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Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte"

Bild: Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte" Im Laufe einer Demenz ändern sich Kommunikationsfähigkeit und Verhaltensweisen. Das ist für alle Beteiligten oft belastend. Der Wegweiser Demenz hat zwei Experten auf diesem Gebiet als Moderatoren für das Internetforum gewonnen: Jochen Gust hat als Altenpfleger Menschen mit Demenz betreut. Heute schult er unter anderem Klinikpersonal im Umgang mit Demenzkranken, berät Angehörige und schreibt Bücher. Dr. Svenja Sachweh bietet Kommunikationstrainings für Pflegepersonen an und ist Autorin diverser Lehr- und Ratgeberbücher zur Verständigung mit Demenzkranken.

Autor Tod der Bezugsperson
13.08.2019 | 09:17
Anne_Kapunkt

Guten Tag in die Runde,

ich bin ganz neu hier und habe Folgendes auf dem Herzen:

Mein Vater (72) lebt mit Alzheimer. Die Diagnose haben wir schon 2011 bekommen. Mittlerweile ist er im fortgeschrittenen Stadium und könnte alleine nicht mehr für sich sorgen. Er benötigt Hilfe beim Ankleiden, Waschen, etc. Das Sprachvermögen ist deutlich eingeschränkt, flüssige Gespräche nicht mehr möglich. Das als kurzer Abriss des Stadiums.

Im März ist seine Frau, meine Mutter, völlig überraschend verstorben. Uns Kindern blieb leider keine andere Möglichkeit, als ihn in ein Seniorenheim zu geben.
Durch den Pflegenotstand und Personalmangel gibt es dort wenig Beschäftigung und so gut wie keine Einzel-Betreuung.
Wir drei Kinder haben einen Betreuungsplan aufgestellt und schaffen es mit Unterstützung aus dem Bekanntenkreis, dass er fast jeden Tag Besuch bekommt und teilweise halbe Tage draußen unterwegs ist. Er mag Spaziergänge und fährt teilweise noch mit uns Fahrrad (am Flussufer, nicht im Straßenverkehr).

Er hat sich mittlerweile an das Pflegepersonal gewöhnt und manche Personen offenbar richtig lieb gewonnen. Er zeigt richtig große Freude, wenn er manche Pfleger*innen auf den Gängen trifft. Das gibt uns Kindern ein gutes Gefühl.

Grundsätzlich formuliert er aber immer wieder, wie schlimm es im Pflegeheim ist. Dass nichts passiert, nichts los ist, er immer warten müsse und niemand da sei. Er ist darüber sehr unglücklich und weint auch, wenn er darüber erzählt.
Wenn im Pflegeheim nichts los ist, legt er sich wohl einfach auf sein Bett und wartet, ruht, schläft, bis irgendwas passiert.

Es ist auch offensichtlich, dass er seine Frau vermisst. Es muss furchtbar sein ohne sie und mit der neuen Umgebung im Heim.
Unsere Mutter war sein Antrieb und seine Bezugsperson, die jeden Tag für ihn da war. Sie waren seit über 50 Jahren ein Paar.
Wir versuchen viel abzufangen. Mir ist aber klar, dass wir sie nicht ersetzen können.

Ich frage mich:

Wie können wir mit ihm eine "gute Trauerarbeit" schaffen?
Gibt es Therapeut*innen, die auf Trauer bei Demenz-Patienten spezialisiert sind?
Wie kann er im Pflegeheim Impulse bekommen, dass er auch ohne Besuch zurecht kommt? (Das Personal kann man dabei vergessen. Sie haben einfach keine Kapazitäten.)

Ich freu mich über Tipps und Hinweise.

Herzliche Grüße
Anne

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 13.08.2019 um 16:20.]

14.08.2019 | 06:42
Jutta60

Hallo Anne,
Ihr Vater ist ja noch relativ jung. Meine Mutter kam erst mit 88 Jahren in ein Pflegeheim mit Lewykörper-Demenz. Da war sie körperlich schon nicht mehr fit, ganz generell. Sie hat mir gern geholfen und z.B. Wolle aufgewickelt. Ich habe ihr die mitgebracht. Es war immer wieder dieselbe, aber das machte nichts. So hatte sie das Gefühl, dass sie eine sinnvolle Beschäftigung hat. Vielleicht gibt es auch etwas, was Ihr Vater noch kann, was einfach handzuhaben ist. Ansonsten wäre es natürlich schön, wenn das Pflegeheim einige Anregungen bietet, wo man auch Kontakte knüpfen kann. Wird mit fehlender Sprache natürlich schwerer.
Mein Vater war bereits zuvor gestorben, auch nach sehr sehr langer Ehe, fast 60 Jahre. Für uns war eher das Problem, dass meine Mutter den Tod meines Vaters vergessen hatte und immer wieder nach ihm fragte. Das war schlimm, weil ich ihn für sie jeden Tag sterben lassen musste. Schließlich habe ich, wenn sie fragte, nach ihren Gefühlen und ihre Erinnerung gefragt und mit ihr darüber gesprochen. Das hat ihr geholfen. Bewusst gefragt habe ich aber nicht sondern gewartet, was von ihr kam. Mich hat getröstete, dass sie nicht nur seinen Tod vergessen hatte, sondern auch die schrecklichen Umstände, unter denen er sterben musste. Ganz bald darauf vergaß sie auch ihn und tauchte in andere Welten ein, in die ich ihr nicht mehr folgen konnte. Alles Gute für Sie!

14.08.2019 | 08:54
jochengust

Hallo Anne_Kapunkt,

<<Gibt es Therapeut*innen, die auf Trauer bei Demenz-Patienten spezialisiert sind?>>

Vielleicht hilft Ihnen diese Webseite weiter: https://bv-trauerbegleitung.de/angebote/trauerbegleitende/ .

Sofern vorhanden, könnten Sie einmal bei der örtlichen Hospizinitiative nachfragen. Zumindest in meiner (letzten) Region schulte ich einmal jährlich die Hospizhelfer in Sachen Demenz, da diese immer wieder auch Betroffene begleiteten. Sie gingen sowohl in Kliniken, Pflegeheime als auch in die private Häuslichkeit. Ist vielleicht eine Möglichkeit.
Erweitert könnte sich ansonsten auch die Nachfrage bei der örtlichen Alzheimer Gesellschaft lohnen, da diese zumeist die Übersicht über entsprechende Angebote vor Ort haben.
Ggfs. könnten Sie auch zum örtlichen Kirchenkreis (Seelsorge) Kontakt aufnehmen.


Es grüßt Sie


Jochen Gust



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