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Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte"

Bild: Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte" Im Laufe einer Demenz ändern sich Kommunikationsfähigkeit und Verhaltensweisen. Das ist für alle Beteiligten oft belastend. Der Wegweiser Demenz hat zwei Experten auf diesem Gebiet als Moderatoren für das Internetforum gewonnen: Jochen Gust hat als Altenpfleger Menschen mit Demenz betreut. Heute schult er unter anderem Klinikpersonal im Umgang mit Demenzkranken, berät Angehörige und schreibt Bücher. Dr. Svenja Sachweh bietet Kommunikationstrainings für Pflegepersonen an und ist Autorin diverser Lehr- und Ratgeberbücher zur Verständigung mit Demenzkranken.

Autor Hermines Handtasche-oder wieviel Zeug passt in ein Haus !
27.09.2019 | 07:46
Jutta60

Liebes Sonneblümchen,
auch meine Mutter kannte noch echte Notzeiten. Ich glaube, die Generation unserer Eltern hat zu Besitz eine ganz andere Haltung als wir. Auch meine Eltern hatten erstaunliche Mengen an Alkohol, obwohl Beide nie tranken. Vielleicht habe ich da Schätze entsorgt? Aber jenseits von Allem: Aufräumen befreit in jeder Lebenslage ganz ungemein und hilft mir zumindest, auch im Kopf klar zu werden. Hat die Aktion Ihre Mutter denn verstört? Also zu Lebzeiten meiner Mutter hätte ich das nicht gedurft, sie hat ihren Besitz immer streng kontrolliert (und ich hatte immer Angst, weil sie dazu Treppen gehen musste). Sie war aber auch in gesunden Tagen ein Kontrollfreak gewesen, jedenfalls ein wenig. Liebe Grüße!

03.10.2019 | 22:07
Teuteburger

Hallo Sonnenblümchen,

Jetzt weiß ich auch, was Sie in meinem Thread für einen Umstand angesprochen haben.

Ich kann mir gut vorstellen, wie sie sich gefühlt haben. Wenn man meint, es kann nicht grotesker werden, dann geht noch eine Schippe drauf. (Zeugen Jehowas) usw.

Es wird vielleicht nicht besser, wie ihr Mann sagt, aber die emotionale Belastung ist doch enorm.

Ich verstehe auch, dass man als betreuende Angehörige, je weiter die Krankheit fortschreitet, die Lust verlieren kann, noch zu agieren. Ich würde es eher mit absoluter Hilflosigkeit gleichsetzen, wie bei einem Schiff, welches am sinken ist. Man versucht händeringend mit allen möglichen Mitteln, das Loch zu stopfen, durch welches das Wasser durchsickert, bis man irgendwann feststellen muss, es hilft alles nichts mehr. Das Schiff wird untergehen, weil da noch jemand ist, der alles, was man in das Loch stopft, wieder raus zieht.

Ich drücke Sie an dieser Stelle noch einmal.





[Dieser Beitrag wurde 3mal bearbeitet, zuletzt am 03.10.2019 um 22:19.]

06.10.2019 | 12:52
Teuteburger

Hallo Sonnenblümchen,

jetzt habe ich gestern einen etwas längeren Text für Sie geschrieben, den ich heute Morgen wegschicken wollte und jetzt ist er dank eines Updates, das ich auf Anraten meines Mannes gemacht habe, weg. Man soll solche Sachen halt speichern.

Einiges von dem, was Sie zuletzt geschrieben haben, kenne ich auch. Die Sache mit dem Fäkalienschmieren kommt bei uns im Moment noch in einer moderaten Art und Weise vor. Ich habe aber leider das Problem, dass meine Schwiegermutter nicht duschen geht, bestenfalls wäscht sie sich mal den Po auf der Toilette, an dem winzigen Waschbecken mit lauwarmem Wasser. Eine größere Wäsche ist hier nicht drinnen, da der Wasserstrahl auch sehr dünn ist. Das Wasser muss, wenn es warm sein soll, durch einen Durchlauferhitzer und in dieser Toilette lässt sich nur ein kleiner installieren. Alles nicht ideal. Das Bad im Obergeschoss, wo alles vorhanden ist, wird aber konsequent nicht benutzt, nur zum auf die Toilette gehen, ohne Duschen, ohne Waschen, es sei denn, es steht ein Besuch bei der Frau Doktor an, dann benutzt sie auch mal Wasser und etwas Seife für die wichtigsten Körperteile, also alle zwei Monate mal. Einzig und alleine die Füße kann ich ihr baden, indem ich ihr einfach eine Bütte mit Wasser und Badezusatz hinstelle. Und ganz selten bekomme ich sie dazu, dass sie auch mal ihre Unterschenkel mit abwäscht. Sie hat inzwischen am ganzen Körper eine trockene, juckende und schuppende Haut. Seit über einem Jahr haben weder ihr Haar, noch ihr Körper die Dusche oder das Bad gesehen. Ich weiß das, weil ich Papierschnipsel in die Nähe des Abflusses gelegt habe, welche bei Benutzen sonst mit dem Wasser weggespült werden müssten.

