichartigen Dinge mit Kabelbindern zu fixieren. Dann schneide ich die auf und denke "ach Mama".
Nach dem Tod meiner Mutter haben wir dann alles auf einmal gemacht und uns von Dingen getrennt, die wir einfach nicht behalten konnten, sei es aus Platzgründen oder weil sie für mich nicht die gleiche Bedeutung hatten wie für meine Eltern. Das war noch einmal sehr schmerzhaft, aber mit Unterstützung ging es ganz gut. Leider ist das der Lauf der Welt. Während der Krankheit brauchte ich meine Nerven und all' meine kraft für meine Mutter, da habe ich an "danach" noch gar nicht gedacht. Ich würde auch nicht an den Container denken oder an Entrümpeln. Denn alle Dinge haben meinen Eltern einmal sehr viel bedeutet. Deshalb habe ich auch ein Unternehmen beauftragt, das die Dinge komplett mitgenommen hat und nichts auf der Strasse zerscheppern lies. Das hätte ich nicht ertragen. Fordern Sie also in Ihrem jetzigen Zustand nicht zuviel von sich. Mit der Begleitung Ihrer Mutter haben Sie genug Aufgaben. Das Aufräumen hinterher schaffen Sie dann auch noch. Bei mir waren es 250 m² plus Keller und Garagen. Bleiben Sie zuversichtlich, auch wenn es manchmal schwer fällt. Planen Sie nicht zuviel, jeden Tag immer einen Schritt vor den anderen setzen. Überfordern Sie sich nicht mit ständigem Denken, wie Sie einmal das Auf- und Ausräumen schaffen. Es wird ganz sicher klappen. Alles Gute!

15.07.2019 | 18:02
sohn

Hallo Sonnenblümchen,

wenn Sie seit Monaten räumen und weder Ordnung einkehrt noch der Plunder weniger wird, sind Sie ganz offensichtlich ohne Plan und Konzept. Vieleicht sogar ohne den Willen, etwas durchgreifend zu verändern.

Das ist bitte als Feststellung und NICHT als Beleidigung zu verstehen!

Ich habe bisher zwei komplette Haushaltsauflösungen hinter mir (allerdings nach Auszug der Bewohner) und die dritte steht auch mir noch bevor.

Da bei Ihnen ja keine Eile besteht und Sie ständig vor Ort sind aufgrund des Zusammenwohnens mit Ihrer Mutter und Sie darüber hinaus keine Zeit für eine Berufstätigkeit aufwenden müssen (wenn ich alles richtig im Kopf habe), sollte es relativ einfach sein und relativ schnell möglich sein, die Angelegenheit in den Griff zu bekommen.

Gehen Sie strategisch vor, machen Sie sich Gedanken, was zu geschehen hat und in welcher Reihenfolge. Und das halten Sie am besten schriftlich fest, so daß Sie es jederzeit nachlesen und bei Bedarf ändern können. Legen Sie die Prioritäten so fest, wie es für Sie am angenehmsten ist. Z. B. erfassen Sie zunächst alles, was Ihnen lieb und wichtig ist und was Sie behalten wollen; dann schaffen Sie all das an einen Platz. Als nächstes könnten Sie beispielsweise Zimmer für Zimmer den Plunder rausschmeißen, der entbehrlich ist. Wenn Sie in stark frequentierter Lage wohnen (so wie ich), schön ordentlich und sichtbar an die Grundstücksgrenze stellen und ein dickes Schild dran "zu verschenken". Hier bei uns funktioniert das exzellent; meist bleibt weniger als ein Drittel oder ein Viertel für mich selber zu entsorgen, wenn ich mal wieder den eigenen Keller entrümpele oder Mieterhinterlassenschaften zu entsorgen habe. Wir haben mittlerweile so viele ausländische Mitbürger, die sich weder zu schade sind für Gebrauchtgegenstände noch das nötige Geld für Neukäufe haben und die deswegen immer schon mit offenen Augen hier vorbeikommen oder sogar fragen, ob ich mal wieder etwas abzugeben habe, daß das hervorragend funktioniert.

Fangen Sie an, kontinuierlich in dem von Ihnen festgesetzten Plan die Dinge so zu erledigen, wie Sie es festgelegt haben. Dabei werden Sie sicher Änderungswünsche bemerken, die Sie dann schriftlich abändern können und anschließend dem neuen Plan folgen.

Schritt für Schritt, jeden Tag ein wenig. Eben KONSEQUENT dranbleiben.

Nach Monaten, wie Sie schreiben, hatte ich einen kompletten Haushalt, viele Kellerräume, eine Werkstatt und eine Reihe Garagen leer. Es geht also.

Falls jemand wie z. B. ein Pflegedienst Sie und Ihre Mutter unterstützt, können Sie natürlich auch solche Aufgaben delegieren. D. h. Sie brauchen nur im Kopf Ihren Plan zu erstellen und dann dafür sorgen, daß jemand anderes wenigstens einen Teil der Arbeit macht.

