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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Nu is es soweit
02.10.2019 | 22:22
Teuteburger

Ich lese hier auch still mit.
Mir tut das sehr leid, dass Sie jetzt doch noch länger warten müssen.
Ich wünschte mir auch, wir hätten ein Gesundheitssystem wie in Schweden ect.

Liebe Grüße

07.10.2019 | 09:51
martinhamborg

Hallo Andydreas, dass schockiert mich auch, doch bevor Sie verzweifeln oder ungehalten werden, möchte ich noch ein paar Anmerkungen machen:
Bitte vereinbaren Sie einen Termin mit der Heimleitung, damit Sie eine realistische Einschätzung bekommen. Wenn Sie können, verzichten Sie auf Vorwürfe und Vorhaltungen. Ihre Ent-täuschung, Ihre Hoffnung, Ihre Not, Ihre Checklisten und Ihre guten Vorbereitungen sind eher geeignet den Umzug vorzubereiten. Bitte denken Sie daran, ein Platz wird nur dann frei, wenn ein Bewohner verstirbt. Dies lässt sich nicht planen und ich habe oft erlebt, dass sich eine Sterbephase sehr lange hinziehen kann. Zum anderen gibt es in den Wartelisten auch Menschen, die in ähnlicher Situation sind. Die Wahl ist für eine Einrichtung also keine leichtfertige Entscheidung. Bitte nehmen Sie es erstmal nicht persönlich!
Bitte denken Sie auch daran, dass ein Antidepressiva einige Wochen braucht, bis es wirkt. Als Plan B bleibt Ihnen immer auch die Behandlung in einer Klinik und die Unterstützung durch den dortigen Sozialdienst, die sehr eng mit allen Häusern zusammenarbeitet.
Ich wünsch Ihnen sehr, dass Sie durchhalten! Ihr Martin Hamborg

07.10.2019 | 14:34
Andydreas

Ich konnte mich bei dem Telefonat mit dem Heimleiter zum Glück zusammenreißen und bin freundlich geblieben. Ich denke immer noch, dass die Einrichtung die richtige Wahl ist, zumal ich ja von einigen anderen Einrichtungen Absagen kassiert habe, weil sie immer weg will. Ich habe leider auch bereits Vorkehrungen getroffen. So habe ich sie schon bei einem dortugen Hausarzt angemeldet, der mit der Einrichtung zusammnen arbeitet. Außerdem habe ich auch schon den entsprechenden Diabtologen rausgesucht.
Ich bin natürlich erst Mal in ein tiefes Loch gefallen. Aber ich habe mich wieder einigermaßen gefangen. Erst dachte ich, dass ich das doch mit ihr vielleicht schaffen kann, aber inzwischen läuft sie im Minutentakt weg um ihr Oma zu besuchen und findet nicht mehr nach Hause. Da ich ab Morgen auch wieder arbeiten muss (halbtags) werde ich sie einschliessen müssen und nachmittags betreuen. Es bleibt unterm Strich jedoch dabei, dass die Aufnahme in der Einrichtung für sie das Beste ist. Und wenn es eben Monate dauern soll, dann ist das eben so. Da bleibe ich dran.
Die Antidrepessiva gebe ich ihr noch nicht, da ich Angst vor den Nebenwirkungen habe.
Das wird noch ein langer Kampf.
Danke für die Ratschläge.

08.10.2019 | 08:22
Jutta60

Hallo Andydreas,
ich hatte auch erwartet, dass Ihre Mutter bald umziehen kann. Konnten Sie denn wenigstens im Gespräch herausfinden, wie die Plätze vergeben werden? Streng nach Liste oder versucht man, einigermaßen passende Wohngruppen zusammenzustellen? Wie auch immer das gehen kann. Bei meiner Mutter ging es wohl nach einer Warteliste. Es ist für mich schwer gewesen, denn zuerst mussten eben Bewohner sterben. Und dann wurde eben ein Platz in einem Demenzbereich gesucht, wo man versuchte, nicht nur Fälle im Endstadium zu haben. Man konnte mir aber das ziemlich genau sagen und ich habe ca. 8 Wochen gewartet. Dabei arbeiten zu müssen ist extrem schwer, ich konnte mich teilweise kaum konzentrieren, dachte immer, was macht meine Mutter jetzt gerade? Schickt sie die Hilfe wieder weg? Stürzt sie mit dem Wäschekorb? Hoffentlich haben Sie Kollegen, die Sie unterstützen und Verständnis haben für diese Situation. Ich drücke Ihnen und Ihrer Mutter weiterhin die Daumen!

