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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Nu is es soweit
02.09.2019 | 17:37
Andydreas

Hallo Grunella,
ja, klingt meinem Fall sehr ähnlich. Man hat mir in der Einrichtung erklärt, dass dort ein Weglaufen schwierig sei, da einig Bewohner mit einem Chip ausgestattet sind und den Fahrstuhl nicht betätigen können. Eigentlich hoffe ich aber, dass die neue Umgebung und die Mitbewohner und Pfleger Ablenkung bringen, denn die derzeitige Situation ist wohl auch der Langweile geschuldet, die meine Mutter empfindet. Ich gehe davon aus, dass da zu Beginn tausend Entscheidungenzu treffen und Dingen zu regeln sein werden, aber irgendwann kann ich dann auch mein Leben wieder neu ordnen. Wenn bloß endlich ein Zimmer frei werde. Eine echte Geduldsprobe für mich. Sie mag kaum noch aufstehen und liegt viel im Bett. Das soll endlich losgehen.

Danke

03.09.2019 | 08:18
Jutta60

Hallo Andydreas,
bei meiner Mutter war das mit der Ablenkung so. Sie hatte immer Leute um sich und fühlte sich wie in einem Kurhotel. Vor allem, dass sie Essen auswählen durfte und man es ihr servierte, hat sie gefreut. Sie war aber auch immer sehr gesellig gewesen und hatte viele Freunde und fand leicht Kontakt. Als sie ins Heim einzog, hat sie ihre Defizite auch schon nicht mehr wahrgenommen, die sie vorher gehindert hatten, noch auf andere zuzugehen.
Ich drücke Ihnen ganz fest die Daumen, dass Ihre Mutter bald einen Platz bekommt. Liebe Grüße!

11.09.2019 | 20:51
Andydreas

Nachdem ich mal wieder einen sehr schwierigen Abend mit meiner Mutter verbringen durfte sind bei mir doch ein paar Fragen aufgetaucht. Ich warte ja nun etwas über 6 Wochen auf ein Zimmer. Da tut sich nix. Kann es sein, dass eine Einrichtung meine Mutter absichtlich hinhalten will, damit ich in der Zwischenzeit auf die Idee komme was anderes zu suchen ? Ich hatte dort angedeutet, dass sie aus meiner Sicht kein leichter Fall sei, da ich mit offenen Karten spielen wollte.
Heute war sie wieder zeitweise sehr aggressiv mir gegenüber. Lag aber auch ein Stück weit an mir, da es mir nicht immer gelang die Ruh zu wahren. Plötzlich war aber auch wieder Einigkeit und ich konnte sie überreden zu Bett zu gehen. Meine Fragen dazu: Was passiert eigentlich, wenn die Aggression zunimmt und das Heim sie nicht mehr behalten will. Übergebe ich die Verantwortung an das Heim, wenn sie dort angenommen wird. Oder kurz gefragt:Können die sie einfach rausschmeissen, wenn sie nicht klar kommen ?
Es wird insbesondere im hygienischen Bereich große Probleme geben. Sie hat ja die Körperhygiene seit geraumer Zeit komplett eingestellt. Ich kann nur hoffen,dass die dort Wege finden, das zu ändern. Mir ist eigentlich klar, dass da Medikamente eine Rolle spielen müssen. Ich werde ja auch einen neuen Hausarzt für sie finden müssen. Gbit es denn Mittel, die in diesen Fällen schnell wirken ? Ihr und mein bisheriger Hausarzt hat ihr ein Antidepressivu aufgeschrieben, dass nach Mitteilung einer Leidgenossin erst nach Wochen Wirkung zeigen soll. Habe ich ihr noch nicht gegeben, da es so ja keinen Sinn macht. Ich bin leider etwas verunsichert und werde auch langsam genervt. Danke für Mitleiden.

12.09.2019 | 08:57
Jutta60

Hallo Andydreas,
lassen Sie mal den Mut nicht sinken. Meine Mutter hat von fremden Menschen in einer neuen Umgebung viele Dinge besser akzeptiert als zu der Zeit, in der sie sich noch in ihrer Wohnung befunden hat. Irgendwie hatte das für sie den Charakter einer Hilfestellung, die außerhalb ihrer direkten Einflußsphäre stand. Sie konnte da tatsächlich loslassen. Vielleicht lässt sich Ihre Mutter von einer Frau eher helfen als von Ihnen als Sohn. Da würde ich erstmal drauf hoffen.
Bei den Ärzten weiß ich nicht so richtig. Eigentlich wäre ein Neurologe doch notwendig, wenn Ihre Mutter Medikamente wie Antidrepressiva oder so braucht. Auch bei einem (neuen) Hausarzt müssen Sie darauf achten, dass der ohne Murren zu Hausbesuchen bereit ist. Das ist nicht mehr selbstverständlich. Vielleicht fragen Sie im Heim mal nach, wenn Ihre Mutter umgezogen ist. Die wissen ja, welche Ärzte ins Haus kommen. Neurologen sind leider sehr schwer zu bekommen, aber auch da müsste das Heim Adressen kennen, an die Sie sich wenden können. Ob ich den Mut gehabt hätte, meiner Mutter eigenverantwortlich Medikamente zu geben, weiß ich nicht. Sie wurde in einer psychiatrischen Klinik eingestellt.
Das Heim müsste mit Aggressionen umgehen können, das ist bei dementen Menschen ja nicht ungewöhnlich.
Sie machen sich über viele Dinge Sorgen, die gar nicht eintreten müssen. Ich weiß, wie das ist, wenn man eine lange Zeit der Pflege hinter sich hat. Man verliert so sehr das Vertrauen, noch an eine gute Zukunft zu glauben. Das wird dann später auch lange brauchen, bis Sie sich wieder etwas gefangen haben. Bei mir war es jedenfalls so. Aber Sie werden das schaffen, liebe Grüße!


