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Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege"

Bild: Ratgeberforum "Wohnen, Betreuung und Pflege" Unter welchen Voraussetzungen können Demenzkranke in den eigenen vier Wänden leben? Wann ist ein Pflegeheim, eine Demenz-WG oder betreutes Wohnen angesagt? Zwei Experten auf diesem Gebiet moderieren das Internetforum "Wohnen, Betreuung und Pflege". Martin Hamborg engagiert sich seit 1998 im Vorstand der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung und kennt sich mit Pflegeheimen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens aus. Klaus-W. Pawletko, Geschäftsführer des Vereins "Freunde alter Menschen", ist auf Demenz-Wohngemeinschaften und die ambulante Versorgung Betroffener spezialisiert.

Autor Nicht-akzeptieren der Betreuerin
02.10.2019 | 14:54
Eva4

Brauche dringend einen Tip. Meine Mutter - 77, Kombination aus Parkinson (ohne Tremor) und Lewy-Körper-Demenz, ist seit einem Jahr überhaupt nicht mehr in der Lage, sich selber zu versorgen (Aufstehen, Waschen, Toilette, Anziehen etc.), macht aber noch fleissig lange Spaziergänge in Begleitung, zu denen wir sie überreden, da sie auch sonst gar keine Interessen/Antrieb hat (kein TV, langes sitzen, lesen....nichts). Bis jetzt habe hauptsächlich ich (Tochter) sie gepflegt, hatte aber "regelmässig" Hilfe, die sie auch meist (nach Eingewöhnung) akzeptiert hat. Nun haben wir seit ca. 3 Wochen eine Pflegerin, die sehr lieb und geduldig ist und meine Mutter akzeptiert sie oft nicht, so dass wieder wir (mein Vater oder ich) einspringen müssen. Meine Mutter wird ihr gegenüber regelrecht laut und stösst sie auch weg - eine latente Aggression, die uns bis dato bei ihr unbekannt war. Tageweise geht es einigermassen, aber häufig eben nicht. Wir sind jedenfalls völlig am Ende, weil es erstens nicht einfach ist, eine Betreuerin zu finden und wir zweitens denken, dass es bei einer anderen Person nicht anders wäre. Wenn ich ihr helfe, geht es recht problemlos, aber ich kann nicht mehr (mein Vater auch nicht) und wir sind ja sonst für sie da, nur eben nicht mehr auf Schritt und Tritt und für die Pflege. Kann mir irgendjemand bitte eine Tip geben, wie wir es zu der Akzeptanz dieser Person schaffen können? Muss ich einfach mal weg? Wird es die Zeit bringen? Rationales Erklären funktioniert nicht mehr. Im Moment vielleicht, aber fünf Minuten später ist alles weg. Ich bin jedenfalls sehr müde.

02.10.2019 | 17:22
Andydreas

Hallo Eva,
ich sitze im gleichen (untergehenden) Boot. Ich befürchte sie sollten sich mit der Möglichkeit einer Heimunterbringung anfreunden, denn irgendwann meldet sich die eigene Gesundheit und fordert ihr Recht. Leider ist das Auffinden einer geeigneten Einrichtung in meinem Fall mehr als schwierig (siehe Nu is es soweit in diesem Forum)
Geht sie nur spazieren oder läuft sie auch weg. im zweiten Fall habe ich ein Paar technische Empfehlungen. Meine Mutter ergreift mehrmals am Tag die Flucht und geht zu ihrer Oma oder nach Hause. Kostet Kraft und Nerven,
Viel Kraft und Geduld.

03.10.2019 | 11:25
Eva4

Hallo Andydreas,
danke erstmal. Nein, meine Mutter läuft nicht weg, sie entwischt uns nur ab und zu im Haus oder geht in den Garten (Sturzgefahr!), aber sonst läuft sie eher uns hinter her ;-). An Heimunterbringung haben wir auch schon gedacht, allerdings ist es schon schwer wenn sie dann mal wieder "wache Momente" hat und irgendwie am Leben teilnimmt. Denke jedenfalls, dass auch diese "Wachheit" nur mir Medikamenten möglich ist - wer weiss wie sie ohne diese Medikamente wäre?

