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Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte"

Bild: Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte" Im Laufe einer Demenz ändern sich Kommunikationsfähigkeit und Verhaltensweisen. Das ist für alle Beteiligten oft belastend. Der Wegweiser Demenz hat zwei Experten auf diesem Gebiet als Moderatoren für das Internetforum gewonnen: Jochen Gust hat als Altenpfleger Menschen mit Demenz betreut. Heute schult er unter anderem Klinikpersonal im Umgang mit Demenzkranken, berät Angehörige und schreibt Bücher. Dr. Svenja Sachweh bietet Kommunikationstrainings für Pflegepersonen an und ist Autorin diverser Lehr- und Ratgeberbücher zur Verständigung mit Demenzkranken.

Autor Zwei pflegebedürftige Menschen
09.11.2019 | 18:16
Angehöriger

Hallo Rosina,

auch wenn Ihre Situation schwieriger ist als meine, schreibe ich Ihnen noch etwas von meinen Erfahrungen; vielleicht können Sie ja daraus Nutzen ziehen.

Aus Ihren Schilderungen geht hervor, daß Sie entgegen Ihrer Gewohnheit, sich täglich um die Eltern zu kümmern, mal drei Tage weg waren bei ihrem Sohn. Offensichtlich haben Ihre Eltern auch das überlebt, womit bewiesen ist, daß Sie gar nicht ständig da sein und sich kümmern müssen. Damit hätten Sie schon mal etwas mehr Freiraum für sich und würden hoffentlich aus der Gedankenspirale ausbrechen können.

Ich renne ja auch seit eh und je gegen Widerstände bei meinen Eltern an und habe irgendwann die Konsequenz daraus gezogen, mir das nicht mehr anzutun. Worauf es mir prompt wesentlich besser ging.

Außerdem habe ich keinerlei Streit oder Disput mehr, anders als was Sie schildern. Unser Verhältnis ist (mit zunehmendem geistigem Abbau meiner Mutter) besser denn je!

Vor vielleicht einem halben Jahr habe ich mit manngifaltiger Unterstützung versucht, eine 24h-Kraft bei ihr zu installieren. Aber das hat sie genauso blockiert wie Teilzeit-Hilfskräfte.
Mittlerweile hat sie so weit abgebaut, daß auch die Essensversorgung kaum noch klappt und sie fast nicht mehr aus dem Haus kommt, weil die Orientierung immer eingeschränkter ist. Nun habe ich über Inserate drei Damen gefunden, die bereit sind, sich gelegentlich um sie zu kümmern, sie zum Friedhof und in die Kirche zu begleiten, mal mit ihr zu kochen, im Haushalt zu helfen etc. . Das versuchen wir ab nächster Woche als Dauerlösung zu etablieren. Denn mit zunehmender Unfähigkeit reduziert sich der Widerstand bei meiner Mutter, so daß ich zuversichtlich bin, dieses mal mehr Erfolg zu haben als bei all den vergeblichen Versuchen in der Vergangenheit.

Fazit für Sie: mit weniger idealen Ergebnissen bei Ihren Eltern zufrieden sein und darauf vertrauen, daß mit der Zeit Veränderungen möglich werden. Derweil Ihre Kräfte schonen. Bei dem Alter Ihres Vaters kann natürlich auch der Tod ein Ausweg aus dem Dilemma sein; mitunter geht das ganz schnell, wie ich bei einigen Leuten (u. a. bei meinem Vater und Schwiegervater) gesehen habe.

Versuchen Sie jedenfalls den Spagat zwischen genug Distanz und trotzdem für-sie-da-sein, so daß Sie selber einsatzfähig bleiben. Möglicherweise können Sie ja für die von Ihnen erwähnten Fahrten, Einkäufe usw. ja doch Unterstützung bekommen, sei es von Ihren Kindern oder Ihrem Ehemann oder Nachbarn oder Ehrenamtlern der Kirche oder Leuten, die sich ein Taschengeld dazuverdienen wollen oder .... . Auch wenn die Rente Ihrer Eltern klein ist, wie Sie schrieben, werden sie ja vermutlich so wie meine Eltern Pflegegelder erhalten und damit läßt sich schon was anfangen, solange kein Heimplatz bezahlt werden muß.

16.11.2019 | 07:23
hanne63

Liebe Rosina,
ich kann Sie gut verstehen.....und manchmal tut es einfach gut, sich hier etwas von der Seele schreiben zu können.....und auch ich habe hinterher dann Beträge wieder gelöscht ;-)....

