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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Nu is es soweit
13.08.2019 | 08:46
Jutta60

Hallo Andydreas,
auch von mir alles Gute für Sie und Ihre Mutter. Sie haben ein rasches Fortschreiten der Erkrankung erlebt. Bei meiner Mutter war das auch so. Ihre Entscheidung ist richtig und Sie werden auch die weiteren Dinge gut regeln können. Lassen Sie sich Zeit mit dem Aufräumen der Wohnung Ihrer Mutter, überfordern Sie sich nicht. Das Wort "Entrümpeln" stört mich in diesem Zusammenhang immer. Es handelt sich ja um Dinge, die Ihrer Mutter etwas bedeutet haben, sicher hat sie nicht im Gerümpel gelebt. Aber ich weiß, was Sie meinen. Man kann nicht alles aufheben. Das Bild mit der Neuausrichtung Ihres Lebens finde ich sehr schön und ich wünsche Ihnen, dass Sie einen neuen Horizont sehen können. Natürlich begleiten Sie Ihre Mutter weiterhin.
Das Auflösen eines Haushalts ist gar nicht so schlimm, wie man denkt. Sie werden viele Erinnerungen behalten. Das Leben Ihrer Mutter brauchen Sie aus meiner Sicht nicht aufzuarbeiten. Das war ja ihr Leben. Sie haben sich so sehr gekümmert - und tun das noch - dass Sie sich auch erlauben dürfen, an Ihr eigenes Leben zu denken und an Ihre Wünsche. Fühlen Sie sich gedrückt, nochmal alles Gute für Sie und Ihre Mutter!

13.08.2019 | 14:54
sonnenblümchen

Liebe Jutta,
welche schönen Worte Sie gefunden haben !
Lieber Andydreas, ans Ausmisten würde ich noch nicht denken. Wenn Ihre Mama im Heim ist können Sie es einfacher berwerkstellen.

18.08.2019 | 17:02
Andydreas

Ich bin so kurz vor dem Ziel und werde doch scheitern. Meine Mutter steht seit 2 Wochen auf der Warteliste bei einer Benachbarten Seniorenresidenz. Man signalisierte mir, dass sie aufgrund ihres Kranheitsbildes bestimmt keine 3 Monate warten müsse. Ich habe sie behudsam auf eine möglich, anstehende Veränderung vorzubereiten versucht. Vermutlich habe ich dadurch ihren Fluchtinstinkt verstärkt. Ich habe die Einrichtung narürlich in den höchten Tönen gelobt und gleichzeitig das jetzige zu Hause madig gemacht. Sie fühlt sich hier aufgrund ihrer häufigen Umzüge und der fehlenden sozialen Kontakten ohnehin nicht wohl. Die Konfliktsituationen eskalieren inzwischen täglich. Sie ist gerade wieder auf den Weg zu ihren Eltern, die seit mindesten 40 Jahren verstorben sind um dort nach Rat zu fragen Wenn ich sie auf den Unsinn ihres Tuns aufmerksam mache wird sie sofort aggressiv.
Meine Frage: Sollte ich die 112 anrufen und sie damit vor sich selbst zu schützen ? Was passiert in einem solchen Fall weiter ? Was und ggf. wo ist denn die genannte geronphsychologische Klinik und was passiert da ?
Kann die von mir ausgesuchte Seniorenresidenzüberhaupt mir dem Verhalten meiner Mutter umgehen ? Es gibt wohl eine Demenzgruppe dort, abr ich befürchte ,dass meine Mutter ein Speialfall ist.
Wäre die Unterbringung in der gewählte Einrichtung zur Kurzzeitpflege im vorliegen Fall möglich und sinnvoll ?

