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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Nu is es soweit
21.08.2019 | 08:36
Andydreas

Vielen Dank für die guten Ratschläge und die Anteilnahme. Ich habe meine Mutter inzwischen mit einem GPS-Tracker versehen, der an ihrem Schlüsselbund hängt und mir ermöglicht sie wiederzufinden wenn sie wegläuft. Voraussetzung ist, dass sie die Schlüssel mit sich führt, was sie aber eigentlich immer tut. Außerdem habe ich über die Telekom Überwachungskameras für die Wohnung installiert. Nennt sich Smart Home Service. Ich darf gerade beobachten, dass sie aufgestanden ist und alle 5 Minuten zur Wohnungstür läuft um abzuhauen. Bisher hat sie den Schlüssel noch nicht gefunden, aber das ist wohl nur eine Frage der Zeit. Dann darf ich sie wieder zurückholen. Mein Arbeitgeber wird begeistert sein. Morgen habe ich Termin beim Hausarzt und werde ihn bitten mich für ein paar Tage krankzuschreiben. Vielleicht bis sich das Heim meldet. Außerdem werde ich ihn um entsprechende Medikamente bitten. Mehr kann ich nicht mehr tun. Hoffentlich geschieht da bald was. Vielen Dank.

27.08.2019 | 11:05
Andydreas

Mal ne kurze Frage. Ich warte ja nun auf einen freien Platz in einer von mir ausgesuchten Pflegeeinrichtung. Da sich der Gesundheitszustand meiner Mutter zunehmen verschlechtert und ich der Meinung war, dass meine Anwesenheit bis zum Umzug sehr vorteilhaft wäre werden mir nur Steine in den Weg gelegt. Mein Arbeitgeber weigert sich aus dienstlichen Gründen Urlaub zu gewähren. Einen unbezahlten Urlaub hätte ich vorher beantragen müssen und das Genehmigungsverfahren hätte Wochen gedauert. Also bin ich bei meinem Hausarzt vorstellig geworden und über die Möglichkeit einer Krankschreibung zu sprechen. Diese hat er aber mit der Begründung abgelehnt, dass das Betrug wäre. Nun behelfe ich mich mit den technischen Hilfsmitteln, die ich installiert habe.
Merkwürdig kommt mir auch das Verhalten des Pflegeheims vor. Ich hatte dort ausführlich mit einer Mitarbeiterin gesprochen und hatte auch den Eindruck auf Verständnis gestoßen zu sein. Leider hat diese Mitarbeiterin nun 2 Wochen Urlaub und hat den Fall an eine Kollegin weitergegeben. Bei meinem gestrigen Anruf war diese jedoch nicht ausreichend informiert. Es folgte lediglich die Frage, ob ggf. auch ein Doppelzimmer in Frage käme, was ich für meine Mutter aus verschiedenen Gründen jedoch ablehnen musste. Nun soll ich wöchentlich anrufen um mich nach einem freien Platz zu erkundigen. Ist das die übliche Vorgehensweise in solchen Einrichtungen ?
Ich gehe davon aus, dass ich also noch mindestens 2 Wochen so weitermachen muss. Meine Mutter liegt die meiste Zeit apathisch im Bett und ist kaum zu bewegen aufzustehen und rauszugehen. In ihren guten Momenten ahnt, bzw. weiss sie wohl, dass da eine Veränderung ansteht.
Macht das alles nicht einfacher.

Vielen Dank

27.08.2019 | 18:28
sonnenblümchen

Hallo Andydreas,
als Beschäftiger können Sie eine unbezahlte Freistellung von bis zu zehn Arbeitstagen beanspruchen,um eine nahe Angehörige in einer unerwarteten Pflegesituation zu pflegen. Wenn Ihre Mama jetzt bettlegrig geworden ist, ist dies doch eine Verschlechterung ihres Allgemeinzustandes. Den Antrag für diese kurzfristige Freistellung (so heißt dieser Antrag) erhalten Sie bei der Krankenkasse Ihrer Mama.
10 Tage sind nicht viel aber etwas. Zu diesen Tagen darf der Arbeitgeber nicht nein sagen.
LG
P.S. Bei uns ist momentan Magen -Darmvirus im Umlauf . Sie verstehen?