26.09.2019 | 17:31
Andydreas

Hallo Freunde,
es sieht so aus, dass es demnächst mit der Aufnahme meiner Mutter in die von mir ausgesuchte Einrichtung klappen könnte.
Leider weiß ich immer noch nicht wie ich es ihr beibringen so. Meine bisherigen(sinnlosen) Versuche vorab auszutesten wie die Veränderung aufgenommen werden könnte war zwiespältig. Einerseits weiß sie wohl, dass es so nicht weitergehen kann, aber es gibt verständlicherweise auch sehr viel Ablehnung und Angst. Ich befürchte eine Eskalation, wenn es denn soweit ist. Ich habe schon einen Koffer beiseite gestellt, den ich langsam füllen will. Gibt es ev, hilfreiche Tipps ?
Ich dachte an die Ankündigung eines Urlaubs in einem Kurhotel oder ähnlich.
Ich habe versucht zu vermitteln, dass es auch die Möglichkeit gibt, dass es ein zurück gibt, wenn es nicht klappen sollte.
Ich habe auch schon einen neuen Hausarzt für sie gefunden, mit dem die Einrichtung zusammen arbeitet und der auch dort Hausbesuche macht. Ich gehe davon aus, dass bei der starken Demenz meiner Mutter Medikamente nötig sein werden. Wie gesagt, am meisten beschäftigt mich zur Zeit jedoch der Einstieg.
Vielen Dank.

27.09.2019 | 07:30
Jutta60

Hallo Andydreas,
das klingt gut, ich freue mich sehr für Sie und Ihre Mutter (auch sie das vielleicht nicht als Glück sehen wird). Ich weiß nicht, ob man einen Dementen so vorbereiten kann, wie es bei einem gesunden Menschen geht. Mit Argumenten, Rat, Hilfsangebot, Versprechungen. Meine Mutter hat alles schnell wieder vergessen und wir haben die endlosen Diskussionen immer wieder von Vorne starten müssen, eigentlich sinnlos und zermürbend. Ich habe meine Mutter einfach überrumpelt. Der Koffer stand schon lange gepackt da, sie musste ja auch immer wieder ins Krankenhaus gebarcht werden. Da war keine weitere Erklärung notwendig. Nach einer schrecklichen Nacht, als wir völlig erledigt nebeneinader saßen, habe ich ihr gesagt, dass wir Hilfe brauchen und es so nicht weitergeht. Und kurze Zeit später fuhren wir los. Meine Mutter hat sich nicht gewehrt, in dem Moment hat sie mir vertraut. Natürlich war ich die ganze Zeit bei ihr. Und habe ihr das auch immer wieder gesagt, dass ich sie nicht allein lassen werde. Für mich war es schlimmer, denke ich, weil ich die Zukunft realisiert habe. Sie würde nie mehr in ihr Haus zurückkommen und in der Fremde sterben. Meine Mutter lebte im Augenblick, sie konnte das nicht erkennen, also war es für sie nicht schwer. Glaube ich jedenfalls. Ich habe an diese Fahrt lange gedacht, wie ich aus dem Rückfenster schaute und das Haus immer kleiner wurde, wir wir schließlich ihr Dorf, ihre Stadt verliesen, um später nochmal 300 km weit weg zu fahren. Manchmal sehe ich es noch in meinen Träumen. Als sie gestorben war, habe ich den Bestatter angehalten, nicht direkt zum Friedhof zu fahren, sondern den Umweg zu ihrem Haus zu nehmen.
Sie werden Ihre Mutter wahrscheinlich auch nur sehr bedingt auf das Kommende vorbereiten können. Aber ich wünsche Ihnen sehr, dass es auch so gut klappt wie bei mir. Meine Mutter dachte, sie wäre im Urlaub. Leider schritt die Demenz dann so schnell voran, dass sie es nicht lange genießen konnte, mal nichts tun zu müssen. Alles Gute weiterhin und liebe Grüße!