Danke

20.08.2019 | 09:14
Jutta60

Hallo Andydreas,
das tut mir sehr leid für Sie und für Ihre Mutter. Aus meiner Sicht wäre es ganz wichtig, dass Sie mit dem Pflegeheim, das Sie ausgesucht haben, Kontakt aufnehmen und offen sprechen. Bei meiner Mutter war dafür immer die Pflegedienstleitung und dann auch die Leitung der Wohngruppe zuständig. Da sollten Sie offen reden und hören, wie die Einrichtung auf solche Fälle vorbereitet ist. Das Weg- oder Hinlaufen ist ja nun nichts Ungewöhnliches. Ihre Mutter ist da bestimmt kein Spezialfall. Die Mitarbeiter müssten mit so einem Verhalten umgehen können.
Wenn Ihre Mutter Unsinniges tut, dann können Sie in dieser Lage nicht mit ihr reden. Ihr fehlt ja völlig die Einsicht in ihr Tun. Dann wird sie aggressiv, wie Sie schreiben. Das ist eigentlich auch verständlich. Wer möchte schon gern hören, dass er gerade völligen Unsinn macht. Anscheinend wissen Sie ja noch, wo Ihre Mutter sich gerade befindet. In einer Zeit, in der ihre Eltern/Ihre Großeltern noch am Leben waren. Vielleicht wissen Sie noch etwas aus dem Leben Ihrer Mutter damals und können so auf sie einwirken? Meiner Mutter hat es z.B. geholfen, wenn sie zu meinem Vater wollte (der schon tot war), dass ich ihr gesagt habe, der Papa ist gerade noch beim Singen (er war früher immer in einem Chor) und kommt bald. Lass' ihn doch noch ein wenig mit den anderen reden - oder so. Das ging oft. Dann haben wir über meinen Vater geredet und eher über ihre Gefühle für ihn. Für mich war es aber einfacher, weil meine Mutter da schon nicht mehr allein gehen konnte.
In einer Gerontologie (die nächste können Sie beim Hausarzt oder so erfragen) sind die Plätze sehr rar. Meine Mutter kam erst dorthin, als sie versucht hatte, sich das Leben zu nehmen. Also bei unmittelbarer Gefahr und dann in die geschlossene Abteilung. Dort bekam sie dann Medikamente, das wurde hier im Forum schon verschiedentlich besprochen, auch kontrovers. Für eine Einweisung wird einfaches Weglaufen nicht reichen. Es muss schon eine erhebliche Eigen- oder Fremdgefährdung vorliegen. Das Gesetz hat ja richtigerweise sehr hohe Hürden dafür aufgebaut. Wenn Sie Ihre Mutter nicht wiederfinden, müssen Sie natürlich die Polizei informieren, kann man sie schon als "hilflose Person" bezeichnen?
Aufgrund der Demenz können Sie Ihre Mutter auch nicht "vorbereiten". Wahrscheinlich verwirrt sie das mehr als dass es hilft. Denn sie wird sich das ja nicht merken können oder einordnen können und es macht ihr dann Unbehagen oder Angst. Ich habe mit meiner Mutter gar nicht über den Umzug in ein Heim gesprochen. Ich habe sie mitgenommen und gesagt, dass ihr die Krankenkasse mal eine Kur genehmigt, wo sie sich erholen kann. Packen musste ich heimlich bzw. das hat mein Sohn gemacht.
Alles erdenklich Gute, hoffentlich bekommen Sie die Lage in den Griff!