27.08.2019 | 22:30
Andydreas

Hallo Sonnenblümchen,
vielen Dank, aber das Pflegeunterstützungsgeld für die 10 Arbeitstage hatte ich bereits in Anspruch genommen und lt. Pflegekasse gibt es das nur ein mal. Ich war ja der Meinung, dass ich aufgrund meiner geistigen Verfassung arbeitsunfähig sei. Aber mein Hausarzt hat wohl auch noch wegen einer anderen Sache Probleme und ist daher sehr vorsichtig. Wenn das alles über die Bühne gegangen ist werde ich auf jeden Fall wechseln. Da sich die Sache mit dem Heimplatz wohl noch Wochen hinziehen wird überlege ich täglich nach Alternativen. Natürlich ist mir klar, dass dort meine Mutter git versorgt sein dürfte, aber auch glücklich ? Andererseits kann es so nicht weitergehen. Ih werde das also irgenwie durchziehen. Sorgen macht mir nur, dass vom Heim aus wohl am liebsten der Einzug in ein Doppelzimmer gesehen würde. Wahrscheinlich will man neue Bewohner dort erstmal zwischenparken und wenn das nicht klappt wird ein Einzelzimmer gesucht. Bei meiner Mutter bin ich mir aber sih´cher,dass das mit einem Doppelzimmer nicht lange gut gehen würde.
Wäre shön, wenn bald mal was positives geschehen würde.

28.08.2019 | 07:35
Jutta60

Hallo Andydreas,
dass etwas Positives geschieht, das wünsche ich Ihnen auch. Es tut mir leid für Sie und Ihre Mutter, dass sich die Lage so festgefahren hat. Da bin ich jetzt noch dankbar, dass sowohl mein Arbeitgeber, als auch meine Kollegen, mein Arzt und der meiner Mutter an einem Strang gezogen haben. Ich weiß ja nicht, wie sehr man Ihnen die Belastung bzw. Überlastung ansieht, aber mein Arzt sagte mir einmal sofort: ich nehme sie jetzt mal drei Wochen raus, das geht so nicht mehr. Haben Sie sich denn über alle Modelle der Betreuung informiert? Es hängt natürlich von der Größe des Unternehmens ab, in dem Sie arbeiten, was Sie durchsetzen können. Allmählich sollte sich aber herumgesprochen haben, dass Angehörige in einer solchen Lage unbedingt Unterstützung brauchen.
Aber zu dem Doppelzimmer. Meine Mutter war auch immer allein und sehr selbständig. Ich habe auch mit dem Doppelzimmer "gefremdelt". Erstaunlicherweise kam sie gut damit zurecht, vor allem, weil sie oft Angst hatte und froh war, wenn noch ein anderer im Zimmer war, vor allem in der Nacht. Am Anfang gab es ein paar Probleme mit mein und dein und Ausräumen der Schränke und so, aber das ging schnell besser. Ich glaube, sie hat das mehr so als 2-Bett Hotelzimmer gesehen am Anfang, das kannte sie ja. Später hat sie das gar nicht mehr registriert. Bei ihr ging es sehr schnell schlechter und viele Dinge waren von mir sehr überbewertet worden. Sie erkannte auch ihren Besitz bald nicht mehr und es war eigentlich nur wichtig, dass man ihr die Hand gehalten hat und ihr etwas erzählt hat. Also ich habe mich nie gefragt, ob sie glücklich ist. Deshalb habe ich darüber nachgedacht, weil Sie das so ins Gespräch brachten. Es ist sicher kein Glück, an einer Demenz zu erkranken, alt und gebrechlich zu werden, das Zuhause aufgeben zu müssen. Wenn wir das als Gesunde sehen. Wenn ich aber in der üblen Lage einer Demenz bin, dann ist es ein Glück, wenn ich Menschen um mich habe, die für mein körperliches Wohl sorgen, mir Essen bringen usw.. Und wenn ich einen Sohn habe, der mich besucht und meine Hand hält, dann glaube ich, ist Ihre Mutter so glücklich, wie man es in ihrer Lage sein kann. Bei meiner Mutter war das so. Das Heim hat mich in die Lage versetzt, mich nur um sie kümmern zu können ohne die Last mit Essen kochen, Bett machen, anziehen ... . Danke, dass Sie mich erinnert haben. Ich glaube, ich werde heute besonders nett zu meinen Kollegen sein, die mich sehr unterstützt haben. Und werde freiwillig das Protokollschreiben übernehmen und das Daily organisieren ; )
Ich wünsche Ihnen, dass es bald eine Lösung gibt, alles Gute!