27.09.2019 | 10:23
martinhamborg

Hallo Andydreas, den vielen wertvollen Gedanken möchte ich nur hinzufügen: Ihre Mutter darf traurig sein, sie darf sich über den neuen Lebensabschnitt ärgern, vielleicht weil sie Angst davor hat. Sie können mit gutem Gewissen trösten und die Emotionen aushalten. Die Botschaft ist: "Du hast es mir versprochen, Du schaffst das, ich weiß Du bist stark und ich bin an Deiner Seite."
Ist es möglich, Ihre Traurigkeit zu zeigen, wenn Ihre Mutter ablehnend ist? Üblicherweise bleibt die Empathiefähigkeit bei einer Demenz noch lange erhalten.
Natürlich gibt es auch den Weg der Notlüge, wie "wir brauchen jetzt beide Urlaub, ich habe für Dich einen schönen Ort ausgesucht, bitte enttäusche mich nicht".
Ich wünsche Ihnen ein gutes Gelingen, Ihr Martin Hamborg

28.09.2019 | 21:16
Andydreas

Genau das ist mein neuer Plan. Ich habe in meinem Freundeskreis eine sehr kreative Dame, mir der ich einen Gutschein für einen Kur-Urlaub in der besagten Seniorenresidenz basteln will. Meine Mutter hat am kommenden Dienstag ihren 88. Geburtstag und da gibt neben einem Fleurop-Blumnstrauss eben diesen besagten Gutschein. Leider noch ohne Beginndatum, da ich da noch auf Nachricht warte, aber das kann ich ja auch so verkaufen. Ich werde in den nächsten Tagen werde ich dann schon mal Koffer packen und wenn es denn soweit ist geht es los. An Jutta: Das Problem mit dem Verlassen der Wohnung wird es wohl bei mir nicht geben,da sie unsere Wohnung ohnehin nicht als zu Hause anerkennt. Sie ist viel zu oft in ihrem Leben umgezogen.
Ich bedanke mich schon mal bei allen, die mir bisher in diesem Forum zur Seite standen und stehen und werde von den weiteren Fortschritten berichten.

02.10.2019 | 13:16
Andydreas

Jetzt wirds ärgerlich. Ich habe heute bei der Pflegeeinrichtung angerufen und nachgefragt, ob es am kommenden Montag mit der Unterbringung meiner Mutter klappen wird. Leider ist der Platz in der Demenzabteilung des Hauses überraschend nicht frei geworden. Die Rücksprache beim Heimleiter ergab, dass es sich nach seiner Einschätzung noch um Monate handeln könne.
Jetzt stehe ich wieder am Anfang. Ich habe bereits mit einem Freund über meine Möglichkeiten beraten. So weiter machen wie bisher, aber die Wohnungstür beim Weg zur Arbeit abschliessen. Außerdem muss ich meine Teilzeit verlängern.
Das heißt abzuwarten bis sie nach einer Erkrankung oder Unfall in ein Krankenhaus muss. Scheinbar der einzige Weg um einen Platz zu bekommen. Auch die Möglichkeit einer polnischen Hilfskraft kommt wohl nicht in Frage, da wir in einer Wohnung leben und ich mir ein Zusammenleben beim besten Willwn nicht vorstellen kann. Ich müsste uns ein Haus mieten und selbst dann hätte ich meine Zweifel, ob meine Mutter mitspielen würde.
Es ist schon paradox, dass die Art und Schwere der Erkrankung offensichtlich abschreckend auf die Einrichtung wirkt und sie und auch im Stich gelassen werden.
Extrem frustierend.

02.10.2019 | 17:13
Andydreas

Hallo Sonnenblümchen,
ja das hat mich echt umgehauen. Es wäre schön gewesen, wenn man in der Einrichtung etwas ehrlicher gewesen wäre. Die Dame im Büro sagte mir vor 8 Wochen, das es bestimmt kein Vierteljahr dauern würde. Heute erzählt sie mir dann, dass etliche Anträge auf dem Tisch des Leiters liegen würden. Er kannte meinen Fall offensichtlich garnicht und deutete an, dass es mehrere Monate dauern könnte. Ich habe wie gesagt den Eindruck, dass es sich um den Gesundheitszustand meiner handelt, der abschreckt.
Das einzig Gute ist, dass ich nun auch kein schlechtes Gewissen mehr haben muss. Ich habe mir schon einige Maßnahmen überlegt, die ich zeitnah angehen werde. Ihr bisheriger Hausarzt hat ihr ja Antidepressiva verordnet, die ich ihr ab morgen geben werde. Ich werde den Hausarzt wechseln (endlich), der bisher ziemlich passiv war. Ab kommenden Montag muss ich wieder arbeiten. Ich muss leider die Haustür abschließen und ihren Haustürschlüssel verstecken Ich habe ja meine Überwachungskameras. Dann werde ich einfach weitermachen wie bisher. Entweder sie fällt irgendwann tot um oder sie muss aus irgendeinem Grund ins Krankenhaus. Von dort wird es dann offensichtlich einfacher für alle. Irgenwas stimmt hier nicht im Gesundheitswesen. Bin mal gespannt wie die Einrichtung nach den neuen Richtlinien abschneidet.



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