Was das Essen und die Erpressung angeht, das haben wir gemeinsam. Meine Schwiegermutter isst noch recht anständig. Oftmals glaubt sie, es ist Sonntag und dann kocht sie, weil ihr Sohn dann zum Essen kommt, wie ein Weltmeister mehrmals die Woche. Die Zeit, wenn ich da bin, nutze ich, um ältere Sachen wegzuschmeißen und um das sauber zu machen, was sie vergisst ect.

Ich stehe inzwischen auf auf dem Standpunkt, dass ich sie gewähren lasse, auch wenn sie sich selbst gefährden sollte beim Essen und Trinken. Sie zum Trinken zu animieren hat nicht funktioniert. Aber sie hat trotzdem sehr gute Nierenwerte, also wird das, was sie trinkt, ausreichend sein für sie. Zudem stinkt sie trotz mangelhafter Körperhygiene nicht, null, auch nicht im Sommer, wenn sie viel schwitzt, wenn wir mal in der Stadt sind usw. Sie muss ein Entgiftungssystem wie ein Nordafrikaner haben. Diese haben nachgewiesener Maßen am meisten Entgiftungsenzyme. Von den Deutschen sind es nur vier Prozent ungefähr. Meine Schwiegermutter zähle ich dazu.
Ich weiß nicht, wie es bei Ihrer Mutter ist, aber meine Schwiegermutter hat eine sehr große Energie, sie spricht auch laut und deutlich. Noch nie hat irgend ein Helfer es bei ihr geschafft, sie zu animieren Hilfe anzunehmen und das, obwohl meine Bekannte, die eine Seniorenbetreuung hat, aus Erfahrung fast jeden dazu bewegen kann oder besser gesagt ihre gut geschulten Mitarbeiter. Bei nur ganz wenigen funktioniert das nicht und so wie es bisher aussieht, bei uns auch nicht.

Haben Sie keine Hilfe, falls Sie einmal nicht können, Sonnenblümchen oder lehnt ihre Mutter auch alles ab? War schon einmal jemand vom Seniorendienst bei Ihnen? Haben Sie eine Pflegestufe? Entschuldigung, das ich Frage, aber vielleicht habe ich das auch einfach überlesen.

Liebe Grüße an Sie





[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 06.10.2019 um 19:33.]

06.10.2019 | 17:59
Barbara66

Hallo Teuteburger,
Ich bin Tochter einer an Demenz Erkrankten.
Darf ich fragen,wie lange Sie die Diagnose Ihrer Schwiegermutter schon haben?
Was machen die Gedaechtnisstoerungen?
Gehört so jemand wie Ihre Schwiegermutter nicht ins Heim?
Ich habe schon einiges von Ihnen gelesen - daß Sie auch oft an Ihre Grenzen stoßen.
Warum tun Sie sich so was an?
Natürlich ist ein Heim immer auch eine finanzielle Frage.
Also das Gedaechtnis meiner Mutter funktioniert noch relativ gut.
Aber die Familie (mein Vater,ich(besonders ich !!) und mein Mann)zerbricht an den tagtäglichen Wahnideen.
Sie behauptet Sachen die nicht stimmen.
z.B. sie behauptet am Na käme ihr Hausarzt - stimmt nicht
Sie kommt total verängstigt zu mir hoch und hat angeblich gehört, daß wir wegziehen wollen - stimmt nicht
Sie behauptet ,mein Bruder wolle sich von seiner Frau trennen - stimmt nicht
Am gravierendsten ist der Verfolgungswahn (sie wird immer vergiftet? ???

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 06.10.2019 um 18:02.]

