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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Nu is es soweit
28.09.2019 | 21:16
Andydreas

Genau das ist mein neuer Plan. Ich habe in meinem Freundeskreis eine sehr kreative Dame, mir der ich einen Gutschein für einen Kur-Urlaub in der besagten Seniorenresidenz basteln will. Meine Mutter hat am kommenden Dienstag ihren 88. Geburtstag und da gibt neben einem Fleurop-Blumnstrauss eben diesen besagten Gutschein. Leider noch ohne Beginndatum, da ich da noch auf Nachricht warte, aber das kann ich ja auch so verkaufen. Ich werde in den nächsten Tagen werde ich dann schon mal Koffer packen und wenn es denn soweit ist geht es los. An Jutta: Das Problem mit dem Verlassen der Wohnung wird es wohl bei mir nicht geben,da sie unsere Wohnung ohnehin nicht als zu Hause anerkennt. Sie ist viel zu oft in ihrem Leben umgezogen.
Ich bedanke mich schon mal bei allen, die mir bisher in diesem Forum zur Seite standen und stehen und werde von den weiteren Fortschritten berichten.

02.10.2019 | 13:16
Andydreas

Jetzt wirds ärgerlich. Ich habe heute bei der Pflegeeinrichtung angerufen und nachgefragt, ob es am kommenden Montag mit der Unterbringung meiner Mutter klappen wird. Leider ist der Platz in der Demenzabteilung des Hauses überraschend nicht frei geworden. Die Rücksprache beim Heimleiter ergab, dass es sich nach seiner Einschätzung noch um Monate handeln könne.
Jetzt stehe ich wieder am Anfang. Ich habe bereits mit einem Freund über meine Möglichkeiten beraten. So weiter machen wie bisher, aber die Wohnungstür beim Weg zur Arbeit abschliessen. Außerdem muss ich meine Teilzeit verlängern.
Das heißt abzuwarten bis sie nach einer Erkrankung oder Unfall in ein Krankenhaus muss. Scheinbar der einzige Weg um einen Platz zu bekommen. Auch die Möglichkeit einer polnischen Hilfskraft kommt wohl nicht in Frage, da wir in einer Wohnung leben und ich mir ein Zusammenleben beim besten Willwn nicht vorstellen kann. Ich müsste uns ein Haus mieten und selbst dann hätte ich meine Zweifel, ob meine Mutter mitspielen würde.
Es ist schon paradox, dass die Art und Schwere der Erkrankung offensichtlich abschreckend auf die Einrichtung wirkt und sie und auch im Stich gelassen werden.
Extrem frustierend.

02.10.2019 | 17:13
Andydreas

Hallo Sonnenblümchen,
ja das hat mich echt umgehauen. Es wäre schön gewesen, wenn man in der Einrichtung etwas ehrlicher gewesen wäre. Die Dame im Büro sagte mir vor 8 Wochen, das es bestimmt kein Vierteljahr dauern würde. Heute erzählt sie mir dann, dass etliche Anträge auf dem Tisch des Leiters liegen würden. Er kannte meinen Fall offensichtlich garnicht und deutete an, dass es mehrere Monate dauern könnte. Ich habe wie gesagt den Eindruck, dass es sich um den Gesundheitszustand meiner handelt, der abschreckt.
Das einzig Gute ist, dass ich nun auch kein schlechtes Gewissen mehr haben muss. Ich habe mir schon einige Maßnahmen überlegt, die ich zeitnah angehen werde. Ihr bisheriger Hausarzt hat ihr ja Antidepressiva verordnet, die ich ihr ab morgen geben werde. Ich werde den Hausarzt wechseln (endlich), der bisher ziemlich passiv war. Ab kommenden Montag muss ich wieder arbeiten. Ich muss leider die Haustür abschließen und ihren Haustürschlüssel verstecken Ich habe ja meine Überwachungskameras. Dann werde ich einfach weitermachen wie bisher. Entweder sie fällt irgendwann tot um oder sie muss aus irgendeinem Grund ins Krankenhaus. Von dort wird es dann offensichtlich einfacher für alle. Irgenwas stimmt hier nicht im Gesundheitswesen. Bin mal gespannt wie die Einrichtung nach den neuen Richtlinien abschneidet.

