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Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte"

Bild: Ratgeberforum "Kommunikation und Konflikte" Im Laufe einer Demenz ändern sich Kommunikationsfähigkeit und Verhaltensweisen. Das ist für alle Beteiligten oft belastend. Der Wegweiser Demenz hat zwei Experten auf diesem Gebiet als Moderatoren für das Internetforum gewonnen: Jochen Gust hat als Altenpfleger Menschen mit Demenz betreut. Heute schult er unter anderem Klinikpersonal im Umgang mit Demenzkranken, berät Angehörige und schreibt Bücher. Dr. Svenja Sachweh bietet Kommunikationstrainings für Pflegepersonen an und ist Autorin diverser Lehr- und Ratgeberbücher zur Verständigung mit Demenzkranken.

Autor Aggressives, lautes Verhalten
05.11.2019 | 20:12
FridaB

Meine Mutter erkennt mich oder meinen Vater phasenweise auch nicht.
Heute erst las ich ein Zitat, die Antwort auf die Frage an eine Tochter, ob ihre demente Mutter noch wisse dass sie ihre Tochter ist....die Antwort war "Das ist nicht wichtig, wichtig ist, ich weiß dass sie meine Mutter ist." ... das hat mich sehr berührt.

05.11.2019 | 20:52
Andydreas

Hallo Barbara und Frida,
ja ich habe schon sehr viel probiert, aber nichts hat bisher funktioniert. Meine Mutter steht in3 Einrichtungen mt gesonderten Bereich für Demente auf der Warteliste. Das wird aber erst dann was, wenn sie Hilfe zulässt. Das tut sie aber nicht. Ich bin immer noch nicht bereit gegen ihren Willen vorzugehen, was eine richterliche Einweisung bedeuten würde. Morgen versuche ich mein Glück bei meinem neuen Hausarzt und hoffe auf entsprechende Medikamente. Habe da aber natürlich Bedenken. Heute hatte ich ein sehr ausführliches Gespräch mit dem hiesigen sozialpsychologischen Dienst des Landkreises. Die Dame war sehr nett und hilfsbereit konnte mir aber letztendlich auch nicht weiterhelfen. Auch sie meinte, dass die Zwangseinweisung irgendwann der letzte Schritt sein wird. Ich fange an darüber nachzudenken. Woran glauben sie zu erkennen, dass es sich bei ihrer Mutter um das letzte Stadium der Demenz handelt ? Meines Wissens ist Demenz doch nicht tödlich.

05.11.2019 | 21:06
FridaB

Ich glaube es nicht zu wissen, ich weiß es. Demenz wird in drei Stadien eingeteilt, leicht, mittelschwer, schwer. Meine Mutter ist inzwischen schwer dement. Da ich keine Vorsorgevollmacht hatte und meine Mutter letztes Jahr schwer aggressiv gegen meinen Vater vorging, habe ich per Eilverfahren eine Betreuung beantragt und diese inzwischen auch dauerhaft übertragen bekommen. Ich bin sozusagen ihre gesetzliche Betreuerin und könnte sogar über freiheitsentziehende Maßnahmen entscheiden, wenn ich müsste. Im Rahmen dieses Betreuungsverfahrens wurde sie erstens stationär eingewiesen und die Demenz diagnostiziert und medikamentös eingestellt und im weiteren Verfahren war ein Gutachten notwendig, welches eine dauerhafte Notwendigkeit der Betreuung bestätigt hat. Dabei wurde auf einer gerontopsychiatrischen Station gutachterlich bestätigt, dass meine Mutter inzwischen schwer dement ist, also sich im letzten Stadium befindet. Daran stirbt man nicht, aber an den Folgen irgendwann leider schon.
Andydreas, ich kann Ihnen nur dringend empfehlen, diesen Weg auch zu gehen. Es macht einiges leichter und sie sind handlungsfähig im Notfall. Ich habe jetzt nicht im Forum nachgelesen, vielleicht haben sie es an anderer Stelle bereits ausführlich beschrieben, aber ist denn ihre Mutter komplett diagnostiziert und medikamentös eingestellt?

05.11.2019 | 21:22
Barbara66

Hallo FridaB
Du hast Recht
Das Nervensterben teilt man in 3 Stadien ein.
Man sagt so in etwa,daß jedes Stadium ca.3 Jahre dauert.
Wie lange besteht die Demenz bei Deiner Mutter?
Bei meiner Mutter sind die Gedaechtnisstoerungen das geringste. Aber aufgrund ihres katastrophalen körperlichen Zustands,könnte man meinen,sie befinde sich schon im letzten Stadium.
Bei über 80 jährigen sagt man 2-5 Jahre bei der Lewykörper Demenz.
LG Barbara

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 05.11.2019 um 21:25.]

