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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Nu is es soweit
09.08.2019 | 08:22
Andydreas

Hallo,
ich habe bereits mehrfach in diesen Foren berichtet.
Die Demenz meiner Mutter ist inzwischen soweit fortgeschritten, dass ich den Entschluss gefasst habe, dass es nicht mehr weitergehen kann. Ich habe wirklich alles versucht. Meine Mutter lehnt auch weiterhin jegliche Hilfe von außen ab. Ich konnte bisher weder eine Haushaltshilfe ´noch einen Pflegedienst installieren. Eine Gespräch ist auch nicht mehr möglich, da die Demenz ihr zunehmend die Sprache raubt und ein normales Gespräch keinen Sinn mehr macht. Hinzu kommen bei ihr die sogenannte Hinlauftendenz und starke Depressionen. Mein Hausarzt ist immer noch keine große Hilfe und ist sehr zurückhaltend mit der Vergabe von entsprechenden Medikamenten. Ich kann mir aber auch vorstellen , dass er damit nicht falsch liegt.
Ich habe hier in meiner Heimatstadt entsprechende Einrichtungen kontaktiert und nur Absagen bekommen, da man die Sicherheit meiner Mutter nicht gewährleisten könne, wenn sie immer wegläuft. Über den hiesigen Pflegestützpunkt habe ich nun eine Einrichtung in der Nachbarstadt gefunden für die das kein Problem darstellt. Ich habe mir die Einrichtung angesehen und denke, dass meine Mutter sich dort wohlfühlen kann.
Nun kommt aber das große Problem, wie sage ich es ihr.
Ich habe mir schon den Kopf zermartert und könnte mir vorstellen eine eigenen medizinischen Eingriff vorzutäuschen um ihr erst mal klar zu machen, dass sie vorläufig dort hin muss. Außerdem werde ich ihr die Einrichtung als "Pflegehotel" verkaufen, wo sie während meiner Abwesenheit Urlaub macht.
Das Problem könnte ur werden , dass sie nach einer gewissen Zeit dort mit Sicherheit wieder weg will, aber das Risiko muss ich eingehen.
Hat noch jemand eine Idee oder Erfahrung in Bezug auf die genannte Problematik ?
Mir bleibt natürlich das schlechte Gewissen und der Gedanke verloren zu haben. Immer wieder wurde mir von allen Seiten gesagt, dass ich auch an mich selber denken solle und dass ich genug getan habe, aber trotzdem bleibt bei mir ein sehr fader Beigeschmack und es wird sich mir wohl noch eine ganze Zeit lang die Frage plagen, ob ich nicht eine andere Lösung hätte finden können.

Danke fürs Lesen und ihr Interesse. Ich freue mich auf hilfreiche Rückmenldungen

09.08.2019 | 08:39
sonnenblümchen

Guten Morgen Andydreas,
aus den Beiträgen dieses Forum ,,kennen" wir uns jetzt schon ein paar Monate und aus diesem Grunde nehme ich mir jetzt das Recht heraus Ihnen zu sagen,dass Sie keinerlei Schuldgefühle Ihrer Mutter gegenüber haben zu brauchen. Sie haben nicht versagt !!!!!! sondern immer Ihr Handeln überdacht und nach Lösungen gesucht. Sicherlich fällt es Ihnen nicht einfach Ihrer Mama zu sagen, dass sie in ein Heim muss. Dies würde mir auch nicht einfach fallen....aber warum sagen Sie Ihr nicht die Wahrheit? ...auch direkt am Anfang. Ihre Gründe sind alle nachvollziehbar. Sicherlich wird Ihre Mama am Anfang versuchen aus dem Heim wegzulaufen , aber das wird sie sowieso versuchen.
Ich freue mich für Sie und Ihre Mama, dass Sie ein Heim gefunden haben,was Ihnen gefällt. Im Internet habe ich ein Video gesehen,wo dem Menschen mit Demenz auch erzählt wurde ,dass das Heim ein Kurhotel wäre...später mußte ihm dann doch die Wahrheit gesagt werden. Ich hätte mich dabei nicht gut gefühlt. Ich hätte das Gefühl gehabt unaufrichtig zu sein. Zum Schluss muss aber jeder selber wissen,womit er besser fährt. Gehen Sie nach Ihrem Gefühl...welcher Weg der richtige ist.
LG