06.10.2019 | 19:59
Teuteburger

Hallo Barbara,

es ist für mich eine Gradwanderung. Die Gedächtnisstörungen beziehen sich im Grunde nur auf ganz bestimmte Bereiche, zumindest war das jetzt circa. zweieinhalb Jahre der Fall. Die Demenz ist vom Hausarzt bestätigt worden. Gewisse Tests wurden in der Geriatrie gemacht. Das ist, wie gesagt, etwas länger als zweieinhalb Jahre her.
Meine Schwiegermutter behauptet wie viele andere, das jemand ihr Porzellan aus dem Wohnzimmerschrank entwendet hat oder Kleider von ihr usw.
Ich habe meine eigene Methode, um damit umzugehen. Die Nonnenstudie, die Dr. Hüthers auch beschreibt, hat mir geholfen, die Psyche von ihr besser zu verstehen. Das hilft mir auch Grenzen zu ziehen, ohne das ich Schuld oder eine ähnlich negative Emotionen verteilen muss. Allerdings, und das habe ich schon oft geschrieben, wird das ja alles nicht so bleiben wie es jetzt ist. Ihre Psyche und ihr Gedächtnis werden nicht besser. Sie hat jetzt, so wie ich das gelesen habe, eine mittelschwere Demenz, vertauscht Vergangenheit und Gegenwart immer öfters.
Sie tut mir auch leid und ich versuche ihr zu helfen, dass sie im Haus bleiben kann. Sie hat ja auch ihre guten Seiten und Humor, wenn sie außerhalb ihres Hauses ist. Sie kann sich nur schlecht in ein Heim einfügen. Sie war einmal in einer Kurzzeitpflege gewesen. Aber wenn sie weiter Zuhause wohnen bleiben will, dann wird sie um zusätzliche Hilfe nicht drumrumkommen oder verwahrlosen. Ich werde in Zukunft mehr für meine Eltern da sein müssen und spätestens dann wird es eng für sie.
Ich hoffe, sie bekommt die Kurve.
Ich glaube auch manchmal, dass ich es nicht schaffe, aber ich gebe noch nicht auf.

Liebe Grüße auch an Sie

An Sonnenblümchen. Ich hoffe, es ist noch im Rahmen, was ich geschrieben habe, denn schließlich ist das Ihr Thread. Man kann das auch in meinen Thread verlegen.

06.10.2019 | 20:39
Barbara66

Danke für Deine Antwort.
Dann habt ihr aber einen kompetenten Hausarzt! !!!
Sind die bei uns hier auf dem Land nicht in der Lage zu.
Der Hausarzt total überfordert -der Neurologe völlig inkompetent .
Die Diagnose Demenz habe ich gestellt -sonst bisher niemand.
Am 11.10.fährt mein Bruder mit ihr in die Gedaechtnisambulanz der Uni Klinik Bonn -dort werden wir dann wohl die grausame Gewissheit bekommen (wovon ich schon lange überzeugt bin).
Fuer mich ganz klar die schlimmste aller Demenzformen (Lewy Body Demenz ).
Meine Mutter kann gar nicht mehr raus-kein einkaufen mehr-keinen Besuch mehr empfangen.
Alles viel zu anstrengend für sie.
Ich habe vorgestern zu meinem Bruder gesagt:Was ist unsere Mutter so krank
Das bricht uns das Herz und in mir kommt überhaupt kein Gefühl der Freude und des Erleichterns mehr auf.
Und ich bin ja auch alleine fuer alles zuständig (mein Bruder lebt 320 km entfernt).
Wir waren dieses Jahr noch nicht weg im Urlaub.
Sonst freue ich mich zu verreisen-aber irgendwie fühle ich mich auch schlecht,wenn ich jetzt wegfahren würde.
Und abschalten wird sicherlich sowieso nicht möglich sein- man weiß ja,was einen bei der Rückkehr erwartet.
Es wird ja nicht mehr besser.
Manchmal wünschte ich es gäbe einen Knall und alles wäre wieder wie früher.
Vielleicht wirft mich die Diagnose so aus der Bahn,weil meine Mutter immer so fit war und mindestens 10 Jahre jünger aussah,als sie war.
Mit so etwas hätten wir niemals gerechnet.
Jetzt ist sie nur noch Haut und Knochen und sieht total krank aus.
Alles Gute