Inzwischen glaube und erlebe ich: Demenz ist vor allen Dingen das Leid der Angehörigen.......und um die kümmert sich leider niemand.

Viele liebe Grüße

16.11.2019 | 15:48
Barbara66

Liebe Rosina,
Wir alle hier in diesem Forum verstehen Dich sehr gut.
Du brauchst keine Beiträge löschen - Du kannst hier schreiben was Du willst! !!!!
Wenn man sich mal wieder alles von der Seele geschrieben hat,geht's einem vielleicht kurzzeitig besser.
Wir haben alle die gleichen Probleme - auch ich denke sehr oft,daß ich das alles nicht mehr schaffe und durchhalte.
Wenn ich wollte,könnte ich mich jeden Tag mit meinen Eltern streiten (Mutter dement und Vater begreift die Krankheit nicht und glaubt ihr alles,was sie sagt!!??)
Aber ich merke,daß ich daran kaputtgehe.
So versuche ich nun ihre erfundenen Geschichten und Behauptungen zu akzeptieren und die Sachen nicht mehr so an mich ran zu lassen.
Wenn mich die Leute im Dorf fragen was meine Mutter macht,möchte ich manchmal laut schreien :Frag doch mal,wie es mir geht!!!!!
Wer so etwas noch nicht hautnah miterlebt hat,kann nicht nachempfinden, was wir Angehörige durchmachen.
Die Leute denken,der Demenzkranke vergisst halt viel und das War es.
Mit welchen Belastungen, (gerade was die psychischen Veränderungen mit sich bringen,) wir zu kämpfen haben,ahnt niemand.
Selbst die Verwandtschaft ruft nicht einmal an und fragt,ob ich das alles schaffe usw.
Es liegt auch an der Krankheit Demenz - da wollen viele nichts mit zu tun haben.
Ich freue mich immer von Dir zu hören.
LG
Barbara

17.11.2019 | 09:41
Elisabetha

Guten Morgen, Sonnenblümchen,

Sie sprechen mir so aus dem Herzen. Die Pflege meiner beiden Elternteile haben mich in den letzten Monaten so unendlich viel Kraft gekostet. Al
stille Mitleserin habe ich die Beiträge aufmerksam verfolgt und möchte Ihnen heute gerne antworten.

Als ich mir wiedereinmal total leer und hoffnungslos vorgestellt habe, wie lange diese Situation noch mein Leben beherrschen wird, beschloss ich nicht einfach tatenlos zuzusehen, sondern zu handeln. Es würde hier den Rahmen sprengen, um alle diese Bereiche zu benennen, die ich zu bearbeiten begann.

Der erste große Rundumschlag betraf meinen eigenen Keller. Ohne zu zögern, habe ich mir jede einzelne Kiste vorgenommen. Ich habe sie geöffnet und alles sehr gut Erhaltene in einer BookCrossingStation zum Mitnehmen abgelegt. Es war so eine Freude, zu sehen, wie schnell sich neue Besitzer gefunden haben.

Seit dieser Aktion geht es mir wie Ihnen, ich ertrage nicht noch "mehr", egal wovon. Ich möchte mein Leben soweit wie möglich verschlanken und genieße jeden neu gewonnenen Platz.
Weniger ist eindeutig mehr! Mittlerweile entsorge ich nach und nach uralte Haushaltsgeräte, die nicht mehr brauchbar sind, seit 20 Jahren zusammengelegtes Geschenkpapier, einzelne Socken ohne Gegenstück u.s.w. Sie kennen das sicher! Der Anblick dieser vollgestopften Schränke und Schubladen nimmt mir mitunter die Luft zum Atmen.

P.S. Meine Mutter ist 1939 geboren, ich glaube die Not und der Hunger ihrer Kindheit veranlasst sie heute, nichts wegwerfen zu können. Als 1961-Geborene musste ich zum Glück diese schrecklichen Erfahrungen nicht teilen.

Einen angenehmen Sonntag für Sie alle.

Elisabetha

17.11.2019 | 17:46
hanne63

hallo Elisabetha und Sonnenblümchen,

jetzt ist es mir erst aufgefallen:
tatsächlich mache auch ich ähnliche Erfahrungen und "entrümpele" auch meinen eigenen Haushalt....begonnen hat das wohl, seit die Eltern in etwa im mittleren Stadium der Demenz waren...