Eine weitere Möglichkeit ist, Entrümpelungsfirmen kommen zu lassen oder auch selber zu inserieren, daß Sie wenigstens eine teilweise Haushaltsauflösung durchführen. Dann können die Interessierten zu Ihnen kommen und mitnehmen, was Sie abzugeben bereit sind (vielleicht sogar für einen kleinen Obolus). So sparen Sie sich das eigene Anpacken.

Machbar ist das alles, sogar relativ einfach. Nur muß das Konzept als allererstes in Ihrem Kopf existieren.

Wenn Ihre Mutter zum Sammeln tendiert, ist das zwar ein wenig hinderlich, sie wird aber kaum in dem Ausmaß Zeug rangeschafft bekommen wie Sie es wegschaffen (lassen).

16.07.2019 | 07:00
sonnenblümchen

Guten Morgen Hanne, Jutta und Sohn,
erst mal möchte ich mich ganz herzlich bedanken,dass Ihr Euch die Mühe gemacht habt und mir geantwortet habt.
Hanne und Juttas Beträge haben mir auf der Gefühlebene geholfen.... 5e auch mal gerade sein zu lassen !
Sohns Beitrag....wirklich strukturieter an die Sache zu gehen. Mit dem "zu verschenken " Schild.....Aktion klappt nicht. Ein Nachbar hat mich auf die Rechtslage hingewiesen, dass ich nichts auf den Bürgersteig stellen darf (öffentlicher Raum)...er empfindet meine evtl.dort abgestellten Kisten als Müll und wird auch gegen mich vorgehen (Anzeige !). Auf dem eigenen Grundstück kann ich auch nichts stellen. Aber ich werde versuchen Sachen an ,,Sozialkaufhäuser" abzugeben.

Desweiteren lebe ich nicht bei meiner Mama! Ich bin nur täglich mehrere Stunden bei ihr. Sie hat aber während meiner Abwesenheit genug Zeit mehrere Stunden des Tages und der Nacht (wie Hannes Mama) zu räumen.

Vielleicht stimmt der Vergleich mit Hermines Handtasche nicht,weil Hermine holt Dinge heraus,die sie in der Notsituation braucht. Bei meiner Mama ist von allem zu viel. Wenn meine Eltern eine Sache nicht gefunden haben,wurde halt neu gekauft. Heute ist für meine Mutter alles wertvoll und ich ,, böse Tochter" nehme ihr ihre Schätze (auch wenn es Müll ist) weg.Ja vielleicht ist es wirklich einfacher zu entsorgen,wenn der Besitzer /Verursacher des ganzen Chaos verstorben ist. Ich bin Monate am räumen und werde auch noch Monate brauchen...vielleicht sind die vollgestopften Räume (wenn man sie selber nicht gesehen hat) nicht vorstellbar. Meine Mutter kann und konnte nichts wegwerfen....sie packt selbst frischgekaufte Bananen in Reinigungspapier ein !
Danke für Eure Antworten !
LG

13.08.2019 | 14:49
sonnenblümchen

Uha,
...ich könnte schreien...gebrauchtes Toilettenpapier und Schnupftücher sind aus dem Mülleimer verschwunden und meine Mutter weiß nicht wohin sie sind!
Ja,ja ...mit der Gelassenheit ist es so eine Sache !

14.08.2019 | 18:09
Teuteburger

Hallo Sonnenblümchen,

die Sache mit der Gelassenheit kenne ich auch. Was Sie beschreiben habe ich so zwar noch nicht erlebt, aber ähnliche vergleichbare Situationen. Gebrauchte Inkontinenzbinden in der Schublade mit den Geschirrtüchern, gebrauchte Unterwäsche bei den frischen ect. Seit über einem Jahr nicht mehr geduscht usw.
Ich kann gelassen bleiben, wenn ich nicht da wohnen muss. Müsste ich auch nachts da bleiben, dann käme ich nicht mehr zur Ruhe. Ich brauche einen gewissen Schnitt und eine eigene Umgebung, in der ich auch ein Leben haben darf.

Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute



16.08.2019 | 21:12
sonnenblümchen

Hallo Teuteburger,
danke für Ihre Antwort. Ich mußte einfach mal klagen. Ich weiß nicht warum jetzt eine Phase bei meiner Mama einsetzt in der sie Müll versteckt. Klar irgendwann finde ich die Sachen...aber in was für einen Zustand. Meine Mutter sagt immmer ,dass sie keine Ahnung hat warum sie es gemacht hat. Ich habe in einem Beitrag mal gelesen,dass ein Angehöriger nur die Kleidung die der Mensch mit Demenz an hatte und einmal Wechselsachen bereit gelegt hatte. Alle anderen Kleidungsstücke hatte er weggeschlossen. Er war so verzweifelt. Bei mir geht täglich soviel Zeit an suchen nach Sachen und an ,,Schadensbegrenzung" drauf. Ich kann nicht verstehen wie man nasses Toilettenpapier verstecken kann. O.K. bestimmt ist auch dies nur eine Phase und manch einer denkt,gibt es nichts schlimmers. Anziehsachen wegzuschließen finde ich noch ,,gemein", aber vielleicht,wenn der Leidensdruck zu groß wird, versuche ich diesen Weg.
LG



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