06.11.2019 | 04:36
Andydreas

Hallo Frida,
meine Mutter hat bisher alles verweigert und unser bisheriger Hausarzt hatte bisher jede weitere Untersuchung abgelehnt. Seine Begründung: Warum etwas untersuchen, was wir ohnehin wissen.
Ich habe leider erst jetzt reagiert und den Arzt gewechselt. Der neue Hausarzt hat sofort eine Einweisung in die psychiatriche Abteilung des hiesigen Krankenhaus ausgestellt. Ich sollte jedoch vorher dort anrufen. Dort sagte man mir, dass eine Einweisung gegen den Willen meiner Mutter nicht möglich sei und ich den Weg über das Betreuungsgericht nehmen müsse. Das ist der aktuelle Stand.
Geht denn die von Ihnen beantragte Betreuung über eine Vorsorgevollmacht hinaus ?
Wo und wie haben Sie die beabtragt ?
Ich habe heute einen neuen Termin beim neuen Hausarzt und bin mal gespann, ob er vielleicht eine Idee hat. Vielleicht kann man ja medikamentös noch was machen.
Vielen Dank.

06.11.2019 | 06:27
FridaB

Hallo Andydreas,
ich hoffe es ist okay, wenn ich ins Du übergehe.
Ich kann Dich nur ermutigen, keine Scheu vor dem Schritt der Betreuungsvollmacht zu haben. Was im Rahmen der Betreuung alles in deinen Aufgabenbereich fällt, kannst Du bzw. der Richter selbst entscheiden. Dies kann über Vermögenssorge, Gesundheitssorge bis hin zu freiheitsentziehenden Maßnahmen (bspw. notwendige Fixierung) gehen. Die Entscheidung liegt bei Dir. Ich zum Beispiel habe alle Rechte bei meiner Mutter außer die Vermögenssorge, denn mein Vater ist was das angeht noch fit und regelt alles selbst. Allerdings bin ich aus der schlimmen Situation nun klüger geworden (und auch mein Vater) und für ihn habe ich eine Vorsorgevollmacht, sollte also mit ihm mal was sein, bin ich handlungsfähig.
Die geschilderten Probleme mit dem Hausarzt kenne ich leider nur zu gut, als ich noch nicht Betreuerin war, hat mein Vater immer zu hören bekommen, man könne gegen Demenz ja eh nichts machen, es wäre nicht heilbar. So ein Quatsch, man kann aber wohl gegen bestimmte Begleiterscheinungen etwas tun, bei uns kam es deshalb damals so weit, dass es eskalierte, meine Mutter war dehydriert da sie jegliches trinken verweigerte.
Es ist wichtig und richtig, zu diagnostizieren, welche Art von Demenz deine Mutter hat und wie weit fortgeschritten diese ist. Die Einweisung in die Klinik ist der einzig richtige Weg, auch wenn deine Mutter das natürlich anders sieht. Als meine Mutter eingewiesen war, war es für mich und meinen Vater die Hölle, sie hat jeden Tag geweint und war völlig verwirrt und konnte nicht verstehen warum sie dort war, ihr fehle doch nichts. Aber wir wissen seit dem woran wir sind und vor allem bekommt man dort auch Unterstützung und gute Hinweise und das Wichtigste, die medikamentöse Einstellung.
Und nun nochmal zum Betreuungsverfahren. Ich habe dies in einem Eilverfahren beantragt, auch dir rate ich das, ich hatte den Beschluss über die vorläufige Betreuung innerhalb von 24 Stunden und war handlungsfähig! Man beantragt diese beim zuständigen Amtsgericht und dort beim Betreuungsgericht. Es gibt dafür spezielle Richter, die in meinem Fall 4 Stunden nach meinem Antrag bei uns im Wohnzimmer saßen. Im Antrag habe ich Gefahr im Verzug angegeben, da auch meine Mutter diese starke Weglauftendenz hatte, es war wie jetzt ebenfalls Winter. Und wenn sie ohne Jacke losmarschiert ist, dann bestand Lebensgefahr. Wie oft lesen wir denn von weggelaufenen Rentnern, die in ihrem verwirrten Zustand irgendwo erfroren sind weil sie nicht mehr heim fanden. Deshalb MÜSSEN die Gerichte handeln.
Andydreas, mach dir bitte keine Gedanken, dass du deine Mutter "bevormundest". Ihre Krankheit lässt keine rationalen Entscheidungen mehr zu.