...und ich ertrage von allem nicht mehr sehr viel....also verschlanke und vereinfache mein eignes Leben...soweit möglich....
...früher hatte ich auch eine Bücherwand mit gelesenen Büchern....nun verkaufe ich ein Buch sofort wieder, sobald ich es gelesen habe....

Ich versuche mich auf das Wesentliche in meinem Leben zu konzentrieren und die Dinge zu machen, die mir Kraft geben und Freude machen....

Direkt Tagebuch schreibe ich derzeit nicht....aber ich führe Protokoll über die ganze Entwicklung ......zu Beweiszwecken und zum Verarbeiten....und schon allein das Schreiben entlastet mich meistens.....

und tatsächlich "belohne" ich mich nach den Besuchen bei einem Elternteil....entweder mit einer kurzen Wanderung oder Thermenbesuch......und versuche dann ein wenig "stolz" auf mich zu sein....das hilft mir oft...auch schon die Vorfreude darauf.
liebe Grüße

18.11.2019 | 13:07
Jutta60

Hallo Sonneblümchen, Hanne, Elisabetha und ... ,
ja, genauso ist es bei mir auch gewesen und geblieben. Das innere Chaos durch die Demenz ist so groß und hat mich so belastet, dass ich unbedingt die äußere Ordnung gebraucht habe. Ich bin seitdem auch sehr vorsichtig und kaufe eigentlich kaum mehr etwas. Auch weil viele Dinge aus dem Haushalt meiner Mutter bei mir einen neuen Platz gefunden haben. Auch das mit den Belohnungen hat bei mir funktioniert - meistens war ich im Baumarkt und habe mir dort die Sachen angesehen und mich darüber gefreut, dass ich für eine kurze Zeit nur für mich bin und nicht funktionieren muss. Ich glaube, anders überlebt man das gar nicht. Ein Tagebuch räumt mir den Kopf leer und hilft übrigens auch beim Erinnern, wen vielleicht mal Zweifel kommen, ob man alles richtig entschieden und gemacht hat. Davor hatte ich nämlich große Angst, dass ich mir nachträglich Vorwürfe machen würde. Alles Gute in die Runde!

26.11.2019 | 11:20
Ventil

hallo, habe heute erst dieses forum gefunden. mir geht es wie euch: 2 pflegebeduerftige, unterschiedliche demenzen in unterschiedlichem stadium, unterschiedliche zusaetzliche erkrankungen und natuerlich inkontinenz. und das seit 3 1/2 jahren im dauereinsatz mit vielleicht 2 wochen urlaub, als es noch ging. gerade versuche ich eine 24h-pflege zu installieren. meine mutter kaeme damit auch gut aus, aber mien vater scheint meine mutter gegen die pflegekraft verteidigen zu muessen, wie er glaubt. sie kann keine stunde mit der pflegekraft im gespraech verbringen, schon geht mine vater dazwischen. medikamentengabe, schwierig. und jetzt ueberlegt unser anbieter, aus gut nachvollziehbaren gruenden, die pflege abzugeben. dann waere ich wieder dran! ambulant hatten wir schon probiert: gescheitert. ich weiss nicht mehr weiter, wie ihr alle auch.
interessant und toll zu hoeren, dass es anderen auch so geht, dass sie ihr eigenens leben "ausmisten". ich mekre das auch an mir :-) ich gebe buecher weg, klamotten, schmeisse fotos weg, kuechensachen fliegen raus, einfach alles einfacher machen. habe das noch nicht bisher mit der demenz meiner eltern in verbindung gebracht. danke fuer den hinweis.
vielleicht muss man nachher wirklich, wie ich glaube Angehoeriger geschrieben hat, das "recht auf verwahrlosung" der eltern hinnehmen. Oder aber man dreht durch. ich habe eine Angehoerigengruppe, wir treffen uns einmal im monat. und ich frage oft bei hilfesangeboten nach, aber die situation mit 2 pflegebeduerftigen sprengt hat das system. aber vielleicht hilft es ja wenigstens hier dabei zu sein. wenn wir also selbst unsere ohren nicht mehr steif halten koennen, vielleicht kann man dann, wenigstens zeitweise, mal der eine dem andere virtuell die ohren hochhalten ;-) dampfableassen entlastet ja auch schon!
Danke fuers zuhoeren/lesen!

