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Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte"

Bild: Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte" Im Laufe einer Demenz ändern sich Kommunikationsfähigkeit und Verhaltensweisen. Das ist für alle Beteiligten oft belastend. Der Wegweiser Demenz hat zwei Experten auf diesem Gebiet als Moderatoren für das Internetforum gewonnen: Jochen Gust hat als Altenpfleger Menschen mit Demenz betreut. Heute schult er unter anderem Klinikpersonal im Umgang mit Demenzkranken, berät Angehörige und schreibt Bücher. Dr. Svenja Sachweh bietet Kommunikationstrainings für Pflegepersonen an und ist Autorin diverser Lehr- und Ratgeberbücher zur Verständigung mit Demenzkranken.

Autor Ich zerbreche an der Krankheit meiner Mutter
07.09.2019 | 19:20
Barbara66

Meine Mutter hat die Verdachts-Diagnose Lewykoerperchendemenz.
Jetzt ist genau das eingetreten, was ich von anderen Betroffenen immer gehört habe ,mir aber bei meiner Mutter NIE hätte vorstellen können.
Sie war vorgestern so verwirrt und wollte meinen Mann am Telefon sprechen.
Er ist dann nach dem Essen alleine zu meinen Eltern gefahren und kommt mit erschütternden Vorwürfen gegen mich zurück.
Sie hat meinem Mann erzählt, ich wolle an ihr Sparbuch -ich habe sie eine dreckige Sau!!genannt und wuerde allen Leuten im Dorf erzählen, daß sie alles vergisst.
Unfassbar! !
Obwohl ich weiß, daß diese Unterstellungen Krankheitsbedingt sind,treffen sie mich sehr.
Ich bin zutiefst verletzt und reagiere dann abweisend.
Das merkt sie aber noch-heute rief sie mich an und flehte mich an,bitte wieder ein besseres Verhältnis zu mir haben zu wollen.
Als ich ihr sagte,daß mich ihre Anschuldigungen sehr getroffen haben,fiel sie aus allen Wolken und meinte,so was würde sie doch nie ueber mich sagen.
Sie wusste davon nichts mehr???!!!
Diese Krankheit und ganz besonders die psychischen Veränderungen meiner Mutter gehen auch an mir nicht spurlos vorbei.
Reizdarm,psychosomatischer Juckreiz am Körper, Depressionen.
Heute ist sie wieder ganz klar und kein bisschen verwirrt.
Ich habe schon unendlich viel Lektüre gelesen, bin aber im Umgang mit diesen Wahnideen völlig hilflos.
Wie schaffe ich es,solche erfundenen Anschuldigungen nicht an mich dran zu lassen???
Danke für Ihre Hilfestellung
Bärbel

08.09.2019 | 21:16
Andydreas

Das kenne ich alles zur Genüge. Es ist einfach gesagt, aber das darf man nicht persönlich nehmen. Ich habe meine Mutter jahrelang betreut und auch mit ihr zusammen gewohnt, als mein Vater gestorben war. Der jetzige Mensch hat kaum noch etwas mit dem Menschen vergangener Jahre gemein. Es wird wirklich Zeit, dass man etwas gegen diese Krankheit tut. Ich musste jetzt den Kampf aufgeben und warte auf ein freies Zimmer in einer Pflegeeinrichtung, in der meine Mutter, notfalls mit medikamentöser Hilhe zur Ruhe findet. Wie kommt denn Ihr Vater mit der Wesensveränderung klar ?
Mein Rat wäre sich dringend schon mal mit den bürokratischen Angelegenheiten auseinander zu setzen. Die bekannte Vorsorgevollmacht ist wohl unerlässlich. Ich empfehle die Kontaktaufnahme mit der Kranken-, bzw. Pflegekasse Ihrer Mutter um sich ausführlich beraten zu lassen. Am besten persönlich. Hierbei auch gleich einen Pflegegrad beantragen. Wäre denn die Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung mit dazugehöriger Seniorenwohnanlage in Ihrer Nähe für sie vorstellbar ?
Aus meiner Erfahrung kann ich nur berichten, dass sich die Ausfälle bei Ihrer Mutter wahscheinlich häufen und verschlimmern werden.
Vielleicht male ich ja zu schwarz, aber ich habe viel zu Lange gewartet und stehe jetzt vor dem Scherbenhaufen. Ich bin mir sicher, dass ich meiner Mutter damit keinen Gefallen getan habe.
Alles Gute.