02.10.2019 | 22:22
Teuteburger

Ich lese hier auch still mit.
Mir tut das sehr leid, dass Sie jetzt doch noch länger warten müssen.
Ich wünschte mir auch, wir hätten ein Gesundheitssystem wie in Schweden ect.

Liebe Grüße

07.10.2019 | 09:51
martinhamborg

Hallo Andydreas, dass schockiert mich auch, doch bevor Sie verzweifeln oder ungehalten werden, möchte ich noch ein paar Anmerkungen machen:
Bitte vereinbaren Sie einen Termin mit der Heimleitung, damit Sie eine realistische Einschätzung bekommen. Wenn Sie können, verzichten Sie auf Vorwürfe und Vorhaltungen. Ihre Ent-täuschung, Ihre Hoffnung, Ihre Not, Ihre Checklisten und Ihre guten Vorbereitungen sind eher geeignet den Umzug vorzubereiten. Bitte denken Sie daran, ein Platz wird nur dann frei, wenn ein Bewohner verstirbt. Dies lässt sich nicht planen und ich habe oft erlebt, dass sich eine Sterbephase sehr lange hinziehen kann. Zum anderen gibt es in den Wartelisten auch Menschen, die in ähnlicher Situation sind. Die Wahl ist für eine Einrichtung also keine leichtfertige Entscheidung. Bitte nehmen Sie es erstmal nicht persönlich!
Bitte denken Sie auch daran, dass ein Antidepressiva einige Wochen braucht, bis es wirkt. Als Plan B bleibt Ihnen immer auch die Behandlung in einer Klinik und die Unterstützung durch den dortigen Sozialdienst, die sehr eng mit allen Häusern zusammenarbeitet.
Ich wünsch Ihnen sehr, dass Sie durchhalten! Ihr Martin Hamborg

07.10.2019 | 14:34
Andydreas

Ich konnte mich bei dem Telefonat mit dem Heimleiter zum Glück zusammenreißen und bin freundlich geblieben. Ich denke immer noch, dass die Einrichtung die richtige Wahl ist, zumal ich ja von einigen anderen Einrichtungen Absagen kassiert habe, weil sie immer weg will. Ich habe leider auch bereits Vorkehrungen getroffen. So habe ich sie schon bei einem dortugen Hausarzt angemeldet, der mit der Einrichtung zusammnen arbeitet. Außerdem habe ich auch schon den entsprechenden Diabtologen rausgesucht.
Ich bin natürlich erst Mal in ein tiefes Loch gefallen. Aber ich habe mich wieder einigermaßen gefangen. Erst dachte ich, dass ich das doch mit ihr vielleicht schaffen kann, aber inzwischen läuft sie im Minutentakt weg um ihr Oma zu besuchen und findet nicht mehr nach Hause. Da ich ab Morgen auch wieder arbeiten muss (halbtags) werde ich sie einschliessen müssen und nachmittags betreuen. Es bleibt unterm Strich jedoch dabei, dass die Aufnahme in der Einrichtung für sie das Beste ist. Und wenn es eben Monate dauern soll, dann ist das eben so. Da bleibe ich dran.
Die Antidrepessiva gebe ich ihr noch nicht, da ich Angst vor den Nebenwirkungen habe.
Das wird noch ein langer Kampf.
Danke für die Ratschläge.