20.08.2019 | 10:26
Andydreas

Hallo Jutta,
vielen Dank für die Antwort. Gestern hatte sich die Lage etwas entspannt. Wir haben gemeinsam etwas unternommen und nach anfänglicher Ablehnung wurde sie zugänglicher.
Der Absturz vom Sonntag hat wohl noch nachgewirkt.
Hinsichtlich der Hinlauftendenz habe ich leider bisher andere Erfahrungen gemacht. Meine Mutter wurde ja bereits von 4 Einrichtungen abgelehnt, weil man sich der Situation nicht gewachsen fühlte. Auch bei dem Pflegeheim, das ich nun im Nachbarort gefunden habe reagiert man auf meinen gestrigen Anruf skeptisch. Ich hatte dort gestern angerufen und mitgeteilt, dass nunmehr Pflegegrad 4 vorliegt, in der Hoffnung damit eine Beschleunigung zu bewirken. Aber der Pflegegrad spielt keine Rolle, was ich irritierend fand, da sich ja der Pflegeaufwand erhöhen müsste. Ich soll jetzt alle 3 Tage anrufen. Leider ist wohl auch kein Platz in der Kurzzeitpflege.
Ich konnte gestern sogar mit meiner Mutter darüber reden, aber das ist ja bekanntlich heute wieder alles weg. Ich habe mir nun vorgenommen, den eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen. Am Donnerstag habe ich Termin beim Hausarzt und hoffe, dass er mir ggf. durch geeignete Medikamente weiterhelfen kann und will. Die Einrichtung bietet einen Gutschein für Angehörige an, damit diese die Pflegeperson in den ersten 3 Tagen begleiten können. Finde ich eine gute Sache und werde ich machen.
Die Gerotopsychatrie ist beim hiesigen Krankenhaus vorhanden. Aber das sollte ohnehin der letzte Schritt sein.
Ich muss mich einfach der Konfrontation stellen und versuchen mehr Ruhe zu bewahren.

20.08.2019 | 17:57
martinhamborg

Hallo Andydreas, Ihr letzter Satz ist ganz wichtig, die Ruhe zu bewahren; und dann im Notfall entschlossen die Polizei einzubeziehen, wenn Ihre Mutter tatsächlich weg ist. Wenn Sie die Situation schildern, kann so die Einweisung in die Gerontopsychiatrie schneller gehen.

Haben Sie schon die guten Vorschläge von Jutta60 ausprobieren können? Sie können sehr helfen, Aggressionen und Flucht- oder Hinlauftendenzen zu vermeiden.
In jedem Fall ist die ärztliche Untersuchung und Behandlung zu empfehlen. Vermutlich kennt der Arzt auch das Heim und ist dort tätig.
Aber vielleicht geht Ihre Mutter auch ohne Zwang in die Klinik, manchmal gibt es den richtigen Moment und wenn Sie dann die Einweisung vom Arzt haben, begleiten Sie einfach Ihre Mutter und leisten ihr ggf. noch etwas Gesellschaft... Da die Plätze oft rar sind, ist es natürlich sinnvoll vorher nachzufragen. Manche Kliniken nehmen übrigens auch Kontakt mit dem Hausarzt auf und unterstützen bei der Medikation...
Viel Erfolg, Geduld und Ruhe, Ihr Martin Hamborg


21.08.2019 | 08:36
Andydreas

Vielen Dank für die guten Ratschläge und die Anteilnahme. Ich habe meine Mutter inzwischen mit einem GPS-Tracker versehen, der an ihrem Schlüsselbund hängt und mir ermöglicht sie wiederzufinden wenn sie wegläuft. Voraussetzung ist, dass sie die Schlüssel mit sich führt, was sie aber eigentlich immer tut. Außerdem habe ich über die Telekom Überwachungskameras für die Wohnung installiert. Nennt sich Smart Home Service. Ich darf gerade beobachten, dass sie aufgestanden ist und alle 5 Minuten zur Wohnungstür läuft um abzuhauen. Bisher hat sie den Schlüssel noch nicht gefunden, aber das ist wohl nur eine Frage der Zeit. Dann darf ich sie wieder zurückholen. Mein Arbeitgeber wird begeistert sein. Morgen habe ich Termin beim Hausarzt und werde ihn bitten mich für ein paar Tage krankzuschreiben. Vielleicht bis sich das Heim meldet. Außerdem werde ich ihn um entsprechende Medikamente bitten. Mehr kann ich nicht mehr tun. Hoffentlich geschieht da bald was. Vielen Dank.



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