06.11.2019 | 09:24
Andydreas

Hallo Frida,
ich habe mir schon die Daten des hiesigen Betreuungsgerichts rausgesucht. Ich habe ja nachher einen Termin beim neuen Hausarzt und werde ja sehen was er vorschlägt.
Ich habe noch einen Flyer über eine Gedächtnissprechstunde gefunden. Wird hier ggf. die Art der Demenz festgestellt und kann dadurch ev. ein stationärer Aufenthalt unterbleiben ?
Werde ich nachher auch ansprechen.
Schon Mal vielen Dank. Ich bleibe am Ball.

06.11.2019 | 09:24
hanne63

Guten Morgen,
bitte bedenken: für alle freiheitsentziehenden Maßnahmen ist eine richterliche Genehmigung erforderlich....und zwar auch dann wenn eine Betreuungsvollmacht existiert und/oder man vom Gericht als rechtlicher Betreuer bestellt ist.....

Freiheitsentziehende Maßnahmen sind auch Unterbringung gegen den Willen in einer Klinik, Fixierung am Bett etc.....

in Eilfällen oder akuten Notfällen/Krisen....sind schon mal schnellere Entscheidungen des Gerichts etc möglich.....da erlebe ich derzeit den Unterschied: bei meiner Mutter ging es schnell....bei meinem Vater warten wir seit Wochen auf eine Entscheidung.....im Nachhinein denke ich, es ist besser auf solche eine Krisensituation zu warten......das schont letztlich die Nerven aller Beteiligten viel mehr......und häufig gibt es dann auch schneller einen Heimplatz......

06.11.2019 | 10:16
FridaB

Hanne das stimmt, habe mir eben noch einmal meine Betreuungsvollmacht durchgelesen. Ich habe die
-Gesundheitssorge
-Aufenthaltsbestimmung
-Vertretung ggü. Ämtern, Behörden etc.
-Wohnungsangelegenheiten
-Vertretung in pflegerechtlichen Angelegenheiten
-Vertretung in Heimangelegenheiten
- Entscheidung über die Unterbringung
-Entscheidung über unterbringungsähnliche Maßnahmen
-Entscheidung über Entgegennahme, Öffnen und Anhalten der Post

Wie man sieht, ist diese Betreuungsvollmacht sehr nützlich, natürlich auch mit einer Verantwortung verbunden, die ich und sicher auch Andydreas gerne übernehmen.

Freiheitsentziehende Maßnahmen sind es nicht, aber die Einweisung in eine Klinik gehört die nicht zur Gesundheitssorge?
Meine Mutter war damals auf der geschlossenen Gerontopsychiatrie und Hanne ich gebe dir Recht, dazu war ein Beschluss notwendig, den aber der Richter damals gleich mit ausgestellt hatte.

Besteht denn nicht schon eine Krisensituation, wenn eine alleinstehende an Demenz erkrankte Person ständig davonläuft und man sie nicht daran hindern kann? Wenn man das dem Gericht entsprechend klar macht (akute Lebensgefahr bei den momentan vorherrschenden Temperaturen), dann handeln die auch.

Viel Erfolg Andydreas und berichte mal, was du heute beim Hausarzt erreicht hast!

06.11.2019 | 10:20
FridaB

Ach und im Übrigen habe ich festgestellt, dass meine Mutter gegenüber Autoritätspersonen wie zum Beispiel Ärzten immer viel kooperativer war, als gegenüber ihren Angehörigen.
Da meine Mutter auch noch ein paar andere Krankheiten hat, haben wir das ein bisschen vorgeschoben und gesagt ihre Werte sind nicht ganz in Ordnung, man müsse das noch untersuchen und sobald alles in Ordnung ist, könne sie wieder nach Hause. Das hat es ihr und uns leichter gemacht. Deshalb bekommt sie auch ihre Medikamente vom Pflegedienst, denn dann nimmt sie diese auch ohne Probleme. Bei meinem Vater gab es schon eher mal Protest, sie habe sie schon genommen oder sie hat sich geweigert weil sie sie nicht benötigt. Dieses Verhalten zeigt sie gegenüber Fremden Personen nicht.



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