28.08.2019 | 09:01
Andydreas

Hallo
vielen Dank für die nette Beiträge. Es tut gut nicht alleine dazustehen. Außerdem sind mir Tipps jeder Art immer willkommen.
Mein Hausarzt hat mich schon einige Male enttäuscht. Jetzt reichts. Am schlimmsten finde ich eigentlich, dass er bei meiner Mutter keinerlei irgendwie geartete Untersuchung im Hinblick unternommen oder angeordnet hat, sondern nur lapidar darauf hingewiesen hat, das da sowieso nicht zu machen sei. Hinsichtlich einer Krankschreibung hätte sicherlich kein Hahn danach gekräht, aber er wollte wohl nicht. Vielleicht nerve ich mit meine Anliegen die Leute auch schon, die sich nicht vorstellen können sich so lange und ausdauernd um ihre Angehörigen zu kümmern. Ich bin also selber schuld. Tatsächlich war es wohl mein Fehler so lange zu warten, aber das brauchte seine Zeit. Mich stört immer noch das Vorgehen der Seniorenresidenz. Ich soll mich alle paar Tage nach einem freien Zimmer erkundigen. Warum informieren die mich nicht einfach, wenn was frei ist ? Kommt mir komisch vor. Ich habe immer noch die Psychotabletten zu Hause und traue mich nicht ihr die zu geben. Sie wird ja dort einen neuen Hausarzt bekommen. Mal schauen, ob bald was passiert.
Nochmal vielen Dank für die Unterstützung.

29.08.2019 | 07:29
Jutta60

Hallo Andydreas,
das mit "meine Schuld" oder "mein Fehler", das ist so eine Sache. Also ich finde es falsch, dass Sie so denken. Sie haben sich entschieden, sich selbst um Ihre Mutter zu kümmern. Die Entscheidung treffen Sie mit dem Wissen, das Sie im Moment haben. Und manchmal sind solche Entscheidungen einfach falsch. Weil sich alles anders entwickelt, weil etwas passiert, was man nicht vorhersehen konnte. Also haben Sie in meinen Augen keinen Fehler gemacht, dass Sie sich nicht schon vor längerer Zeit um einen Heimplatz bemüht haben. Es hätte je klappen können. Ich habe das bei meiner Mutter auch immer gedacht. Sie hätte auch an einer ganz anderen Krankheit sterben können in ihrem hohen Alter. Und dann wäre der Plan aufgegangen. Wenn Sie früher nach einem Heim gesucht hätten, wäre Ihnen das wahrscheinlich wie ein Verrat vorgekommen. Ich habe oft Tagebuch geführt in der Zeit, damit ich mich später immer wieder richtig erinnere. Sie konnten nur mit dem Wissen von damals entscheiden. Alles hat irgendwie seine Zeit.
Wie das Heim seine Wartelisten und seinen Büroalltag organisiert, kann ich nicht sagen. Da wäre wohl noch etwas Luft nach oben. Rufen Sie einfach an, nerven Sie ruhig, das ist völlig legitim. Wahrscheinlich ist es irgendwie einfacher, wenn so verfahren wird. Ich würde die Gründe dafür gar nicht wissen wollen. Weiterhin alles Gute für Sie und Ihre Mutter!

02.09.2019 | 10:42
martinhamborg

Hallo Andydreas, auch von meiner Seite noch einige Gedanken:
Ein Doppelzimmer kann tatsächlich sehr positiv sein. Es wird eher wahrgenommen wie ein Krankenhausbett und nicht wie ein neues Zuhause. Oft habe ich schon echte Freundschaften aus dem Doppelzimmer miterlebt. Üblich ist auch, dass das nächste freie Einzelzimmer dann zur Verfügung steht. Wenn Sie die Dame im Doppelzimmer vorher kennenlernen, können Sie auch abschätzen ob es passt.
Wegen der Medikamente können Sie vielleicht in dem Forum Diagnose und Therapie nachfragen. Psychopharmaka sind kein Zauberwerk und können mit gut kalkulierbaren Nebenwirkungen für eine echte Entspannung führen. Je besser Sie sich informieren, um so eher fühlen sich Ärzte vielleicht nicht bedrängt.