09.10.2019 | 09:51
Andydreas

Hallo Jutta,
ich habe inzwischen herausgefunden, dass der Heimleiter alleine aussucht, wen er aufnimmt und wen nicht. Ist natürlich sehr fragwürdig, da der Korruption Tür und Tor geöffnet wird. Eine Liste soll es nicht geben. Ich habe angefangen nach einer anderen Einrichtung zu suchen und habe am kommenden Dienstag einen Termin in einer anderen Einrichtung mit einer Demenzgruppe. Beim Telefonat habe ich schon rausgehört, dass die Einrichtung wohl in Frage kommt. Natürlich ist zur Zeit kein Platz frei, aber das war ja auch nicht zu erwarten.
Arbeiten kann man das was ich hier tue eigentlich nicht mehr nennen. Ich arbeite nur noch vormittags und für mich ist es hier Erholung. Ich nutze die Zeit auch um meine Angelegenheiten zu regeln. Bisher erlebe ich eine gewisse Toleranz seitens der Kollegen, aber es mehren sich auch schon kritische Stimmen. Ich kriege regelmäßig das berühmte " schönen Feierabend" zu hören wenn ich gehe. Ist zwar nicht immer bös gemeint nervt aber trotzdem.
Es geht also alles wieder von vorne los, aber ich gebe nicht auf.
Danke fürs Lesen.

10.10.2019 | 12:15
Teuteburger

Nicht aufgeben ist immer gut.

Aber wenn ich das lese, was man alles durchstehen muss für einen so langen Zeitraum, weil man sich anfangs selbst überschätzt oder weil die betreffende Person nichts anders zulassen will und man irgendwann kein Leben, sondern nur noch ein Überleben führt, dann ist das schon ein Brocken.

Ich halte z.B. viel von Demenzdörfern, aber das kostet entsprechend auch Geld, so dass ich denke, dass das in Deutschland eher kein Standard werden wird.
Ich halte diese Dörfer deshalb für gut, weil Demenzkranke das Eingesperrt sein und die Handlungsunfähigkeit nicht vertragen können. In einem Demenzdorf kann man selbstständig raus, man ist auch im Alltag handlungsfähig, wegen der entsprechenden äußeren Angebote, wie Friseur, Lebensmittelgeschäft ect. Und vor allem, sollten schwerst Demenzkranke nicht mit mitteslschweren ect. zusammengebracht werden, denn das kann meine Schwiegermutter z.B. überhaupt nicht ertragen und das geht vielen anderen auch so. Man selbst kann auch nicht täglich mit einer demenzkranken Person Tag und Nacht zusammen sein, ohne selbst irgendwann den Verstand zu verlieren. Oder besser gesagt, die meisten können das nicht.

Ihnen wünsche ich weiterhin Kraft und Erholung auf der Arbeit und das die Kollegen auch noch durchhalten.

10.10.2019 | 12:41
hanne63

Hallo Andydreas,
ich mußte direkt schmunzeln, als ich von Ihnen gelesen habe, dass Sie "schönen Feierabend"...nicht so gut mehr hören können....
mir hat öfters die Polizei nach Einsätzen bei meinen Eltern am Telefon davon berichtet...und dann "schönen Tag noch" gewünscht......da wußte ich oft nicht....ob das wirklich gedankenlos dahingesagt war....ich versuche solche Sätze jetzt einfach zum anderen Ohr wieder rausgehen zu lassen und keine Gedanken mehr daran zu verschwenden.....

13.10.2019 | 11:19
martinhamborg

Hallo Andydreas, es freut mich, dass Sie im Gespräch mit der Heimleitung diplomatisch geblieben sind und auch schon eine Alternative gefunden haben. Wegen der Antidepressive sprechen Sie bitte mit dem Arzt, denn die starke innere Unruhe kann Folge einer Depression sein, die Nebenwirkungen sind viel selterner und bei neuen Antidepressiver viel weniger ausgeprägt, als man gemeinhin denkt.

Auch das "Einschließen" kann erheblichen Nebenwirkungen haben und Angst und Panik auslösen. Deshalb sehen wir es fachlich sehr kritisch. In Einrichtungen es absolut verboten. Aber auch der Gesetzgeber weiß, dass es in der Häuslichkeit manchmal wirklich keinen anderen Ausweg gibt.
Besprechen Sie auch dies mit dem Arzt und bitten Sie Nachbarn darum, genau hinzuhören und Sie ggf. zu informieren, wenn Ihre Mutter bei der geschlosssenen Tür in Panik gerät.
Auf jeden Fall wünsche ich Ihnen so wie alle anderen hier im Forum, dass alles so schnell wie möglich ein gutes Ende findet, Ihr Martin Hamborg