09.08.2019 | 14:53
Gobis

Hallo,
ich bin genau an der gleichen Stelle. Meine Mutter mit Frontallappen Demenz läuft zwar zum Glück nicht weg. Nun fahre ich zur Reha und hatte mir gedacht, dass wäre der Zeitpunkt, über Kurzzeitpflege den Weg ins Heim zu gehen. Das Gespräch verlief dann so, wenn du mich ins Heim steckst, dann bring ich mich um und Du bist Schuld. Ich habe Alle im Boot, Hausarzt informiert, bis heute kein Rückruf, psychosozialer Dienst, rufen Sie die 112 an. Das Betreuungsgericht, Sie haben die Vollmacht und müssen handeln. Beratende Stellen, verstehen mich und mein Anliegen, aber Keiner kann was machen, w e i l. die Gesetze in Deutschland so sind, das gegen den Willen des Betroffenen nicht entschieden werden kann. Wir reden in Deutschland zur Zeit gerne über Humanität. Ist es human, wenn ein kranker Mensch seine Situation nicht im geringsten überblickt, Entscheidungen gegen das eigene Wohl treffen kann. Ich denke nicht.
Für PsychK. reicht es nicht, weil sie niemanden gefährdet.
Ich fahre trotzdem zur Reha und überlasse Sie dem Pflegedienst, weil ja auch immer wieder darauf hingewiesen wird, dass wir Angehörigen auch auf uns achten sollen.

10.08.2019 | 01:28
Andydreas

Danke an Sonnenblümchen für die netten Worte. Inwischen eskaliert hier die Lage, da meine Mutter inzwischen wohl den nächsten Demenzschub durchleidet. Seit einigen Tagen ist ein normales Gespräch nicht mehr möglich. Es kommt nur noch zusammenhangloses Gestammel, auf das ich nicht reagieren kann. Alles was ich sage erzeugt eine aggresive Reaktion. Insbesondere zum Abend hin verschlimmert sich die Situation dramatisch. Sie will unbedingt die Wohnung verlassen um irgendwo hinzugehen. Ich begleite sie und es kommt inzwischen auf offener Strasse zu Streitgesprächen, die für die Nachbarschaft bestimmt sehr unterhaltsam ist. Erst nach mehreren Anläufen gelingt es mir sie zum schlafengehen zu überreden. Sie liegt dann bis zumnächsten Nachmittag im Bett.
Ich habe zwar die Zusage vom Heim, dass einsr der nächsten frei werdenden Zimmer uns gehört und es keine 3 Monate dauern wird, aber bis dahin können noch Wochen vergehen.
So kann ich eigentlich nicht zur Arbeit gehen.Ich arbeite zwar nur noch halbtags vormittags, aber da kann ja auch einiges passieren. Vielleicht kann ich mich von meinem Hausarzt ja krank schreiben lassen.
Mein schlechtes Gewissen ist dadurch so ziemlich weg, da nun klar ist, dass es nicht weitergehen kann. Wäre schön, wenn es mit der Unterbringung bald klappen würde bevor die Sache eskaliert.
Ich bin für jede Anregung dankbar.

10.08.2019 | 14:56
klauspawletko

Hallo Andydreas,
auch ich möchte Ihnen gerne bestätigen, dass Sie nicht "verloren" haben.
Es ist klug und richtig, einen aussichtslosen Kampf aufzugeben.
Gibt es denn in Ihrer Nähe eine Kurzzeitpflege, die Ihre Mutter aufnehmen würde?
ICH könnte mir auch vorstellen, dass ein Aufenthalt in einer gerontopsychiatrischen Akut-Einrichtung hilfreich sein könnte, zumal Sie ja signalisiert haben, dass der Hausarzt mit dem Krankheisbild Ihrer Mutter ūberfordert sein könnte.
Unter Umstånden hilft ja auch eine Autorität im weissen Kittel, Ihre Mutter auf den Umzug ins Heim vorzubereiten.

Viel Kraft beim Endspurt wünscht Ihnen
Klaus-W Pawletko

10.08.2019 | 15:01
Gobis

Hallo,
ich kann Ihre Verzweiflung so nachvollziehen. Man fühlt sich hilflos und allein gelassen mit einem wirklich kranken Menschen. Ich habe mal einen Artikel gelesen, der beschrieb ein Arzt sehr einfühlsam, das wir normalen, med. nicht gebildeten Menschen mit der Demenz der Angehörigen komplett überfordert sind, weil wir gar nicht wissen wie damit umzugehen ist. Die normalen Pflegelehrgänge sind da auch nicht hilfreich. Es ist gut, dass sie die Entscheidung für ein Heim getroffen haben. Wäre es über den behandelnden Arzt Ihrer Mutter nicht möglich etwas Beruhigendes zu verschreiben. An der Situation ihrer Mutter ändert sich nichts mehr, aber im Handling wäre es einfacher. Oder, wenn sie in der Öffentlichkeit wieder ausflippt, die 112 anrufen. Bei den Ärzten wird sie garantiert nicht friedlicher. Vom Krankenhaus aus geht es dann meist schneller mit einem Pflegeheimplatz. Un dann könnte sie ja "umziehen", wenn der Platz in den Heim ihrer Wahl frei ist.
Ich drücke die Daumen, dass es mit dem Heim schnell klappt. Und kein schlechtes Gewissen haben. Mitleid macht einen selber kaputt und hilft einem Anderen nicht!