03.10.2019 | 14:27
Andydreas

stehe wie gesagt vor dem gleichen Problem. Alles wird abgelehnt. Die angedachte Heimunterbringung wird sich voraussuchtlich noch Monate hinziehen. Bin inzwischen auch skeptisch, ob ich überhaupt damit richtig liege. Ich werde demnächst auch mit Medikamenten arbeiten, den Hausarzt wechseln, da mir er bisherige zu passiv ist und nach weiteren Lösungen suchen. Auch ich wäre für weitere Tipps dankbar.

07.10.2019 | 09:27
martinhamborg

Hallo Eva4, die Probleme die Sie beschreiben, die Wechselhaftigkeit und damit auch plötzliches Abwehrverhalten und Kontaktabbrüche gehören leider zum Krankheitsbild der Lewybody Demenz. Medikamente können da etwas Entlastung verschaffen und es gibt Kliniken, die sich darauf spezialisiert haben. Zwischen Ihnen und Ihrer Mutter ist zum Glück die Beziehung stärker als die Krankheit. Dies ist für Pflegende von Außen (erstmal) nicht der Fall. Darin liegt nicht nur das Problem, sondern auch die Lösung: Eine neue Pflegekraft braucht Ihre Hilfe in der Beziehungsgestaltung, sodass gegenseitiges Vertrauen wachsen kann. Ein "ich schaff das schon" hilft da eher nicht, denn Angst, Unsicherheit und Misstrauen kann eher eine Wahnbildung und irreales Erleben fördern.
Eine Möglichkeit wäre, dass Sie der neuen Pflegekraft den Rücken stärken und bei den Konflikten anwesend sind und so Ihr Vertrauen übertragen. Wichtig ist, dass die neue Pflegekraft das schwierige Verhalten versteht und sich selbst nicht als inkompetent erlebt.
Wenn Sie hier in dem Forum stöbern, finden Sie bei Jutta60 viele wertvolle Beiträge zu Ihrem Thema.
Ihnen persönlich wünsche ich sehr, dass Sie Ihre Kraftquellen nutzen können! Ihr Martin Hamborg

27.10.2019 | 15:17
Eva4

Guten Teig Herr Hamborg,
wenn auch spät - vielen Dank für Ihre Hilfe. Genau so hatten wir es auch gemacht, mit wenig Erfolg, da vernünftiges Reden momentan vielleicht funktioniert, wenig später aber wieder vergessen ist. Mittlerweile ist es besser geworden, allerdings ist die Betreuerin nach ihrem freien Tag immer wieder eine Fremde und es bedarf wieder neuer Eingewöhnungszeit. Dann geht es allerdings immer öfter ganz gut - hier und da mit Hilfe. So ist es eben mit dieser Krankheit, ein ständiges Auf und Ab. Mal sehen, wie lange die Situation noch zu Hause zu bewältigen ist. Ich hoffe, noch eine Weile. Nochmal vielen Dank!

27.10.2019 | 19:21
Barbara66

Hallo Eva4,
Darf ich fragen,wer die Diagnose Lewykörper-Erkrankung gestellt hat?
Hat sie sich einer PET Untersuchung unterzogen?
Welche Medikamente in welcher Dosierung bekommt sie?
Bin auch betroffene Tochter einer an vermutlich Lewy Body Demenz Erkrankten (Wahnvorstellungen, Parkinsonsymptome, Gangstoerung )
Wie lange lebt sie schon mit dieser Krankheit?
Freue mich auf Deine Antwort
LG
Barbara

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 27.10.2019 um 19:36.]

28.10.2019 | 14:18
Eva4

Hallo Barbara66,

ja, endgültige Diagnose durch PET Untersuchung März dieses Jahres. Medikamente Rivastigmina, Sinemet (in Italien, Namen vielleicht etwas anders).
Krankheit besteht aber schon eine ganze Weile (wer weiss schon genau wie lange), sie fährt aber - aus eigenem Entschluss - schon seit 2014/2015 kein Auto mehr. Auf ständige Hilfe bei allem, ist sie seit September letzten Jahres angewiesen. Es geht leider zusehends bergab. Wir geniessen die schönen, klaren Momente, die sie ab und zu noch hat und betreuen sie zu Hause so lange es irgendwie geht. Alles Gute, Eva



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