09.09.2019 | 07:43
Jutta60

Hallo Barbara,
ich weiß genau, wovon Sie Sprechen. Meine Mutter starb auch mit einer Lewy-Körper-Demenz. Von den vielen Demenzarten die unerfreulichste. Wie oft habe ich mir einen normalen Alzheimer gewünscht. Am schlimmsten waren die haltlosen Anschuldigungen aus dem Nichts, die genauso wieder verschwunden sind und mich ratlos zurück gelassen haben, oft weinend. Ich habe mir dann immer gesagt, dass ein Mensch doch niemals etwas so Böses sagen könnte, was nicht irgendwo die ganz Zeit in ihm drin gewesen war. Waren das die wahren Gedanken meiner Mutter über mich gewesen? Gespräche darüber führten bei meiner Mutter nur zu tiefer Verzweiflung, sie erkannte dann deutlich, dass mit ihr etwas nicht mehr stimmte. Ich kann Ihnen daher nur abraten, noch irgendwelche Diskussionen mit ihrer Mutter darüber zu führen, was sie wann gesagt und wie gemeint haben könnte. Es ist die Krankheit, die da aus ihr spricht. Manches muss man einfach aushalten, dagegen kämpfen bringt nichts. Bei meiner Mutter war es so, dass sie oft Dinge aus dem Fernsehen oder der Zeitung oder aus Erzählungen vermischte und gar nicht mehr wusste, mit wem sie gerade sprach. Es wurde besser, als sie Medikamente gegen die Wahnvorstellungen bekam. Wenn Sie körperlich aber so leiden, wie Sie es beschreiben, dann sollten Sie sich dringend Hilfe holen. Andydreas hat das schon geschrieben. Denn es wird nicht besser werden, leider.
Ich kann Ihnen versichern, dass man sich irgendwann wieder an die schönen Dinge erinnert und dass die Zeit manche Wunden wirklich heilt. Meine Mutter ist nun seit 14 Monaten tot und allmählich wird es besser. Alles Gute!

09.09.2019 | 10:36
sarahf

Guten Morgen

Ich verstehe das sehr gut. Es ist einfach furchtbar. Man muss sich davon distanzieren. Es geht auch, es braucht Zeit!!

Ich habe auch versucht dies mit meiner Mutter zu besprechen. Ist natuerlich Quatsch, sie wurde dann nur noch trauriger und unsicherer in ihren "klaren Phasen". Sie fragte dann ob ich nicht mehr vorbei komme weil sie ja verrueckt sei und Sachen sagt, die sie gar nicht meint.

Ich habe selbst in der schlimmen Anfangsphase Medikamente verschrieben bekommen, denn ich konnte nicht mehr schlafen und hatte selbst furchtbare Angstzustaende. Das ist keine Dauerloesung. Es klingt bloed, aber man muss wirklich das bewusst von einem wegschieben und an sich selbst arbeiten. Das braucht Zeit.

Meine Mutter wurde im Krankenhaus sehr gut medikamentoes eingestellt, von ausgetauschten Menschen und ausgekluegelten Verschwoerungstheorien war jetzt Gott sei Dank schon lange nicht mehr die Rede. Ist das schon probiert worden?

Viel Kraft!

09.09.2019 | 12:41
Barbara66

Hallo Jutta,Andydreas und sarahf,
Ich danke Euch für Eure Rückmeldungen.
Zur Frage von Andydreas :
Wir haben bereits Pflegegrad 2 und bekommen alle 14 Tage eine Putzhilfe vom Pflegedienst.
Eigentlich war 2x wöchentlich eine Hilfe zum Kochen angedacht -bereits nach dem ersten Einsatz haben wir das beendet.
Damit könnte meine Mutter gar nicht umgehen, daß dort jemand am Herd steht und für sie kocht.
Also übernehme ich mehr Hilfe und bekomme das Pflegegeld.
Zu meinem Vater:Für mich geht das in die gleiche Richtung, wie bei meiner Mutter.
Bis auf die Anschuldigungen am Do gegen mich,glaubt er ihr alles.
Er ist überhaupt nicht in der Lage zu begreifen,was diese Krankheit alles im Kopf anrichten kann.
Meine Mutter hat den ganzen Haushalt geschmissen und er hat sich bedienen lassen.
Solange er mittag sein warmes Essen bekommt,ist für ihn fast alles gut.

