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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Nu is es soweit
01.11.2019 | 12:38
sarahf

Lieber Andydreas

Das tut mir alles so leid!

Ich kenne niemanden, der sich so aufopfernd kuemmert wie Sie. Sie machen mir immer ein schlechtes Gewissen, und dabei habe ich schon eins!!

Meine Mutter ist jetzt gerade wieder in der Psychiatrie, in der geschlossenen Abteilung. Sie wollte nie nie nie NIEMALS dahin. Ich habe das fuer sie entschieden, weil sie nicht mehr entscheiden kann. Und ich konnte nicht mehr, ich wuerde zusammen mit ihr wahnsinnig zu Hause werden. Sie sieht in der Psychiatrie andere, denen es aehnlich geht, sie fuehlt sich aufgehobener als hier zu Hause. Ja, die Aerzte und den Sozialdienst muss man jagen, alle sind ueberfordert, nur ist sie jetzt da wo Fachpersonal sich kuemmert. Es war kein leichter Schritt fuer mich. So wie sie frueher entschieden hat, wann ich von der Party zu kommen hab und welches Kleidchen ich zu tragen habe, so musste ich nun fuer sie entscheiden. Weil sie es nicht mehr kann. Bitte glauben Sie mir: meine Mutter ist der wichtigste Mensch fuer mich. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie es ist wenn ich kein "Daheim" mehr habe. Ich konnte sie nicht mehr so leiden sehen, und ich konnte einfach nicht mehr.

Bitte denken Sie ueber eine Zwangseinweisung nach. Bei mir war es leichter, denn es lag Fremdgefaehrdung vor. Ich denke auch der Weg Krankenhaus-Kurzzeitpflege-Altersheim ist leichter.

Viel viel Kraft Ihnen!

01.11.2019 | 13:25
Andydreas

Hallo Sarah,
danke für die lieben Worte. Leider war das Gespräch mit der Oberärztin des hiesigen Krankenhauses aufschlussreich, denn sie teilte mir mit, dass Demenz nicht heilbar sei (ach was) und es eigentlich auch nicht notwendig sei da tiefer einzudringen. Man könne höchstens ruhigstellen und ins Heim weiterleiten. Das will ich nicht. Ich habe mich daher entschlossen das alles weiter durchzuziehen wie bisher. Ich werde noch mal mit meinem Hausarzt reden und beraten was vielleicht noch helfen könnte.
Ich wil hier wirklich niemanden ein schlechtes Gewissen machen. Ich weiß, dass ich ein Sonderling bin und mir etwas vorgenommen habe was mir wahrscheinlich irgendwann schaden könnte, aber das ist nun mal meine Entscheidung. Ich verurteile niemanden, der das anders sieht. Danke für das Verständnis.

02.11.2019 | 08:56
sarahf

Lieber Andydreas

Sie machen mir ein schlechtes Gewissen im positiven Sinn, weil Sie sich mit solch einer Aufopferung kuemmern. Ich wuensche Ihnen viel Kraft auf Ihrem Weg und freue mich immer von Ihnen zu lesen.

"Ruhigstellen und dann ab ins Heim" ist ja wirklich keine sonderlich emphatische Aussage. Auf der Station meiner Mutter sind viele mit Hinlauftendenz. Ein Mann war am ersten Tag furchtbar aggressiv, er spielt jetzt mit Legos! Es ist absurd, irgendwie kann ich das jetzt akzeptieren.

Wie ich an anderer Stelle berichtete, ist meine Mutter vorwiegend wahnhaft, und das bekommt man Gott sei Dank mit Medis halbwegs in den Griff (noch nicht aber hoffe bald ...)!

Ein schoenes Wochenende wuensche ich Ihnen!

03.11.2019 | 16:49
Angehöriger

Hallo sarahf,

der von Ihnen verwendete Begriff "Aufopferung" sollte uns doch allen zu denken geben. Ein gewisser Jesus von Nazareth hat sich auch (auf-)geopfert und was er sich damit eingebrockt hat, ist hinlänglich bekannt.

Besser dürfte es sein, dafür zu sorgen, daß die Demenzbetroffenen so gut es geht versorgt sind (ohne dabei Wunder zu erwarten) und gleichzeitig sein eigenes Wohlergehen im Auge zu behalten.