06.10.2019 | 23:14
Teuteburger

Ich hätte auch gerne die Körperpflege bei meiner Schwiegermutter übernommen, Sonnenblümchen. Ich habe hier wirklich alles versucht, genauso wie die Seniorenbetreuerinnen, die sich auch viel Zeit nehmen können, im Gegensatz zu einem Pflegedienst.
Wenn niemand außer Ihnen in die Wohnung darf, dann ist das eine große Belastung, denn wer garantiert, dass mit einem selber oder mit einem nahen Angehörigen nicht doch irgend wann mal etwas ist. Ich bin hier zwar oberflächlich gesehen, etwas weiter, aber meine Schwiegermutter weiß ja nicht, dass die zwei Frauen, die kommen, Seniorenbetreuerinnen sind. Sie sind nur zur Unterhaltung da, im Grunde nicht besser als die Nachbarin, die bei Ihnen kommen darf.


Barbara, ich habe unter Prävention, Diagnose und Therapie eine Antwort in dem Thread "Erste Anzeichen" geschrieben, die Ihnen vielleicht etwas weiterhelfen kann. Nicht immer wird nach Altershirndruck geschaut oder nach Vitamin- und Mineralstoffmängeln wie B12 (sehr häufig im Alter und ein Demenzauslöser), Vitamin D (Schwäche, falscher Calcium, Magnesium und Phosphorspiegel), was sich auf das Gehirn und den Stoffwechsel negativ auswirken kann.

Liebe Grüße

[Dieser Beitrag wurde 3mal bearbeitet, zuletzt am 07.10.2019 um 10:35.]

07.10.2019 | 22:22
Teuteburger

Was Sie schreiben Sonnenblümchen, ist bei vielen Menschen sicher ähnlich, was Entgiftung und Körpergeruch im Alter angeht. Umso besser, dass Sie ihr jetzt dabei helfen können. Eine solche Lobby habe ich bei meiner Schwiegermutter nicht. Es ist schade, dass sie keine Tochter hat, vielleicht würde da mehr gehen. Mein Mann kann bei ihr auch manches durchsetzen, was sie bei mir nicht dulden würde. Da unterscheidet sie stark, obwohl ich halt inzwischen auch putzen darf.

Der Vitamin- und Mineralstoffhaushalt ist auch wichtig für die Entgiftung. Ältere Menschen haben hier oftmals einige Mängel.

Ich wünsche Ihnen weiter viel Kraft

10.10.2019 | 12:00
Teuteburger

Da stimme ich Ihnen zu Sonnenblümchen, Verwandte zu haben, heißt nicht zwingend, dass man sich auch gegenseitig unterstützt.
Das Dumme dabei ist, das manche hier gut wegsehen können und wenn einer die Aufgabe dann übernimmt, dann heißt das für alle anderen Entwarnung. Mein Mann und der andere Sohn helfen in einem Rahmen, der für sie machbar ist, aber bei Demenzkranken ist ja mehr und mehr Leerlauf, sobald die denkende Person den Raum verlässt.

Und das diese Generation, die Männer/Söhne mehr zu schätzen weiß oder besser gesagt, ihnen einen höheren Stellenwert einräumt als den Frauen, das ist leider auch "normal". Bei meiner Mutter war das genauso gewesen, als sie ihre Mutter gepflegt hat. Ihr Mann hat hier viel mehr Respekt erhalten als die eigene Tochter. Genau das gleiche ist gewesen, wenn der Sohn sie einmal besuchen kam. Man kann also nicht behaupten, das Antrainiertes oder Anerlerntes einfach verschwindet bei einer Demenz. Das ist alles viel zu kurz gedacht.

Ich glaube, dass Ignoranz und alles Laufen lassen, wie es ist, denn irgendwer wird es schon richten oder das man alles auf Biegen und Brechen am Laufen halten will, einen selbst oder andere krank macht, anstatt das ein Dialog stattfindet. Wenn jeder Mensch lernen würde, nach seinen körperlichen und geistigen Ressourcen zu schauen und wenn er schaut, was er frei und ohne allzu große Abstriche geben kann und was nicht, und wenn man hier absolut ehrlich ist, dann wäre der Menschheit schon viel geholfen.

Liebe Grüße an Sie

11.10.2019 | 17:40
jochengust

Hallo Sonnenblümchen,

an dieser Stelle kurz vielleicht eine Idee: es gibt programmierbare Heizungsregler (die Sie z.B. per App steuern können). M.W. ist an denen dann nichts mehr drehbar. Vielleicht wäre soetwas eine Lösung?

Es grüßt Sie

Jochen Gust



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