08.10.2019 | 08:22
Jutta60

Hallo Andydreas,
ich hatte auch erwartet, dass Ihre Mutter bald umziehen kann. Konnten Sie denn wenigstens im Gespräch herausfinden, wie die Plätze vergeben werden? Streng nach Liste oder versucht man, einigermaßen passende Wohngruppen zusammenzustellen? Wie auch immer das gehen kann. Bei meiner Mutter ging es wohl nach einer Warteliste. Es ist für mich schwer gewesen, denn zuerst mussten eben Bewohner sterben. Und dann wurde eben ein Platz in einem Demenzbereich gesucht, wo man versuchte, nicht nur Fälle im Endstadium zu haben. Man konnte mir aber das ziemlich genau sagen und ich habe ca. 8 Wochen gewartet. Dabei arbeiten zu müssen ist extrem schwer, ich konnte mich teilweise kaum konzentrieren, dachte immer, was macht meine Mutter jetzt gerade? Schickt sie die Hilfe wieder weg? Stürzt sie mit dem Wäschekorb? Hoffentlich haben Sie Kollegen, die Sie unterstützen und Verständnis haben für diese Situation. Ich drücke Ihnen und Ihrer Mutter weiterhin die Daumen!

09.10.2019 | 09:51
Andydreas

Hallo Jutta,
ich habe inzwischen herausgefunden, dass der Heimleiter alleine aussucht, wen er aufnimmt und wen nicht. Ist natürlich sehr fragwürdig, da der Korruption Tür und Tor geöffnet wird. Eine Liste soll es nicht geben. Ich habe angefangen nach einer anderen Einrichtung zu suchen und habe am kommenden Dienstag einen Termin in einer anderen Einrichtung mit einer Demenzgruppe. Beim Telefonat habe ich schon rausgehört, dass die Einrichtung wohl in Frage kommt. Natürlich ist zur Zeit kein Platz frei, aber das war ja auch nicht zu erwarten.
Arbeiten kann man das was ich hier tue eigentlich nicht mehr nennen. Ich arbeite nur noch vormittags und für mich ist es hier Erholung. Ich nutze die Zeit auch um meine Angelegenheiten zu regeln. Bisher erlebe ich eine gewisse Toleranz seitens der Kollegen, aber es mehren sich auch schon kritische Stimmen. Ich kriege regelmäßig das berühmte " schönen Feierabend" zu hören wenn ich gehe. Ist zwar nicht immer bös gemeint nervt aber trotzdem.
Es geht also alles wieder von vorne los, aber ich gebe nicht auf.
Danke fürs Lesen.

10.10.2019 | 12:15
Teuteburger

Nicht aufgeben ist immer gut.

Aber wenn ich das lese, was man alles durchstehen muss für einen so langen Zeitraum, weil man sich anfangs selbst überschätzt oder weil die betreffende Person nichts anders zulassen will und man irgendwann kein Leben, sondern nur noch ein Überleben führt, dann ist das schon ein Brocken.

Ich halte z.B. viel von Demenzdörfern, aber das kostet entsprechend auch Geld, so dass ich denke, dass das in Deutschland eher kein Standard werden wird.
Ich halte diese Dörfer deshalb für gut, weil Demenzkranke das Eingesperrt sein und die Handlungsunfähigkeit nicht vertragen können. In einem Demenzdorf kann man selbstständig raus, man ist auch im Alltag handlungsfähig, wegen der entsprechenden äußeren Angebote, wie Friseur, Lebensmittelgeschäft ect. Und vor allem, sollten schwerst Demenzkranke nicht mit mitteslschweren ect. zusammengebracht werden, denn das kann meine Schwiegermutter z.B. überhaupt nicht ertragen und das geht vielen anderen auch so. Man selbst kann auch nicht täglich mit einer demenzkranken Person Tag und Nacht zusammen sein, ohne selbst irgendwann den Verstand zu verlieren. Oder besser gesagt, die meisten können das nicht.

Ihnen wünsche ich weiterhin Kraft und Erholung auf der Arbeit und das die Kollegen auch noch durchhalten.

10.10.2019 | 12:41
hanne63

Hallo Andydreas,
ich mußte direkt schmunzeln, als ich von Ihnen gelesen habe, dass Sie "schönen Feierabend"...nicht so gut mehr hören können....
mir hat öfters die Polizei nach Einsätzen bei meinen Eltern am Telefon davon berichtet...und dann "schönen Tag noch" gewünscht......da wußte ich oft nicht....ob das wirklich gedankenlos dahingesagt war....ich versuche solche Sätze jetzt einfach zum anderen Ohr wieder rausgehen zu lassen und keine Gedanken mehr daran zu verschwenden.....



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