26.11.2019 | 12:58
hanne63

Hallo Ventil,
erst einmal herzlich willkommen hier :-).

Ich habe vielleicht ähnlich wie Sie ebenfalls die Erfahrung gemacht, dass 2 gleichzeitig an Demenz erkrankte Angehörige alle möglichen Hilfssysteme, die ich aufsuchte oder dort anfragte, "gesprengt" hat.....ich war ja bereits selbst am Ende und suchte Hilfe....und erhielt dann meist hilflose Antworten...oder die Auskunft: hmm...schwierig....meist ist ja nur ein Ehegatte erkrankt und der andere fängt das dann auf.....
Auch ein Austausch in einer Angehörigengruppe stieß da eigentlich von Anfang an an die Grenze....deshalb zog ich mich wieder zurück, weil es mich sonst noch mehr zusätzliche Kraft gekostet hat.
Letztlich habe ich quasi alles in sogenannte professionelle Hände gegeben.....was aber nicht heißt, dass ich mental entlastet bin...die Sorgen, halt dann andere...die bleiben...

liebe Grüße

04.12.2019 | 23:21
Rosina

Ich bin wieder einmal verzweifelt und kann einfach nicht mit dieser Situation umgehen.Meine Mutter kann jetzt nicht mehr den Fernseher bedienen.Jedes Mal,wenn er ausgeschaltet war,kam der Anruf ,ich bekomme den Fernseher nicht an.Dann wusste sie nicht,wie die Spülmaschine angeht,ich musste es erklären,dazu lässt sie die Tabletten verschwinden,da sie der Meinung ist,sie täten ihr nicht gut,ich habe sie gesammelt gefunden.Keine Einsicht,sie ist ja nur ei bisschen vergesslich.Dazu hat sie der Nachbarin erzählt,ich würde nichts für sie tun,aber das schlimmste,ein Anruf auf dem Anrufbeantworter aufgezeichnet,sie hatte vergessen das Telefon aufzulegen,angeblich war ihr Handy ausgetauscht,die kann sich doch eins kaufen,das Schwein,das waren ihre Worte und damit hat sie mich gemeint.Ich habe meine Mutter zur Rede gestellt,daraufhin hat sie alles geleugnet,solche Worte würde sie nicht sagen....Ich überlege jetzt seit Tagen,wie ich damit umgehen soll,ich gehe nicht mehr zu ihr,habe aber ein schlechtes Gewissen.Ich kann das einfach nicht verarbeiten,ich mache alles und mir gegenüber sagt sie immer, ich wäre ihre Perle und jetzt hinter meinem Rücken höre ich so etwas.. Jeder sagt,du
darfst das nicht ernst nehmen,aber ich kann es im Moment nicht.Was kann ich tun?

05.12.2019 | 07:50
Jutta60

Hallo Rosina,
das ist auch eine sehr schwere Situation. Bei meiner Mutter war das auch so. Sie kam mit Fernsehr, Radio, CD-Spieler usw. irgendwann überhaupt nicht mehr zurecht. Dazu kam, dass sie alle Stecker der Geräte gezogen hat, wirklich alle. Die Uhren angehalten usw.. Ich habe schließlich Fotos gemacht, wie die Stecker eingesteckt werden müssen und einige Kabel versteckt bzw. mitgenommen, damit ich wieder klar kam. Auch meine Mutter hat in dieser Phase verstärkt mit den Nachbarn gesprochen und nicht mehr mit mir, auch schlecht über mich. Mir hat sie dann gesagt, dass sie nicht mehr meine Mutter sein wolle, ich sie auch nicht mehr so nennen dürfe. Ich weiß, wie schlimm man sich dabei fühlt. Es ist eine Krankheit und nicht die Wahrheit, aber das Wissen hilft wenig, weil man so sehr verletzt ist. Wenn Sie Ihre Mutter zur Rede stellen, hilft das ja nichts, denn auch meine Mutter hatte keinerlei Einsicht. Und die Vorwürfe haben das Klima noch zusätzlich vergiftet. Können Sie sich denn ein wenig zurückziehen und die Pflege oder Hilfe für Ihre Mutter an andere Personen übertragen? Ein schlechtes Gewissen brauchen Sie nicht zu haben, denn bedenken Sie, wie viel Sie für Ihre Mutter geleistet haben. Das nötigt mir immer höchsten Respekt ab. Alles Gute für Sie!



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