Zu sarahf :
Ich hätte gerne gewußt, wie die aktuelle Medikation bei Deiner Mutter ist.
Die neue Medikation des Neurologen seit Do ergibt keinen Sinn.
Lewykoerperchendemenz bedeutet keine Produktion von Dopamin, daher auch Parkinsonsymptome.
Gabe von Neuroleptika bedeutet unterdrücken des Dopamins und somit Verschlimmerung des Zitterns.
Jetzt hat er die Dosis von Quetiapin erhöht (bedeutet mehr EPMS )und hat die Dosis von Levodopa verringert (bedeutet mehr Zittern, da bei Lewykoerperchendemenz ja Dopamin fehlt.
Jetzt zittert sie wieder mehr.
Gib mir doch bitte die aktuelle Medikation durch.
Danke
Ganz liebe Gruesse
Bärbel

10.09.2019 | 14:58
sarahf

Guten Tag

Also ... meine Mutter wurde mehrmals im Krankenhaus eingestellt und bekam unterschiedliche Cocktails. Ich bin leider nicht vom Fach. Vieles wurde wieder abgesetzt wegen Zittern, Schwindeln und staendiger Schlaefrigkeit.

Beim letzten Aufenthalt haben sie alles abgesetzt und sie dann auf 0.5 mg Risperdal gesetzt (morgens und abends). Neuroleptika also.

Wie gesagt, ich bin nicht vom Fach. Wuerde die Mutter ins Krankenhaus gehen? Meine Mutter ist das erste Mal nicht freiwillig gegangen. Ich glaube sie hatte vorwiegend Angst vor dem "Klappse"-Stigma. Und davor dass sie nicht mehr aus der Arztmuehle rauskommt (was auch richtig ist).

Viele Gruesse!

10.09.2019 | 15:16
sarahf

... will sagen, ich glaub nicht dass man die Medikamenteneinstellung ambulant hinbekommt. Wurde mir auch von den Aerzten geraten.

Meine Mutter, eine absolute Einzelgaengerin, extrem dickkoepfig und freiheitsliebend, hat das 1. Mal getobt. Und wie. Es ging nur weil Fremdgefaehrdung bestand.

Danach fand sie es ok und hat sogar gern mit anderen Brettspiele gespielt. Wer haette das gedacht.

Ciao!

10.09.2019 | 18:40
Barbara66

Hallo sarahf,
Ich habe 25 Jahre in der Apotheke gearbeitet und kenne mich sehr gut aus.
Das Problem ist,daß man bei dieser Form der Demenz (Lewykoerperchendemenz )nur 2 Neuroleptika geben darf.
Risperidon ist kontraindiziert.
Sie war letztes Jahr im März und im August in der Psychiatrie und dieses Jahr im Februar auch wieder.
Letztes Jahr haben wir alle noch an eine Psychose/Delir geglaubt und da ist sie auch mit Risperidon behandelt worden (sie hörte immer ein schreiendes Kind ).
Die Stimmen wurden weniger aber nach 14 Tagen starkes Zittern in den Händen und Absetzten des Medikamentes.
Als sich nach ihrem Aufenthalt im August ihr Zustand immer weiter verschlechterte (Muskelsteifheit, Stuerze uvm.)haben meine Recherchen dann zu dieser leider niederschmetternden Lewykoerperchendemenz geführt und dort habe ich dann erfahren,dass Sie die Medikamente,welche sie von August bis Oktober bekommen hat,niemals hätte haben dürfen.
Ich habe sofort alle Neuroleptika abgesetzt, sonst wäre sie mir gestorben.
Somit ist mein Vertrauen in die Ärzte dahin.
Zum Glück kenne ich mich in der Medizin aus und ich bedaure die Menschen,die sich nicht auskennen und Ärzten ihr Vertrauen schenken.
Wie lautet die Diagnose bei Deiner Mutter?
Welche Form der Demenz hat sie?
Danke für Deine Zeit
Bärbel

12.09.2019 | 10:19
sarahf

Guten Morgen

Vertrauen? Vertrauen haben wir gar keines, schon gar nicht meine Mutter, die ihr Leben lang im Gesundheitswesen gearbeitet hat.

Aber was kann man tun? Im Fruehjahr wurde ein MRT gemacht, da hiess es "altersentsprechend". Nach einem weiteren Krankenhausaufenthalt hiess es "Subkortikale Vaskuläre Enzephalopathie im MRT nachgewiesen" (das gleiche MRT wie im Fruehjahr, ich hab extra angerufen). Weiterhin: Verdacht auf gemischte kortikale und subkortikale vaskualere Demenz, vorwiegend wahnhaft. DD: Demenz bei Alzheimer-Krankheit, gemischte Form.

Viele Gruesse!

09.11.2019 | 19:25
Barbara66

Hallo sarahf,
Ich musste gerade an Dich denken und wollte mich erkundigen,ob Deine Mutter noch in der Psychiatrie ist.
Hat man versucht, Sie medikamentös einzustellen?
Wie geht es Dir?
Freue mich immer von Dir zu hören.
LG
Barbara



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