13.10.2019 | 12:31
Andydreas

Hallo Herr Hamborg,
genau das ist eines meiner Probleme. Mein Hausarzt.
Als bei meiner Mutter aus meiner Sicht eine Demenz einstellte und ich bei ihm vorstellig wurde um entsprechende Intersuchungen zu starten lehnte er das mit den Worten ab: Warum etwas untersuchen , was wir längst wissen und wogegen wir sowieso nichts machen können. Ich habe ihnspäter desöfteren aufgefordert, aber er blieb dabei. Als es immer schlimmer wurde habe ich eigenständig eine Neuroöogin aufgesucht. Leider eine Ärztin ohne Empathie. War wohl auch überlaufen. Kurzes Gespräch in Anwesenheit meiner Mutter, obwohl ich um ein Vorgespräch unter 4 Augen gebeten hatte. Sie verschrieb Psychopharmakatabletten und überwies meine Mutter in die Röhre. Meine Mitter warverständlicherweise sehr aufgebracht und würde diese Praxis nie wieder betreten. Als ich anschließend beim Hausarzt vorsprach sagte dieser, dass die verordneten Tabletten viek zu viele Nebenwirkungen hätten und behielt sie gleich da. Auch die Rohre lehnte er ab, da ein Gehirntumor ja wohl auszuschliessen sei.
Als, wie bereits beschrieben, eine Heimaufenthalt anstand sprach ich erneut bei ihm vor und bat ihn mich für ein paar Tage krank zu schreiben. Das lehnte er ab, da das ja Betrug sei.
Leider erst jetzt entschloss ich mich den Arzt zu wechseln. Da meine Mutter ja ursprünglich in eine Einrichtung in einem Nachbarort einziehen sollte, habe ich sie bei einem dortigen Hausarzt vormerken lassen. Das hat sich ja bekanntlich inzwischen erledigt, bzw. dauert noch Monate, nach Aussage des Heimleiters. Nun suche ich nach Alternativen. Das Problem ist eigentlich, dass wir im Moment ohne Hausarzt dastehen. Ich durfte auch vor kurzem der Zeitung entehmen, dass mein bisheriger Hausarzt sich demnächst vor Gericht wegen eines Medikamentendeliktes verantworten muss und ev. seine Zulassung verliert.
Ich fürchte, dass das Thema Demenz in der Allgemeinmedizin noch nicht richtig angekommen ist.
Ich habe in diesem Forum gelesen, das es eine Gedächtnissprechstunde oder so ähnlich geben soll um die Demenz näher zu bestimmen. Vielleicht können Sie mir mehr dazu sagen ?

17.10.2019 | 08:34
Andydreas

Nu is es wirklich soweit. Das Thema Heimunterbringung hat sich zumindest vorerst erledigt.
Ich hatte in den vergangenen Tage 2 Besichtigungstermine in Einrichtungen mit einer Demenzabteilung, die sich auch mit dem Hinlaufverhalten meiner Mutter zuständig fühlten. Die erste Einrichtung hat mich sehr geschockt. Hier wurden 14 offensichtlich sehr stark demente Personen mitt 3-4 Betreuern in einen Raum gesperrt und vegetierten dort herum. Ich war nicht der Ansicht, dass meine Mutter da hin passen würde.
Die 2. Einrichtung war dagegen ausgezeichnet. Ländlich idyllisch gelegen. Auch hier gab es einen entsprechenden Bereich für 11 Patienten, aber das Ganze wirkte sehr viel ansprechender. Die Menschen machten trotz ihrer Krankheit einen relativ zufriedenen Eindruck. Das wäre das richtige gewesen, glaube ich jedenfalls. Aber dann. Ich musste meine Mutter mitnehmen, da ich sie nicht zu Hause lassen konnte, da sie mal wieder los wollte. Ich bat sie im Auto zu warten und erzählte ihr, dass ich mit einer Dame ein berufliches Gespräch führen müsse. Es würde etwa 30 Minuten dauern. Nach 20 Minuten kam eine Pflegerin zu uns und sagte, dass da eine hilflose Person rumliefe. Ich nutzte die Gelegenheit und holte meine dazu unter dem Vorwand, hier könnte man doch mal Urlaub machen. Sie hat aber wohl den Braten gerochen und sträubte sich mit aller Macht dagegen. 2 Betreuerinnen der Einrichtung redeten mit Engelszungen auf sie ein und waren wirklich bemüht sie zu beruhigen, aber mussten dann aufgeben. Ich habe zwar meine Anmeldung aufrecht erhalten, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen wie das gehen soll. Nun muss ich nach anderen Möglichkeiten suchen. Ich hatte ja schon geschrieben, dass ich unseren Hausarzt wechseln wolle, da mein bisheriger mir zu passiv war. Da habe ich auch schon einen entsprechenden Termin. Ich gehe auch davon aus, dass ein Neurologe o.ä. eingeschaltet werden muss. Vielleicht muss ja erst eine medikamentöse Einstellung erfolgen. Ansonsten werde ich einfach so weiter machen wie bisher. Ich habe bereits meine Teilzeitverlängerung beantragt.
Wir wohnen ja zusammen, da kann ich mich auch weiter kümmern. Durch den Pflegegrad 4 sind wir finanziell soweit abgesichert, dass der Verlust duch meine Teilzeit fast ausgeglichen wird. Auch meine Rente wird nicht leiden.
Ich habe in diesem Forum von einem Angehörigen oder Sohn bereits erfahren, dass man eigentlich egoistischer sein solle und man keine Gewissensbisse haben solle. Das kann ich leider nicht. Ich habe das schon von vielen Seiten gehört. Man kann mich ruhig Muttersöhnchen nennen, aber ich lasse sie nicht im Stich, da ich überzeugt bin, dass die Handlungen meiner Mutter aus einen tief sitzenden Angst resultieren. Ich bedanke mich bei allen Mitlesenden für ihre Unterstützung und bin auch weiterhin für Ratschläge dankbar.



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