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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Mutter an Demenz erkrankt - Pflege wird durch Ehemann blockiert
28.08.2019 | 18:55
Mela50

Hallo Zusammen,
meine Mutter hat seit ca. 2011 Demenz, in den letzten Monaten baut sie immer mehr hab. Hier nun unsere Situation:
Meine Mutter ist in 2. Ehe verheiratet, Vorsorgevollmacht habe ich für meine Mutter. Der Ehemann hat nur noch 10% Sehfähigkeit und kann somit auch das tägliche Leben nicht mehr richtig regeln. Seit ca. 1 Jahr gibt es jetzt über den Pflegedienst eine Putzhilfe und einmal im Monat Haare schneiden und Nägelpflege. Im Umfeld ist allen klar, dass das nicht ausreichend ist. Gestern war Termin bei der behandelnden Neurologin. Hierin haben wir (Neurologin, Ehemann meiner Mutter, meine Mutter und ich) beschlossen, dass ab sofort ein Pflegedienst täglich gegen 10.00 Uhr kommt und die beiden weckt und bei der Körperpflege hilft. Hierzu möchte ich ausführen, dass Beide bis 16./17.00 Uhr schlafen, dann gegen 17.30/18.00 Uhr frühstücken und gegen 23.30 Uhr wieder ins Bett gehen.
Beide haben muskulär vollkommen abgebaut, einhergehend mit Schmerzen bei meiner Mutter im Rücken, Knien usw.
Heute rief mich dann der Pflegedienst an, dass der Mann meiner Mutter mitgeteilt hat, dass er und meine Mutter (!!!!) sich nochmals unterhalten haben und es nicht wollen, dass der Pflegedienst täglich kommt, äußerstenfalls 1 x die Woche gegen 13.00 Uhr zum Duschen meiner Mutter.
Wir beobachten hier halt, dass der Tag-/Nachtrhytmus vollkommen verloren gegangen ist und letztendlich meine Mutter nur noch "dahin wegetiert". Ich bin nicht bereit, das zu akzeptieren und weiß jetzt nicht so recht, wie ich die Vorsorgevollmacht durchsetzen kann. Schlimmstenfalls würde ich vom Betreuungsgericht einen Betreuer einsetzen lassen.
Vielleicht hat jemand noch eine Idee, wie ich das lösen kann. Sowohl die Kinder des Mannes meiner Mutter, mein Bruder und alle sind der Meinung, dass nunmehr die täglich Pflege erforderlich ist ....

Vielen Dank
Melanie

29.08.2019 | 14:46
klauspawletko

Hallo Mela50,
keine einfache Situation, die Sie hier beschreiben.
Es scheint mir keine andere Wahl zu geben, als den Druck auf den Ehemann zu erhöhen, denn Ihre Mutter scheint ja nicht mehr in der Lage zu sein, die Situation richtig einzuschätzen.
Mit Zwangsmaßnahmen, wie z.B. einer Heimunternbringung der Mutter, würden Sie wohl zum derzeitigen Stand nichts erreichen, denn eine akute Selbstgefährdung scheint ja (noch) nicht vorzuliegen.
Sie sollten versuchen, dem Ehemann die möglichen Konsequenzen aufzuzeigen, die seine unkooperative Haltung nach sich ziehen wird.
Als "Verhandlungsmasse" können Sie ja eventuell noch den Zeitpunkt des Eintreffens des Pflegedienstes diskutieren.
Haben Sie schon einmal um Unterstützung durch den sozialpsychiatrischen Dienst nachgefragt? Die Mitarbeiter dort kennen solche Situationen aus Ihrer täglichen Praxis und haben vielleicht noch zusätzliche Ideen.
Ihre Überlegung, einen - zusätzlichen - rechtlichen Betreuer einzusetzen kann dann sinnvoll sein, wenn Ihr Verhältnis zum 2. Ehemann der Mutter schwierig ist.
Es ist immer schwierig für Kinder, in diesen Situationen einen Rollentausch zu vollziehen. aber Sie sind diejenige, die jetzt die Verantwortung für das Wohlergehen Ihrer Mutter hat. Und die müssen Sie auch notfalls gegen den Willen des Ehemannes durchsetzen.
Viel Erfolg dabei wünscht Ihnen

Klaus-W. Pawletko

02.09.2019 | 20:06
Mela50

Hallo Herr Pawletko,

vielen Dank für Ihre Nachricht. Leider gestaltet sich alles doch viel schwieriger ... Der Mann meiner Mutter und meine Mutter möchten nichts an ihrem Leben ändern und ich werde meine Mutter zu nichts zwingen. Ich habe jetzt nur gefordert, dass ich informiert werde, wenn Hilfe doch mehr benötigt wird. Der Pflegedienst wird jetzt 1 x die Woche kommen und meine Mutter waschen und duschen, vielleicht haben wir damit zumindest "ein Bein in der Tür". Ich selbst bin gerade nicht in der Lage, meinen Willen gegen den Willen meiner Mutter durchzusetzen, da ich selbst gesundheitlich angeschlagen bin und als Selbständige kann ich nur bedingt ausfallen. In 2 Wochen kommt der MDK zur Überprüfung der Erhöhung der Pflegestufe, an diesem Termin werde ich ebenso wie der Pflegedienst teilnehmen und dann sehen wir weiter.

Ich werde mir wohl eine Selbsthilfegruppe suchen müssen, damit ich hier mich nicht selbst umbringe .....

Nochmals vielen Dank!
Mela50

10.09.2019 | 10:08
martinhamborg

Hallo Mela50, eine Selbsthilfegruppe der Alzheimer Gesellschaft wäre da vielleicht eine Möglichkeit. Sie können Ihrer Mutter ja nur beistehen, wenn Sie selbst stabil bleiben. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Experten vom Sozialpsychiatrischen Dienst die Lage in einem Hausbesuch nicht als "Dahinvegetieren" einschätzen werden, aber es ist für Angehörigen sehr schwer auszuhalten, wenn sich der Lebensradius so sehr einschränkt.
Insofern ist Ihre Entscheidung - abzuwarten - derzeit das beste, was Sie machen können. Vielleicht können Sie in das "Frühwarnsystem" für zusätzliche Hilfe auch die Kinder des neuen Ehemanns einbeziehen?
Ihnen viel Kraft, Ihr Martin Hamborg



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