10.08.2019 | 16:30
sonnenblümchen

Hallo Andydreas,
vielleicht könnten Sie sich auch für ein halbes Jahr beurlauben lassen.Sie würden Ihr Gehalt weiter bekommen, müssen nur mehr arbeiten,wenn Ihre Mama im Heim ist. Vielleicht wäre es eine Hilfe bis die 3 Monate erreicht sind.LG

12.08.2019 | 07:32
KoDo

Hallo,

zuerst mal mein tiefes Mitgefühl. Mit meiner Mutter hab ich das alles noch vor mir.

Besteht bei Ihnen die Möglichkeit für einen Homeoffice-Arbeitsplatz? Den habe ich zwar aus anderen Gründen, aber aus einem reinen Bürojob könnte man durchaus einen Heimarbeitsplatz machen. Wenn mein Vater ins Krankenhaus muss, pack ich mein Notebook und arbeite bei meiner Mutter. Natürlich mit Zustimmung des Arbeitgeber, aber da bin ich glücklicherweise mit einem sehr zugänglichen AG 'gesegnet'.

Viel Kraft und gutes Gelingen :)

12.08.2019 | 15:20
Andydreas

Vielen Dank an alle,
ich habe meiner Mutter inzwischen vorsichtig eröffnet was si erwartet.Ich versuche natürlich die Vorteile, die sie haben wird hervorzuheben. Ich vermeide das Wort Heim uns spreche von einer Seniorenresidenz. Außerdem erkläre ich ihr, dass es sich um eine Art Urlaub handelt. Ihr Drang wieder nach Hause zu kommen wird voraussichtlich nicht so groß sein, da sie unsere Wohnung ja auch nicht wirklich als ihr zu Hause akzeptiert. Seit ein paar Tagen krieg ich sie kaum noch aus dem Bett, was ja im Hinblick auf die zu erwarende Veränderung nicht so schlimm wäre. Es erschwert aber die täglichen Verrichtungen, wie Insulin spritzen, Tabletten nehmen und essen und trinken. Es bedarf so einiger Überredungskunst, aber das krieg ich irgendwie hin.
Jetzt heißt es abwarten. Wird noch eine harte Zeit. Den Vorschlag des Homeoffices (bei meinem AG ist von Telearbeit die Rede) habe ich verworfen, da ich zu Hause nicht störungsfrei arbeiten könnte. Ich beabsichtige in der heißen Phase für einpaar Monate unbezahlten Urlaub nehmen, da ich nach 14 Jahren der Pflege mein Leben in allen Belabgen neu ausrichten muss. Ivh denke jetzt schon mit Grauen an das Entrümpeln. Das wir eine emotionale Achterbahnfahrt. Es gilt 87 Jahre gelebtes Leben aufzuarbeiten. Ein übervoller Keller und eine vollbepackte 4Zimmerwohnung warten auf mich. Letztendlich geht aber auch die Betreuung meiner Mutter auch in der Seniorenresidenz weiter, denn ich bin nach wie vor der letzte verbliebene Angehörige und habe mir fest vorgenommen auch künftig für sie da zu sein.Das habe ich ihr und mir versprochen.
Vielen Dank an alle und wir bleiben am Ball. Ich kann mir durchaus auch vorstellen künftig meine emachten Erfahrungen im ehrenamtlichen Bereich weiterzugeben.

Danke

13.08.2019 | 08:39
martinhamborg

Hallo Andydreas, es freut mich, dass Sie sich entschieden haben und nun konsequent diesen Weg gehen. Ich wünsche Ihnen sehr, dass Sie alles gut auflösen können und Ihre Mutter schnell einen guten Start bekommt, die derzeitige Bettlägrigkeit ist für den Übergang ein Vorteil.
Da Sie richtig überzeugt sind, brauchen Sie mit Ihrer Mutter auch gar nicht mehr viel diskutieren. Ihre Sicherheit wird ausstrahlen und Sie können trösten, wenn es nötig ist oder sich auch später für eine Notlüge entschuldigen.
Wir nehmen gern Anteil, wie es weiter geht, Ihr Martin Hamborg



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