03.11.2019 | 21:07
hanne63

Guten Abend in die Runde,

bzgl. Zwangseinweisung möchte ich von meiner Erfahrung derzeit berichten....das Verfahren für meinen Vater dauert nun schon fast 8 Wochen...in dieser Zeit wurde er mehrfach begutachtet, der Richter sprach mit ihm und noch irgendwer war da.......all diese Besuche bei ihm zu Hause haben meinen Vater wohl sehr mitgenommen und er ist schwächer und wirrer als zuvor......nun Warten auf den Bescheid....und ob sich dann ein Heim mit geschützter Station findet, steht in den Sternen....das zum Ablauf eines solchen Verfahrens (auch wenn es so wohl notwendig ist, um Mißbrauch zu verhindern..)

Ich selbst bin wohlweislich nicht vor Ort und wohne entfernt.

Meine Mutter ist inzwischen in einem Heim untergebracht (ebenfalls mit richterlichem Beschluss und auf geschützter Station)...anfangs dachte ich, es könnte mich mental entlasten....das ist nicht der Fall....die Umstände der sog. Grundversorgungen machen mir zu schaffen...auch wenn ich keine andere Lösung für mich sehe.....beim letzten Besuch sagte ich (spontan und unbedacht, das gebe ich zu...) zu meiner Mutter: "ich bewundere Dich, wie Du das alles so gut hier aushältst...ich würde durchdrehen"....Sie schaute mich ganz verdutzt an...und sagte dann: "naja...ich meckere nicht viel".....hm...und ich hoffe in dem Fall auf die Demenz und dass sie meinen Satz schnell wieder vergißt......

Manchmal kommt es mir so vor, als ist es egal, was man macht....alles ist falsch ....oder kann es zu mindest sein.

04.11.2019 | 09:31
martinhamborg

Hallo an die Runde, das schlechte Gewissen ist eine starke Kraft und es verstärkt sich im Teufelskreis mit Fehlern oder das was man für einen Fehler hält, wenn vielleicht mal die Emotionen stärker sind als die innere Kontrolle.

Alle wissen, dass es ein schlechter Ratgeber ist und absolut kein Helfer, besonders wenn es sich fast zwanghaft aufdrängt. Spätestens dann ist es gut, wenn wir einen Gedankenstopp einüben und vielleicht die Erkenntnisse dagegen setzen, die viele hier berichtet haben, z.B. "Ich habe richtig entschieden ... genau für meine Angehörigen gibt es diese Angebote der Altenhilfe ... ich habe genug getan ... ich kann nur helfen, wenn ich gesund bleibe... "

Allen Menschen die hier um Entscheidungen ringen, wünsche ich an dieser Stelle so einen kraftvollen inneren Satz, es kann auch ein Symbol, ein Gedicht, ein Bild oder persönlicher Gegenstand sein, der dafür steht. Dies kann auch für die gelten, die sich bewußt anders entscheiden. Bei Andydreas habe ich schon etliche starke Sätze gelesen!

Ich mache diesen kleinen Ausflug in die Psychologie, weil es nicht nur mir sondern auch dem Menschen mit Demenz besser geht, wenn ich innerlich stark und abgegrenzt bin. Oder wie heißt es so schön in dem wichtigsten christlichen Gebot? "Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" - eine alte Dame, die sich ihr ganzes Leben mit einem schlechten Gewissen gequält hat, antwortete mir darauf "Ach Herr Martin, wie soll ich mich denn lieben?" Und über dieses Thema konnten wir dann immer wieder kurz reden und sie wurde irgendwann mit oder trotz ihrer Demenz ruhiger und fand ihren Frieden.
In Ihrem Satz, Hanne63, lese ich gar nicht so viel Falsches, eher Respekt, Anerkennung oder Bewunderung, wie Ihre Mutter dort zurecht kommt. Ich habe es hier ja schon häufiger geschrieben: Wenn Sie es tröstend und wertschätzend meinen, kann es nicht falsch sein. Trost ist immer richtig, besonders bei einer schweren richtigen Entscheidung oder?
In diesem Sinne, Ihr Martin Hamborg