Grundsätzlich schadet es wenig, wenn Sie offen nachfragen, wenn Sie denken, dass Sie "nerven" könnten. Sie haben ein wichtiges und berechtigtes Anliegen, aber anderen fällt es bei Ihrer Nachfrage vielleicht leichter zu sagen, wenn es zu viel wird. Ich jedenfalls bin gespannt wie es weitergeht und so wie ich unsere Dialoge und Zahl der Lerser*innen verstehe, bin ich da nicht allein! Viel Erfolg weiterhin Ihr Martin Hamborg

02.09.2019 | 11:38
Andydreas

Hallo Leidensgenossen und Betreuer,
ja ich bin auch gespannt. Heute warte ich genau 4 Wochen, aber noch gint es kein Zimmer . Ich würde inzwischen wohl auch über ein vorläufiges Doppelzimmer nachdenken. Es wird immer schwieriger. Wenn man sich erst mal entschlossen hat soll es auch losgehen. Meine Kontaktperson in der Einrichtung hat diese Woche noch Urlaub, kommt aber nächste Woche wieder, Dann hoffe ich auf Fortschritte. Ich habe ja bereits vor einiger Zeit bei ihr vorgefühlt, indem ich von einer Senioreneinrichtung sprach und versucht habe sie darauf vorzubereiten. Es gibt sogar kurze Momente, in denen ich eine gewisse Akteptanz spüre. Ich habe auch schon einen Koffer beiseite gestellt, den ich heimlich packen will. Kostet gerade enorm viel Kraft und Geduld und da steht man vor einem riesigen Berg, aber das wird schon irgendwie klappen. Vielen Dank an alle.

02.09.2019 | 15:02
Grunella

Ich kann ja mal erzählen, wie es bei uns war, meine Mutter hatte auch eine starke Hinlauftendenz. Nach 3 Jahren in der Wohnung und Herumlaviererei (ich wohnte 300 km von ihr entfernt) mit einem Besuchsdienst und ewigem Theater mit Nachbarn etc hatte ich ein schönes Einzelzimmer für meine Mutter in einer Einrichtung bei mir in der Nähe gefunden. Dort ist sie, obwohl sie es sehr schön fand (ihr Zimmer war ein Traum), gleich am ersten Tag vrschwunden. Und das ging anderthalb Jahre so. Morgens abgehauen, nachmittags oder abends von der Polizei zurückgebracht. Machen konnte man da nix, weil sie sich ja nicht selber gefährdete. Ich hatte das Aufenthaltsbestimmungsrecht, konnte sie also auch ohne ihre Zustimmung in das Heim bringen, allerdings war sie ohnehin nicht mehr orientiert, sie hat ja ihre Wohnung von 25 Jahren auch nicht mehr erkannt. Sie hatte aber ein Phantasiebild im Kopf, wo sie denn leben würde und dahin wollte sie: eine Postbankfiliale. Nach anderthalb Jahren Stress und "Oh Gott, das Telefon klingelt, was ist jetzt schon wieder" hat die Polizei sie auf den Bahngleisen aufgegriffen. Und dann hat das Betreuungsgericht erlaubt, sie in eine geschlossene Einrichtung zu bringen. Ich habe lange gebraucht, einen Platz zu bekommen und bin mit meinem Einzelzimmerwunsch auch von ein paar Wartelisten geflogen. Am Ende musste ich sie in ein Doppelzimmer geben, was mit der ersten Mitbewohnerin schwierig war, mit der zweiten lustigerweise plötzlich gesellig wurde. Ich habe mich sehr damit gequält, meine Mutter in dieser Einrichtung einzusperren, aber es gab eine Alternative. Jetzt ist sie 1,5 Jahre dort und ich muss sagen, es geht ihr erheblich besser als vorher. Sie kriegt ein Beruhigungsmittel, wodurch sie nicht mehr so wahnsinnig gehetzt wirkt, aber dennnoch mobil und ansprechbar bleibt. SIe ist viel gepflegter als vorher und scheint sich da ganz gut zu fühlen. Mit einem Einverständnis habe ich nicht lange gerungen. Sie ist ohnehin nicht orientiert und kann sich alles grad mal 30 Sekunden merken. Vorbereiten ging eh nicht. Ich weiss, dass das alles sehr beängstigend ist, und ich kann mich noch gut an mein Entsetzen erinnern, als gefühlt nix funktionierte. Aber am Ende fügt es sich doch alles und man ist nie der Erste in dieser Situation, anderen ist das auch schon passiert und man konnte es regeln. Ich wünsche viel Glück und auch weniger Zweifel.



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