07.11.2019 | 00:12
Gobis

Guten Abend an Alle,
Zuerstmal an Andyandreas, schön dass Sie den Hausarzt gewechselt haben. Es klang ja vor Kurzem alles ganz gut, mit der Aufnahme in die Klinik. Aber leider ...
Bei uns kamen jetzt zwei Stürze vor, der Erste wurde verschwiegen (ich hab es bemerkt weil ein Bild von der Wand auf der Treppe abgestürzt ist)und am letzten Freitag, haben wir es zu Dritt geschafft meine Mutter davon zu überzeugen, dass sich das ein Arzt anschauen muss. Es sind nur Prellungen, sie war auf ihrem Weg auf dem Grundstück bei 1 Grad ausgerutscht, hätte aber viel schlimmer enden können. Aber wie immer, es war ja Nichts und sie kommt zurecht. Klar kommt sie zurecht früh Fernseher an und ab auf die Couch. Sie trinkt viel zu wenig, bewegt sich nicht, es werden also weitere Stürze folgen. Ihr Hausarzt meinte vor längerem, wenn sie keine Hilfe will, müssen wir halt warten das sie stürzt und sich was bricht. Man holt nach einer solchen Aussage erstmal ganz tief Luft, aber er hat recht. Mir als verantwortliche Tochter sind die Hände gebunden um durch eine Veränderung der Wohnsituation vorzusorgen, dass meine Mutter im Notfall versorgt wird bzw. dieser erst gar nicht eintritt. Pflegedienst kommt 2x täglich + 4x in der Woche Betreuung+ 1x Tagespflege. Und trotzdem bleibt die ständige Sorge und ja ich bin auch oft wütend, weil sie so uneinsichtig ist. Ich weiß, sie hat FTD und ist für sich nicht krank. Aber sie macht mich noch kränker als ich schon bin.
Die Betreuung abzugeben kommt jedoch nach einer Beratung beim Betreuungsverein nicht in Frage, weil man sich dort nur um die Angelegenheiten kümmert, aber den Dementen nicht betreut. Die Orga schaffe ich, aber ich halte den Rest zunehmend weniger aus, einfach weil es keine Lösung gibt. Ins Pflegeheim, sie droht mit Selbstmord, wozu sie aus meiner Sicht nicht in der Lage wäre. Arzt und Behörden fanden die Aussage nicht so aufregend. 24 Stundenpflege im eigenen Haus, hier wohnt kein Fremder unter meinem Dach.
Ich weiß nicht mehr wie lange ich das aushalte. Als Nächste reden wir über den Geburtstag meines seit 30 Monaten toten Vaters und dann Weihnachten. Und das jeden Tag und im Gespräch aller 2 Minuten von vorne. Ja, ich gehe auch an manchem Tag nicht ans Telefon und mein Mann hört den AB ab, ob was passiert ist.
Was kann man denn nur tun, damit einem Kranken geholfen wird?
Liebe Grüße

07.11.2019 | 23:24
Gobis

Danke Sonnenblümchen,
deine Geschichte ist genauso traurig.Manchmal muss man einfach mal das Erlebte raus lassen.
Schöne Grüße

10.11.2019 | 08:57
martinhamborg

Hallo Gobis, es ist ein langer Weg und es liest sich gut, dass Sie immer wieder - auch wortwörtlich - tief durchatmen können. Ein Suizid ist tatsächlich bei fortschreitender Demenz sehr selten, aber eine Fraktur nicht. Leider ist manchmal nur dann die notwendige Hilfe möglich und es ist gut, wenn Sie für diesen Fall schon nach einem guten Heim gesucht haben.
Ein bisschen können Sie den Sturzfolgen vorbeugen, scharfe Kanten sichern, Stolperquellen reduzieren und für den sicheren Halt bei Tischen, Sideboards usw. sorgen. Aber das haben Sie sicher schon gemacht.
Wenn sie immer und immer wieder die gleichen Themen besprechen, kann vielleicht folgendes Bild hilfreich sein: Die frontotemporale Demenz Ihrer Mutter macht es erforderlich, dass Sie oder andere zunehmend die verlorene innere Kontrolle Ihrer Mutter übernehmen. Je mehr Sie in jedem Dialog das Vertrauen stärken und Ihre Mutter in kleinen Dingen steuern lernen, desto einfach wird es bei den großen Herausforderungen. Ihre Mutter braucht sich nicht mehr so sehr gegen "Bevormundung" wehren, wenn Sie z.B. mit einem Ritual bestätigen: „Schön dass Du merkst, dass ich es gut mir Dir meine, auch wenn wir eine unterschiedliche Meinung haben…“ Gibt es Sätze und Rituale, die Sie so oft wie möglich dafür nutzen können?
Viel Kraft, Ihr Martin Hamborg

16.11.2019 | 21:11
sonnenblümchen

Hallo Anydreas,
ich wollte mal nachhören, wie es Ihnen geht?
LG



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